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11.02.2012
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Über die EZB, die EU und 500 Mrd. neue (!) Dammbrüche
Weitere Themen: Finanzkrisen, Reformen, Wirtschaftspolitik

Heute nacht hat Europa weitere 500 Mrd. Euro (!!!) "Soforthilfe gegen die Spekulanten" beschlossen. Zuzügl. 250 Mrd. vom IWF. Viel weiß ich nicht über Volkswirtschaft, Geld- und Finanzpolitik, über Inflation und Notenbanken. Aber der ganz normale Menschenverstand hilft eigentlich ganz gut, um zu verstehen, was geht und was nicht geht. Kurz gesagt: Man kann auf Dauer nicht mehr ausgeben, als man hat. Sonst knallt´s. Und damit sich auch die Politik dran hält, hatten wir uns einige Regeln gegeben (Der geneigte Leser mag staunen: Ja. Hatten wir!) .

 Ich fasse mal die basics zusammen:

 1. Notenbanken sind unabhängig von der Politik. Sie sorgen für stabile Preise. Sie verhindern, daß die Politiker mit immer mehr billigem Geld populäre Politik machen können. Populäre Politik zu machen ist eine der Demokratie systemimmanente Gefahr, denn Politiker, zumal Berufspolitiker, wollen zuförderst wiedergewählt werden. Sparen ist Aua ist Abwahl. Aber: wenn die Politik mehr Geld ausgibt, als da ist, diszipliniert ein erhöhter Zinssatz bei der Darlehensaufnahme. („Oh....- der Dispo ist aber teuer. Na- dann muß die alte Winterjacke wohl auch noch dieses Jahr halten“).

 2. Notenbanken drucken kein Geld und verteilen es an Bedürftige (Banken). Notenbanken refinanzieren Banken. Gegen Sicherheiten. Und: Die Sicherheit müssen etwas wert sein. („Sie wollen ein Auto finanzieren über unsere Bank? Gegen Ihre Sammlung alter Zahnputzbecher? Nein, tut uns leid. Auf Wiedersehen.“).

 3. Die EU ist kein Bundesstaat, sondern ein Staatenbund. Jedes Land verantwortet seine Politik vor seinen Landsleuten und seinen Wählern. Wenn meine Regierung schlechte Politik macht, wähle ich sie ab (Ich weiß. Ein weites Feld...) Da ich die griechische Regierung nicht abwählen kann, hafte ich auch nicht für deren Scheitern. Sagen die EU-Verträge. Logisch.

 4. Die Staatsverschuldung ist im Vertrag von Maastricht auf 60 % und die (wohlgemerkt: jährliche) Neuverschuldung auf 3 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) begrenzt.

 Klingt bis hierher ja vernünftig. Aber es fehlte etwas: ein „eigentlich“ -  vor jedem Verb:

  „Eigentlich“ ist die EZB unabhängig. Aber entscheiden tut der Rat der EZB, in dem neben sechs EZB-Figuren alle 16 Präsidenten der nationalen Zentralbanken sitzen. Also der Grieche, der Ire, der Spanier, der Italiener, der Deutsche... Jeder mit einer Stimme. Sobald die  klammen Länder also die Mehrheit haben- ist endgültig Schluß. Im Angesicht des sofortigen Bankrottes ihres Landes werden auch die Währungshüter zu Politikern oder deren Handlangern. Wir erleben es gerade. Die EZB vergibt unter ausdrücklicher Aufgabe der eigenen Richtlinien jetzt Darlehen gegen Zahnputzbecher. Dementiert wird von Trichet  im Moment noch, was FED und Bank of England seit über einem Jahr schon klammheimlich  treiben: „Der direkte Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank“, eine Umschreibung für nichts anderes als das Anwerfen der Notenpresse.

 Und: „Eigentlich“ ist die EU kein Bundesstaat. Und weil ich die griechische Regierung eben nicht abwählen kann, hafte ich „eigentlich“ auch nicht usw. Und nun eben doch. Mit 22,4 Mrd. Euro bis gestern. Fürs erste. Und nur für Griechenland. Ob da die 120 Mrd. Euro griechischer Kredite, die zwischen 2011 und 2014 zur Rückzahlung fällig werden, schon mit drin sind? Oder reichen die angestrebten Einsparungen von 30 Mrd. Euro, deren Ankündigung für bürgerkriegsähnliche Zustände auf Athens Straßen sorgte und schon drei Menschen das Leben kostete? (Seit heute nacht wissen wir: weitere 500 Mrd. sind beschlossen. 500 Mrd. !!!).

 Baroso schwadroniert von Spekulanten, gegen die jetzt der Euro verteidigt werden müsse, „koste es, was es wolle“. SPEKULANTEN? Spekulanten haben in jahrzehntelanger Mißwirtschaft die Verschuldensquoten von 124,9 % (Griechenland), 116,7 % (Italien), 84 % (Belgien), 76,7 % (Deutschland)- 84 % (EU- Durchschnitt; Maastricht-Vertrag sagt maximal: 60 %) verursacht??? Spekulanten verschulden in 2010 die Volkswirtschaften neu um 14,7 % des BIP (Irland), 12,2 % (Griechenland), 8,2 % (Frankreich), 5,0 % (Deutschland), 6,9 % (EU-Durchschnitt; