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     Dr. Klaus Peter Krause
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Die Schizophrenie gegenüber den Kernkraftwerken
Weitere Themen: Allgemein, Wirtschaftspolitik

Und warum es falsch ist, sie für eine längere Laufzeit bezahlen zu lassen ...

Diese Frage wird bei dem Laufzeiten-Diskussionsgewaber gar nicht behandelt: Wieso sollen die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke dem Staat Geld dafür bezahlen, dass sie länger billigen Strom produzieren dürfen? Weil diese Kraftwerke so ungemein unsicher und daher gefährlich sind? Dann müssten sie doch sofort abgeschaltet werden, und jede Laufzeitverlängerung wäre unverantwortlich. Aber sicher sind die deutschen Kernkraftwerke durchaus, auch wenn die Partei „Die Grünen“ sowie verbohrte sonstige Umweltschützer und ihre vielen Mitläufer in der Politik bisher mit Erfolg versuchen, die Bürger zu indoktrinieren und diese „Atomstrom“-Anlagen als störanfällig und höchstgefährlich hinzustellen. Mit diesem Schüren von Angst wollen sie offensichtlich ihre Schizophrenie bemänteln. Die nämlich besteht darin, einerseits, wenn auch fälschlich, das menschenverursachte CO2 als „Klimakiller“ darzustellen, andererseits aber die Kernkraftwerke abzuschalten, obwohl diese bei der Stromerzeugung keinerlei CO2 ausstoßen und dringend notwendig sind, um verlässlich und am preisgünstigsten den deutschen Strombedarf zu decken.

Das Entgeltverlangen für das Laufzeit-Verlängern ist unverfroren

Umso unverfrorener ist nun das Vorhaben, für die sachlich und wirtschaftlich gebotene Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ein Entgelt zu verlangen und dessen Höhe in einem Versteigerungsverfahren zu ermitteln. Es ist nichts anderes als eine Lizenzgebühr dafür, dass der Staat diesen (noch) preisgünstigen Stromerzeugern gnädigst das Weiterproduzieren erlaubt, also einen vorläufigen Ausstieg aus dem Ausstieg. Die Befürworter setzen dabei darauf, dass die Bürger durch die medienverstärkte Verteufelung des „Atomstroms“ hinreichend manipuliert sind, um diese Versteigerung nicht nur lammfromm hinzunehmen, sondern sogar noch zu beklatschen, selbst wenn sie wüssten, dass ihr Haushaltsstrom damit noch teurer würde. Denn die Lizenzgebühren werden in den Strompreisen mit einiger Sicherheit und zumindest teilweise weitergereicht werden. Der Strom wird also nochmals künstlich verteuert – nämlich über das hinaus, was dem allgemeinen Strompreis mit der staatlichen Stützung von Wind- und Solarstrom und zwangsläufig steigend bereits jetzt aufgelastet wird.

Die hanebüchene Begründung

Hanebüchen ist auch die Begründung, mit dem gewährten Weiterproduzieren würden die Produzenten dieses Stroms doch Zusatzgewinne erzielen. „Zusatz“ wohl deswegen, weil die Gewinne, wenn die Kraftwerke eigentlich stillgelegt werden sollen, aber weiterproduzieren dürfen, unverhofft sind. Dabei werden die Gewinne ohnehin schon teilabgeschöpft, nämlich normal besteuert wie auch bei allen übrigen Unternehmen, die mit Gewinn arbeiten.

Die möglichen Weiterungen

Warum hanebüchen? Das Verfahren, Lizenzgebühren für das Weiterproduzieren zu erheben und die Lizenzen zu versteigern, ist ausbaufähig und ließe sich mit der Zeit auf alle produzierenden Unternehmen erweitern. Denn „Zusatzgewinne“ fallen bei allen, solange sie politisch noch unbehelligt ihre Erzeugnisse herstellen, täglich an. Wohl würden sich allenfalls wenige Produktionen ebenfalls als hochgefährlich darstellen lassen, aber wenn es darum geht, Sparen zu vermeiden und die Bürger noch mehr auszuquetschen,  ist der Staat als Fiskus, sind seine Politiker ungemein einfallsreich. Und warum nicht auch Dienstleistungsunternehmen die Weiterarbeit nur gegen regelmäßige Lizenzzahlung gestatten? Immer noch höhere Abgaben haben stets auf unmerkliche Weise Einzug gehalten und die Menschen allmählich an Zahlungen gewöhnt, die sie einst für absurd gehalten haben.

Solche möglichen Weiterungen werden auch die drei Professoren (ein Umweltökonom und zwei Nationalökonomen) nicht bedacht oder für absurd gehalten haben, als sie die Versteigerungsidee in die Welt setzten. Geschehen ist das unter der Überschrift „AKW-Laufzeiten: Versteigern statt verschenken“ in der FAZ vom 12. März 2010. Mittels Auktion, so meinen jene drei, könne die Politik zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Zwei merkwürdige Begründungen

Erstens: Die Energiekonzerne müssten offenbaren, wie viel ihnen längere Laufzeiten ihrer Meiler wirklich wert seien. Doch das ist der Einstieg in Weiterungen, denn dieses Verfahren ließe sich aus fiskalischen Gründen dereinst auch auf weitere und schließlich alle übrigen Unternehmen ausdehnen.

Zweitens: Die Einnahmen aus den Versteigerungen könnten skeptische Bürger überzeugen, der Laufzeitverlängerung zuzustimmen. Doch damit machen die drei Professoren bei der schon beschriebenen Schizophrenie mit: Denn wenn die Bürger „skeptisch“ sind, weil sie die ihnen gemachte  und geradezu aufgedrängte Angst vor „Atomkraftwerken“ verinnerlicht haben, dann werden sie diese Angst doch nicht deswegen verlieren, weil den Energiekonzernen für das Weiterbetreiben ihrer Meiler Sonderzahlungen abgezwungen werden. Die künstliche Verteuerung des Stroms ist den Autoren zwar bewusst, sie nehmen sie aber mit ihrem Auktionsvorschlag gleichwohl in Kauf. Auch unterstützen sie die verrückte Klimaschutzpolitik, ohne an ihr auch nur einen zarten Zweifel anzudeuten. Freilich stehen sie damit zusammen mit andren anpasserischen Ökonomen nicht allein.

„Wie bei der Mafia“

Distanziert hat sich die FAZ-Redaktion, die bei dieser Klimaschutzpolitik ebenfalls unkritisch mitspielt, von dem Versteigern der Laufzeitenverlängerung bisher nicht, wohl aber inzwischen die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter der Überschrift „Wie bei der Mafia“ (Rainer Hank, FAS vom 18. Juli 2010): Der Staat habe viel von der Mafia gelernt und viele Tricks erfunden, wie er an „Schutzgeld“ komme, ohne dafür wirklich eine Gegenleistung erbringen zu müssen.

Ein hinkender Vergleich

Gern wird der Vergleich zur Versteigerung der UMTS-Lizenzen an die Telefonkonzerne vor zehn Jahren gezogen. Aber der hinkt. Die Funkfrequenzen haben natürliche Grenzen. Wenn ihre Zahl geringer ist als die Zahl der an ihnen interessierten Unternehmen, sind sie ein knappes und nicht mehr freies Gut. Dann macht eine Versteigerung Sinn und ist geboten, auch wenn sich dann der Staat des Auktionserlöses bemächtigt und sich damit herausnimmt, so aufzutreten, als sei er der Eigentümer der Frequenzen.

Ängste nicht schüren, sondern abbauen helfen

Dagegen ist ein staatlicher Ausstiegsbefehl, solange die Kernkraftwerke sicher sind – die deutschen Sicherheitsauflagen gelten als die strengsten weit und breit – nicht natürlich, sondern willkürlich. Eine staatliche „Laufzeitverlängerung“ ist es ebenso.  Wenn sich die berufsmäßigen Kernkraftgegner und in ihrem Gefolge Politiker darauf berufen, wie es geschieht, die Menschen hätten vor den „Atomkraftwerken“ Angst, dann dürfen sie und die Medien diese unberechtigten Ängste nicht schüren, sondern müssen sie abbauen helfen, vor allem dadurch, dass sie unabhängigen Fachleuten  breites öffentliches Gehör verschaffen. Das gleiche gilt für das absichtsvoll verteufelte anthropogene CO2 und den mit ihm begründeten, aber für Menschen nicht möglichen „Klimaschutz“.

