suchen
11.02.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
     Thomas M. Eppinger
Zur Person und Archiv      Email an diesen Blogger schreiben

Israel in der Doppelmühle
Weitere Themen: Nahost-Konflikt

Die „Free Gaza“ Flotte hatte militärische Ziele, keine humanitären. Die geplante Provokation war ein voller Erfolg für die Hamas und ihre Sympathisanten. Dabei war Israel von Anfang an in einer lose-lose Situation.

Der Reihe nach. Am 23. Mai setzt sich die internationale „Free Gaza Solidaritätsflotte“ mit 6 Schiffen von Griechenland und der Türkei aus Richtung Gaza in Bewegung. An Bord sind 10.000 Tonnen Hilfsgüter und jede Menge pro-palästinensischer Aktivisten, darunter zwei deutsche Bundestagsabgeordnete der LINKEN und der schwedische Schriftsteller Henning Mankell, der Israel erst im Vorjahr die völkerrechtliche Legitimität abgesprochen hat.

Eine Hilfsflotte für Gaza ist naturgemäß nur ein PR-Coup. So erfreulich manche Güter für die Einwohner von Gaza sein mögen, wirklich nötig sind sie nicht. In den letzten eineinhalb Jahren sind über Israel mehr als eine Million Tonnen Hilfsgüter nach Gaza geliefert worden, das ist fast eine Tonne pro Einwohner. Jede Woche rollen hunderte Trucks mit mehr als 15.000 Tonnen Ladung über die israelischen Grenzübergänge. In Gaza gibt es ein Schwimmbad mit olympischen Ausmaßen und ein Luxusrestaurant. Die Märkte sind reich bestückt, die Bewohner gut genährt, niemand muss hungern. Es gibt Schokolade aus der Türkei, deutsche Bonbons, italienische Pralinen. Das meistverkaufte Medikament ist Viagra. Was es nicht durch die israelischen Grenzkontrollen schafft, wird durch die Tunnels von Rafah aus Ägypten geschmuggelt. Autos, Treibstoff, Süßigkeiten, Drogen, Prostituierte. Und natürlich Waffen. Die Einwohner von Gaza leben unter widrigen Umständen, aber von einer humanitären Katastrophe kann keine Rede sein.

Von Anfang an ist klar, dass es den Aktivisten nicht um Hilfe für Gaza geht: „Bei dieser Mission geht es nicht darum, humanitäre Güter zu liefern, es geht darum, Israels Blockade zu brechen“, wird das Angebot Israels abgelehnt, die Waren in Aschdod zu löschen und die Hilfsgüter nach der obligatorischen Prüfung nach Waffen und anderen verbotenen Gütern auf dem Landweg nach Gaza zu bringen. Auch der Vorschlag der Familie des vor Jahren von der Hamas entführten Gilad Shalit, sich bei der israelischen Regierung dafür einzusetzen, dass die Schiffe in Gaza anlegen dürfen, wenn sich die Aktivisten im Gegenzug bei der Hamas dafür einsetzten, Gilad Lebensmittel und Briefe zukommen zu lassen, wird brüsk zurückgewiesen.

Eine zentrale Rolle bei der Organisation der „Solidaritätsflotte“ kommt der türkischen, radikalislamistischen IHH zu, die neben ihren Hilfsaktivitäten die Hamas und Teile des globalen Dschihad unterstützt. Das größte Schiff, die Mavi Marmara, fährt unter türkischer Flagge. Bei der Einweihungszeremonie in Istanbul feiern unter anderen ein Führer der jordanischen Muslimbruderschaft, Hamam Said, und zwei Top-Terroristen der Hamas, Sahar Albirawi und Mahmad Tzoalha. An Bord werden islamistische Schlachtgesänge gesungen, berichtet Al-Jazeera einen Tag vor der Konfrontation mit der IDF: „Oh Juden, die Armee Mohammeds wird über euch kommen!“ Im selben Bericht erklärt eine Aktivistin prophetisch, warum die Mission in jedem Fall ein Erfolg werden wird: „Zurzeit sehen wir zweierlei glücklichem Ausgang entgegen: Märtyrertum oder Landung in Gaza.“

