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11.02.2012
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     Roland Woldag
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Sechster Akt: Demokratie, Demographie und Schuldknechtschaft
Weitere Themen: Finanzkrisen, Reformen, Wirtschaftspolitik

Parteien-Demokratie:
Ein Nekrolog in sieben Akten

Während eines Israelaufenthalts nutzte ich die Gelegenheit, mich über das Kibbuz-System eines basisdemokratischen Sozialismus zu informieren. Ich erfuhr, dass der Staat Israel die Subventionen stark gekürzt habe, denn die Kibbuze seien „Fässer ohne Boden“. Mittlerweile ähnelten sie Altersheimen mit Museumscharakter, das Durchschnittsalter läge bei über 50 Jahren, die Jugend sei geflüchtet. Im Grunde sei das Experiment gescheitert, Kibbuze existierten nur noch der Tradition wegen.

Vor 1989 machte hinter der Mauer das Bonmot die Runde, die DDR gäbe es nicht dank, sondern trotz des Sozialismus. Hinzugefügt sei, dass auch die rasante wirtschaftliche Entwicklung der BRD nicht etwa der demokratischen Gesellschaftsordnung zu verdanken ist, sondern allein dem dynamischen, kraftvollen Gestaltungswillen und dem vorbildlichen Fleiß ihrer Bevölkerung. Es ist dazu nötig, sich bewusst zu machen, dass die gesamte Wirtschaft  hierarchisch und damit undemokratisch organisiert ist, ja sein muss, will sie erfolgreich sein. Kein namhaftes Großunternehmen, kein erfolgreiches Kleinunternehmen, ist jemals demokratisch organisiert gewesen. Sollte es ernsthafte Versuche dieser Art gegeben haben, so waren sie stets von kurzer Dauer, da der zwangsläufige Niedergang einer solchen Organisationsform den Niedergang des Unternehmens einleitet. Einzig und allein ein Abbruch des demokratischen Experiments kann den Niedergang stoppen und die Firma retten. Überleben können nur die mit Steuergeldern subventionierten Formen demokratisierter Wirtschaftssubjekte wie der Kibbuz. Aber auch das nur auf Zeit.

Am effektivsten und erfolgreichsten arbeiten auch nicht die Aktiengesellschaften samt ihren Aufsichtsräten und Aktionärsversammlungen, sondern die liberal-autokratisch geführten Familienunternehmen, deren Eigentümer durch ihre christlichen Grundsätze die Belegschaften motivieren und halten können. Dies gelingt, wenn in einem privat geführten Unternehmen die Eigentümer das Vorbild der Eigenverantwortlichkeit verkörpern.

Taiwan und Singapur machen vor, dass das wirtschaftliche Prinzip liberal-autokratischer Führung (Mandarinismus) auch in Staaten funktioniert, davon habe ich mich während meiner beruflichen Tätigkeit in diesen Ländern überzeugen können. Bettler habe ich nur wenige gesehen. Dafür strotzen diese Staaten vor Jugend und Leistungsfähigkeit sowie ungebrochener Lebensfreude und optimistischen Zukunftserwartungen.

Die westeuropäischen Demokratien sind lediglich für einen beschränkten Zeitraum finanzierbar gewesen, dank der nach dem Zweiten Weltkrieg herrschenden ökonomischen Sonderbedingungen, nämlich:
Erstens: Wirtschaftlichem Erfolg durch Überschüsse während des Kondratjew-Sommers (Technologieschub).
Zweitens: Wegfall der Versorgungsansprüche eines Großteils der Altengeneration, da diese im Krieg ihr Leben gelassen hatten – ihre Hinterlassenschaften kamen den Überlebenden einer zunächst verjüngten Gesellschaft zugute und dienten zu einem nicht unwesentlichen Teil der Investition in den Aufbau.
Drittens: Kapitalüberschüsse aufgrund der Kinderlosigkeit der Nach-68er, wodurch Versorgungs- und Ausbildungskosten eingespart werden konnten, von der linken Systempresse auch „demographische Rendite“ genannt.

