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11.02.2012
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     Saba Farzan
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Ablenkungsmanöver in Teheran
Weitere Themen: Nahost-Konflikt

Es war ein Verhandlungsmarathon, an dessen Ende Iran der Urananreicherung im Ausland zugestimmt hat. Ist es der lange erhoffte Durchbruch im Atomstreit? Mitnichten. Ein Kommentar erschienen auf Zeit Online.

 

Freudestrahlend feierten sie ihren großen Coup: Brasiliens Präsident Luiz Inácio da Silva, der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan, Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad sowie Revolutionsführer Ali Chamenei hatten in 18-stündigen Verhandlungen erreicht, was sich in der Tat revolutionär anhörte: Iran habe der Urananreicherung im Ausland zugestimmt.

Wer sich nun aber im Atomkonflikt mit Teheran schon entspannt zurücklehnen möchte, sei mit einer persischen Redewendung bedacht: Zuerst war es eine Blume, jetzt schmückt uns ein ganzes Blumengedeck. Das klingt poetisch, heißt aber im Klartext: Das Problem hat einst klein begonnen, nun aber Dimensionen erreicht, die kaum noch zu beherrschen sind.

 

Und nur so ist dieses trilaterale Abkommen zwischen Iran, Brasilien und der Türkei zu bewerten. Die internationale Staatengemeinschaft hatte in den vergangenen sieben Jahren des endlosen Redens das iranische Atomprogramm in vielfacher Hinsicht fatalerweise unterschätzt. Schon eine atomar bewaffnete Diktatur in Teheran hätte dramatische Folgen, aber die noch viel gefährlichere Dimension eines weltweiten atomaren Wettrüsten hatte bisher so gut wie niemand bedacht.

So ist Lula da Silva nicht einfach nur als Präsident eines Landes ohne Atomwaffen nach Iran gereist, sondern als Staatsoberhaupt eines südamerikanischen Schlüsselstaates, der ebenfalls Interesse an der atomaren Bewaffnung hat. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Brasilien dieses Vorhaben gelingt, die Folgen für den südamerikanischen Kontinent werden kaum abzusehen sein.

Auch die Türkei fährt seit Erdoğans Amtsübernahme außenpolitisch in gefährlichem Fahrwasser. Wirtschaftlich und politisch hat sie sich wie noch nie zuvor an die islamistische Diktatur in Iran gebunden und gleichzeitig wird die türkische Regierung nicht tatenlos dabei zusehen, wie dort an einer Atombombe gebastelt wird. Gut möglich, dass in Ankara dann ebenfalls ein Kernwaffenprogramm in Gang gesetzt wird.

Der Vertragsabschluss an diesem Montagvormittag in Teheran ist deshalb ein Deal, der nur so aussieht wie ein Durchbruch. In Wahrheit ist es ein Bündnis gegen den Westen – unterschrieben von drei Staaten, die eine besorgniserregende Nähe zueinander suchen. Von einem Einlenken Irans im Atomstreit kann keineswegs die Rede sein.

In den Brasilien-Türkei-Iran-Vertrag aufgenommen ist nämlich nur niedrig angereichertes Uran für den iranischen Forschungsreaktor, um den es im Atomstreit überhaupt nicht geht. Die Kernfrage um iranische Anlagen mit hoch angereichertem Uran zur Herstellung von Atomwaffen wurde ausgespart. Und so überrascht es nicht, dass Irans Regierung inzwischen angekündigt hat, die Urananreicherung im eigenen Land auch künftig fortsetzen.

Vor jeder Euphorie um eine Lösung im iranischen Atomkonflikt empfiehlt es sich deshalb stets das Klein- oder Nichtgedruckte zu beachten und die wirklichen Vorgänge in Teheran zu beobachten. Versprechungen hat es in den vergangenen Jahren viele gegeben. Keine einzige ist Realität geworden. Der Schulterschluss mit Brasilien und der Türkei ist nur ein neuer Versuch des iranischen Regimes, Zeit zu gewinnen.

Die Machthaber möchten sich in den kommenden Wochen vom Druck der internationalen Staatengemeinschaft und einer schmerzvollen Sanktionsrunde befreien. Die Rechnung wird nicht aufgehen, denn diesmal, so scheint es, wurde die Taktik durchschaut. Zumal das  trilaterale Abkommen völkerrechtlich keinerlei Bedeutung hat.

Nur ein unterzeichneter Vertrag mit der IAEA kann im Sinne des Völkerrechts anerkannt werden – und einen solchen Vertrag wird es mit Irans Regime nicht geben. Deshalb ist zu hoffen, dass der Druck der Weltöffentlichkeit und führender Nationen in den kommenden Wochen nicht nachlassen und die Staatengemeinschaft in Form von gezielten Sanktionen reagieren wird.

