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11.02.2012
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     Thomas M. Eppinger
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Master of Desaster
Weitere Themen: Nahost-Konflikt

Die deutsche Nahostpolitik verkommt nach dem Angriff von „Free Gaza“ Aktivisten auf Israel – und nichts anderes ist das Brechen einer Blockade nach internationalem Recht – zur populistischen Show.

Ein beleidigter Entwicklungsminister droht nach seiner „narzisstischen Kränkung“ mit Liebesentzug; ein orientierungsloser Außenminister versucht daheim billig Pluspunkte zu sammeln, indem er den Juden die Rute ins Fenster stellt. Was ist denn bloß mit der FDP los? Vermöllemannt sie jetzt komplett?

Der von Niebel selbst konstruierte Eklat wäre leicht zu verhindern gewesen:

… nach den vielen populistischen Äußerungen europäischer Politiker in Folge der verunglückten Kommandoaktion auf der Mavi Marmara musste die israelische Regierung durchaus fürchten, dass Niebels Besuch den Startschuss liefern würde für europäischen Polit-Tourismus nach Gaza. Und das hätte zweifelsohne auch die Hamas aufgewertet und ihre Herrschaft in Gaza mit einem Anschein von Legitimität versehen.

Es gab also gute Argumente, warum gerade ein deutscher Minister solch einen Stein nicht ins Rollen bringen sollte. Aber die haben Niebel offenbar wenig interessiert. Ihm reichte ein Bild mit Schaufel aus dem Westjordanland nicht, er wollte auch ein Bild mit Schaufel aus Gaza und bestand auf einem Besuch – den ihm die Israelis dann erwartungsgemäß verweigerten.

Ein Eklat wurde daraus aber erst, weil Niebel es nicht dabei bewenden ließ und – sehr ungewöhnlich unter Partnern – mit dem Disput an die Öffentlichkeit ging. (Clemens Wergin, WELT ONLINE)

Jede Regierung wusste Bescheid, dass Israel keine ranghohen Politiker nach Gaza einreisen lässt. Eine Ausnahme wurde in der Vergangenheit nur für den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und die EU-Außenministerin Catherine Ashton gemacht. Sicher hätte es Niebels Eitelkeit geschmeichelt, sich in diese ebenso illustre wie überschaubare Besucherschar einreihen zu dürfen. Und umso herber fiel wohl seine Enttäuschung aus, als er zur Kenntnis nehmen musste, dass er nicht in der selben Liga wie die Vorgenannten spielt. Hätte ihm doch irgendjemand vorher sagen können.

Würde man Niebel den Besuch in Gaza gestattet haben, könnte man auch keinem anderen Minister eines EU-Landes ein solches Ansinnen verwehren. Dass Israel kein Interesse an einem Aufmarsch von kritischen Freunden Israels hat, die der Hamas den Legitimationskasperl machen, ist mehr als verständlich. Die Reaktion Niebels gibt den Israelis im Nachhinein recht. „Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr“, konstatiert Lizas Welt trocken und belegt, wie die deutsche Regierung Israel mit zweierlei Maß misst und sich mit der Sache der Hamas-Terroristen gemein macht:

Schon der unablässige Ruf nach „internationalen Untersuchungen“, wenn man den jüdischen Staat mal wieder eines Verbrechens verdächtigt, ist ein Eingriff in Souveränität des Staates Israel und eine Anmaßung sondergleichen. Großbritannien hat gerade die Aufarbeitung seines „Bloody Sunday“ abgeschlossen, der Deutsche Bundestag unterhält einen Untersuchungsausschuss zur Bombardierung in Kundus – aber Israel soll seine Angelegenheiten gefälligst von vermeintlich übergeordneten Instanzen durchleuchten und regeln lassen. Auch die Forderung nach einer vollständigen Aufhebung der Gaza-Blockade, wie sie Niebels Parteifreund Guido Westerwelle erhoben hat – darin einig mit dem „Free Gaza“-Bündnis aus Islamisten und deren europäischen Claqueuren –, ist zutiefst vermessen. Und dies zumal vor dem Hintergrund, dass es die Unifil-Mission unter Beteiligung der Bundeswehr nicht vermocht hat, die Hizbollah an der Wiederaufstockung ihres Raketenarsenals zu hindern.