Zusatzgewinne zu 100 Prozent abschöpfen?

Es ist sogar auch gefordert worden, die bei einer längeren Nutzung der Kernkraftwerke anfallenden zusätzlichen Gewinne müssten zu 100 Prozent abgeschöpft werden (FAZ vom 21. Juli 2010). Aber welches Interesse sollten die Betreiber dann an einer Laufzeitverlängerung überhaupt haben? Eben das ist wohl auch der unausgesprochene Sinn dieser grotesken Forderung.

Der Staat maßt sich mehr an, als ihm zusteht

Produzieren dürfen ist ein gewachsenes, heute natürliches Freiheits- wie auch ein Eigentumsrecht. Wird durch eine Produktion die Sicherheit der Menschen tangiert, sind gesetzliche Auflagen möglich und nötig. Will sich der Staat ein solches Recht bezahlen lassen, maßt er sich mehr an, als ihm zusteht.

Wirklich eine „marktwirtschaftliche“ Lösung?

Verharmlost wird die Versteigerung auch mit dem Argument, das sei doch eine „marktwirtschaftliche“ Lösung – so der Umweltpolitiker Horst Meierhofer ausgerechnet von der vorgeblichen liberalen FDP (FAZ vom 14. Juli 2010). Gewiss sind Versteigerungen eine marktwirtschaftliche Verfahrensweise, gleichsam Marktwirtschaft pur. Aber ein selbstverständliches Freiheits- und Eigentumsrecht versteigern – hier muss man sogar sagen: verhökern – zu wollen, ist nicht Marktwirtschaft, sondern eine rein fiskalisch motivierte Abzockerei, die zu Akzeptanzzwecken das wahre Motiv verschleiernd begründet wird.

Der Strom wird künstlich teurer und teurer

Zusätzlich zur Versteigerung der Lizenz für eine längere Laufzeit will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Kernkraftbetreiber mit einer Brennelemente-Steuer belasten, in der Berichterstattung prompt  „Atomsteuer“ genannt, um angstvolle Assoziationen zur Atombombe herzustellen. Und damit nicht genug hat er zusätzlich angekündigt, der produzierenden Wirtschaft die ermäßigten Sätze für die Strom- und Energiesteuer zu streichen. Beides werden die Betreiber in den Preisen ebenfalls an die Verbraucher weiterreichen. Das (neben dem fiskalischen Zweck) unausgesprochene Ziel ist, den Kernkraftstrom so zu verteuern, dass er gegenüber den anderen Stromarten nicht mehr so augenfällig billig ist. Zu den Stromkosten hinzukommen noch die Kosten für den Erwerb  von willkürlichen, weil für den „Klimaschutz“ unnötigern  CO2-Emissionsrechten.  Schon das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verteuert den Strom  mit zwangsläufig steigender Tendenz auf unverantwortliche Weise.  Deutschland verspielt seine Zukunft nun auch noch damit. Nachbarländer wie Frankreich und Großbritannien lachen sich ins Fäustchen. „Es geht um knallharte Industriepolitik“ (FAZ-Leserbrief vom 19. Juli 2010).

 



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Kommentare (7)




 
  Kommentare (7)

pirat, 06.09.2010 12:37
also ich bin gegen atomstrom (wenns finanzierbar ist), aber warum man dann als Ökospinner abgetan. Hier zeigt sich die Atomreligion.

