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     Dr. Michael von Prollius
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Inflation trifft die (kleinen) Verbraucher besonders hart
Weitere Themen: Finanzkrisen, Bildung, Wirtschaftspolitik

Wider aller Erfahrung gilt Inflation manchen Menschen immer noch als probates Mittel, um der Staatsverschuldung Herr zu werden und einen Ausweg aus der selbst gestellten Schuldenfalle zu finden. „Mich trifft es ja nicht.“ lautet die Parole. Leider beruht diese Vorstellung auf Unwissen. Inflationsapologeten sei zugerufen: Schießt Euch nicht ins eigene Knie und schon gar nicht in das Eurer Nachbarn!

Inflation ist die Ausweitung der Geldmenge. Dieses monetäre Phänomen wird heute vielfach mit Teuerung (auch Preisinflation) verwechselt, also mit Preissteigerungen auf breiter Front, die aber lediglich Folge einer notwendigerweise vorangegangenen Geldmengenerhöhung sein können. Sofern die Geldmenge konstant bleibt können Preise nur dann steigen, wenn andere fallen. 

Von herausragender Bedeutung sind die nach einer Geldmengenausweitung ablaufenden Prozesse: Erhöht sich die Geldmenge, steigen die Güterpreise nämlich nicht auf einen Schlag. Nach einer Verdopplung der Geldmenge über Nacht wachen wir am Morgen nicht auf, um erstaunt festzustellen, dass sich der Inhalt unserer Brieftasche oder der Stand unseres Kontos ebenfalls verdoppelt hat. Und auch die Güterpreise verdoppeln sich nicht gleichmäßig. Zunächst steigen nämlich die Preise in den Branchen, in denen das zusätzliche Geld zuerst ankommt und die es beispielsweise durch Investitionen weiter in Umlauf bringen.

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Der irische Bankier Richard Cantillon (1680 – 1734) erkannte bereits vor 300 Jahren die bedeutsame Wirkung der Geldmengenausweitung. Das Ausweiten der Geldmenge trifft tatsächlich verschiedene Menschen in sehr unterschiedlichem Maße (Cantillon-Effekt). Finanzinstitute und alle anderen, die das neu geschaffene Geld zuerst in die Hände bekommen, können mit dem frischen Geld arbeiten und zu unveränderten Preisen kaufen. Sie sind die Gewinner. Als Profiteure des Systems werden sie sich  für ein inflationäres Zentralbanksystem einsetzen. Diejenigen, die das frische Geld etwas später erhalten, können die Güter und Dienstleistungen nur noch zu bereits gestiegenen Preisen kaufen. Den Großteil der Konsumenten erreicht der Geldstrom erst dann, wenn die Preissteigerung in sämtlichen Wirtschaftszweigen zu beobachten ist. Am Härtesten trifft Inflation die armen Teile der Bevölkerung, weil bei ihnen das zusätzliche Geld zuletzt ankommt und die Teuerung längst eingetreten ist. Sie sind die Verlierer. Wäre das anders, könnten wir uns reich drucken. Vor allem Rentner gehören zu der genannten Gruppe. Friedrich August von Hayek hat die inflationäre Ausweitung der Geldmenge mit dem Ausgießen von dickflüssigem Honig verglichen, der sich ungleichmäßig verteilt und an der Stelle des Auftreffens eine kleine Erhebung bildet, die symbolisch für steigende Löhne und Preise steht. Nun wird auch klar, warum in Finanzmetropolen Gehälter, Preise und Mieten überdurchschnittlich hoch sind.

Die staatlich betriebene Inflation bewirkt letztlich eine Umverteilung vom armen, kapitallosen Teil der Bevölkerung zu den wohlhabenden Schichten. Transaktionen, bei denen Geld verwendet wird, sind durch eine Geldmengenausweitung nicht mehr für alle Beteiligten gleichermaßen vorteilhaft. Im politisch korrekten Mainstreamjargon bedeutet das: Inflation widerspricht der sozialen Gerechtigkeit. 

Die meisten Politiker mögen indes die Inflation, obgleich sie das Wieselwort von der „sozialen Gerechtigkeit“ ständig im Munde führen. Steigende Löhne suggerieren steigenden Wohlstand. Zugleich entwertet Inflation die Staatsschulden. Gleichzeitig aber sorgt Inflation für soziale Konflikte und höhlt allmählich die Wohlstandsentwicklung aus. Zudem schwindet das Bewusstsein dafür, dass man nicht aauf lange Sicht mehr Geld ausgeben kann, als man einnimmt. Ludwig von Mises hat darauf hingewiesen, dass Inflation eine Politik ist, die nicht dauerhaft durchgeführt werden kann, weil sonst die Währung ruiniert wird. Da es sich um eine Politik handelt, kann man sie entweder ändern oder sich weiter riskanten Illusionen hingeben.



