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Kerstin Schneider
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Einsparungen beim Elterngeld
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FinanzkrisenAllgemeinFamilieSchon Tage vor der Spartagung der Regierung ließ Familienministerin Kristina Schröder derartigen Einsparwillen erkennen, daß einem ganz schwindelig wurde. Außer dem Verteidigungsministerium gab es aus keinem Ministerium solch eindeutige Signale wie aus dem Familienministerium. Nun ist das „größte Sparpaket der bundesdeutschen Geschichte“ geschnürt.
Die gute Nachricht: Es wird keine Kürzungen bei Kindergeld und Kinderfreibetrag geben. Die arbeitende Mittelschicht im unteren und mittleren Einkommensbereich kann vorerst aufatmen. Ihr soll auch das Elterngeld in bisherigem Umfang belassen werden. Der jetzt angesetzte Rotstift zielt auf das Elterngeld der „Besserverdienenden“ und der Hartz-IV-Bezieher. Erhoffte Ersparnis pro Jahr: rund 600 Millionen Euro. Ab einem Nettoeinkommen von mehr als 1240 Euro sollen nur noch 65 statt wie bisher 67 Prozent als Elterngeld gezahlt werden. Diese 2% Einbuße würden Gutverdiener sicher verkraften können. Hartz-IV-Empfänger träfe die Umsetzung der Sparpläne dagegen mit voller Härte. Die geplante Anrechnung des Elterngeldes auf die Hartz-IV-Regelsätze würde rund 500 Millionen Euro weniger Ausgaben für den Staat bedeuten. Für Hartz-IV-Empfänger mit kleinen Kindern bedeutete dies den Verlust von 300 Euro pro Kind und Monat. Ein harter Einschnitt.
Proteste von DGB, Opposition und verschiedener Interessengruppen ließen darum auch nicht lange auf sich warten. Familienministerin Schröder verteidigt ihr Sparvorhaben mit dem Verweis darauf, daß die Zahlung eines Sockelbetrages für Hartz-IV-Empfänger ohnehin systemwidrig gewesen sei und der Bedarf einer Hartz-IV-Familie über die Regelsätze gesichert sei. Das Elterngeld ist eine Transferzahlung für Familien mit kleinen Kindern, die in erster Linie als Lohnersatzleistung konzipiert worden ist. Der zusätzliche Sockelbetrag von 300 Euro für Hausfrauen geht auf das Konto der Union, das Mindestelterngeld für Arbeitslose hat die SPD durchgesetzt.
Das Elterngeld orientiert sich nach schwedischem Modell am durchschnittlichen Nettoerwerbseinkommen der Mutter (bzw. des Vaters) vor der Geburt des Kindes. Der Einkommensverlust junger Eltern sollte mit dem Elterngeld so gering wie möglich gehalten werden, damit diese ihren Kinderwunsch nicht ökonomischen Erwägungen opfern müssen und wieder mehr Kinder geboren werden. Eltern, die vor der Geburt ihres Kindes mehr verdient haben, sollten auch nach der Geburt mehr erhalten, so hoffte man vor allem die angeblich sehr hohe Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen zu beenden (Untersuchungen des DIW konnten aber zeigen, daß die Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen längst nicht so hoch war wie angenommen). Während das bis 2007 geltende Erziehungsgeld noch als Honorierung der Erziehungsleistung aller Eltern gleichermaßen galt, sollte mit dem Elterngeld in erster Linie die Erwerbstätigkeit der Mütter subventioniert werden. Das freute die Wirtschaft, die darin eine Möglichkeit sah, sich qualifizierte Arbeitskräfte zu sichern. Das freute vor allem aber die Verfechter feministischer Interessen. So wundert es auch wenig, daß die Entwicklung des Elterngeldes noch auf die Sozialdemokratin Renate Schmidt zurückgeht und von ihrer Nachfolgerin im Familienministerium Ursula von der Leyen als Modernisierungsprojekt der CDU weiterentwickelt und umgesetzt worden ist. Mit der Einführung der Vätermonate und der Verkürzung der Bezugszeit von zwei Jahren Erziehungsgeld plus ein Jahr Landeserziehungsgeld auf ein Jahr Elterngeld offenbarte die Union ihr „modernes“ Rollenverständnis: Frauen, vor allem gut ausgebildete, sollten nach der Geburt ihres Kindes nicht mehr Jahre hinter Spielzeug- und Wäschebergen verschwinden, sondern möglichst rasch wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Dem modernen Mann wies man den Platz an der Wickelkommode zu. Das aber wurde zu Recht von verschiedenen Seiten als eine Einmischung des Staates in das Familienleben kritisiert. Auf freiwilliger Ebene aber, so Renate Schmidt einmal in einem Interview, bringe man Väter eben nicht so leicht zur Erziehungsarbeit. Das Elterngeld zwingt Frauen zudem, schon nach einem Jahr wieder in ihren Beruf zurückzukehren, auch die, die sich gern noch länger selbst um ihre Kinder gekümmert hätten. Damit aber Mutti schnell wieder zur Arbeit kann, wurde neben dem Elterngeld auch der Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige beschlossen. Entscheidungsfreiheit sieht anders aus.
