Es gibt nur zwei finnische Begriffe, die international bekannt sind. Sauna und Nokia. Kaurismäki vielleicht noch. Aber die Finnen, die ich getroffen habe (war neulich ein paar Tage beruflich da oben), wollten sich von den Filmemacher-Brüdern nicht repräsentiert wissen („zwei Säufer, die unser Land nur falsch darstellen“). Finnland hat alles, was Skandinavien so toll macht (drei Monate im Jahr, jedenfalls), gehört aber nicht wirklich zu Skandinavien. Finnland ist immer Spitze in den Pisa-Studien.
Was vielleicht auch daran liegt, dass das Land nicht sehr scharf auf Migranten ist. Ein halbes Prozent (oder so) der 5,3 Millionen Finnen besteht aus Einwanderern. Aber wir wollen hier nicht schon wieder den Sarrazin geben…
Jedenfalls sind die Finnen sehr eigen. Haben nichts dagegen, dass man ihnen ein zumindest charakterliches Finnen-Gen bescheinigt („Sisu“ heißt es und es bewegt sich irgendwie zwischen Stärke, Beharrungsvermögen und Sturheit). Finnland ist eine spät geborene Nation (seit 1919), flächenmäßig ungefähr so groß wie Deutschland und macht umweltmäßig einen guten Job. Es holzt und holzt in seinen Wäldern, exportiert Papier und papiernahe Produkte, und trotzdem wachsen Finnlands Wälder. Das geht, wenn man es richtig macht. Eben „nachhaltig“.
Finnland ist natürlich zeitweise und in bestimmten Regionen sehr kalt. Minus 50 Grad hat man schon gemessen. Der letzte Winter war die Härte. Paavo und Leena kamen nicht mal mehr auf ihre geliebten Seen, um dort ein Loch ins Eis zu bohren und Fische rauszuholen! Der Schnee lag teilweise einen Meter hoch. Folglich frieren Paavo und Leena (so was wie Hans und Christine bei uns) sich in den langen Wintern den Arsch ab und sind froh, wenn wenigstens ihre Bude muggelig geheizt ist. Auch mit Strom, jawohl.
Da die ruhmreiche Sowjetunion längst zerbröselt ist und ihnen, den Finnen, nicht länger, wie früher, Energie zu Sonderkonditionen liefert (vergl. auch: „Finnlandisierung“), haben sie nichts gegen Atomkraftwerke. Eines läuft seit langer Zeit (bei Rauma), ein zweites wird gerade gebaut. Ohne dass sich Finnen deshalb am Bauzaun anketten würden. Sie wissen, Sonne bringt ihnen gar nichts. Wind ebenso wenig. Weshalb man so gut wie keine „Windparks“ in Finnland optisch ertragen muss. Wasserkraft ist geografiebedingt eine marginale Quelle, und der potentielle Rest der „Erneuerbaren“, wie Biogasanlagen, spielt überhaupt keine Rolle für ein Land geringer Ernten. Finnen sind, wie bekannt, nicht blöd. Vor allem nicht so blöd, sich wolkige Energiekonzepte aufschwatzen zu lassen.
Oder doch? In einer finnischen Zeitung las ich, auf dem Rückweg zum Flughafen Helsinki, eine Überschrift, die ich ihrer Skurrilität halber in mein Finnland-Stück einbauen wollte. Sie ging so: „Ympäristöajattelu tuottaa säästöjä“. Vorsichtshalber habe ich bei Vesa, meinem finnischen Freund, nachgefragt, was das heißt. Antwort: „Umweltbewusstsein erbringt ökonomische Vorteile.“
Bezieht sich auf die Wälder, hoffentlich.
achgut.com