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Kommentare (6)




 
  Kommentare (6)

Freigeist, 12.05.2010 23:47
Die kleinen Leute und die Inflation, ja, die gibt es schon in einem der wichtigsten Bereiche des täglichen Lebens seit Jahrzehnten. Beispiel Baulandpreise: 1 Quadratmeter grüne Wiese kostet landwirtschaftlich betrachtet ca. 1 Euro. Wird die Weise dann Bauland, dazu bedarf es nur einiger Stempel der Gemeinde, kostet im Speckgürtel der großen Städte dann der Quadratmeter Bauland für den Bauwilligen ca. 350 Euro. Dies ist der pure Erpressungspreis, denn es wird nur so wenig Bauland zur Verfügung gesellt, dass die Preise nahezu stetig steigen. Fassen wir zusammen: Wiesenpreis 1 Euro/qm,
Infrastruktur (Straße, Abwasser etc.) ca. 30 Euro/qm. Gewinn für den Landwirt oder Spekulanten: 350 minus 31 Euro = 319 Euro. Der Baulandpreis war einer der größten internen Inflationstreiber innerhalb von Deutschland. Es triff vor allem die kleinen Leute, die lebenslang Miete zahlen müssen, bis zum Pflegeheim/Bahre. Komischer kleiner Mann, zuerst zahlst du über deine Steuern an die Landwirte Subventionen, dazu bezahlst du für Bauland einen Wucherpreis, ohne dass du es merkst, wie es funktioniert. Inflation pur, schon innerhalb von Deutschland, ohne jedwede Berührung mit dem Ausland. Hausgemachte Inflation, ohne jedes Zutun von Finanzmärkten. Hausgemacht innerhalb der eigentlich überschaulichen Gemeinde und trotzdem - fast niemand merkt es.


Ben, 12.05.2010 21:01
Die Inflation trifft den Verbraucher, den Rentner und den Pensionär besonders hart? Wunderbar! Genau das soll sie bitte auch tun! Aber bitte nicht über einen mehrjährigen langsamen Prozess, sondern am besten auf einen Schlag!

Die Renten sind zu hoch, die Pensionen sind viel zu hoch, die leistungslosen Einkommen sind zu hoch, die Mieten sind deutlich zu hoch, die Schulden sind zu hoch, aber die Arbeitseinkommen sind nur eines: zu hoch belastet.

Und genau das bekommt man mit einer Blitz-Inflation deutlich ins Lot gerückt. Sollten dabei die Superreichen wieder mal die allzu großen Profiteure sein, so muss man da dann eben per Steuerrecht nachjustieren.

Aber angesichts der Alternative, dass der junge Arbeitnehmer den ganzen Mist der letzten Jahre alleine zahlt, und im Alter nackt unter Wölfen steht, nur damit die Beamtenpension des unkündbaren und gut gepolsterten Herrn Prollius ja nicht angetastet wird, ist eine Inflation nur allzu wünschenswert.


Christian Beuthe, 12.05.2010 12:58
Kleine Relativitätstheorie

Klar ist, das Thema EZB-Kredite für Euroland ist außerordentlich komplex, seine Milliarden-Dimensionen völlig abstrakt, zudem Presse freiheitlich überfrachtet und die weltweiten auf gegenseitigen Verbindlichkeiten basierenden Verflechtungen und Abhänigkeiten machen es auch nicht einfacher zu verstehen, aber nach reiflicher Überlegung und möglichst wertfrei von etwaigen Parteipopulistischen Präferenzen komme ich zu der Ansicht, dass die monetären Gewährleistungen für Griechenland und andere Not leidende Euro-Staaten vielleicht doch gar nicht so falsch sind.

In Relation zur Euro Geldmenge M3 (ca. 10 Billionen Euro) sind nämlich die 110 Milliarden Euro für Griechenland oder die 750 Milliarden Euro für die EU letztlich sicher irgendwie zu schultern. Die Geldmenge wächst also im vorgesehenen Extremfall um ca. 8-9 % - das sollten wir eigentlich abkönnen. Das ist höchstens eine “Marginal-Inflation“, von echter Geldentwertung (siehe Weimarer Republik)! kann man da nicht wirklich sprechen, der 10%-Kursrückgang des Euro spiegelt das nur marktgerecht wieder!

