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Kerstin Schneider
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Bertelsmann-Studie: das verschwiegene Ergebnis
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AllgemeinBildungFamilieDer Blätterwald raschelte gewaltig angesichts der Krippenstudie aus dem Hause Bertelsmann. Die Nachfrage an öffentlichen Betreuungsangeboten sei enorm und "höher als erwartet", einen regelrechten "Ansturm auf Kitas" gebe es. Der Ruf nach weiteren Ausbauanstrengungen und noch mehr Investition in frühkindliche Bildung ließ nicht lange auf sich warten, denn "mehr ist nicht genug", titelte dann auch der "Focus".
Ein Ergebnis der Untersuchung aber war interessanterweise niemandem eine Schlagzeile wert: Keines der 16 deutschen Bundesländer erfüllt den empfohlenen Personalschlüssel für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren in einer Betreuungseinrichtung. Auch in der Presseerklärung des “Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme 2010″ der Bertelsmann Stiftung findet sich dazu kein Wort. Dabei empfiehlt die Bertelsmann Stiftung in ihrer Studie für die U-3-Betreuung selbst einen Betreuungsschlüssel von einem Betreuer auf drei Kinder. Es dürfte doch auch den Wissenschaftlern der Bertelsmann Stiftung aufgefallen sein, daß lediglich das Saarland mit 3,5 Kindern auf einen Betreuer zumindest in die Nähe des empfohlenen Personalschlüssels kommt. In Westdeutschland ist die Betreuungssituation mit 4,8 Kindern auf einen Betreuer zwar wesentlich besser als in den Neuen Bundesländern mit 6,6 Kindern, von einer optimalen Betreuung aber sind alle Bundesländer meilenweit entfernt.
Dies gilt im Übrigen auch für die Betreuung der 3-6jährigen. Nur Bremen erfüllt mit 7,4 den empfohlenen Personalschlüssel von 7,5 Kindern. In Ostdeutschland betreut ein Erzieher im Durchschnitt 12,3 Kinder, im Westen des Landes sind es 8,9 Kinder.
Die „Bildung und bestmögliche Förderung aller Kinder“ hat sich das Familienministerium mit ihrem Krippenausbauplan auf die Fahnen geschrieben. Die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder sollen gefördert, Integration der Kinder mit Migrationshintergrund unterstützt und alle Kinder auf einen guten Start in die Schule vorbereitet werden. Kein Kind soll bei Schulantritt hinter einem anderen Kind in seinen Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten zurückstehen. Mal abgesehen von der Absurdität dieses gleichmacherischen Einheitsdenkens machen sich doch arge Zweifel breit, wie angesichts einer derart „suboptimalen“ Betreuungssituation auch nur eines dieser hehren Ziele erreicht werden soll.
Bevor die Kindergärtnerin mit den Kleinen und Kleinsten auch nur eine Zeile des pädagogisch wertvollen Liedes gesungen hat, haben die ersten zwei die Windel voll. Und in der English-Lesson no. 3 fängt Paul ganz fürchterlich an zu schreien. Anne will die Socken lieber als Handschuhe tragen, bekommt sie aber nicht übergezogen - Wut macht sich breit. Das Mittagessen liegt mehr unter dem Tisch als auf dem Teller und Annika schneidet Gustav lieber die Haare ab als Hasen aus. Kleinkinder brauchen unglaublich geduldige und liebevolle Fürsorge - bei ihren ersten Gehversuchen, beim Trockenwerden, ihren ersten Schritten hin zur Selbstständigkeit. Woher soll der Erzieher diese Geduld und Liebe nehmen, wenn er neben der Betreuung, Aufsicht und Erziehung zudem angehalten ist, jeden der Entwicklungsschritte der Kinder auch noch genauestens zu dokumentieren.
Anspruch an die Kinderbetreuung in öffentlichen Einrichtungen und die Wirklichkeit in Kindertagesstätten klaffen vielerorts und mit Blick auf den realisierten Betreuungsschlüssel weit auseinander. Das ist die traurige Realität von der keiner berichten mag. Statt noch mehr Betreuungsplätze zu fordern, sollte sich endlich die Einsicht durchsetzen, daß eine gute Betreuung, die diesen Namen auch verdient, ganz davon abhängt, wieviel Zeit sich die Erzieher für jedes einzelne Kind nehmen, wieviel Zuwendung sie ihm geben können.
