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17.05.2012
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     Almut Rosebrock
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Weitergedacht...
Weitere Themen: Allgemein, Familie

Was sind / wären die Folgen, wenn das Elterngeld, die 300 Euro Sockelsatz, die junge Eltern für 12 (bzw. 14 Monate) nach der Geburt ihres Kindes bekommen, als Einkommen auf die Hartz 4-Berechnung angerechnet wird?

Ich habe mir ein paar Gedanken darüber gemacht und diese unserer Familienministerin, der Regierung und anderen Politikern mitgeteilt:

 

Guten Tag, Frau Schröder!

Die Anrechnung des Elterngelds als Einkommen bringt übrigens nicht unbedeutende organisatorische Probleme mit sich. Familien, deren Hartz 4-Zahlungen vorher geregelt und "verlässlich" waren (alles lief wie gewohnt), stellen nach der Geburt eines Kindes den Antrag auf Elterngeld. Vielleicht lassen sie das - nach den geplanten Änderungen – demnächst lieber... .

Warum?

Wenn das Geld bewilligt ist (bzw. bei Antragsstellung), müssen sie die "Einkommensänderung" dem H 4-Amt miteilen. Die Mitarbeiter dort brauchen ihre Z e i t, die Änderungen zu berechnen - dann kommt die Rückzahlungsaufforderung an die Familie. Vielleicht fällt sie sogar ganz aus H 4 dadurch raus.

Das Geld ist zu dem Zeitpunkt leider schon ausgegeben - denn was braucht man nicht alles, wenn Nachwuchs ankommt?!?

Schulden... - die Spirale dreht sich ganz leicht immer schneller.

Wenn dann das Elterngeld nach dem Jahr ausläuft - wieder Änderungsmeldung, Antragswust. Bis dann der erneute höhere (oder überhaupt erst wieder!) H 4-Bezug durch ist, sitzt die junge Familie "auf dem Trockenen"!

Das Problem ist nur, dass die Kosten (Miete, Strom, Telefon, Nahrung, Kleidung, Windeln...) durchgehend weiterlaufen! Der Vermieter nimmt keine Rücksicht auf das H 4-Amt, das erst nach xy ? Wochen die Berechnung fertig hat und die Beträge überweist - möglicherweise ist die Räumungsklage dann schon durch.

Ich hoffe, Sie merken, dass ich aus Erfahrung schreibe - so läuft es nämlich in der Realität! Auf die Bedürfnisse der Menschen (es sind junge, frischgebackene Mütter, mit all den Krisen, die das, neben der Freude, auch mit sich bringt!!!) wird von Amts wegen KEINERLEI Rücksicht genommen.

Man muss dazu sagen, dass an diese Familien ausgezahltes Elterngeld sofort in den Wirtschaftskreislauf einfließt / einflösse (Kinderbett, -wagen, Anziehsachen...), wohingegen es bei "reicheren" Eltern auf dem Konto zumindest zwischenlagert.

Diese reichen Eltern bekommen es selbstverständlich (!) ausgezahlt - deren Kinder sind ja auch die "Erwünschten".

Ist das nicht "Auslesepolitik" - geht es demnächst wieder um "unwertes Leben"?

Gehöre ich vielleicht auch schon dazu - weil ich aus der Masse des "Mainstream" und der "Gegenderten" (wieviel Geld geht für Gender Mainstreaming raus - das sollte man einsparen!!! - ???) aussteige (nie eingestiegen bin, weil es verrückt ist!) und gerne und mit vollem Herzen Mutter bin, zu Hause gut zu tun habe.

Gerade jetzt versuche ich (Kinder bald 9 und 11) wieder in den Beruf zu kommen. Aber das auch nicht auf Biegen und Brechen - die Familie geht vor! (und übrigens ist mir dieses politische Engagement auch sehr wichtig – obwohl es keinen Cent einbringt...)

Keiner kümmert sich so gut, engagiert, liebevoll, individuell um meiner Kinder, wie ich es selber tue!

ICH bin in der Verantwortlichkeit, dass sie einen guten Start ins Leben haben - keiner nimmt mir das ab! Ich will das aber auch nicht. Es wäre nur nett, wenn diese Arbeit (es ist Arbeit!) auch von der Politik her Anerkennung fände - und nicht nur "runtergeredet" würde!

Dadurch, dass das Elterngeld jetzt voll angerechnet werden soll (+ Kindergeld = ca. 475 Euro) wird bei vielen Familien mit der "Einkommensquelle Kind" mit einem Schlag die H 4-Unterstützung aufhören, unterbrochen werden, gar nicht erst bewilligt werden.

Mit den (möglichen) Folgen: Finanzkrise - Lebenskrise - zerbrechende Partnerschaft - alles wird noch schlimmer.