Israel lässt keinen Zweifel daran, dass es ein Durchbrechen der Blockade nicht dulden und die Schiffe unter allen Umständen stoppen werde, notfalls mit Gewalt. Zuvor hatten Schiffe der „Free Gaza“ Bewegung fünf Mal passieren dürfen. Dieses Mal kam das, wohl wegen der Größe der Flotte und der gesteigerten medialen Aufmerksamkeit, nicht in Frage. Noch Stunden vor dem Einsatz wiederholt das israelische Militär immer wieder das Angebot, die Hilfsgüter in Aschdod zu löschen und auf dem Landweg nach Gaza zu schaffen. Das Angebot wird unter lauten „Dschihad, Dschihad!“ Rufen mit einem herzhaften „Fuck You“ abgeschmettert.

Am frühen Morgen des 31. Mai entern israelische Truppen die Schiffe. Offensichtlich hatte das israelische Militär nicht mit massivem Widerstand gerechnet und den Einsatz eher wie eine robuste Polizeiaktion geplant. Die Soldaten tragen Paintball-Pistolen, leichte Waffen mit Plastikmunition. Für den Notfall sind sie mit Schusswaffen ausgerüstet, die sie nur einsetzen dürfen, wenn ihr Leben bedroht ist. Auf fünf Schiffen kommt es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen.

Als sich Soldaten aus Hubschraubern auf die Mavi Marmara abseilen, stürzen sich „Friedensaktivisten“ mit Eisenstangen und Messern auf sie. Die pro-palästinensischen Kämpfer sind zahlenmäßig weit überlegen. Sie prügeln brutal mit langen, massiven Eisenstangen auf die Soldaten ein, stechen einen nieder, schleudern einen anderen auf ein ca. 10 Meter tiefer gelegenes Deck. Es gelingt ihnen, einen Israeli zu entwaffnen und mit dessen Waffe auf seine Kameraden zu schießen. Die Soldaten haben Angst gelyncht zu werden. Als sie sich scharfem Beschuss ausgesetzt sehen, eröffnen sie das Feuer. Am Ende sind 7 Soldaten verletzt (Schuss- und Stichwunden, Knochenbrüche), 2 davon schwer. Die Aktivisten beklagen 9 Tote und 45 Verletzte.

Noch bevor die Flotte in Aschdod eingelaufen ist, setzt die zu erwartende Welle der Empörung ein. Regierungen sind wahlweise schockiert, erschüttert oder bestürzt. Die Beurteilung des Einsatzes reicht von unverhältnismäßig bis abscheulich. Palästinenserpräsident Abbas spricht von Massaker und einem abscheulichen Verbrechen, die Hamas ruft zur Intifada vor israelischen Botschaften auf. In vielen Städten kommt es zu antiisraelischen Demonstrationen, oft auch zu gewalttätigen Ausschreitungen. Weder in Deutschland noch in Österreich ist eine einzige offizielle Stimme zu hören, die sich mit Israel solidarisch erklärt.

Die deutschsprachigen Medien berichten gewohnt „israelkritisch“. Als Beispiel sei hier nur ein Kommentar von Gudrun Harrer im STANDARD angeführt: „Im Grunde sind wir alle moralisch mitschuldig. Wer hat sich denn noch um den Gazastreifen gekümmert, an der freundlichen Mittelmeerküste gelegen, eine Bevölkerung zwischen dem inneren Hammer der Hamas und dem äußeren der israelischen Absperrung, kollektiv bestraft für das falsche Wahlergebnis und für die Präsenz von Extremisten nicht nur von Israel, sondern von der internationalen Gemeinschaft?“

