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     Dr. Konrad Adam
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Staat oder Eltern?
Weitere Themen: Allgemein, Bildung, Familie

Heinz Buschkowsky, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, ist ein resoluter Mann. Viel anderes bleibt ihm als Verwaltungschef eines Stadtviertels, in dem sich die sozialen Probleme ballen, auch nicht übrig. Um mit der SPD-Parole, die das Fördern mit dem Fordern verbindet, endlich ernst zu machen, will er sich der vielen Kinder annehmen, die von ihren Eltern vernachlässigt werden. Ich will, sagt er, dass diese Kinder eine Zukunft haben. Die Eltern, fügt er dann hinzu, seien ihm schnuppe.

Kindergeld, heißt das konkret, und all die anderen schönen Dinge, die der deutsche Wohlfahrtsstaat für die Hilfsbedürftigen bereit hält, sollen nur solche Eltern erhalten, die ihre Kinder regelmäßig in die Schule schicken. Selbstbewusst wie sie sind, wollen die Sozialstaatsapostel die gesetzliche Schulpflicht zu einem umfassenden Erziehungs- und Bildungsauftrag erweitern. Kindertagesstätten und Schulen sollen das, was Eltern ihren Kindern bieten können, nicht bloß ergänzen, sondern geradezu ersetzen. Aber können sie das auch? Und sollen sie so etwas können?

Was hier durchbricht, ist die alte deutsche Vorstellung vom Staat als Vater. Er ist wie Gott, allwissend, allgütig; vor allem aber auch allmächtig. Er plant und überwacht, behütet und bewahrt und ist mit Tee und warmen Decken pünktlich zur Stelle, wenn sich ein Schäfchen verirrt oder ein Bein gebrochen hat. Nach seinem Selbstverständnis steht er immerzu am Ende, niemals am Anfang jener Kette, auf der sich Notfall an Notfall reiht. Dass er die Katastrophen, zu deren Bekämpfung er Tag für Tag mit viel Tamtam ausrückt, selbst hervorgebracht haben könnte, ist eine Vermutung, die in seinem Weltbild nicht vorkommt.

Dies Weltbild ist natürlich falsch. Denn die Misere, die einen beim Gang durch Neukölln auf Schritt und Tritt anspringt, ist ja zum größten Teil ein Werk des Staates. Hat er denn nicht jahrzehntelang Bildungspolitik, Familienpolitik, Zuwanderungspolitik, Sozialpolitik und was weiß ich betrieben - so lange, bis die Menschen mit und ohne Migrationshintergrund auf dem Niveau angekommen waren, auf dem sie sich jetzt befinden? Dass der Staat versucht, die Leute aus der Sackgasse, in die er sie hineingelockt hat, auch wieder herauszuführen, ist schon recht; aber was begründet seine Absicht, Neukölln als Muster für das ganze Land zu nehmen, alle Eltern also so zu behandeln, als sei ihnen das Schicksal ihrer Kinder gleichgültig?  Notfallversorgung für alle und jeden - soll es das sein?

Der Zusatz: "....für alle!", ohne den kein staatliches Programm mehr auskommt, unterschlägt ja doch, dass es immer noch Eltern gibt, die den ihnen vom Grundgesetz zugewiesenen Auftrag, für ihre Kinder da zu sein, ernst nehmen und erfüllen. Dass es Familien gibt, in denen das Kindergeld nicht für Flachbildschirme oder Dosenbier ausgeben wird, sondern tatsächlich zum Wohle der Kinder. Dass es Elternhäuser gibt, in denen die  Kinder etwas lernen, was ihnen kein Staat beibringen kann, so altmodische Tugenden nämlich wie Selbstbeherrschung und Wahrhaftigkeit, Verlässlichkeit und Durchhaltevermögen und vieles mehr. Schon deshalb ist der Ruf: "....für alle!" die durchaus falsche Devise. Selbst im günstigsten Fall wird sie genauso viel zerstören wie sie hilft.

Die Konsequenz aus alledem hieße, die Familie so gut es eben geht in jene Rolle, aus der sie vertrieben worden ist, wieder einzusetzen. Auf anderem Wege allerdings, als unsere sozialen Vormünder das bisher getan haben, also nicht durch Almosen in der Gestalt von Eltern- oder Kindergeldern, Erziehungs- oder Babyjahren, die dann je nach Kassenlage erhöht, reduziert oder ganz gestrichen werden, sondern dadurch, dass man Eltern durch die Ermäßigung ihrer Abgabenlast dazu befähigt, die ihnen zugewiesenen Aufgaben zu erfüllen. Familienpolitik kann nur mit, nie ohne und schon gar nicht gegen die Eltern erfolgreich sein. Das glaubt nur Heinz Buschkowsky.