Viele Kritiker des Elterngeldes fordern deshalb ein Erziehungsgehalt oder die Wiedereinführung des ehemaligen Erziehungsgeldes. Aber auch so ein Gehalt hätte seine Tücken. Der Staat könnte auf die Idee kommen, die von ihm geförderten Mütter und Väter als sein angestelltes Erziehungspersonal zu betrachten – inklusive Sanktionsmöglichkeit bei nicht erbrachter Leistung. Vielleicht gefällt es dem „Arbeitgeber“ Staat eines Tages ganz und gar nicht, daß Mama ihrer Kleinen genderwidrig ein rosa Kleidchen anzieht, oder daß der Sohnemann immer noch Autos zum Spielen bekommt, die sein altes Rollenmuster verfestigen. Und vielleicht sollten Kinder auch schon mit einem Jahr trocken sein und durchschlafen können. Was für Sanktionen auf abweichendes Erziehungsverhalten folgen könnten, kann man sich dann auch ganz gut vorstellen. Die gendergerechten Erziehungsrichtlinien nicht eingehalten? - Lohn gekürzt. Zu viele Kalorien fürs Kind? - ab nächsten Monat Streichung des Erziehungsgeldes. Eine Anrechung dieses Erziehungsgehaltes auf die Hartz-IV-Regelsätze wäre im Übrigen auch kein Ding der Unmöglichkeit.
Zur Einführung eines Erziehungsgehaltes oder –geldes wird es ohnehin nicht kommen, auch wenn beispielsweise das alte Modell des Erziehungsgeldes deutlich günstiger und ein Erziehungsgehalt ehrlicher und gerechter als das derzeitige Elterngeld wäre. Das Elterngeld ist, ebenso wie der Krippenausbau, ein Prestigeprojekt von Merkel und von der Leyen, das schon aus ideologischen Gründen unter keinen Umständen geopfert werden darf. Mit der Kürzung des Elterngeldes für Hartz-IV-Bezieher hat man einen Weg gefunden, das Projekt Elterngeld, das mit 4,5 Milliarden Euro immerhin den größten Posten im Etat des Familienministeriums ausmacht, am Leben zu halten und dennoch guten Willen zu zeigen.
Ob der Bedarf von Hartz-IV-Familien mit kleinen Kindern tatsächlich über die Regelsätze ausreichend abgedeckt ist, wie die Familienministerin behauptet, wird die vom Verfassungsgericht Anfang des Jahres geforderte Neuberechnung des Existenzminimums zeigen. Angesichts der angestrebten Kürzungen ist den Hartz-IV-Familien eine rasche Klärung dieser Frage zu wünschen.
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Kommentare (11)
JS, 16.06.2010 11:46
Liebe Frau Schneider,
wer bezahlt, bestimmt die Musik. Wer sich seine Kinder vom Staat finanzieren lässt, muss auch nach dessen Pfeife tanzen. Das sind die Regeln der Umverteilung. Der Preis für soziale Wohltaten war schon immer die persönliche Freiheit. Beides zusammen geht nicht.
