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11.02.2012
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     Dr. Michael von Prollius
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Zweifel an Wirtschaftsordnung sind berechtigt
Weitere Themen: Finanzkrisen, Wirtschaftspolitik

Die Deutschen zweifeln an den herrschenden Verhältnissen in Wirtschaft (und Gesellschaft). Sie tun das zurecht, allerdings einmal mehr aus den falschen Gründen.

Es ist richtig, dass Wachstum nicht automatisch die private Lebensqualität steigert. Der aktuelle Wachstumsfetischismus resultiert auf einem Denken in Kollektivgrößen und einer Politisierung des Lebens. Eine Brücke nach nirgendwo steigert das Volkseinkommen, verbessert aber nicht die Lage der Bevölkerung. Subventionierte Energieerzeugung und Automobilbauer schaffen vielleicht Arbeitsplätze, aber nicht unbedingt Wohlfahrt. Das gilt vor allem, wenn man die Wohlfahrtsverluste  berücksichtigt, die uns durch eine bessere Verwendung der Ressourcen entgangen sind. 

Tatsächlich ist die „Vitalsituation“ (Alexander Rüstow) weder primär abhängig von der Lohnentwicklung noch vom Ausmaß der Freizeit. Vielmehr scheint relative Stetigkeit dem Wesen des Menschen zu entsprechen. Dafür nimmt der Mensch sogar Nachteile bei der Güterabwägung in Kauf. Integration in Natur und Gemeinschaft, Eigentum und Traditionen, Vertrauen in sich selbst und die Mitmenschen sind entscheidende Größen, die ein vitales Leben ausmachen.

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Zugleich gibt es seit der schrittweisen Entstehung des Kapitalismus eine einzigartige Wohlfahrtsentwicklung für die breiten Massen. Insofern ist Wachstumsskepsis, gerade in Verbindung mit romantisierenden Öko-, Selbstversorgungs- und Askese-Utopien Fehl am Platze. Unsere Lebensqualität – und dazu gehört auch unsere Gesundheit – hat sich in den letzten 200 Jahren dramatisch verbessert. Denken Sie nur an ihr Badezimmer heute und Zahnschmerzen im Jahr 1810.

Voraussetzung des Wohlstands für alle ist die Existenz einer sozialen, also freien Marktwirtschaft. Wir leben heute in vielfach freien Verhältnissen. Zugleich wurde die Marktwirtschaft pervertiert, der Kapitalismus in einen „Crony Capitalism“, eine Kumpel- oder Vetternwirtschaft verwandelt. Das begünstigt gut organisierte Interessen – vielfach zu Lasten der Übrigen. Die Selbstheilungskräfte des Marktes sind ausgehebelt, durch Regulierung, Subventionen, Hilfe für Gescheiterte, aktuell vor allem Finanzinstitute. Das Problem ist nicht die fehlende Marktwirtschaft, sonder der schleichende Neosozialismus. 

Wohin eine fast vollständige Abkehr von der Marktwirtschaft führt, hat der real existierende Sozialismus eindrucksvoll gezeigt: Ressourcenverschwendung, Armut, Umweltzerstörung, Staatsbankrott und sozialer Unfriede. Der Wohlfahrtsstaat ist das reformerische Nachfolgemodell des versinkenden Sozialismus, so formulierte es Roland Baader gleichermaßen treffend wie beißend. 

Vor diesem Hintergrund zeigt die Studie der Bertelsmann Stiftung auch, wie ausgezeichnet die Dressierung gutgläubiger Bürger funktioniert hat. Der Staat ist wie der Dritte Weg die große Fiktion, nach der viel glauben, sie könnten kostenlos oder auf Kosten anderer leben. Die Studie ist auch ein Indiz dafür, wie wenig schlagkräftig die Freunde einer freien, offenen Gesellschaft ihre Argumente an den Mann und die Frau gebracht haben. Ludwig Erhard hat nicht gestört, aber der ist tot. Insofern gilt: "Same shit, different decade!"



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Kommentare (6)




 
  Kommentare (6)

Freigeist, 23.08.2010 22:29
Billige Energie von Nachbarn? Seien Sie mal vorsichtig.
Schauen Sie sich mal das Beispiel "Weizen" an.
Wie schnell Grenzen hochgezogen werden. Es kann nur im Energieverbund funktionieren mit gegenseitiger Abhängigkeit, niemals mit einseitiger Abhängigkeit.


Meier, 23.08.2010 12:08
Eine sogenannte Umfrage, die ja bekanntlich zu seltsamsten Diskussionen, im Sinn der Auftraggeber Anlass geben kann, halte ich tendenziell für durchsichtigen Hokuspokus.

Die Wirtschaftsordnung ist doch zunächst abstrakt und theoretisch, wird erst durch entsprechende Gesetze, die den Einzelnen wirtschaftlich betreffen, konkret.

Z.B. ein Erbrecht, dass mehmals besteuertes Vermögen, im Erbfall wiederum erneut versteuert, als seien Erben Nachfahren unredlicher Glücksritter oder Gauner, die möglichst viel von ihrem Erbe abzugeben haben.

Oder z.B., wenn mit staatlicher Billigung massiv gegen Verbraucherschutz, bzw. Wettbewerbsrecht verstoßen werden kann, so dass spekulative Selbstbedienungskartelle wie bei der Ökostromorganisation entstehen, die eine ungeheure Spekulationsblase befeuern, die die Stromverbraucher mit völlig überteuerten Preisen bezahlen müssen, ohne auf günstige Versorgung aus Nachbarländer zugreifen zu dürfen.

Schließlich sind dann da auch die öffentlichen Ausgaben, die durch Kreditgeld der Notenbanken in Umlauf gesetzt werden und wieder bei den Geschäftsbanken landen, um quasi als "Pumpgeld" Anlagemodelle zu suchen, die dann meist die Spekulationsblasen darstellen die den Verbraucher treffen.

Ich wünsche mir mehr Diskussionen um den ordnugspolitischen Rahmen einer freien und sozialen Marktwirtschaft, auch in Relationen mit unseren Nachbarländern, als theoretische Gallerievorträge.

Ökonomen können doch auch ganz konstruktiv und zeitnah beraten, das sollte man doch nicht unwidersprochen gewissen Institituten überlassen bei denen sich jeder finanzpotente Freier für seinen Geschmack ökonomische Studien angedeihen lässt.


Michael von Prollius, 22.08.2010 13:33
Stimmt - Gregor Hochreiter ist ein "Muss" - großartig! Zwei Sammelbände bieten auch gute Einsichten: Peter Altmiks (Hg.): Im Schatten der Finanzkrise. Außerdem Christian Hoffmann und Pieree Bessard (Hg.): Aus Schaden klug? Ursachen der Finanzkrise und notwendige Lehren.
Und ich mag mein Buch auch, trotz des für Außenstehende vielleicht krassen Titels: "Die Pervertierung der Marktwirtschaft".


Dominik Hennig, 22.08.2010 02:45
Und Gregor Hochreiter: "Krankes Geld - kranke Welt"! Habe alle Bücher + Broschüren und das neueste von Baader gerade bestellt! :)

Michael von Prollius, 20.08.2010 19:46
Mehr dazu demnächst in Buchform von Roland Baader: Geldsozialismus.
Alternativ bereits erhältlich: Thorsten Polleit und MvP: Geldreform.


Pan narrans, 20.08.2010 10:15
Interessante These - die Hilfe für Finanzinstitute ist ein Indiz für schleichenden Neosozialismus.


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