Um soviel Stuss in einen Satz zu packen, muss man schon Nahost-Expertin sein. Keine tatsächliche oder vorgebliche Flüchtlingsgruppe wird von der Welt so sehr gehätschelt wie die Palästinenser. Um die Einwohner von Gaza kümmern sich unzählige NGOs und UN-Behörden, deren Mitarbeiter sich gegenseitig auf die Zehen steigen. Fast jeden Tag wird irgendwo auf der Welt eine Solidaritätskundgebung für Gaza organisiert. Auch wenn der Wahlkampf der Hamas mehr mit einem Putsch als mit westlichen Demokratievorstellungen gemeinsam hatte, haben die Bewohner doch mehrheitlich eine korrupte Bande von Terroristen gewählt, deren oberstes Ziel die Vernichtung Israels ist. Die internationale Gemeinschaft hat sie dafür aber keineswegs bestraft, sondern finanziert ganz im Gegenteil ihren Lebensunterhalt. Und zwar so erfolgreich, dass der Gaza-Streifen mit 5,03 Kindern pro Frau eine der höchsten Fruchtbarkeitsraten der Welt hat. Die Blockade als kollektive Strafe für ein falsches Wahlergebnis zu bezeichnen ist eine bösartige, bewusste Irreführung der Leserschaft. Ist diese Maßnahme doch von Israel und Ägypten nur ergriffen worden, um nach dem jahrelangen Beschuss Israels mit zehntausenden Raketen den Waffennachschub wenigstens einigermaßen einzudämmen. Kein Raketenterror, keine Blockade. So einfach wäre das.

Woran wir im Grunde alle moralisch mitschuldig sind, ist etwas ganz anderes. Die voreingenommene Berichterstattung über den Nahost-Konflikt, die einseitige Fixierung der UNO auf Israel, eine internationale Staatengemeinschaft, die ständig den Druck auf eine einzige Partei des Nahostkonflikts erhöht  – das alles mag dazu beigetragen haben, dass Israel aus Rücksicht auf die internationalen Reaktionen nicht entschlossen genug vorgegangen ist. Natürlich ist die Operation völlig schief gelaufen. Warum waren die israelischen Dienste über die Kampfbereitschaft der Aktivisten im Unklaren? Warum war das Kommando nicht besser auf die Angriffe vorbereitet?

Doch lassen wir uns nicht täuschen. Hätte Israel die Aktion von vornherein mit angemessenen Mitteln durchgeführt und beispielsweise Blendgranaten und Tränengas eingesetzt, wären die Toten noch am Leben und die Verletzten noch gesund. Aber die internationalen Reaktionen wären mindestens so vernichtend ausgefallen. Entrüstet wäre der völlig unangemessene Gewalteinsatz gegen vermeintlich harmlose Friedensaktivisten angeprangert worden. Vielleicht sogar noch lauter als jetzt, wo wenigstens jeder sehen kann, wie brutal die Aktivisten über die Soldaten hergefallen sind.

Das ist das wahre Dilemma Israels. Wehrt es sich nicht, wird es von seinen Gegnern überrannt und vernichtet. Wehrt es sich, wird es von der ganzen Welt verurteilt. In Wahrheit hatte die Solidaritätsflotte das Spiel schon gewonnen, als sie in See gestochen ist. „Wer sich nicht wehrt lebt verkehrt“ gilt eben nicht für Juden. Genau das ist im Grunde unser aller Schuld.

Originaltext mit weiterführenden Links:

http://eppinger.wordpress.com/2010/06/02/israel-in-der-doppelmuhle/

© S t a n d p u n k t e



Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Kommentare (28)




 
  Kommentare (28)

Peac in the middle east, 05.07.2010 12:33
Auch eine mehrheit der israelis haben sich so geaußer " der angriff war dumm und ohne jeglichen nützen"

Thomas Eppinger, 25.06.2010 17:01
@Leo
" Wenn Israel unschuldig wäre, würde es einer Untersuchung durch die Uno gelassen entgegen sehen." – Wie kommen Sie dazu, von Israel zu fordern, was Sie von keinem anderen Staat fordern würden? Alles was dazu zu sagen ist, hat Lizas Welt bereits gesagt:
"Großbritannien hat gerade die Aufarbeitung seines „Bloody Sunday“ abgeschlossen, der Deutsche Bundestag unterhält einen Untersuchungsausschuss zur Bombardierung in Kundus – aber Israel soll seine Angelegenheiten gefälligst von vermeintlich übergeordneten Instanzen durchleuchten und regeln lassen."