Fast einen Monat nach den Ereignissen auf der Mavi Marmara wissen wir, dass ein wesentlicher Teil der Blockadebrecher auf diesem Schiff keineswegs humanitäre sondern vielmehr terroristische Ziele verfolgt hat. Die Berichterstattung über den Einsatz hat das nur unwesentlich beeinflusst. Die öffentliche Verurteilung der Blockade des Gaza-Streifens ist sogar noch gestiegen. Schon erstaunlich, wie faktenresistent die veröffentlichte Meinung sein kann und wie schamlos sich die Politik zu ihrer Hure macht.

Darin besteht die größte historische Leistung der Palästinenser: Wie keine andere diskriminierte Volksgruppe haben sie es verstanden, sich durch Mord und Terror ins Zentrum der Weltöffentlichkeit zu stellen und sich auch noch deren Sympathie zu sichern. Und deren Gelder. Niemand leidet spektakulärer, niemand stirbt öffentlicher. Sie lieben den Tod mehr als das Leben: jeder Tote ein Märtyrer, jeder Märtyrer ein weiterer PR-Sieg.

Die eigenen Kinder werden skrupellos als militärischer Schutzschild missbraucht? Nebbich, wir haben ja genug davon. Die eigenen Leute werden über den Haufen geschossen, wenn sie sich gegen die Warlords stellen? Wen kümmert’s, wenn Muslime Muslime töten. Die eigene Regierung ist eine der korruptesten unter der Sonne? Was soll’s, die Geldquellen werden trotzdem nie versiegen.

Arafat ging es mitnichten um die Errichtung eines eigenen Staates sondern um die Aufrechterhaltung des palästinensischen Narratives zum Erhalt der eigenen Pfründe. Die Hamas besorgt die Agenda des Iran und tut ihr Bestes, um Israel endlich „aus den Seiten der Geschichte zu löschen“ (© Ahmadinejad). Der Welt ist das egal. Sie liebt den David, nicht den Goliath. Und sie ist fest entschlossen, in den Palästinenser den David zu sehen.

Vor diesem Hintergrund ist es ein Skandal, wenn nicht gar der Auftakt zu einer Tragödie, dass sich Westerwelle – gewollt oder ungewollt – zum Affen der Hamas macht. Wer dafür eintritt, die Blockade aufzuheben, nimmt billigend in Kauf, dass sich die Hamas binnen kürzester Zeit mindestens so hochrüstet wie es die Hisbollah im Libanon unter Aufsicht der UNO getan hat – mit dem einzigen Ziel, Israel zu vernichten. Das Ende der Blockade ist der Beginn der Aufrüstung der Hamas. Und das fordert ausgerechnet ein deutscher Außenminister?

Dass Europa die einzige Demokratie im Nahen Osten im Stich lässt, ist unverzeihlich. Die Freiheit mag am Hindukusch verteidigt werden oder auch nicht. Vor Gaza wird sie es ganz sicher.

© S t a n d p u n k t e



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Kommentare (10)




 
  Kommentare (10)

Rainer Möller, 25.06.2010 18:54
Die These, Israel sei ein Leuchtturm der freien Welt, verdient auch in anderer Hinsicht eine Prüfung.
So dürften die meisten Leute sich darüber einig sein, dass Freiheit die Anerkennung von Privateigentum impliziert.
Israel hat jedoch seit 1948 und verstärkt wieder seit 1967 alle erdenklichen Vorwände benutzt, um arabisches Eigentum zu enteignen. Die Enteignungen nach 1948 sind auch nie rückgängig gemacht worden, nicht einmal gegenüber den heutigen arabischen Staatsbürgern Israels. Wie will Israel denn dazu beitragen, eine glaubwürdige Botschaft von Freiheit und Privateigentum im Nahen Osten zu verbreiten?


Rainer Möller, 25.06.2010 18:47
Mein Bezug war eine Meldung bei Y-Net vom 12.1.09 über die Streichung zweier arabischer Listen bei der Knesset-Wahl.(http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3654866,00.html)
Berücksichtigen Sie dabei bitte, dass gegen die Liste Balad ausdrücklich vorgebracht wurde: "it does not recognize Israel as the Jewish homeland".

Was ich übersehen habe: die Entscheidung wurde nachträglich durch den Obersten Gerichtshof aufgehoben, weil ihr die notwendige Rechtsgrundlage fehlte (fleißige Hände arbeiten aber daran, diese Rechtsgrundlage zu schaffen).