Daran, dass diese Sonderbedingungen nicht endlos fortbestehen konnten, kann niemand zweifeln. Die illusorische Nachkriegssituation hat inzwischen einer grundlegend gegensätzlichen Realität Platz gemacht: Die kinderlose Generation strebt in die Alimentierung, die Restjugend verhartzt, schuftet unterbezahlt oder begeht Republikflucht. Durch die derzeit praktizierte, politisch erzwungene Wirtschaftsführung wird der Wohlstand geschmälert, der Zustand der Infrastrukturen der Industrienationen verschlechtert und die Substanz aufgezehrt. Margen aus Technologieentwicklungen fließen zunehmend in die Autokratien Asiens. Damit wird dem umverteilenden Betreuungsstaat die Bestandsgrundlage entzogen, was wiederum die künftigen Lebensumstände der jetzt noch jungen Menschen und Ungeborenen beeinträchtigt. Sie übernehmen ein ausgehöhltes System, in dem nach folgendem Muster gewirtschaftet wird: Die Mächtigen konfiszieren zunächst einen Teil der Ersparnisse und gleichzeitig zwingen sie die Produktiven, bereits mehr als die Hälfte ihrer Lebensarbeitszeit mit unentgeltlichem Frondienst zu verbringen. Hohe Besteuerung im Verbund mit Inflationierung entwerten die Rücklagen. Die Häscher des Steuerstaates erteilen dem Wertschöpfenden folgenden Bescheid: „Wir benötigen alles, was Du nicht zum Überleben brauchst!“ Weil das aber wegen der wachsenden Zahl der Schmarotzer nie reicht, fordern sie bald darauf: „Sei solidarisch!“ Man kann jedoch nicht mehr nehmen, als abpressbar ist, da weitere Belastungen Vermeidungsstrategien provozieren.

Der Versuch der Kleptokraten, mehr zu nehmen als tatsächlich vorhanden ist, wird dann verharmlosend als „Leben auf Kosten unserer Kinder“ bezeichnet, ganz so, als ob die, welche sich noch schinden, das Erbe ihrer Kinder leichtsinnig verprassen würden. Der Irrtum könnte nicht größer sein.

Im Ergebnis erleben wir den Versuch des Kartells aus Notenbanken, Banken und demokratischen Politikern, das Volk zu versklaven. Dazu wird es zum aktuellen Zeitpunkt enteignet, und nachdem sich das Kartell das private Kapital einverleibt hat, beginnen sie ein Schuldverhältnis zu konstruieren, indem sie den Beraubten einen Teil des Geraubten „leihen“. Diese angeblichen Kredite sind, juristisch gesehen, ein Abhängigkeitsverhältnis. Da niemand der heute Lebenden in der Lage ist, Abzahlungen zu leisten, da jeder Überschuss sofort konfisziert wird, verweisen die staatstreuen Ökonomen auf die „Zukunft“, in der unsere Kindern sippenhaftend „abbezahlen“ sollen, was die Eltern angeblich an „Schulden“ aufgetürmt haben. Die gewohnte Terminologie „auf Kosten unserer Kinder“ stimmt aber bloß insofern, als die Gefahr besteht, dass die nächste Generation die Versklavung nicht mehr abwehren kann und in einer Schuldknechtschaft versinkt.

Die von linken Strategen vorgetragene Behauptung, es sei genug Geld da, es müsse nur anders verteilt werden, passt hier genau ins Bild. Sie ist eine glatte Aufforderung zum demokratisch legitimierten Raub. So versteht es die Allgemeinheit. Die Folgen für das Handeln sind verheerend, weil das dadurch verursachte Ausmaß der Zerstörung des Leistungs- und Überlebenswillens nicht erkannt wird. Der selbstmörderische Geburtenrückgang ist ein Ausweis für die Wirkungen der umverteilenden Enteignung durch den Sozialstaat und seines Schneeballsystems der „Generationenverträge“. Die extrem überhöhte Zeitpräferenz in einer horizontalen, gleichgestellten Gesellschaft. führt dazu, dass der Segen der Elternschaft wirtschaftlichem Kalkül geopfert wird. Wo die Familie bewusst ihres Zweckes beraubt wird, indem der Staat dauerhaft Wohlfahrtsgarantien abgibt, und somit Kinder nur wirtschaftliche Nachteile bringen, wird eben auf Ehe und Kinder verzichtet. Der menschenzentrierte Humanismus der Demokraten löscht seinen eigenen Gott – die „Gesellschaft“ – aus. Der physische Verfall in den nach anglo-amerikanischem Vorbild errichteten europäischen Demokratien ist unübersehbar.

Doch alldem steht auch Hoffnung gegenüber. Die Jungen werden sich – hoffentlich – zu wehren wissen.

Das Internet war der letzte technische Zug, auf den der Freiheitsgedanke noch aufspringen konnte, bevor es zu spät gewesen wäre. Deshalb ist das Internet auch in seiner Freiheit gefährdet. Die Jungen haben noch weniger als wir einen Vertrag mit dem Kartell geschlossen, und die Chancen stehen gut, dass einige von ihnen dies auch begreifen und ihm die Stirn bieten.



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