In weniger als einem Monat jährt sich der Beginn der Grünen Bewegung in Iran. Diese Zeit wollen die Machthaber nutzen, um die Straßen des Landes leer zu halten. Ein außenpolitisches Theater, wie es heute in der iranischen Hauptstadt aufgeführt wurde, passt da gut in die Kalkulation.

Ob die Aufführung allerdings wirkt, ist mehr als fraglich. Das Regime steht in nahezu jeder Hinsicht mit dem Rücken zur Wand. Als in der vergangenen Woche fünf unschuldige Menschen hingerichtet wurden, protestierten zahlreiche Studenten an der Teheraner Universität gegen ihre illegitime Führung. Vergangenen Donnerstag trat das gesamte kurdische Gebiet in einen Generalstreik. Es gibt einen noch größeren Druck, den das Regime niemals wieder loswird: den Willen der Iraner, in der Freiheit anzukommen.

 

 



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Kommentare (6)




 
  Kommentare (6)

azar, 27.01.2012 16:33
Es fällt wiederholt auf, daß Frau Farzan nahezu in allen Veröffentlichungen und Sendungen (zuletzt etwa in der Phoenix-Runde am 26./27.01.2012, in denen sie wirkt, eine Aura der internen Irankennerin und zugleich eine durch und durch Europäerin einnimmt, um zu suggerieren, daß sie das Wissen (Iranwissen)gepachtet hat. Im Schatten dieser Aura äußert sie sich stets wenig bis gar nicht differenziert in der Addaption neokonservativer nordamerikanischer Art, in der Hoffung und Annahme, daß sie kraft ihrer iranischen Herkunft von den Lesern/Zuschauern als besonders glaubwürdig und fachwissend empfunden wird. Es ist beschämend, daß sie nicht einmal bereit und in der Lage ist, die mit ihren Auffassungen nicht vereinbaren Sichtweisen anderer Diskutanten bzw. Autoren jedenfalls als denkbar zu akzeptieren. Sie sollte in ihrem (berechtigten) Anliegen, die iranische Führung zu entzaubern und als ein ablehnendes System darzustellen, nicht die autoritäre Kultur leben, die sie (zurecht) den iranischen Machtabern vorwirft. Allein eine deutsch-iranische Medienmacherin zu sein, reicht nicht aus, um auch als Kennerin zu gelten. Bei allem Respekt vor d. wissenschaftl. Werdegang der Dame.

Mr. Truth, 01.08.2010 13:26
dies ist einer der wenigen Artikel hier auf freiwelt, dem ich entschieden widersprechen möchte.

Der iranische Präsident hat mehrmals bestätigt, dass er aus guten Gründen keine Atomwaffen anstrebt, nicht zuletzt deshalb, weil diese nicht einsatzfähig gegen den militärischen feind sind. Das sehen wir auch ganz klar: die USA hhaben Atomwafen und es herrscht trotzdem in deren besetzten gebieten wie Iran und Afghanistan kein Frieden und die "nukleare Abschreckung" wirkt einfach nicht. Werfen wir ein blick in den Nahen Osten. israel besitzt - und das sit ein offenes Geheimnis - auch Atomwaffen. und trotzdem schafft es die israelische Regierung nicht den Gazastreifen unter Kontrolle zu kriegen. die Sowjetunion besaß auch Atomwaffen. Und was war in den neunziger harenß Das ganze sowjetische reich ist zusammengebröselt, trotz des besitzes von Atomwaffen. Darum ist es unwahrscheinlich, dass der Iran überhaupt an Atomwaffen interssiert ist, denn wie wir an diesen Großmächten sehen könnnen, sind Atomwaffen in der Praxis überhaupt nicht einsetzbar. Lediglich könne der besitz von Atomwaffen - wenn überhaupt - als Abschreckung gegenüber Feinden dienen. Wenn der iran Atomwaffen besitzen möchte, wäre das nur aus einem grund denkbar: sie haben die Kriegsspieel der USA satt: die USA haben im ran ein demokratisches System zum Stillstand gebracht und den Schar installiert, der dort eine menschenverachtende Dikatur eingerichtet hat. Und warum? Weil dieser den Amerikanern preiswerte Öllieferungen und wirtschaftliche Zusammenarbeit auf allen Gebiten versprochen hat.