Susanne, 13.06.2010 14:41
Zur Logik gehört es, Ursache und Wirkung nicht zu verwechseln. Prekäre Verhältnisse entstehen durch zu wenig Kinder. Unverschämt ist, wer keine Kinder hat und trotzdem Alterssicherung erwartet, für die dann die Kinder der anderen aufkommen müssen. Für diese Zusammenhänge braucht man keine Werbung, sondern Verstand, der nicht von Geist frei ist.
Freigeist, 12.06.2010 21:38
In prekären Verhältnissen sollte man einfach keine Kinder haben. Es ist eine Unverschämtheit der egoistischen Eltern, Kindern ein solches Leben zuzumuten. Für diese Gedanken sollte man mehr Werbung machen.
Gladstone, 10.06.2010 10:46
Wo gibt es denn ein Megasparpaket. Wir haben eine Neuverschuldung von 80 Milliarden Euro im Jahr und sparen 11 Milliarden ein.
silenda, 09.06.2010 23:49
@Juergen: Die Streichung bezieht sich ausschließlich auf die Hartz-IV-Empfänger. Hierzu das BMFSFJ: "Das Elterngeld soll auch bei Hartz IV-Empfängern angerechnet werden - so wie das beim Kindergeld bereits geschieht." http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/familie,did=141070.html
Juergen, 09.06.2010 22:51
1. Betrifft es auch Frauen, die zum Beispiel studieren. Wenn man das zweite Kind bekommt oder das dritte, dann hat man meistens Lust eine zeitlich Nähe zum ersten zu realisieren. Das der Staat hier ein Anreiz setzt ist vollkommen in Ordnung.
2.Die Einsparung von 500 Mio sind in Wahrheit weniger als 200 Mio. Denn a)geben die Eltern das Geld aus und da Windeln noch mit 19 % USt belegt sind, kann man schon mal fast 100 Mio abziehen, denn die Eltern sparen im ersten Jahr kaum.
b) lassen die meisten Eltern das Geld bei Discountern, bei denen ich mal einen Spitzensteuersatz von 45 % unterstelle.
Also, einsparen ist auch dämlich.
Ela, 09.06.2010 20:23
Warum sollen HartzIV Empfänger zusä
tzlich 300 Euro bekommen,Frauen die aufhören zu arbeiten,haben das Geld nicht zusätzlich,müssen mit deutlich weniger auskommen.
Friedemann, 09.06.2010 20:12
"Das freute die Wirtschaft, die darin eine Möglichkeit sah, sich qualifizierte Arbeitskräfte zu sichern. Das freute vor allem aber die Verfechter feministischer Interessen."
Wie wahr, die Verfechter feministischer Interessen sind die nützlichen Idioten der Wirtschaft, eine unheilige Alianz auf Kosten der Steuerzahler und eine Möglichkeit, sich als Lohndrücker zu betätigen nach dem Motto: je mehr Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt sind, um so billiger werden sie. Am Ende sind alle die Verlierer, denn so kann man einen Staat in den Bankrott manövrieren. Lediglich Banken und das Großkapital werden sich dem durch Flucht ins Ausland entziehen, wenn in Deutschland oder der EU nichts mehr zu holen ist.
nicole, 09.06.2010 19:34
es ist einfach nur arm das den hartz 4 empfängern jetzt das elterngeld gestrichen werden soll
da heisst es schon das sie wirklich zum niedriegen existenz minimum leben müssen und dann bekommen sie im falle eines familienzuwachses noch weniger geld???wo ist das denn hier noch gerecht also deutsche bekommt keine kinder mehr denn wenn man schon an den kindern spart haben diese jetzt sowieso keine zukunft mehr
Klimax, 09.06.2010 17:23
Es ist immer dasselbe: sparen halten alle für notwendig, aber jeder sagt: nicht bei mir. So auch hier wieder.
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