| |
| |
Manfred Messmer
Zur Person und Archiv
Email an diesen Blogger schreiben
Herr Sarrazin und das jüdische Gen
Weitere Themen:
AllgemeinBildungMit dem Satz "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen" hat der deutsche Bundesbanker Theo Sarrazin übers Wochenende für helle Aufregung gesorgt. Seine Äusserung sei ein Rückfall in die Zeiten der Nazi-Rassehygienegesetze, wurde gesagt. Die heftige Reaktion in Deutschland überrascht nicht.
Allerdings hat mich die Empörung etwas erstaunt. Denn so ein "jüdisches Gen" wird in orthodoxen Kreisen in Israel wohl etwas anders beurteilt, nämlich durchaus positiv.
Ich habe während meines kürzlichen Aufenthalts in Israel vor allem lokale Onlineportale gelesen. Und als dieses Wochenende die Sarrazin-Empörung auch zu uns überschwappte, erinnerte ich mich, die Sache mit dem Juden-Gen ganz anders gelesen zu haben.
Denn diese Nachricht hatte mich tatsächlich erstaunt.
Auf der jüdisch-orthodoxen Website aish.com verbreitete Rabbi Yaakov Kleiman die freudige Nachricht über das "Jewish Gen":
There is now new and exciting DNA evidence for common Jewish origin -- not just among Cohanim, the Priestly Class, but among Jews scattered all over the globe.
Diese Nachricht muss man vor dem Hintergrund der hitzig und kontrovers bis hinauf in die Regierung geführte Debatte verstehen, wer die eh schon restriktive Aufnahme von Konvertiten ins Judentum vornehmen darf. Die Orthodoxen sind der Meinung, nur noch sie seien dazu berechtigt. Jeder, der Jude werden wolle, müsse, wenn schon, ein orthodoxer Jude werden.
Eine Schweizerin, die auf dem Hinflug nach Tel Aviv neben mir im Flugzeug sass, und 1969 wie viele Schweizer damals voller Begeisterung einen Sommer in einem Kibbuz verbrachte und danach gleich für immer blieb, meinte, ihr Übertritt zum jüdischen Glauben wegen ihrer Heirat sei damals reine Formsache gewesen. Heute wäre das so nicht mehr möglich.
Mit dem jüdischen Gen könnte man Immigrationspolitik betreiben.
This genetic anthropology promises to be particularly informative for tracking the history of Jewish populations, and helping to resolve the debate on the origins and migrations of Jewish communities in the Diaspora.
Dieser Satz wiederum ist vor dem Hintergrund eines gewissen Unbehagens gegenüber den Einwanderern aus Russland zu verstehen. 72 % von ihnen, so hatte eine Umfrage vor ein paar Jahren zutage gebracht, könnten auf jüdische Feiertage verzichten und ungefähr ebenso viele fühlen sich nicht als Israelis. Es fällt denn auch auf, wie viel Russisch man im Alltag links und rechts auf der Strasse hört, und dass viele Geschäfte kyrillische Beschriftungen aufweisen, fällt dem Besucher ins Auge.
Dass der Genpool insbesondere auch in Nord- und Osteuropa intakt sei, freut Rabbi Kleimann deshalb besonders. Denn es geht die Vermutung um, dass nicht alle, die aus Russland eingewandert sind, auch eine jüdische Mutter haben.
Although the Ashkenazi (European) Jewish community separated from their Mediterranean ancestors some 1,200 years ago and lived among Central and Eastern European gentiles, their paternal gene pool still resembles that of other Jewish and Semitic groups originating in the Middle East.
Und Herr Kleinmann setzt noch einen drauf:
Only the Jewish people in the history of mankind has retained its genetic identity for over 100 generations, while being spread throughout the world –- truly unique and inspiring.
Vielleicht sollte man zuerst etwas googeln und sich anschliessend empören.
PS: Lesenswert sind auch die Leserkommentare, wo es um die Gene der Palästinenser geht.
arlesheimreloaded.ch
Artikel weiterlesen 
ANZEIGE | | |
|

| |
| |
Kommentare (8)
Johste, 03.11.2010 19:42
...