Leo Spielberg, 09.06.2010 22:40
Die Ausführungen und Verteidigung Israels von Herrn Thomas M. Eppinger sind rührend, mehr nicht. Ich möchte Herrn Eppinger als einfältig bezeichnen.

Wenn Israel unschuldig wäre, würde es einer Untersuchung durch die Uno gelassen entgegen sehen.

Was sich mir an diesem Beispiel erneut zeigt ist, daß sich sowohl Israel als auch die USA einerseits als "Weltpolizei" aufspielen, andererseits aber selbst Recht brechen und sich einer internationalen Kontrolle und Verurteilung entziehen.
Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang daran, daß auch die USA es nicht zulassen, daß US-Soldaten wegen Kriegsverbrechen vor internationale Gerichte gestellt werden.

Schlimm, daß diesen Staaten nicht die Grenzen aufgezeigt werden, noch schlimmer, daß es auch noch Fürsprecher für das Verhalten dieser Nationen gibt.


Ben, 06.06.2010 14:59
> @Ben: Wir können uns noch seitenlang
> Argumente um die Ohren schlagen, ob
> die Aktion der israelischen Marine
> nun legal war oder nicht, aber wir
> werden das hier nicht klären können.

Und genau das ist eines der Probleme. Wäre der Angriff erst in der 12-Meilen-Zone erfolgt, gäbe es diese Frage nicht. Deswegen hoffe ich, dass die Israelis daraus lernen.

>
> Ich bin kein Militärexperte und kann
> und will mich nicht darüber
> auslassen, ob bzw. welche
> Alternativen es gegeben hätte. Das
> ist auch müßig, weil ohnehin niemand
> bestreitet, dass die Operation schief
> gelaufen ist.

Ganz so müßig ist es leider nicht, weil schon die nächsten Konvois vorbereitet werden. Ich rate dringend zu einer Verminung des Gebietes, wenn Israel wieder blockieren will.

>
> Die viel bedeutendere Frage ist doch,
> welche Alternativen Israel überhaupt
> noch bleiben, um sich zu verteidigen,
> ohne von der Welt verdammt zu werden.

Es tut mir leid, so einfach ist es nicht. Erst gestern war ich mit ein paar Freunden von der Piratenpartei grillen, und dabei kam das Thema auch zur Sprache. Und etwa 2/3 der Leute waren teilweise massiv auf Seiten der Israelis. Und die Piraten sind wohl insgesamt eher sozialliberal. Natürlich gab es auch die Gegenposition, ebenfalls massiv, dass die Geschichte Piraterie war, aber ein "Israel vs. the world" ist es so schon länger nicht mehr.

Was teilweise übrigens durchaus damit zu tun haben dürfte, dass wir auf unseren Straßen das Benehmen diverser aus dem türkisch-arabischen Raum eingewanderter Leute live erleben dürfen. Gegenüber einem Land, welches sich massiv fair und aufnahmebereit gezeigt hat. Die Frage stellt sich halt: Wenn ein relevanter Teil (so ca. ein Fünftel) von denen sich schon uns gegenüber so menschenverachtend verhält, obwohl wir sie eigentlich als Freunde ins Land geholt haben, und ihnen auch Familiennachzug, Sozialleistungen und oft mehr Religionsfreiheit, als in ihren Heimatländern gewährt haben, was geht dann erst da unten ab, wo das alles nicht ganz so einfach ist?

Wenn es etwas gibt, was die arabisch-muslimisch-palästinensische Position im Westeuropa der letzten Jahre massiv geschwächt haben dürfte, dann ist dies wohl das reale alltägliche Verhalten vieler Araber und Muslime bei uns. Wobei "viele" bitte nur als absolute Zahl verstanden werden soll. Die Arschlöcher sind auch unter den Moslems in der Minderheit, aber es ist leider eine unangenehm große Minderheit.

>
> Die Antwort gibt Charles Krauthammer
> auf http://wp.me/pi0jo-mP.

Kommt auf die Sichtweise an. Krauthammer tut so, als sei die böse Welt geschlossen gegen Israel, aber das stimmt nicht. Ich hatte nicht den Eindruck, dass der Gaza-Krieg von der Welt einhellig als illegal verurteilt wurde. Dass man aber in diplomatischen Noten dringend um Frieden bittet, das muss doch bitteschön klar sein! Die Zivilbevölkerung in der Region leidet, selbst wenn der Krieg legal ist!