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Kommentare (11)




 
  Kommentare (11)

Dr. med. Dorothea Böhm, 11.04.2011 13:31
Der Staat beraubt und entrechtet seine Eltern und beklagt dann, dass sie die daraus resultierenden Fehler machen. Der Staat ist in Bezug auf Eltern leider unwissentlich die Krankheit für deren Heilung er sich hält.

Chris Kuhn, 04.03.2011 10:58
Gut gesehen, mit einem Fehler. Es muß heißen "Mutter Staat", nicht "Vater Staat", vgl. Alain de Benoist entsprechende Essays.

Freigeist, 20.07.2010 14:10
@BABSI
Versuchen Sie mal, dummen Eltern etwas beizu- bringen. Besser Sie kümmern sich gleich gezielt um die Kinder, kostet auch viel viel weniger.


BABSI, 20.07.2010 00:15
Konzepte, die den Kindern nachhaltig helfen, ist nicht die Herausnahme der Kinder aus der Familie oder die Trennung von Kindern und Eltern, sondern die Anleitung der Eltern, denn Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder, und, wenn es ihnen nicht gelingt, liegt das an der eigenen Kindheit und den gemachten Erfahrungen. Wer sein kleines Kinde den ganzen Tag nicht sieht, hat es noch schwerer irgendeine Veränderung hinzubekommen.

Christiane W., 14.07.2010 18:16
Vielen Dank, lieber Herr Adam, Sie bringen es 100%ig auf den Punkt!

Freigeist, 14.07.2010 12:49
@Hermann aus dem Rheinland
Herr Buschkowsky muss den bedrohten Kindern sofort helfen, um eine Verschlechterung zu vermeiden. Ihre Grundsatz-Verkündigung hilft nicht einen Deut weiter.


Hermann aus dem Rheinland, 13.07.2010 11:23
Nein, es ist nicht recht, dass der Staat versucht, die Leute aus der Sackgasse, in die er sie hineingelockt hat, auch wieder herauszuführen.

Denn der Staat hat doch bereits bewiesen, dass er es nicht kann. Wenn private Verantwortungslosigkeit weiter durch die Übernahme von Verantwortung durch Behörden subventioniert wird, werden wir nur noch mehr private Verantwortungslosigkeit ernten.

Wenn der Staat das eigentliche Übel ist, und der Meinung bin ich auch, dann ist es wichtig und richtig, sich nur darauf zu konzentrieren, den Staat und seine Behörden zurückzuschneiden.


Freigeist, 13.07.2010 01:18
Buschkowsky beschäftigt sich doch nur mit Problemfällen. Was hat dies mit der Mehrheit zu tun? Der Artikel ist moralin-sauer und trägt nichts zur Problemlösung bei, die die Kinder jetzt und gleich brauchen.

Susanne, 12.07.2010 17:10
Hier bricht keine alte deutsche Vorstellung vom Staat als Vater, sondern vom Staat als einem autoritären Gesellen durch, der schnell zum Dispoten wird. Im übrigen stimme ich jedoch voll zu: es waren nicht Eltern und Familien, die das heutige Chaos angerichtet haben, sondern Politiker, die ohne jede Weitsicht, geblendet von ihren realitätsfernen parteilichen und weltanschaulichen Vorstellungen die bürgerlich-konservative Welt kurz und klein geschlagen haben. Es ist viel zu kurz gegriffen zu glauben, dass dieses Desaster durch ermäßigte Abgabenlast beseitigt werden könnte.

Ben, 12.07.2010 17:09
> Familienpolitik kann nur mit, nie ohne
> und schon gar nicht gegen die Eltern
> erfolgreich sein. Das glaubt nur Heinz
> Buschkowsky.

Interessante Behauptung. Was ist mit Eltern, die Ihre Kinder misshandeln? Ihrer Logik zufolge müssten die Kleinen dennoch bei ihren Eltern bleiben.

Nebenbei, mir ist es eigentlich ziemlich egal, wie das Problem mit den Asi-Eltern und ihren Kindern gelöst wird, aber funktionierende Konzepte hätte ich da schon gerne. Die von Buschkowsky könnten funktionieren, im Gegensatz zu der Konzeptionslosgikeit, die Sie pflegen. Oder haben Sie konkrete, messbare, umsetzbare Vorschläge?




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