Wenn Deutschland mit 80 Mio. Einwohnern in einigen Jahren nur noch 60 Mio. hat und die Entwicklung sich drastisch verschlechtert, kommen die einwandernden Ausländer den deutschen Politikern und Wirtschaftslobbyisten doch zur rechten Zeit, um billige Arbeitskräfte in Leiharbeit-Jobs zu bringen, da sie billiger und nicht so viele Rechte haben als normale Arbeiter. Zusätzlich kann der Staat so seine Haushaltslöcher und Renten besser finanzieren. Deutschland wird neoliberalistisch geführt, wie eine große professionelle Firma und gelenkt von der Macht der Wirtschaftslobbyisten, die nur eines wollen. Mehr Gewinn und Macht, um der Globalisierung stand zu halten, da die Konkurrenz rasant zunimmt. Die Banken haben nun, nach dem das Kind in den Brunnen gefallen war, endlich eine vorgeschriebene höhere Eigenkapital-Quote zur Rücksicherung, für den Fall der Fälle einer Krise, zu Tragen. Warum jetzt erst? Warum werden Einwanderungsbeschränkungen nicht vorher getroffen, bevor es eskaliert. Doch nur aus dem Grund, weil es sich für die Mächtigsten der EU-Staaten lohnt. Denn Geld regiert die Welt und wenn Staaten durch Zuwanderung von Ausländern sich nicht dagegen wehren, besteht "nur" ein wirtschaftliches Interesse, denn ein Kulturesses Interesse kann ich mir nicht so vorstellen. Doch ein Machtverhältnis der EU incl. Türkei ist eine Illusion von gewissen EU-Architekten, die eine Tür aufstoßen wollen, welche sehr gefährlich ist. Multikulti ist nicht von heute auf morgen möglich, alleine deshalb schon, weil unsere verschiedenen Kulturen sich seit über Tausend von Jahren weltweit missioniert und gegenseitig bekriegt haben. Amerika von den Christen, Asien von dem Islam und Afrika ist geteilt. Nun was geschieht, wenn sehr viele Moslems in Europa leben wollen? Sie haben Ihre eigene Kultur
und wollen sie behalten. Sie organisieren sich, bauen Minaretten und Moscheen, treten selbstbewust auf und wollen natürlich nicht nur Böses. Aber mit der Intensität und geballtem Interesse in Europa Fuß zu fassen ist nicht nur friedlich zu sehen. Denn die Geldgeber der Moscheen und Minaretten kommen u.a. aus Saudi-Arabien. Die wollen nicht nur Gutes. Wenn in jetziger Zeit der Kriege (z.B. im IRAK, Afghanistan, Pakistan, Kaukasus, Sudan, Nigeria, Jemen, Gaza, Algerien, Somalia, ...) die islamischen Einwanderer in Europa Unruhe stiften und vor Armut bzw. Verfolgung aus ihrer Heimat hier nach Europa kommen, entweder Illegal oder legal, baut sich hier zu Lande zu Recht Unmut auf. Und das nehmen unsere Politiker in Kauf, weil es sich rechnet.
Griechenland:
In Griechenland ist die Krise ganz groß. Hier unterstützen linsextremisten illegale Einwanderer. Es wird geschätzt (offizielle Zahlen werden nicht veröffentlicht), daß im einstigen Auswanderungsland Griechenland derzeit um die 1,5 Millionen Einwanderer leben – bei elf Millionen Einwohnern. Die Hälfte der Zuwanderer hat keine Aufenthaltserlaubnis, fast alle haben irgendwann die Grenzen ohne Genehmigung übertreten. Neben Albanern sind es vor allem Muslime aus Asien und Afrika. Athen entwickelt sich zu einem multikulturellen Pulverfaß / Beliebtes Ziel für illegale Einwanderer / Regierung bleibt untätig. Viele hatten gewarnt, daß die Gewaltausbrüche auf den Straßen der Hauptstadt nur ein Vorgeschmack des Aufruhrs seien. Der käme dann nicht von den vom sozialen Abstieg bedrohten Schülern und Studenten der Mittelklasse, sondern von den Tausenden von illegalen Einwanderern, die sich ohne Aufenthaltsgenehmigung und Arbeit im Stadtzentrum Athens aufhalten. Es war also kein Zufall, daß schon damals die Hälfte festgenommenen Radaubrüder Ausländer waren. Die linksautonome Internetseite Indymedia.org wird kostenlos auf dem Server des Polytechnion betrieben. Was im Ausland als „sozialer Protest“ dargestellt wird, ist meistens in Wahrheit von dort gesteuerter gewalttätiger Linksextremismus. Die illegalen Einwanderer paßten den Linksextremisten ins Konzept, doch sie sind gefährlicher als der manipulierte Schüler-Mob.
Zum politischen Sprachrohr der Unruhestifter und Zuwanderer scheint sich die a...
Meier, 01.09.2010 18:35
Herr Messmer, die Empörung über Sarrazins Einlassung zu jüdischen Genen, scheinen die allermeisten nicht wirklich zu verstehen.
Diejenigen, welche auch "querdenken" können, haben wohl darum ihre Redner instruiert, was der couragierte Sozialdemokrat da für ein Fass aufgemacht hat.
