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Die Abwrackprämie - ein Flop?!
Weitere Themen: Finanzkrisen

Tja für viele ist sie schon fast vergessen, die “Abwrackprämie“ bzw. im Amtsdeutsch “Umweltprämie”. Anfang September 2009 war die letzte Prämie vergeben. Und Ende Juli 2010 war für alle Antragsteller, die vom zuständigen BAFA einen Reservierungsbescheid erhalten hatten, die Frist zum Einreichen der notwendigen Unterlagen endgültig abgelaufen.

Das Handelsblatt berichtet heute über eine interessante Studie aus den USA, die untersucht hat, wie sich die Abwrackprämie bzw. das US-Pendant Cash for Clunkers auf die Zulassungszahlen ausgewirkt haben. Dazu haben die Ökonomen Atif Mian (University of California, Berkeley and NBER) und Amir Sufi (University of Chicago Booth School of Business and NBER) die regionalen Unterschiede in den USA ausgenutzt. Denn der Idealfall für eine solche Untersuchung: eine Region mit und eine Region ohne Abwrackprämie gab es nicht. Allerdings waren in manchen Städten deutlich mehr abwrack-taugliche Fahrzeuge zugelassen als in anderen Gemeinden.

Vor Einführung der Abwrackprämie unterschieden sich die Verkaufszahlen von Neuwagen in den untersuchten Städten nicht. Mit Einführung der Prämie stieg die Zahl der Neuwagenverkäufe in Städten mit vielen abwrack-tauglichen Fahrzeugen merklich an, während sie sich in anderen Kommunen kaum änderte. Nach dem Auslaufen des Programms zeigte sich das genaue Gegenteil. Städte mit einer zuvor kräftig gestiegenen Zahlen an Neuwagenverkäufen meldeten einbrechende Zulassungszahlen, während sich in den anderen Kommunen kaum etwas änderte.

Die Studie geht an dieser Stelle einen Schritt zurück und betrachtet nun nicht mehr die monatlichen Verkaufszahlen, sondern fasst sie über mehrere Monate zusammen. Nach lediglich sieben Monaten war der zuvor genannte Nachfrage-Effekt nahezu vollständig egalisiert. Somit ergab sich für den Automarkt kein nennenswerter Effekt - kein Auto wurde mehr verkauft, als ohnehin gekauft worden wäre. Auch in den Bereichen Arbeitsmarkt, Immmobilienpreise oder Privatinsolvenzen ergaben sich laut der Studie keinerlei Effekte. In der Studie heißt es im Wortlaut:

However, almost all of the additional purchases under the program were pulled forward from the very near future; the effect of the program on auto purchases is almost completely reversed by as early as March 2010 – only seven months after the program ended. The effect of the program on auto purchases was significantly more short-lived than previously suggested. We also find no evidence of an effect on employment, house prices, or household default rates in cities with higher exposure to the program.


Die vollständige Studie „The Effects of Fiscal Stimulus: Evidence from the 2009 ,Cash for Clunkers' Program“ vom September 2010 findet sich hier.

Das zuständige BAFA verweist ungeachtet ökonomischer Effekte auf die gute Umweltbilanz der Abwrackprämie. In einer dort verlinkten Studie für das Umweltministerium heißt es:

Die Umweltprämie wurde nicht in erster Linie zur Umweltentlastung konzipiert. Deshalb kann ihr auch nicht eine zu geringe Umwelteffizienz vorgeworfen werden. Allerdings hatte sie auch nicht die gelegentlich öffentlich beklagten negativen Auswirkungen, sondern positive Wirkungen auf die Umwelt.
Mancher Neuwagen wäre sicherlich auch ohne Prämienanreiz gekauft worden – auch das wäre für die Umwelt in der Regel gut gewesen.
Mancher Kauf wurde wegen der Prämie vorgezogen. Dieses lag in der Absicht des Konjunkturprogramms und bedeutet gleichzeitig weniger Emissionen. Das ist der Prämie als Erfolg anzurechnen.


Besonders skuril erscheint der zweite Absatz des Fazits (Hervorhebung von mir):

Ein kaum beachteter Umwelterfolg der Prämie lag im Anreiz für private Halter, direkt auf ein neues Auto anstatt auf einen Gebrauchtwagen umzusteigen und genau so viel Auto zu kaufen, wie sie haben wollten. So nutzten die Käufer die Prämie zum Erwerb eines Pkw, der kleiner, moderner und effizienter ist als ein üblicher Gebrauchtwagen. Damit vollzog sich ein Marktwandel zu niedriger verbrauchenden Pkw, der in seiner Schnelligkeit bisher einmalig ist.
Auch diese Wirkung war keine Bedingung der Prämie, aber ein vielleicht lange wirkendes Signal.


Der Satz "genau so viel Auto zu kaufen, wie sie haben wollten" heißt übersetzt nichts anderes als: genau so viel Auto zu kaufen, wie sie sich dank Prämie leisten konnten. Gebrauchtwagen waren von der Prämie ja ausgeschlossen. Primär wurden kleine Autos mit der Prämie erworben. Größere Wagen spielten so gut wie keine Rolle. D.h. überspitzt gesagt war die Abwrackprämie eine reine Sozialleistung für Menschen mit kleinem Geldbeutel. Derjenige, der sich sonst vielleicht einen gebrauchten Kombi zugelegt hätte, fährt jetzt mit einem koreanischen Kleinstwagen rum.
Der besagte "Marktwandel zu niedriger verbrauchenden Pkw" ist meiner Meinung nach keineswegs durch die Prämie erreicht worden, sondern vielmehr durch den Öl-Rekordpreis kurz vor Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise. Aber das wäre ja das Eingeständnis, dass Marktpreissignale deutlich bessere Lenkungswirkungen haben, als staatliche Finanzhilfen.