Die gute Nachricht zum Schluß. Es gibt auch eine Einrichtung, die den geforderten Personalschlüssel für unter dreijährige problemlos erfüllt: die Familie. Niemand kann so gut wie die Eltern einschätzen, wann das Kind welcher Zuwendung, welcher tröstenden Worte, welcher Herausforderung und Anforderung bedarf. Wer weiß, wie schwer das manchmal herauszufinden ist, kann die Schwierigkeiten eines Erziehers nachvollziehen, der dies für sieben weitere Kinder ebenfalls leisten soll. Individueller als von den Eltern kann ein Kind nicht betreut werden. Das sollte mal in einer Bertelsmann-Studie im Fazit stehen.
Personalschlüssel in deutschen Kinderbetreuungseinrichtungen 2009
Pressemeldung zum „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2010″
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Kommentare (24)
Noah, 15.07.2010 21:48
Sie gehen weiterhin davon aus, Spitzer habe seine fraglichen Studienergebnisse als repräsentativ eingestuft.
Ich denke weiterhin, dass dies vor allem die Konsumenten seiner Studie tun, so wie auch Sie.
Er selbst hat einige Zeit nach der Studie von einer kleinen Gruppe gesprochen, auf die seine Erkenntnisse tatsächlich zutrafen. Eindeutig kein Beleg für etwas wirklich repräsentatives. Zudem sprach er von religiös hochmotivierten Personen, bei welchen die Umkehr der Neigung zugetroffen habe. Ein mehr als eindeutiger Hinweis auf die Möglichkeit religiös gesellschaftlicher Zwänge als entscheidender Faktor.
Und ja, in der Jetztzeit hat diese Möglichkeit in Deutschland sicher wenig Bedeutung, bei religiös geprägten Kreisen in den Staaten in viel stärkerem Maße wie auch in anderen Ländern, in denen Homosexualität bei weitem nicht die gesellschaftliche Akzeptanz genießt.
Woraus sich im übrigen für mich der Umstand ergibt, dass das besagte Neigungsverhalten als angeboren offenkundig wird, ist der Umstand, dass es sich in den meisten Fällen bereits in der frühpubertären Phase zeigt.
Wenn Sie entsprechende Untersuchungen hierzu nicht kennen sollten, wäre ich jetzt allerdings enttäuscht.
Das letzte Wort sei Ihnen gewährt
Berichtiger, 15.07.2010 14:50
@Noah
Vielen Dank für Ihren "Denkanstoß". Darauf wäre ich nie gekommen. Natürlich gibt es nach meinen Einsichten in diese Szene wie im bunten Leben auch diese Nuance, aber sie ist in der Jetztzeit alles andere als die Regel und nur als solche hätte Ihre Neunmalkluge Spitzfindigkeit Bedeutung. Aber mal die Gegenfrage: worauf stützen Sie eigentlich Ihre Feststellung, Homosexualität sei bewiesenermaßen angeboren, obwohl Spitzer doch nun in ausreichend vielen Fällen das Gegenteil zeigte? Bevor ich als Wissenschaftler eine Gegenmeinung akzeptiere, müssen gute Gründe für diese Gegenmeinung sprechen, besonders dann, wenn ich, wie Spitzer vorher ein Verfechter meiner eigenen Meinung war und diese im groß angelegten repräsentativen Experiment beweisen wollte. Sollten Sie wider Erwarten Kenntnisse über die Pathogenese der anderen angeführten Krankheitsbilder haben, die ich als Analogie und als "Denkanstoß" angeboten hatte, würden sich, Objektivität vorausgesetzt, weitere Dispute erübrigen. Im Übrigen ist es vollkommen gleichgültig, in welche Schublade von der Norm abweichende, mit einem Handicap oder größeren Lebensrisiken versehene Launen der Natur eingeordnet werden, zumal dann, wenn diese Einordnungen nicht selten ideologisch oder pekuniär motiviert sind. Ist etwa ein Allergiker ein Kranker? Ist ein Übergewichtiger ein Kranker? Ist ein Süchtiger oder Schizophrener ein Kranker? Das ist letztlich alles Definitionssache. Und wenn ein Raucher oder Drogenabhängiger auch gegen die Interessen mancher Drogenbarone es schafft, über eine bestimmte Behandlung von seiner Sucht zu lassen, gehört natürlich in jedem Fall auch der Wille und die wie auch immer geartete Motivation des Probanden dazu. Das ist kein Gegenargument gegen eine therapeutische Maßnahme, sondern eine selbstverständliche Voraussetzung wie bei jeder Medizin. Außerdem ist Krankheit nichts Diskriminierendes, auch wenn von unterschiedlichsten Lobbyisten durchaus Missbrauch betrieben wird, oder wollen Sie Kranke im Sinne zufälliger medizinischer Definition diskriminieren gegenüber anderen, die zufälligerweise nach aktueller medizinischer Definition als nicht krank eingestuft werden? Lesen Sie die Arbeiten von Spitzer, sie zeigen eindeutig, dass Homosexualität wie viele andere Merkmale, z.B. Drogensucht, nichts Feststehendes, Angeborenes oder gar genetisch determiniertes ist, wohl aber durch bestimmte unterschiedlichste genetische Konstellationen wie auch Umwelteinflüsse begünstigt werden. Verabschieden Sie sich endlich von ideologisch motivierten Kampagnen, auch wenn Sie das letzte uneinsichtige Wort offensichtlich doch sooo glücklich macht.