Wenn Juden, so wie Dr. Volkmar Weiss, eindrücklich darstellt, traditionell auf die Heirat ihrer Angehörigen mit klugen Juden wert legten, dann wurden sie damit über Generationen nicht dümmer (haben auch gemeinsame Gene) !
In Bevölkerungen, wo aber gerade Bildung, bzw. Klugheit hinter traditionellem Brauchtum zurücksteht, wo sogar vorwiegend die Verwandtenehe praktiziert wird, da entsteht über Generationen eben nicht mehr kulturelle Hochleistung, da gehen viele in materieller, intelektueller sowie körperlicher Verfassung bildlich am Stock. Da entsteht wahrscheinlich viel hilflose Armut und irrationale Emotionalität.
Die Vorteile in einem ererbten Genpool der Vorfahren sind die eine Seite, die Nachteile aber ebenso und da liegt im wahrsten Sinn die allgegenwärtige Explosivität dessen, was offensichtliche Gestalt annehmen kann.
Anders ausgedrückt, "so manchem hilft es nicht sich den Kopf zu rasieren, um dem Juckreiz zu entkommen, den er wie Haarwuchs ins Gehirn verspürt".
Logisches Denken ist nicht jedermanns Sache wie man sieht, vorallem wenn einem das Resultat der Realität nicht passt.
mensch, 01.09.2010 14:36
alles richtig
aber das wichtigste wird dabei vergessen, was auch früher die Gegner Darwins nicht wahrhaben wollten, nämlich die Verwandtschaft des Menschen mit Affen oder noch weiter gedacht mit Spulwürmern und allerlei sonstigem Getier
das sagt doch eigentlich alles
iGENEA, 31.08.2010 17:24
Wir verfügen über eine langjährige Erfahrung im Bereich der Genanalyse, insbesondere beschäftigen wir uns mit der Frage nach der genetischen Unterscheidbarkeit von Völkern.
Die Formulierung, die Herr Sarrazin gebraucht ist zwar ungenau, aber im Kern richtig. Es gibt durchaus DNA-Profile die typisch jüdisch sind, weshalb DNA-Genealogie bei Juden sehr beliebt und verbreitet ist. Mehr Informationen finden Sie auch unter www.igenea.com oder www.igenea.com/juden
Roman C. Scholz
Geschäftsführer iGENEA.com
Carolus, 31.08.2010 15:11
Möchte hier die Stellungnahme Klimowas mit dem Link ergänzen: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7637 Also eigentlich keinerlei Grund zur Empörung.
Z. Klimowa, 30.08.2010 19:56
Wer nicht so weit gehen will, und der Empörerelite Böswilligkeit unterstellen will, muß sich mit der Ahnungslosigkeit begnügen, mit der die Partei-"Eliten" dieses Land schon ein deftiges Stück zugrundegerichtet haben. Auch die Jüdische Allgemeine berichtete dieses Jahr freudig, dass das jüdische Volk durch seine Gene verwandt ist. Im Gegensatz zum Schwulen-Gen, ist dies wissenschaftlich nachgewiesen. Aber wen interessiert das schon, in der Bildungsrepublik Deutschland. Die Politik leistet sich pausenlos Kurzschlüsse, die jedes Stromnetz längst hätte zusammenbrechen lassen.
Freigeist, 30.08.2010 19:08
Das Gen der Ameise ist entschlüsselt. Damit kann man künftig verstehen, wie es sich genetisch im Ameisenstaat verhält. Besonders zwischen Arbeiterinnen, Soldaten u. der Königin. Könnte man beim Menschen den Gen-Schalter finden/freischalten, könnte man brave Arbeits-Menschen herausbilden, die einem Hofstaat lebenslang treulich dienen. Nordkorea oder der muslimische Gottesstaat könnte davon trefflich profitieren. Man könnte es so arrangieren, dass die Menschen gar nicht merken, was geschieht, bis es schon zu spät ist.
Freigeist, 30.08.2010 14:31
Das Ganze ist nur noch um Lachen. Der jetzt lebende Mensch ist in Afrika entstanden. Im Raum Äthiopien, Kenia, Tansania. Dann hat er den Siegeszug um die Erde angetreten. Eine Zwischenstation gab es natürlich auch in Israel. Über die mtDNA kann man dies nachweisen. Was mich dabei fasziniert ist, dass es die größte genetische Vielfalt noch immer in Afrika besteht.
Kommentar schreiben
*=Pflichtfelder
|
|
|
|
|
|
| |
|
Spruch des Tages |
"Sei nicht reich durch Unrecht." - Thales von Milet |
|
|
|
Umfrage |
Sollte Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten?
ErgebnisWürden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?
Ergebnis |
|
|
|
|