Ist das ein würdiger Umgang mit jungen Eltern??? Gute Voraussetzung für das Aufwachsen des / eines Kindes bzw. mehrerer Kinder... ?!?

Wo man gerade die Kinderarmut (diesmal nicht im Sinne von "zu wenig Kindern" - das ist die "andere Seite der Medaille) allerorten feststellt und beklagt.

SIE, als Familienministerin, sind verantwortlich!!!

Zusammen mit den anderen entscheidenden Politikern! Sie sind es - neben den Eltern (Mutter und Vater) natürlich - denen man die Verantwortlichkeit immer wieder antragen und bewusst machen sollte.

Krippe, Ganztagsschule, Tagesmütter tragen nicht die letzte Verantwortung für das Wohl der Kinder - sie sind immer nur Zwischenlösungen. Aber allein diese werden von der Politik mit Zuschüssen gefördert!

Mütter (und es sind immer noch meist die Frauen!), die sich mit voller Kraft und Verantwortlichkeit um das Wohl und die Zukunft ihrer Kinder (spätere Erwerbsfähigkeit ist hoffentlich die Folge!) kümmern, kommen im Anschluss daran nicht an die von ihren mühsam großgezogenen Kindern erwirtschafteten Renten. Die bekommen die kinderlosen Menschen, bzw. die, die die Verantwortlichkeit für ihre Sprösslinge früh in anderer Menschen Hände gelegt haben, um den (ach so heiligen) Beruf auszuüben (und für die Rente einzuzahlen).

Wahlfreiheit???

Unter den neu eintretenden Umständen sollte man jungen Eltern vielleicht sogar raten, um sich die ganze Lauferei und Schererei zu ersparen gleich auf das Elterngeld zu verzichten?!.

Es gibt dadurch Probleme und Unberechenbarkeiten!

Das muss die junge Familie dann für sich selbst entscheiden. (Im Voraus kann man manches allerdings noch nicht abschätzen – zumal mit einem Baby durchaus gut zu tun ist!)

Nun mein Aufruf an Sie (und die H 4-Verantwortlichen):

Bedenken / berücksichtigen Sie diese Thematik / Problematik bitte GLEICH! Und sorgen Sie (falls die Entscheidung nicht noch revidiert wird, was ich zugunsten der Familien und Kinder sehr hoffe!) für sichere Anschlusszahlungen bzw. Berechnungsänderungen!!! Nicht später dastehen und sagen - "Da haben wir nicht daran gedacht". Ich habe es Ihnen hiermit gesagt!

Familien gehen PLEITE durch solche Aktionen!!!

Nur dass es da leider keinen Rettungsschirm gibt - "Gesetz gnadenlos" ist angesagt! Denn "dem Amt" ist das alles "egal". Es zählen Paragraphen, nichts sonst.

Viele Grüße

Almut Rosebrock, Mutter  zweier Kinder und Apothekerin Aktionsbündnis "Gerne leben mit Kindern", www.glmk.de Wachtberg bei Bonn

Ich stehe jederzeit gerne zum Gespräch bereit und würde mich freuen, ausnahmsweise mal eine nicht vorgefertigte und auf meine Texte nicht passende Antwort oder Reaktion (wie gewöhnlich; wenn überhaupt irgendeine Reaktion erfolgt!) zu bekommen.



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Kommentare (6)




 
  Kommentare (6)

Susanne, 11.06.2010 00:41
Hochbegabte gehören leider nicht zu den Kinderfreudigen. Sie fallen den Normalbegabten und ihren Kindern, wie die Geistfreien, noch zusätzlich zur Last. So würde das Rentenproblem nicht gelöst, sondern verschärft. Eine freigeisige Milchmädchenrechnung.

Freigeist, 10.06.2010 00:14
Kinderlose sollten endlich Anspruch darauf erheben, dass Migration ausgeweitet wird, auf Hochbegabte.
Damit ist auch das leidige Rentenproblem vom Tisch, und zwar so elegant, dass den Kritikern alle Gegenargumente vom Tisch fallen.


Michael Bloch, 09.06.2010 20:58
Liebe Frau Rosebrock,

warum schreiben Sie fast entschuldigend, dass Sie gerade wieder versuchen, in den Beruf zu kommen? Fühlen Sie sich etwa in Ihrer Rolle als Mutter nicht wohl? Damit gäben Sie ja geradezu Wasser auf die Mühlen der Feministinnen, was Sie sicher nicht wollen.

Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Kinder umso mehr mütterliche Zuwendung brauchen, je älter sie werden: wenn Ihre Kinder erst einmal Nachhilfe in zwei Fremdsprachen brauchen, werden Sie für einen Zweitberuf außerhalb der Familie keine Zeit mehr haben.

