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11.02.2012
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     Dr. Gérard Bökenkamp
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Direkte Demokratie in Europa
Weitere Themen: Reformen

„Da die Präferenzen der staatlichen Entscheidungsträger in einigen Politikfeldern offensichtlich – in der Europapolitik sogar nachweislich – von den Wünschen der Bürger abweichen,  spricht viel dafür, in diesen Bereichen – und nur dort – Volksbegehren und Volksentscheide zuzulassen“, schreibt Roland Vaubel in einem Beitrag für die sozialwissenschaftliche Schriftenreiche des Internationalen Instituts für Liberale Politik in Wien.

Vaubel verweist auf as Principal-Agent-Problem: der beauftragte Agent tut nicht, was sein Auftraggeber will. Diese unterschiedlichen Präferenzen der Politik und der Bürger spiegeln sich in den Ergebnissen verschiedener Meinungsumfragen wieder.

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Auf die Frage, ob Entscheidungen lieber auf regionaler, nationaler oder europäischer Ebene getroffen werden sollten, sprachen sich 54 Prozent der EU-Parlamentarier für die europäische Ebene aus, aber nur 42 Prozent der Bürger. Auch die nationalen Parlamentarier neigen eher zur Zentralisierung als die Bürger.

Auch die in Europa durchgeführten Referenden zeigen die Kluft zwischen der Europabegeisterung der politischen Eliten und der größeren Europaskepsis der Bürger. Bei den zustimmenden Referenden waren in 10 von 11 Fällen die Anteile der Ja-Stimmen geringer als bei den Abgeordneten. Bei den ablehnenden Referenden war die Parlamentsmehrheit in 10 von 11 Fällen anders als die Bürger für die Annahme der abgelehnten Entscheidung. Etwa 21 Prozent der befragten Bürger befürworten den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union, aber 44 Prozent der Kommissionsbeamte und EU-Parlamentarier. Da die politische Haltung der politischen Vertreter offenbar weit von der Meinung der von ihnen vertretenden Bürger abweicht, fordert Vaubel Volksentscheide, um diese Kluft abzubauen.

Information:

Roland Vaubel: Nie sollst Du mich befragen? Weshalb Referenden in bestimmten Politikbereichen – auch in der Europapolitik – möglich sein sollten, in: Sozialwissenschaftliche Schriftenreihe, Heft 33.

Denken für die Freiheit



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Kommentare (3)




 
  Kommentare (3)

HJM, 08.07.2010 13:29
´Werter Freigeist,
frei nach H.-H. Hoppe: lieber 1000 Lichtensteins als eine EU.
Und für diese Abstimmung braucht man keinerlei Experten.


Freigeist, 06.07.2010 20:23
Mit dem Normalbürger wäre schon der Ansatz der EU nicht möglich gewesen. Sorry, der Normalbürger versteht zu wenig von der EU, leider. Ich favorisiere Abstimmung wie z.B. in Bayern bezüglich "Konsequenter Nichtraucherschutz".
Solche Probleme sind auf dem Niveau des Normalbürgers. Die Zusammenhänge in der EU können nur noch Experten einigermaßen einschätzen.


Meier, 01.07.2010 18:53
"Die leisen Zweifel" über die Bürgersouveränität gegenüber dem politischen Establishment, fallen zumindest in den Nachbarländern mit langer, erprobter demokratischer Tradition, stärker auf.
Natürlich funktioniert wirkliche Demokratie nicht ohne Souveränität der Wähler, in Mehrheitsentscheiden Personal und Themen der Politik zu bestimmen. Aber darum "zieren sich die Parteien und Politiker" mit dem Souverän Entscheidungsmacht zu teilen, das Risiko von Machtverlusten zuzulassen scheuen die feigen "Demokraten" die sich auch noch per Listenmandat vor Abwahl schützen. Schlimmer noch, Parteien deren Personal nirgendwo eine direkte Mehrheit finden konnte, ziehen über Listen als gleichwertig gegenüber Direktmandaten ein. Diese Minderheitsaspiranten und Direkt-Wahlverlierer, spucken anschließend als Mehrheitsbeschaffer in Koalitionen überproportional große Töne und fürchten Bürgerentscheide. Die Macht der Parteien, deren Kandidaten nur zu 50% vom Volk gewählt werden, also lieber auf ihre spendablen Mäzene setzen, die lukrative Karrieren anbieten, da "liegt der Hund begraben" den die Nichtmehrwähler betrauern.
Wenn immer mehr politische Kompetenzen von abstrakteren Gremien okkupiert werden, dann nutzt das nur noch einem Selbstzweck, dann schafft die EU z.B. 8000 Politstellen unter dem Titel diplomatische Angelegenheiten, produziert sich als pseudolegitimierte Verteilungs- und Versorgungsbehörde.
Diese Verachtung des Wählers ist auch die Ignoranz oder Arroganz, sich keineswegs durch direkte Voten, als Politiker von ihm legitimieren zu lassen.



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