 

Dieser Artikel erschien zunächst bei Die Börsenblogger.



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Kommentare (8)




 
  Kommentare (8)

Friedrich, 23.11.2010 07:37
Diese "Abwrackprämie" hat ehemals gut funktionierende Märkte kaputt gemacht und mehr als eine Firma und einen Autoverkäufer auch.
a) es gab einen florierenden Markt für alte Autos
b) wer durfte denn die Wagen "abwracken"? Es gab und gibt massive Problem durch die Vielzahl an auf einmal anfallenden zu verschrottenden Autos. Der Preis für Schrott ist den Bach runtergegangen und hat Milliardenwerte vernichtet
c) Wer wartete die "alten" Wagen. Was ist mit den kleinen Autohäusern? Denen jetzt reichlich Kunden abhanden gekommen sind?
d) Offenbar haben die Menschen Kredite aufgenommen um Autos zu bezahlen. Wie gesund sind wohl diese Kredite? Wer wird den Käufern beispringen die sich übernommen haben? Niemand, genau nicht wichtig genug....


Freigeist, 21.11.2010 17:17
@Paul Kühn
Kostet ein BMW oder Mercedes z.B. 60.000 Euro (Listenpreis) so sind an Material plus Kosten der Fertigung (Bandlöhne) nur 6.000 Euro zu veranschlagen. Es wird jedoch die Zeit kommen, ab der mit Hilfe der Linux-Philosophie ein neuer Volkswagen gebaut werden wird. Herr Lenkewitz wird wohl als einer der ersten die Zeichen der neuen Zeit erkennen.


Paul Kühn, 17.11.2010 22:08
Es ist wunderbar - wie man aus schockstarren Automobilisten mit anderer Leute Geld blitzartig Boni-fröhliche Großverdiener machen kann.

Sollten Sie einen Neuwagen kaufen, nicht vergessen: 30% des Verkaufspreises sind Herstellungskosten! Da geht was!

Wenn nicht, dann das lesen: http://bastiat.de/bastiat/was_man_sieht_und.html Erhellt nicht nur im Hinblick auf Automobilmachung.


Freigeist, 17.11.2010 01:45
@Marc Schmidt
Es war doch gerade beabsichtigt, dass es Abwrackgewinner gibt. Die Zulieferer sind nicht reihenweise in Konkurs geraten, was sehr sehr erfreulich ist. Mich interessiert hierbei keine Partei, sondern nur der Effekt und der war vorzüglich. Die Schockstarre wurde aufgehoben. Das war super.


Marc Schmidt, 16.11.2010 21:14
@Paul Kühn
Opel war in der Tat auch so ein Fall, der allerdings erfreulicherweise ohne staatl. Mittel gelöst wurde. Es geht eben auch ohne...

@Meier
Ja ja, die Sache mit den Solardächern. Irgendwann haben wir alle welche auf den Dächern und ziehen uns das Geld via EEG gegenseitig aus der Tasche.

@Freigeist
Dieser Käuferstreik mag durchaus vorhanden gewesen sein, nur hätte man dann nicht ehrlicherweise einfach Konsumgutscheine für alle verteilen müssen, statt nur die Autos zu bevorzugen? Kommentator Meier hat ja auf die Zusammenhänge mit dem großen Wolfsburger Autobauer hingewiesen. Dank diverser Auslandstöchter gehörten sie ja in der Tat zu den Abwrack-Gewinnern...


Paul Kühn, 16.11.2010 18:45
Was wäre "die Wirtschaft" nur ohne die permanenten Korrekturen unserer gut meinenden Politiker, die sich glücklicherweise auf Experten stützen können, die wissen was zu tun ist?

http://www.forum-ordnungspolitik.de/newsroom/eine-minute-ordnungspolitik/578-das-opeldesaster-was-medien-sehen-und-was-sie-nicht-sehen


Meier, 16.11.2010 13:17
Der "Öl-Rekordpreis kurz vor der Wirtschafts- und Finanzkrise" zeigte in aller Deutlichkeit, wie die Großinvestoren ihr Papiergeld in Realwerten vor dem Wertverlust in Sicherheit brachten.
Die bundesrepublikanische Abwackprämie entstand aus der Vernetzung von gewerkschaftsnahen SPDlern, die z.B. von einem niedersächsischen Autokonzern, der auch dort beheimatete Grüne und schwarze Politiker persönlich durch den Konzern promotet, um entsprechende Politik voranzubringen.
Es ging in erster Linie um Verkaufzahlen und eine geschickte "grüne Werbemasche" die mit Steuergeldern zum Kauf annimieren sollte.
Das gleiche Prinzip von Umgehung der Marktwirtschaft findet man auf den deutschen Dächern, von denen die hochsubventionierten "Strom-Ludenschlitten" auf der sonnigen Seite der Spekulanten mit Politpotenz glitzern.


Freigeist, 16.11.2010 11:40
Es ging bei der Abwrackprämie um den psychologischen Effekt. In meinem Bekanntenkreis stellten damals alle, trotz gefüllter Bankkonten, jedwede Käufe ein, außer Lebensmittel. Das Land befand sich in einer Schockstarre.
Die Wirtschaft wäre "eingefroren" ohne die politischen Maßnahmen zur Aufhebung der Schockstarre. Die Abwrackprämie war eine psychologisch sehr erfolgreiche Maßnahme. Nun hat man sich an die Krise schon gewöhnt und es erübrigen sich psychologische Sofortmaßnahmen.



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