Bedauerlicherweise ist diesbezüglich immer wieder von Spekulanten die Rede. Ich halte das für Grund verkehrt, sie mögen zwar in bestimmten Grenzen als auslösender Faktor fungieren, Ursache der länderspezifischen Strukturdefizite sind sie aber nicht. Man bedenke einmal, dass z. B. stark exportorientierte Staaten wie China oder Japan (so wie auch Deutsche Banken, Versicherungen, EU-Auto-Industrie etc.) in Bezug auf ihre sicher exorbitanten Euro-Bestände schon aus Eigeninteresse aktives Währungsmanagement betreiben. Inwiefern jetzt also wer wie aus welcher Interessenslage in Bezug auf den Euro spekulativ handelt, vermag ich nicht zu sagen – aber es war definitiv wichtig, die bestehende Nervosität an den Finanzmärkten zu beruhigen, denn aus Verunsicherung hätte sich Angst entwickeln können, woraus Panikverkäufe resultieren könnten. Das wäre dann wohl der globale Finanz-GAU. Dieses Worst-Case-Szenario würde wohl letztlich eine weltweite Stagflation mit bedeutend mehr Negativ-Folgen für alle bedeuten.

Okay, wir finanzieren zwar jetzt von Insolvenz bedrohte Schulden mit neuen Staatsdefiziten, das ist sicher nicht so glücklich, dramatischer wäre aber wohl wirklich der Ausfall von Krediten eines zahlungsunfähigen Griechenlands für die europäische Bankenlandschaft geworden. Etwaige Liquiditätsausfälle der EU-Finanzinstitute würden wohl eine neue systemische Kettenreaktion auslösen, das galt es zu vermeiden, da dies unzweifelhaft für die produzierende Industrie zu Kreditengpässen geführt hätte. Dadurch bestünde die tatsächliche Gefahr einer globalen Rezession (wir haben schließlich schon mit Immobilienkrise, Aschewolke und Öl-Katastrophe genug zu kämpfen)!

Deutschland und der gesamten EU geht es nur mit einer gesunden, kapitalbasierten Wirtschaft gut - dann lassen sich auch die Schulden bei entsprechendem Kostenbewußtsein wieder reduzieren. Darum ist es in dieser besonderen Krisensituation wohl richtig, den Euro-Ländern direkt Finanzmittel bei moderatem Geldmengenwachstum zu zuführen, auch wenn es zunächst scheinbar primär auf Kosten Deutschlands geht! Letztlich kommt es aber tatsächlich gerade uns Deutschen zu Gute, wenn wir der EU-Kaufkraft mittels Transferzahlungen sichern, also Wirtschaftsleistung mittels Zugang zu Geldmitteln gewährleisten.

Zusammenfassend ist Merkels Krisenmanagement möglicherweise doch gar nicht so verkehrt - und zwar tatsächlich in unserem Deutschen Eigeninteresse. Ja, ich weiß, es klingt schon komisch, was ich da schreibe, aber es ist auch verdammt schwierig die umfangreiche Medien-Polemik außen vorzulassen und sich die tatsächlichen Fakten, Folgen und die potentielle Tragweite der Situation zu vergegenwärtigen. Logisch sind natürlich auch die Rechtsgrundlagen und Länderdefizite zu klären bzw. zu beachten, aber wohl wirklich wichtiger war es pro-aktiv zu handeln, das ist nun geschehen – auch wenn es relativ unpopulär erscheint, war es wohl doch richtig. - Glaube und hoffe ich.

Falsch wä...


Susanne, 12.05.2010 11:39
Auch ich danke für den erhellenden Artikel. Wenn ich ihn richtig verstehe, ist eine Folgerung, daß die Oberen mehr zur Kasse treten müssen. Wieder rauf mit dem Spitzensteuersatz für Groß- und Besserverdiener und mehr Einnahmen für den Staat, um die Überschuldung und die auch dadurch verursachte Geldmengenausweitung zu verhindern.

Hedwig Beverfoerde, 12.05.2010 09:35
In kurzen Worten sehr erhellend! Danke.

Michael Hönnig, 12.05.2010 08:03
Das Problem der Inflation ist gut beschrieben, fehlt nur die Betonung, dass es gar nicht die Inflation selbst, die das Problem darstellt, sondern die Art und Weise wie sie gemacht wird.

Deutlich wird es, wenn die Zentralbanken Ramschanleihen von Geschäftsbanken ankaufen. In dem Fall wird den Geschäftsbanken nicht nur Liquidität verschafft, sondern Kapital geschenkt. Genommen wird es im gleichen Zuge von allen anderen, die über Geldvermögen verfügen, da deren Geldvermögen abgewertet wird.

Wenn es die Staaten sind, die den Vorteil selbst erhalten (Direktkauf von Staatsanleihen) scheint, aber eben nur zum Schein.

Es gibt aber andere Möglichkeiten von "Inflation machen", z.B. eine pro-Kopf Ausschüttung. Und Preisinflation kann sinnvoll sein, um den zeitlichen Spread des Kreditmarktzinses vom Geldmarktzins zu gewährleisten. Man muss es nur von Anfang an und richtig machen.

Geldwertstabilität in Kombination mit 0% Nominalzins auf die Geldbasis selbst (Bargeld selbst ist unverzinst) wirkt jedenfalls wie ein Mindestzins auf die gesamte Zinsstruktur.



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