Kurze Menschen zu verblöden, indem man sie schon ganz früh mit ideologischem Zeug volltextet, ist eine beliebte Übung des gemeinen Volkserziehertums. Von jungen Eltern hört man öfter mal Beispiele, wie schon in Kitas erstaunliche Gehirnwäscheleistungen durch das meist weibliche Vollzugspersonal erbracht werden ("Papi, Gähntomate muss putt!").
Mein Lieblingsmedium in dieser Disziplin sind aber die "Kinder-Nachrichten" meines Lokalblattes, wo die Tiere Klaro und Safaro unseren Kiddies die Welt erklären. "Der Strom wird zu teuer verkauft," meldete vor zwei Tagen das lustige Gespann. "Politiker haben nun geschaut, ob mit den Strompreisen alles richtig läuft. Sie sagen: Die Stromfirmen in Deutschland verlangen zu viel Geld für die Energie." Da wird die kleine Birne schon mal richtig falsch gepolt…
Fakt ist: die Grünen, nicht "Politiker" an sich, haben vor ein paar Tagen eine Kampagne gegen die Energiekonzerne gestartet. Letztere zocken bekanntlich gern ihre Stromkunden ab, und zwar schon immer. Das fällt ihnen heute noch leichter, weil der Strompreis auch deshalb kräftig steigt, weil die Abnehmer die Kosten des EEG löhnen müssen, des Gesetzes über die erneuerbaren Energien, das besser Gesetz über die verteuerbaren Energien heißen sollte. Heute kann man sich bei jeder Strompreiserhöhung darauf berufen, dass - leider leider - eine intakte Umwelt ihren Preis hat.
Da immer mehr Leuten klar wird, dass sie - womöglich ad infinitum - nun auch noch von Öko-Industriellen gemolken werden, welche die Landschaft flächendeckend mit Windrädern und die Dächer mit Solarpanels verschandeln - Einrichtungen also, deren realer Beitrag zu Energieversorgung marginal ist -, je mehr also selbst gutgläubigen Menschen mit langer Leitung diese Tatsache dämmert, desto mehr kommt bei denen ein gewisser Unmut auf. Zumal, wenn sie realisieren, dass durch Riesenspargel und Kollektorenwahn kein einziges Atomkraftwerk abgeschaltet, kein Kohlekraftwerk auch nur ein bisschen niedriger gefahren werden kann. Eher ist das Gegenteil der Fall.
Die Kampagne der Grünen gegen die Strommultis ist eine klassische Ablenkungsfütterung. Im Kostüm von Stromverbraucherschützern plustern sich jene auf, durch deren Lobbyarbeit der Strompreis jedes Jahr steigt. Notfalls, wenn es "Politiker" denn wirklich wollten, könnte man herkömmlichen Abzockern ja noch mit dem Kartellrecht beikommen. Verhindern, dass Strom bald ein richtiges Luxusgut wird. Daran haben grüne Leuchten aber nicht das mindeste Interesse. Energie zu verteuern, bis der Letzte so oft und so schnell wie möglich das Licht ausmacht, ist ja das Herzenskind jedes erneuerbaren Autarkieschwärmers. Die Energiekonzerne mischen da clever mit. Sie wissen: die Leute hängen eh am Kabel. Macht man ihnen weis, höhere Strompreise seien gut für "die Zukunft unserer Kinder", zahlen sie vielleicht weniger murrend. Besonders grün präsentierte sich übrigens, nach meinem Eindruck, in teuren Hochglanzanzeigen ausgerechnet die BP.
Womit wir wieder bei den Kindern wären. Sicher, man kann komplizierte Sachverhalte schwerlich kindgerecht verklickern. Sollte man es deshalb nicht einfach lassen? Und in den Kinder-Nachrichten Simpleres verbreiten? Etwa, dass es ganz gemeine Menschen gibt, die nur an Papis Geld wollen?
Wer diese Menschen sind, werden schlaue Kinder früher oder später sowieso checken.
Beitrag erschien zuerst bei achgut.com