Ben, 24.06.2010 01:27
> Wenn Sie das problematisieren, werden
> die Iraner Sie darauf hinweisen, dass
> in Israel vor jeder Wahl Kandidaten
> Begründung, dass sie den jüdischen
> Charakter Israels gefährden.

Woher haben Sie denn dieses Märchen?


Susanne, 23.06.2010 12:11
Ich frage mich, ob Politiker wie Niebel und Westerwelle auch bereit wären, persönlich die Konsequenzen einer von ihnen vertretenen Politik zu tragen und mit ihrem Leben für die Verteidigung des Existenzrechtes Israel und seiner Bürger einzustehen, wenn die Menschen in Tel Aviv und anderswo in Israel erneut mit Raketen beschossen werden. Oder müssen dort die Menschenrechte nicht verteidigt werden?

Rainer Möller, 23.06.2010 09:24
Ich kann da durchaus Vergleiche anstellen.
Z.B.: Im Iran werden vor jeder Wahl Kandidaten weggestrichen, mit der Begründung, dass sie den islamischen Charakter des Iran gefährden.
Wenn Sie das problematisieren, werden die Iraner Sie darauf hinweisen, dass in Israel vor jeder Wahl Kandidaten weggestrichen werden, mit der Begründung, dass sie den jüdischen Charakter Israels gefährden.
Wo ist da der Unterschied, und worin besteht da eine freiheitliche "Leuchtturmfunktion" Israels?


Ben_Gurion, 23.06.2010 08:50
Mit dem scharfen Auge starren die Deutschen auf die Juden in Israel, mit dem triefenden Auge glotzen sie auf die Araber in Palästina. Das romantische Verständnis der Deutschen für die Isla-misten im Nahostkonflikt hat aber Gründe. Sie halten Araber für affige Wilde, für unmündige Menschen dritter Klasse, an die man noch keine aufklärerisch-humanen Maßstäbe anlegen darf. Die Zuneigung der Deutschen ist eine Art von vormundschaftlicher Verachtung. Der schwärmerische Respekt vor dem Fremdländischen ist nur Bequemlichkeit und Hochmut. Hält sich der Autor in einem Artikel über Israel oder den Nahen Osten tatsächlich an die Fakten, bricht in den Kommentaren sofort der Volkszorn aus - zu verfolgen in sämtlichen Medien! Ich weiß auch wirklich nicht, ob bessere Schulbildung jetzt noch ausreicht, um den rasanten geistigen Verfall unseres Gutmenschen-Volkes aufzuhalten. Ein guter Artikel, Herr Eppinger! Am Israel Chai!

Noah, 22.06.2010 21:44
P.S.
Wer tatsächlich glaubt, die "Freie Welt" wäre ein unabhängiges Qualitätsmedium, der fällt sicherlich auch auf Phrasen herein, die von der Finanzierung der Hamas durch Israel derilieren.
@Rainer Möller
Sie scheinen wenig bis keine Ahnung von den Zuständen in den Staaten rings um Israel zu haben. Anders ist Ihr dümmliches Gekläff wohl nicht zu verstehen.


Marie Luise Schellen, 22.06.2010 21:27
Wer sich sorgfältig über die Geschichte Israels, vom ersten Tag nach Gründung des Staates kundig gemacht hat, der versteht Herrn Eppinger. Ich pflichte ihm voll und ganz bei.

P.S., 22.06.2010 17:54
Dieser prozionistische Artikel ist wirklich peinlich.

Ich glaube so langsam kann ich Freie Welt von meiner unäbhängigen Qualitätsmedienfavoriten streichen.

Die Hilfsflotte Terroristen? Na klar.

Die "böse" Hamas. Wer finanziert die Hamas zum großen Teil? Israel.

Der Hamasterror ist elementarer Bestandteil, damit die Zionisten aus Israel eine Diktatur machen können.


Rainer Möller, 22.06.2010 14:49
Israel ist sicher kein Leuchtturm der "freien Welt". Umgekehrt: Kein Land trägt soviel dazu bei, die "freie Welt" international unattraktiv zu machen wie Israel. Attraktiv könnte die Idee einer "freien Welt" im Nahen Osten erst dann werden, wenn sich die Politik Israels grundlegend ändert.

Deshalb weiß ich gar nicht, was solche Israel-lobbyistischer Artikel in der "Freien Welt" zu suchen haben.



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