@ F. Grunert
Autismus, ADHS/ADS sind durchaus Beispiele, allerdings erschöpft sich die Beteiligung metaboler Defizite nicht in diesen Beispielen, wie Sie vielleicht wissen, sondern ist an zahlreichen anderen Launen der Natur beteiligt, und Spitzer war schließlich auf diesem Gebiet kein Fachmann. Ich bin zudem durchaus über den Wahrheitsgehalt und die Käuflichkeit von Studienergebnissen und der damit verbundenen Kritikwürdigkeit Ihrer Meinung. Was aber sollte Spitzer veranlasst haben, nun ausgerechnet gegen seine eigenen Positionen, die voll im gesellschaftlich geförderten, ja sogar beinahe im Sinne totalitärer Denkweise geforderten Trend lagen, durch eine von ihm auch in diesem Sinn angelegten Studie Stellung zu nehmen? Ich habe als einzige vernünftige Erklärung seine von ihm neu gewonnenen Einsichten und seinen Mut, diese auch zu publizieren.
F. Grunert, 15.07.2010 09:01
Werter Berichtiger
Der Ausgleich metabolischer Defizite mag ein bedeutender Baustein für die Therapie von Entwicklungstsörungen, wie ADHS/ADS und Autismus sein, Ihre Interpretation zum Thema driftet jedoch in eine Richtung ab, die weder Spitzer, Stoller u.a. so eingeschlagen haben.
Noah hat für mich Recht, wenn er Vorsicht bei der repräsentativen Wertung besagter Studien anmahnt.
Allgemein gesprochen:
Man betrachte wer die Studie beauftragt und bezahlt hat, wer die Probanden sind und in welchem gesellschaftlichen Umfeld diese leben.
Die entsprechenden Bewertung kann der analythisch denkende Mensch dann trefflich selbst vornehmen.
mfG
Ihr F. Grunert
@Noah
Sicher bin ich mir, im Gegensatz zu Ihrem "Lieblingsziel" in diesem Tread, daß in Ihren Ausführungen mehr Substanz ist, als mancher bemerken o. mit Absicht nicht bemerken will.
Ob Sie uneinsichtig sind vermag ich nicht zu beurteilen. Ich habe keine Kenntnis über die Vorgeschichte der Dispute zwischen Ihnen beiden.
Kritik an der Tonlage in einigen Beiträgen würde ich allemal für angebracht halten.
mfg
F. Grunert
Noah, 14.07.2010 20:27
Nachtrag:
Spitzer selbst hat nach Fertigstellung seiner Studie einräumen müssen, dass seine Festsellungen nur auf eine kleine Gruppe religiös hochmotivierter Personen zutreffen würde.
Woher also der Wind bei Aussage zu der angeblichen Umkehr der Neigung weht,sollte spätestens an dieser Stelle jedem dämmern.
Noah, 14.07.2010 18:15
Jaja Berichtiger, arrogant und oberlehrerhaft wie immer.
Halten Sie es in Ihrer unendlichen Einsicht für möglich,dass jemand seine Neigungen aufgrund von Druck aus seinem Umfeld verleugnet? Nur mal als Denkanstoss.
Vielen Dank für das letzte Wort. Sie machen mich sooo gluecklich!
