Wenn die Kreuzberger Grünen Kinder zu Klimadetektiven machen, dann wird aus Spiel Ernst.
Noch wohne ich im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, doch zum Glück ist mein Sohn noch nicht in einem Alter, in dem die „Kiez-Klimadedektiv“-Initiative der Grünen in Freidrichshain-Kreuzberg im Rahmen ihres „Klimaschutzprogramm 2020 für Friedrichshain-Kreuzberg“ aus Schulkindern kleine Energieverbrauchsschnüffler machen will. Deren Umtriebigkeit bei der Suche nach „Energieeffizienz“ soll sich nicht nur auf Schulen und Jugendeinrichtungen beschränken , sondern auch vor dem Elternhaus nicht halt machen. Nach Ansicht der Grünen sei „eine Weitervermittlung des Energiesparens im Haushalt der Eltern [...] zu erwarten und wünschenswert“.
Eigentlich gibt es wenig gegen aufmerksame Kinder einzuwenden, wenn diese in ihrer Umgebung darauf achten, dass Energie nicht sinnlos verschwendet wird. Natürlich können Kinder hierbei auch Nützliches über die Bedeutung von Energiedienstleistungen für unser tägliches Leben lernen. Doch die Angelegenheit hat auch einen gewaltigen Haken. Vielen Kindern fehlt in diesem Alter die Einsicht in die Komplexität der Energienutzung in ihrer Umwelt. Auch fehlt ihnen die Verantwortung für die Folgen ihrer Suche nach Energieeinsparpotentialen. Noch sind es die Verantwortlichen in den Schulen und Verwaltungen sowie Eltern, die die Energierechnung zu begleichen haben, die deshalb auch entscheiden müssen, ob und wann, welches Licht gelöscht, welcher Heizkörper abgedreht und welches Gerät nach sorgfältiger Erwägung von Vorteilen und Nachteilen ausgeschaltet oder durch ein energiesparendes Exemplar ersetzt wird. Kein Neunjähriger wird eine Wirtschaftlichkeitsberechnung anstellen, bevor er seine Eltern nervt, doch nun endlich die herkömmlichen Glühbirnen durch Energiesparlampen zu ersetzen. Weshalb auch, wird er doch mit großer Wahrscheinlichkeit in der Schule instruiert, dass Energiesparlampen immer energiesparender sind und Energieverbrauch per se eine fragwürdige Angelegenheit ist. Denn landläufigen grünen Vorstellungen von Energiedienstleistungen sind Nutzen-Kosten-Erwägungen ebenso fremd, wie die Erkenntnis, dass Stromsparen unter dem europäischen Emissionshandelsregime kaum zu einer Verminderung der Kohlendioxidemissionen führen dürfte, weil dadurch die nunmehr billigeren Emissionsrechte von anderen Unternehmen für zusätzliche Emissionen verbraucht werden.
Energiesparen ist eine feine Sache, wenn es die Beste aller Nutzungsalternativen knapper Ressourcen ist und Energieverbrauch nicht mehr Nutzen abwirft. Energiesparen ist ein Problem, wenn es zu Lasten derjenigen geht, die mit den Kosten konfrontiert werden, die eine allzu pauschale Energiesparkultur verursacht. Man kann daher nur hoffen, dass die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg auch die wirtschaftliche Dimension der Energieeffizienz ernst nehmen und den Kindern die ökonomischen Grundlagen des Umgangs mit knappen Ressourcen beibringen. Schließlich führt jede Tonnen Kohlendioxid, die zu unvernünftig hohen Kosten eingespart wurde, zu einem Verlust an Lebensqualität und weniger Klimaschutz, den man anderweitig billiger erreicht hätte.
Sollte mein Kind mir eines Tages vorschlagen, von der Energiesparlampe im Keller doch lieber abzusehen, weil sich deren Investition aufgrund der geringen jährlichen Betriebsdauer unter Berücksichtigung von Zinseszinsen nicht rentiert, dann war die Initiative der Grünen ein voller Erfolg. Doch ich befürchte uns werden die Kids nur mit ihrem Gängeln über Energieeffizienz das Leben zur Hölle machen. Nun, dann wissen wir wenigstens, wer dafür verantwortlich ist…