Generell würde ich Israel empfehlen, die Blockade öffentlich zu beenden, aber gleichzeitig klar zu sagen: "Jedesmal, wenn mehr als x Raketen in y Monaten auf uns abgeschossen werden, machen wir die Seewege wieder längere Zeit zu, und legen Minen."

Das ist vielleicht der beste Weg, um die Öffentlichkeit für das Problem zu sensibilisieren. Viele denken nämlich, Israel sei zwar abgezogen, hätte aber sofort Gaza blockiert.

>
> P.S.: Dass jemand sich als
> "pro-israelischer Autor" deklariert,
> sollte eigentlich noch kein Grund
> sein, ihn zu diskreditieren.

Naja, auch ich kann diese ganze extrem parteiische Neocon-Israel-Rightwing-Inzest-Brühe kaum noch sehen. Mich wundert es auch nicht, dass das alles auf viele Leute hochgradig unappetitlich wirkt. Jegliche halbwegs neutrale, sich ausgewogen verhaltende Instanz ist da hundertmal besser. Ich z.B. finden den von mir verlinkten Interviewpartner des Spiegels sehr glaubwürdig, weil man spürt, dass seine Argumente Hand und Fuß haben, und auch beide Seiten beleuchten.


Thomas M. Eppinger, 06.06.2010 00:55
@Ben: Wir können uns noch seitenlang Argumente um die Ohren schlagen, ob die Aktion der israelischen Marine nun legal war oder nicht, aber wir werden das hier nicht klären können.

Ich bin kein Militärexperte und kann und will mich nicht darüber auslassen, ob bzw. welche Alternativen es gegeben hätte. Das ist auch müßig, weil ohnehin niemand bestreitet, dass die Operation schief gelaufen ist. Der Ausgang war ja auch von den Israelis nicht so geplant. Gundsätzlich scheint die Taktik aber zu funktionieren, wie man an den anderen fünf Schiffen und der "Rachel Corrie" sieht. Solange es sich bei der Besatzung um friedliche Demonstranten handelt und nicht um Attentäter, sind keine Opfer zu beklagen.

Die viel bedeutendere Frage ist doch, welche Alternativen Israel überhaupt noch bleiben, um sich zu verteidigen, ohne von der Welt verdammt zu werden. Die Antwort gibt Charles Krauthammer auf http://wp.me/pi0jo-mP.

P.S.: Dass jemand sich als "pro-israelischer Autor" deklariert, sollte eigentlich noch kein Grund sein, ihn zu diskreditieren.


Ben, 05.06.2010 12:33
@Thomas M. Eppinger

> "Auch wenn man hinterfragen kann, ob
> Israels Handlungen, um die Flottille
> zu stoppen, klug waren, legal waren
> sie auf alle Fälle." Alan Dershowitz,
> Daily News

Ein weiterer 100% pro-israelischer Autor, der die Frage nach dem Kriegszustand nicht beantwortet. Du kannst mich mit weiteren Links dieser Art aus der pro-Israel und Neocon-Szene sicherlich zukleistern, wenn du willst, aber nimm doch bitte auch mal das von mir verlinkte, deutlich ausgewogenere Interview unter

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,697889,00.html

zur Kenntnis. Die Kernaussage dort stimmt leider. Man kann nicht nach Beliebigkeit im Status hin- und herswitchen, sich mal als Besatzungsmacht über die Palästinensergebiete ausweisen, und dann wieder als eine von zwei Kriegsparteien. Alle deine Pro-Argumentationen "übersehen" diesen entscheidenden Punkt äußerst geflissentlich, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und weil das so ist, dass der Status eben NICHT geklärt ist, muss man da eben sein eigenes Feld absolut sauber halten, was bei einem Angriff in der 12-Meilen-Zone auch der Fall gewesen wäre.