Berichtiger, 14.07.2010 15:15
@Noah
Verstehen Sie die Untersuchungen von Spitzer erst einmal, bevor Sie sich darüber äußern! Gerade Spitzer war ursächlich ein Verfechter der These, Homosexualität sei angeboren. Wenn er an für die Aussage unzweifelhaft repräsentativen 200 Probanden ausgeht, die er über Jahre selbst betreute und ausführlich differenzierte, und feststellte, dass die große Mehrheit keine homosexuellen Neigungen mehr verspürt, ja viele sogar in heterosexuellen gefestigten Beziehungen lebt, und das obwohl er an das Experiment mit der festen Überzeugung ging, Homosexualität sei angeboren und unumkehrbar, spricht für sich. Im Gegensatz zu Ihnen war Spitzer lernfähig. Im übrigen habe ich einige Beispiele genannt, die zur Verdeutlichung der Zusammenhänge Hilfestellungen leisten können, sofern Sie die nötigen Grundlagen haben sollten, um diese Analogien zu verstehen gepaart mit dem Vermögen zur Einsicht, was ich bisher bei Ihnen leider nicht feststellen konnte. Deshalb habe ich Ihnen in früheren Disputen auch immer das Recht auf das letzte, uneinsichtige Wort gelassen.
@Simplicissimus
Wer keine Ahnung von Metabolismen hat und sich scheut, beispielsweise die in hochrangigen Wissenschaftszeitungen publizierten Paper von B. Ames zu studieren, sollte den Mund nicht zu voll nehmen, wenn es darum geht, zu beurteilen, wo sie überall beteiligt und Bestandteil der Pathogenese sind, vielfach für den Laien unverständlich, dennoch ein wertvolles Hilfsmittel im Verbund mit anderen Maßnahmen. Das ist freilich keine Kochbuchmedizin und auch nicht die Liege, gegen die übrigens nichts einzuwenden ist, wenn sie nicht wie bei manchem Psychiater das einzige medizinische Requisit im großen Hokuspokus bleibt.
F. Grunert, 14.07.2010 09:33
Der Ausgleich metabolischer Defizite als Medizin gegen Homosexualität?
O weh, hier sollte der Arzt wohl besser den Platz auf der Liege einnehmen.
Noah, 14.07.2010 08:39
@Berichtiger
Sie sind das gelebte Beispiel dafür, dass auch von offenkundig wissenschaftlich vorgebildeten Personen höchst unwissenschaftliche Thesen aufgestellt und propagiert werden.
Der von Ihnen benannte Experte hat nur sogenannte "Erfolgsfälle" (gerade einmal 200 Fälle) untersucht. Daraus die angebliche Umkehrbarkeit zu verallgemeinern hat nicht einmal er selbst gewagt.
Werter Berichtiger, Sie sollten es lieber unterlassen Wissenschaftler und deren Arbeiten als Beleg anzuführen, wenn durch diese rein garnichts repräsentativ bewiesen worden ist.
Noah, 13.07.2010 22:34
Nachtrag:
Niemand sollte sich erdreisten zu verlangen, eine Mutter sei verpflichtet ihre Kinder christlich zu erziehen. Es ist sehr wohl Sache der Eltern und liegt einzig in der Entscheidung der jeweiligen Mutter und des Vaters. Wie auch die Freiheit, selbst die Wahrheit für sich zu erkennen.
Glaubensfaschismus ist in diesem Lande zum Glück nicht an der Tagesordnung.
Im übrigen Frau Grubenbauer, unterlassen Sie lieber die armselig gönnerhaften Gebetsangebote für Ihre Widersprecher. Auf mich wirkt dies einfach nur arrogant.
Berichtiger, 13.07.2010 22:13
Homosexualität ist wie Intelligenz, Kriminalitätsneigung, Aggressivität, Magersucht, Adipositas, Allergieneigung u.a. nicht angeboren, wird aber durch bestimmte genetische Konstellationen wie auch vorgenannte Merkmale begünstigt, kann ebenso wie vorgenannte Merkmale durch bestimmte Verhaltensweisen, Umwelteinflüsse und das gesellschaftliche Umfeld verstärkt oder abgeschwächt werden und ist nach den umfangreichen Untersuchungen des international rennomierten Experten Prof. Spitzer (vgl. z.B.: Spitzer, R.L. Can some Gay Men and Lesbians Change their Sexual Orientation? Archives of Sexual Behaviour 2003, Vol. 32, No. 5, p. 403-417), der Anfangs davon ausging, dass es angeboren und nicht behandelbar ist, nach seinen umfangreichen Studien in über zwei Drittel der Fälle umkehrbar. Manchmal reichen dafür bereits Maßnahmen, die einige metabolische Defizite bei den Betroffenen regulieren. So begünstigt Stress der Mutter in bestimmten Schwangerschaftsabschnitten, verbunden mit vermehrter Ausschüttung männlicher Sexualhormone die Entwicklung homosexueller Neigungen beim Nachwuchs ebenso wie das gesellschaftliche Homosexualität favorisierende Umfeld in bestimmten homoerotischen Phasen der späteren Pubertät.
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