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     Dr. Michael von Prollius
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Krisenzwischenbilanz
Weitere Themen: Finanzkrisen

 

Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise nahm ihren sichtbaren Anfang im Sommer 2007 auf den Aktien-, Immobilien- und Hypothekenmärkten der USA. Sie ist in ihrem Kern eine Geldkrise und eine Krise des Wohlfahrtsstaates – ihre Ursachen bestehen weitgehend ungelöst fort.

1. So haben massive staatliche Hilfen für den amerikanischen Häusermarkt keine Lösung, sondern vor allem ein Hinauszögern verursacht – die Überkapazitäten wurden nicht abgebaut. Offenbar hat die US-Regierung Ursache und Wirkung verwechselt, indem sie hohe Preise aufrecht zu erhalten suchte, in der Annahme, steigende / hohe Häuserpreise seien die Quelle von Wachstum und nicht deren Folge. Christoph Eisenring urteilt in der NZZ mit Blick auf die anhaltende private Überschuldung, die geringste statistisch erhobene Zahl von Hausverkäufen und ein durch vorübergehend staatlich aufgeblähten Markt: „Die Politik hält jedoch an der Fiktion fest, Leute in Eigenheimen behalten zu wollen, die sie sich nicht leisten können.“

2. Das staatliche Geldangebotsmonopol mit der inhärenten Überproduktion von Geld besteht fort.

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Das gilt allen Regulierungsbestrebungen zum Trotz auch für die im Geldsozialismus chronisch instabilen Banken (niedrige Eigenkapitalquote, hohe Hebel, Moral Hazard Anreiz infolge einer weitgehenden Übernahme der Risiken durch den Steuerzahler) und ihr Erpressungspotenzial.

3. Die Regierungen haben mit ihren Interventionen zwar Zeit gekauft, dafür aber die Bankenkrise in eine staatliche Schuldenkrise transformiert. Die Märkte stellen zu Recht die Frage, welche Staaten ihre Schulden noch zurück zahlen werden. Der Mechanismus, Kredite an Regierungen zu vergeben, in der Hoffnung, dass für die Rückzahlung ein anderer Kreditgeber das weiter gestiegene Risiko übernehmen wird, schwindet wie zunächst Österreich, besonders prominent Griechenland, aber auch Irland und die „Oliven-Staaten“ illustrieren.

Die Regierungen der Euro-Zone haben am 7. / 8. Mai 2010 mit der Einführung eines „Schutzschirmes“ durch die EU-Kommission ihren Ländern Eventualverbindlichkeiten von insgesamt 750 Mrd. aufgebürdet und die EU über Nacht in eine Transfer-Union verwandelt. Als Ausweg bleibt eine Konkursordnung für Staaten wie sie insbesondere Charles B. Blankart und Achim Klaiber fordern. Die Zeit läuft – am 30.06.2013 endet die Frist für das Griechenland-Paket und den Euro-Schutzschirm. Als Alternative bleibt dann noch der Austritt aus der Euro-Zone. 

Indes zeichnet sich auch in den USA ab, dass die massiven Interventionen nicht folgenlos für die Konjunktur bleiben. Die Zeichen stehen auf Stagnation: sinkendes Wirtschaftswachstum und steigende bzw. hoch bleibende Arbeitslosigkeit für zunächst bis zu einer Dekade. Die Übernahme wohlfahrtsstaatlicher Rezepte von „Old Europe“ durch die Obama-Administration bildet dafür eine gewichtige Ursache. 

Der erste Schlüssel für Prosperität und Stabilität im Westen stellt die glaubwürdige Sanierung der Staatshaushalte dar. Eine Aufgabe, der in Deutschland kein Politiker der letzten 50 Jahre gewachsen war. 

 



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  Kommentare (2)

Meier, 04.09.2010 18:29
Eine glaubwürdige Sanierung der Staatshaushalte würde m.E. unabhängige Notenbanken vorraussetzen, die allein das Verhältnis der Geldmengen zu den realen Werten ausbalancieren wollten.

Diese Unabhängigkeit von politischen Anführern hat aber weder die FED und die EZB seit Mai 2010 offensichtlich auch nicht.

Die Transferunion, erspart gewissermaßen die "Einwanderung in den deutschen Sozialstaat", um leistungslose Unterstützung zu erhalten, wenn Überweisungen die Schuldenlast der Südstaaten mindern. Allein, dass bei der Hauruckaktion zur Griechenrettung, ein ehemaliger IWF-Präsident, der zu dieser Zeit als Bundespräsident wohl noch die Weltbank empfahl und trotzdem schachmattgesetzt funktionierte aber danach sofort zurücktrat, wird kaum erkannt.

Welche "Kapazität" ein Herr Weber darstellt, der nun seinem Vorturner in Sachen "unabhängige Währungspolitik" ins Amt nachschlüpfen möchte, liegt im Auge des Betrachters.

Aus dem Augenwinkel eines als gefährlich ehrlich gefürchteten Bundesbankvorstandes, der sich insbesondere mit den Problemen der deutschen Transfergesellschaft fachlich befasste und die entsprechenden Analysen veröffentlichte, die von den politischen Anführern vertuscht werden, ist keine Hilfe zu erwarten.
Auch nicht in der Konsolidierung der Staatsschulden oder einer Steuersenkung.

Die Arroganz der Macht gründet auf der Verteilung von Geld, was andere zu erwirtschaften haben.
Wenn dabei erheblich mehr, einfach nur eingeschleustes Notenbankgeld in Umlauf gebracht wird sucht dieses "Mehrgeld" eben Anlageformen, um nicht nur in Zahlen auf Papier zu stehen. Ob im Immoobilien- und Rohstoffsektor oder wie z.B. überdeutlich als die Treibstoffpreise Höchststände erreichten.
Wahrscheinlich steckt in der Ökobranche eine gewaltige Spekulationsblase, denn die Bewertungen beruhen nicht auf marktwirtschaftlichen Wettbewerbsprinzipien, sondern auf subventionierender Politik die genauso beliebige Indikatoren liefert wie ein Immobiliengutachten im Aufrag von Hypotheken-Weitervermarktern.


pirat, 03.09.2010 20:06
wohlfahrtsstaatliche Rezepte von „Old Europe“ per se gibt es nicht, da es keinen einheitlichen europäischen Sozial- oder Wohlfahrtsstaat gibt.

"wohlfahrtsstaatliche" Rezepte gibt es in einigen Ländern der EU.

einige funktionieren, andere nicht, aber das liegt am Kontext! So ist bspw. der Sozialstaat in Deutschland gefährdet, weil er schlicht nicht finanzierbar ist und weil das Ergebnis nicht das ist, was man plante. In skandinavischen Ländern nun, wo egalitär-wohlfahrtstaatliche Programme teils noch größere Ausmaße annimmt, rockt der Laden. Die "Integration" in den Arbeitsmarkt erweist sich als regelrechter Konjunkturmotor.

Also in manchen Ländern ist mehr liberal-dereguliert von Vorteil, in anderen das Gegenteil. Es gibt kein Patentrezept für alle. Liberal heißt für mich, dies zu akzeptieren ebenso wie "mein" westliches Freiheits- und Demokratieverständnis nicht auf Regionen des arabischen Halbmondes übertragbar sind.



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