Gegen Ökoterroristen, aber für eine Ökotopie! Da ist dann sogar Platz für euch Atomfundamentalisten.


lepus, 04.09.2010 01:38
@Freigeist
Die Anti-Atom-Hysterie ist per se keine Ersatzreligion, aber Komponente der Ersatzreligion "Ökologismus" mit ausreichend metaphysischem Brimborium.
Atom-Energie ist Physik pur, d'accord. Was ist dann die Anti-Atom-Energie-Bewegung? Antiphysik oder einfach nur metaphysische Wahnvorstellung?


Freigeist, 02.09.2010 21:44
Jede neue Religion ist Ersatz für eine untergehende oder eine schon untergegangene. Die Anti-Atom-Hysterie ist keine Ersatzreligion da ihr das Wichtigste für Religion fehlt , das Metaphysische nämlich. Atom-Energie ist Physik pur. Der Brennstoff wird sich auch stark verteuern, dann sehen alle diese Rechnungen ganz anders aus. Die Bergbaukonzerne stehen schon in den Startlöchern, den Yellow Cake extrem zu verteuern.

lepus, 01.09.2010 20:38
@Otto
1 Million Jahre in die Zukunft schauen - gratuliere! Das können halt nur Gläubige, wie die Anhänger der aktuell populären Ersatzreligion.

Realisten hätten den bitterpösen Strahlungsrückstand schon längst recycled und gewinnbringend verwertet.
Das haben ausgerechnet diejenigen verhindert, die sonst gern jeden Papierschnipsel recyclen wollen.

Millionen Jahre, unvorstellbare Kosten,
höchst gefährlich, kriminell - so stellt sich der wahre Gläubige den Teufel vor. Das war schon immer so und hat immer noch so viel mit der Realität zu tun wie früher.


Otto, 01.09.2010 14:15
Würden alle Kosten, die die Atomenergie Krafterzeugung in facto erzeugt, auf den Preis aufgeschlagen werden, wäre sie unbezahlbar (teuer). Alleine 1 Million Jahre sicherste Lagerung von höchst gefährlichem strahlenden Atommüll erzeugen Kosten von unvorstellbarem Ausmaß! Diese Kosten 100.000den von Generationen in der Zukunft aufzubürden, die auch nicht 1 Watt von der erzeugten Energie bekommen oder sich dagegen wehren könnten, ist nur noch "kriminell" zu nennen.

Freigeist, 01.09.2010 00:36
Ich würde eher Alkohol wesentlich höher und Zucker überhaupt erstmals besteuern.

Meier, 31.08.2010 23:18
Alles richtig Herr Dr. Krause!

Ein Land dessen Wohlstand überwiegend noch von der Industrieproduktion abhängt, lässt sich von politischen Psychopathen in die Irre führen.

Gerade die Exportbranchen, brauchen ihren strukturellen Vorteil im Inland, damit Arbeitsplätze und Steueraufkommen hier bleiben und nicht zwangsläufig aus kostspieligem ökologoschem Sektierertum outgesourct werden.

Die Exportbranchen sind auf preiswerten Strom angewiesen, weil
nur z.B. im Fahrzeugbau, alle Metalle oder Kunststoffe in elektrischen Schmelzprozessen verarbeitet, mit elektrischen Antrieben bis zum Endprodukt verarbeitet werden.

Leider scheint das irrationale Moment der Spätpubertären, die Sie schizophren nennen, den organisierten Hassadeuren Chancen zu eröffnen, schnelles Geld mit Unterstützung nützlicher Idioten abzugreifen, die in der überteuerten Stromerzeugung auf den Jackpot setzen.

Gerne wiederhole ich mich mit dem Vergleich zu unseren intelligenten Nachbarn, die zusehen wie Idioten nebenan Triumpfe feiern ohne sie noch ernstnehmen zu brauchen.

Die Aufkündigung des EEG wäre ein dramatisches echtes Konjunkturprogramm, bei dem der Staat unserer Bevölkerung pro Jahr zweistellige Milliardensummen zur eigenen Verfügung überlassen kann, um die Inlandsnachfrage effektiv anzukurbeln.

Die enttäuschten Renditeerwartungen der Ökospekulanten, treffen sicherlich keine armen Berufstätigen, die sich von Spekulationsgewinnen ernähren.



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