Man sieht den Doppelstatus-Fehler übrigens sogar in Dershowitz' Argumentation sehr schön. Er vergleicht die Situation mit der Kuba-Blockade, wo die Amerikaner die gegnerischen Schiffe auch auf hoher See aufgebracht haben, eben damit die Schiffe nicht erst in die nationalen Gewässer Kubas, also des Feindes, vordringen. Nur gibt es da einen üblen Haken: Im Fall von Gaza sind die "nationalen Gewässer" nicht etwa die nationalen Gewässer des Gaza-Streifens, sondern die von Israel selbst! Das sage nicht ich, sondern das ist die übliche Aussage der Israelichen Regierung! Und genau da haben wir ihn wieder, den Doppelstatus, je nachdem, was gerade angenehmer ist. Die Sache ist viel zu zweifelhaft, um sie mit ein paar Gefälligkeitsartikeln aus der Welt zu schaffen.


Thomas Eppinger, 04.06.2010 20:37
"Auch wenn man hinterfragen kann, ob Israels Handlungen, um die Flottille zu stoppen, klug waren, legal waren sie auf alle Fälle." Alan Dershowitz, Daily News
http://tinyurl.com/37dgzeh


Ben, 04.06.2010 19:07
@Thomas M. Eppinger

[Bezüglich des Angriffs in internationalen Gewässern]
> Israels Position ist durchaus
> vertretbar und legitim.

Das wäre sie, wenn sie konsistent wäre. Genau das ist aber NICHT der Fall. Mal ist Israel nach eigener Definition im Krieg, mal ist es eine Besatzungsmacht im Frieden, so wie es halt gerade passt. Das geht so nicht!

>
> Und nein, die Verminung einer Küste
> ist nicht dazu angetan, in den Augen
> der welt Pluspunkte zu sammeln.

In den Augen der Welt Pluspunkte zu sammeln ist ohnehin nahezu unmöglich. Es geht darum, bei halbwegs ausgewogen denkenden Leuten Pluspunkte zu sammeln. Zu diesen Leuten zähle ich mich in Bezug auf Israel auf jeden Fall, nur momentan sehe ich keine glaubwürdige Möglichkeit, das israelische Vorgehen zu verteidigen. Das rabiate Entern (statt einer Wegsperre z.B.) und selbst die Schüsse der Soldaten könnte ich noch verteidigen, aber dass die Sache nicht in nationalen Gewässern stattfand, bricht mir argumentativ das Genick.

> [Verminung]
> Es gibt nämlich nicht nur Schiffe,
> die nach Gaza hinein wollen, sondern
> auch solche, die aufs Meer hinaus
> wollen, zB zum Fischen.

Gibt es dafür Belege? Ich kann es mir schwer vorstellen. Wie dem auch sei, es gibt Minen, die scharf und unscharf geschaltet werden können. Ziemlich sicher auch ferngesteuert. Man könnte den ganzen Teppich also mit einem Schlag scharf schalten, wenn sich eine solche "Hilfsflotte" nähert.

> Sie werden doch einen solchen Unsinn
> nicht ernsthaft als Alternative
> vorschlagen.

Nun, gerade werden weitere Flotten angekündigt, und ich schlage solchen "Unsinn" sogar ganz dringend als Alternative vor. Bleiben Sie mir doch mit bitte mit Ihrem typisch neocon-liberalen TINA-Geplärre vom Leib, denn es stimmt einfach nicht! (TINA=There is no alternative.) Wer keine Minen will, der schießt halt auf die Ruderanlage, stellt Schiffe in den Weg, flutet das Schiffdeck mit Tränengas usw. usf.
Aber ich kann den Israelis nur dringend zur Verminung raten, wenn es wirklich stimmt, dass gerade etliche weitere Flotten vorbereitet werden.

Die Fischer, sofern es sie gibt, können nun wirklich kein Argument dagegen sein! Vor allem, mit Verlaub, die Blockade ist für die Menschen in Gaza hart, weil Dinge wie Zement nur zu Schwarzmarktpreisen zu bekommen sind. Da sind palästinensische Fischer (Wie sollen ausgerechnet die bitte dort wirtschaftlich arbeiten können?) nun wirklich das geringste Problem.