Von daher kann ich auch das Thema "Elterngeld" nicht mehr hören: Kinder brauchen umso mehr Zuwendung und kosten umso mehr Geld, je älter sie werden (Teenager brauchen Erwachsenenfahrräder, Computer für die Schule, Kleidung für Erwachsene usw.), daher ist die ganze Diskussion ums Elterngeld, das nur 14 Monate lang gezahlt wird, eine reine Alibi-Debatte, die die wahren Probleme der Familien ausklammert.

Was Familien brauchen, ist ein familiengerechtes Steuersystem wie in Frankreich, wo die Einkommensteuer nach Kinderzahl gestaffelt ist und bei drei Kindern gegen Null geht: damit bekommen Eltern die Freiräume, die Konsumausgaben für ihre Kinder zu begleichen, ohne zu verarmen.

Und die Anerkennung der hausfraulichen und mütterlichen Erziehungsleistung auch bei der Rente wäre ein Meilenstein, um mehr junge Menschen zur Familiengründung zu bewegen.

Die engstirnige Diskussion um das arbeitsmarktzentrierte und somit familienfeindliche Elterngeld lenkt nur von diesen Punkten ab, die viel wichtiger sind.

Warum soll man Kinder in die Welt setzen, wenn man nach 14 Monaten Elterngeld behandelt wird wie ein Kinderloser und alle Kinderkosten privat tragen muss, um damit die Renten der ganzen kinderlosen Merkels und Westerwelles zu sichern?

So lange die Schieflage im Rentenrecht (Familien sorgen mit ihrer Erziehungsarbeit für die Renten der Kinderlosen) nicht beseitigt ist, hilft kein Elterngeld, um die Kinderlosigkeit, beschönigend auch als "demografische Entwicklung" bezeichnet, aufzuhalten.


Popeye, 09.06.2010 12:14
Das Elterngeld ist eine Entgeltersatzleistung, Zettel bringt es auf den Punkt:

"Der Sinn des Elterngeldes ist es, den dadurch entstehenden Verdienstausfall (im gesetzlich festgelegten Umfang) auszugleichen und so die Vereinbarkeit von Kind und Beruf zu verbessern. Das geht schon daraus hervor, daß die Höhe des Elterngelds an die Höhe der Bezüge im vorausgehenden Jahr gekoppelt ist."

Warum ist also dies hier mit ins Gesetz genommen worden?

""Elterngeld wird mindestens in Höhe von 300 Euro gezahlt. Dies gilt auch, wenn in dem nach Absatz 1 Satz 1 maßgeblichen Zeitraum vor der Geburt des Kindes kein Einkommen aus Erwerbstätigkeit erzielt worden ist".
http://zettelsraum.blogspot.com/2010/06/zitat-des-tages-das-elterngeld-fur.html

Ich stimme Ihnen aus eigener Erfahrung zu, das die Anrechnung des Elterngeldes auf Hartz IV ein Alptraum sein wird, besser wäre es, den betreffenden Absatz aus dem Gesetz zu streichen.
Übrigens ist Ihre Polemik gegen "reiche" Eltern sowie Sätze wie "Ist das nicht "Auslesepolitik" - geht es demnächst wieder um "unwertes Leben"?" absolut unangebracht!


Freigeist, 08.06.2010 22:23
Wer sich Kinder nicht leisten kann, sollte auf Kinder verzichten. Die Kinder jedoch, die schon da sind, sollten ein schönes Leben bekommen. Es wäre viel viel billiger, würde man Hartz-IV-Familien eine Prämie zahlen, z.B. 100 Euro, Kinder nicht zu bekommen. Sollten uns künftig Bürger fehlen, in D, so kann man Hochbegabte anwerben. Kommt alles insgesamt viel billiger und ist garantiert erfolgreich.

Pauline, 08.06.2010 19:47
Wir brauchen eine klare Linie für Mütter in Harz4.
Diese klare Linie bedeutet, neben der Grundversorgung von ca 75o,-¤ incl.Wohnung und Nebenkosten werden in Zukunft pro Monat 180,--¤ Kindergeld gezahlt. Alle Formalitäten fallen weg.

Ein Beispiel, und deren gibt es viele:
eine 20 jährige Frau ohne Ausbildung lebt bei den Eltern. Nun bekommt sie ein Kind. Der Staat bezahlt ab sofort 5oo,-¤ für Mutter und Kind, richtet ihr eine Wohnung ein,bezahlt Miete,Nebenkosten,Krankenkasse und Rente.

Das gibt es nirgendwo auf der Welt.
Sind hier nicht in erster Linie die Familie und der Vater zuständig??
Es geht weiter... Diese junge Frau bekommt eine Festanstellung angeboten. Diese nimmt sie nicht an weil sie dann keine staatliche Unterstützung mehr bekommt.
Hier liegt der Hase im Pfeffer!
Deshalb ist die Entscheidung der
Politiker richtig.



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