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Der Aufbau auf dem Dach ließ auf eine Klimaanlage hoffen. Die mochte es vielleicht auch gegeben haben, benutzbar war sie offenbar aber nicht. Um dieses Manko auszugleichen und die Passagiere zumindest nur medium zu grillen, ließ der Fahrer kurzerhand die Bustür geöffnet. Da auf dem Weg in den Ort eine dauerhafte Kontrollstelle der örtlichen Polizei eingerichtet war, wurde kurz vor dieser Stelle und immer wenn ein Streifenwagen in Sicht kam die Tür geschlossen. Sobald man den Sichtbereich verließ, öffnete der Fahrer die Tür wieder und ließ den erfrischenden Fahrtwind und die Abgase in den Innenraum.
Für ein Wochenende hatten wir uns ein Auto gemietet. Bei unseren Fahrten damit kristallisierten sich folgende Grundregeln heraus:
1. Rettungskräften und Polizei ist Platz zu machen, wenn es sich irgendwie einrichten lässt.
2. Taxis ist in jedem Fall Platz zu machen, da man sonst mit dichtem Auffahren und sogar Abdrängmanövern zu rechnen hat.
3. Jeder darf solange auf der linken Spur fahren, bis er von einem Lastwagen von dieser vertrieben wird.
4. Vorgeschriebene Fahrtrichtungen sind eigentlich nur ungefähre Anhaltspunkte, die man als Vorschlag ansehen kann.
5. Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten für motorisierte Zweiräder hängt von den Bastelfähigkeiten ihrer Besitzer ab.
6. Der TÜV Nord ist zwar inzwischen auch in der Türkei tätig, aber der Besuch ist jedem freigestellt.
7. Ein Kraftfahrzeug ist dann verkehrstauglich, wenn die Hupe funktioniert.
8. Blinkerhebel sind unnützer Ballast und dürfen deshalb ausgebaut werden.
9. Sobald jemand in der Lage ist, sich ein wichtig aussehendes Pappschildchen an das Hemd zu hängen, ist er berechtigt an Stellen seiner Wahl Parkgebühren zu erheben. Die Höhe der Gebühr wächst proportional mit der Professionalität, in der das Schild erstellt wurde.
10. Haltlinien an Ampeln sind grundsätzlich zu überfahren. Das Halten erfolgt erst direkt im Einmündungsbereich, das Wechseln der Ampelphase wird per Hupsignal (siehe Punkt 7.) vom nachfolgenden Verkehr angezeigt.
Auf unserer Fahrt zurück zum Flughafen sammelten wir wieder Gäste anderer Hotels ein. Dabei war der Zeitplan wohl so eng gestrickt, dass das Nutzen der nächsten Wendemöglichkeit für die Anfahrt eines auf der anderen Straßenseite gelegenen Hotels nicht infrage kam. Also fuhr der Fahrer ohne Zögern ein paar Meter auf der Gegenfahrbahn, die natürlich baulich getrennt von unserer war. Damit nicht genug, wurden dann auch noch beide Gegenfahrspuren gesperrt, damit man rückwärts in die Hotelvorfahrt setzen konnte.
Mein Mantra begleitete mich stets, sobald ich die Hotelanlage verließ. Es hat mir gute Dienste geleistet. Während der ganzen Zeit hatte ich aber den Eindruck, dass die einheimischen Kollegen einen ähnlichen Leitspruch entwickelt haben mussten. Nur so erklärt es sich, dass sie oft stundenlang in sengender Sonne am Straßenrand auf Klappstühlen verharrten, rauchten und teilnahmslos den Verkehrsgau beobachteten. Die südländische Gelassenheit fand hier eine uniformierte Verkörperung.
Bei mir verfestigte sich außer meinem Mantra noch der Gedanke: So wie die arbeiten, möchte ich mal Urlaub machen! Schön war der Urlaub trotzdem.
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