Ferdi, 04.06.2010 14:42
Sie wissen ja gar nicht, was Sie schreiben. Wie kann ein unbewaffnetes Schiff "militärische Ziele" haben? Das ist schwer erträglich, was Sie hier mal wieder für einen propagandistischen Unsinn verbreiten.

Noah, 04.06.2010 08:54
@Martin u. Zasi

Militärische Spezialeinheiten werden darauf trainiert ihren Gegner schnell und effektiv zu neutralisieren, wenn dies notwendig wird.
Hierzu ist, auch wenn dies so nüchtern sehr seltsam klingen mag, ein Kopfschuss der einzig gangbare Weg.
Die angebliche Distanz von einem Meter zeigt zudem nur wie sehr die IDF von den vorgeblichen "Menschenrechtlern" bedrängt worden ist.
Hier von Hinrichtung zu sprechen ist schlicht falsch, passt jedoch in das ganze Geheule von jenen, die stets Ursache und Wirkung verwechseln.




Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Sei nicht reich durch Unrecht."
- Thales von Milet

ANZEIGE

Umfrage

Sollte Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten?






Ergebnis

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?






Ergebnis


Interviews

Hedwig Freifrau von Beverfoerde Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren!
Hedwig Freifrau von Beverfoerde
Sprecherin Initiative Familienschutz

Alfred Zellfelder ESM schwere Belastung für nächste Generationen
Alfred Zellfelder
Landesvorsitzender Freie Wähler Schleswig-Holstein

Mehr Interviews


Empfohlene Blogs

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Diekmann for President!

author Albrecht Prinz von Croy
Warum Deutschland eine Verfassungsreform braucht

author Vera Lengsfeld
Rettet das Bundespräsidentenamt- nehmt Gauck !

author Stefan Fuchs
Verrat an der Wissenschaft: Kathederpropheten vergreifen sich am Betreuungsgeld


Video

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

"Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de) "Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de)

Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag

Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen" Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen"


Galerien

Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität? Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität?

Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test


Reportage

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse

Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs


Meist gelesen
  1. Bundesbank zwei- felt an Fiskalpakt
    02.02.2012 08:41
  2. Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren! Interview Hedwig von Beverfoerde
    01.02.2012 11:15
  3. Nichts als eine üble Räuberbande
    03.02.2012 12:48
  4. ESM-Video in 12 Sprachen übersetzt und über 750.000 mal angesehen
    02.02.2012 22:10
  5. Schäuble legt sich bei Schuldenschnitt quer
    03.02.2012 09:16

Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
EU will Finanz- poker verringern
EU plant Sperrkonto für Griechenland
EU-Kommission will deutsches Rentenalter weiter erhöhen
Nahost-Konflikt
Iran baut militärische Drohkulisse auf
Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen?
USA rechnen mit Konflikt am Golf
DDR-Unrecht
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
CSU-General Dobrindt fordert Überwachung der Linkspartei
Allgemein
Inflation stagniert auf hohem Niveau
Google-Nutzer werden noch transparenter
Merkel lobt Wulffs "Offenheit"
Bildung
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
"Von Krise zu Krise gesteigert" - Interview mit Dr. Bernd F. Schulte
Rezension: Deutsche Policy of Pretention
Reformen
Athens Umschuldung kostet Deutschland Milliarden
EU-Ratspräsident gegen EU-Finanzminister
Troika legt Athen an die Kette
Wirtschaftspolitik
EU-Kommission will deutsches Rentenalter weiter erhöhen
Baden-Württemberg erwägt Klage gegen Länderfinanzausgleich
Athens Umschuldung kostet Deutschland Milliarden
Familie
Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren! Interview Hedwig von Beverfoerde
Lebensschützer demonstrieren in Washington
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
Autoindustrie
Daimler fährt Rekordgewinn ein
Sprit so teuer wie nie
Aral hält Bezinpreis künstlich hoch
Wahlen
FDP bleibt im Umfragetief
Santorum gewinnt drei Vorwahlen
Merkel nach Sarkozy-Interview in der Kritik
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Umstrittenes EU-Urheberschutzgesetz blockiert
Europarat gegen Euthanasie
Weiter Streit um Vorratsdatenspeicherung

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008