Abgesehen mal davon: welche Nation führ eigentlich im Nahen Osten Krieg gegen die Palestinänser und besitzt Atomwaffen? Welche Nation hat Schwierigkeiten mit einer Öleck fertig zu werden und besitzt weltweit die meisten Atomwaffen? Und welche Nation bedroht der Iran? Der Iran hat bis zum heutigen Tag mit keinem weinzigen Angrifskrieg gedroht, wohingegen die USA udn Israel (mit Atomwaffenbesitz) ständig anderen Antionen mit militärischen Maßnahmen drohen? Insofern sollte der Iran mehr beunruhigt sein als die USA. Und war es nicht Israel, die dem iranischen Präsidenten mit einem militärischen Angriff drohten? In diesem Sinne hoffe ich zum Thema Iran mehr Objektivität und vor allem weniger Kriegspropaganda, denn bis zum heutigen tag wurden keine atomaren Waffen im ran gesichtet und es gibt diesbezüglich keinen einzigen Beweis dafür. Dass der iran Atomwaffen besitz ist genauso wahrscheinlich, wie dass der Irak Massenvernichtungswaffen während der Sadam Hussein Zeit besass. In diesem Sinne wünsche ich mir mehr Sachlichkeit.

Und wer interssiert ist, der möge doch einmal auf den englischsprachigen iranischen TV Sender gehen. Dort gibt es über das Internet auch einen Livestream. Es wird die politische Sichtweise der iranischen Regierung über das Weltgeschehen beschrieben, eine sehr gute Alternative zu unseren (westlichen) Nachrichten. jeder soll dann selbst enstcheiden, welche Berichterstattung er als die wahrhaftigere ansieht. der Link ist der folgende:
http://www.presstv.ir/


Frank, 20.07.2010 04:52
Dieser Beitrag erscheint mir der Richtige um die Kriegsstimmung anzuheizen und einem bevorstehenden Krieg eine Rechtfertigung zu geben. “… den Willen der Iraner, in der Freiheit anzukommen“, so pauschal läßt sich das allgemeingültig erklären? Es ist hoffentlich nicht die “Freiheit“ gemeint, der ich schon Jahre versuche zu entkommen? Wie definieren Sie denn Freiheit Frau Saba Farzan? Die Freiheit der Völker oder die Freiheit der globalen Institutionen und Ihrer Helfer zu einer neuen Weltordnung? Wie sieht es denn mit den demokratischen Grundrechten des amerikanischen Volkes aus? Europa geht auch den Weg der Zentralisierung mit erheblichem Demokratieverlust! Ich hoffe für das Iranische Volk, Sie meinen nicht mit Freiheit den Austausch eines Diktators gegen den nächsten!? In einer Zeit, in der die Worte “Völkerrecht“ und “Demokratie“ in mir die Assoziation Krieg hervorruft, dürfte mehrfach ein Mißbrauch dieser Worte stattgefunden haben! Ich möchte hier nicht mißverstanden sein, ich bin kein Anhänger dieses Regimes aber sich einer US-Herrschaft zu unterwerfen kann doch nicht die Alternative sein!? Letztendlich läuft es doch darauf hinaus, oder habe ich da was falsch interpretiert?

goldman sachs, 27.05.2010 16:16
Hmm, interessante Verschwörugstheorie, dass Herr Ahmadinedschad da mal wieder eine außenpolitische Inszenierung gestartet hat, um zum Jahrestag der "Grünen Revolution" die Strassen leer zu machen. Also eins muß man Ahmadinedschad wirklich lassen, diplomatisch hat er einige Finessen zu bieten! Obwohl ihm das ja keiner zugestehen will! Der Mann wirkt schüchtern, schmächtig, schlecht angezogen, milieutypisch schlecht rasiert, also überhaupt nicht wie der Mann aus Armageddon!

Ahmadinedschad sieht dieses Sanktionsspiel glaub ich eh ganz locker. Seine Zentralbank ist ja schon eine der ganz wenigen WIRLICH unabhängigen Zentralbanken der Welt. Und vor der Finanzkrise hat Bush ihn gezwungen, alle Bankguthaben in den Iran zu transferieren. Die Chinesen bauen wie wild im Iran und die Russen wollen da nicht nachstehen! Es läuft doch alles wie geschmiert!

Die Opposition ist ja eh von Amerika gekauft, sieht man ja an diesen Sanktionen, die das Reich des Satans plant!


moshiri, 18.05.2010 17:44
Das ist wieder eine Wahrheit, die uns gegenüber steht, was man mit neuen Manöver der Mullahs, mehr zeit Zugewinnen, macht. Die Hinrichtungen der unschuldigen Jungend im Iran vor 1. Jahrestag der Aufstände im Iran, zeigt wie dieses Regime unmenschlich und auch schwach ist. Für beide diese Eigenschaften zahlen der iranischen Bevölkerung. Das ist wieder dumm zu glauben, dass diesmal die Mullas nicht lügen.

Schulze, 18.05.2010 11:44
sehr interessanter Beitrag, danke!


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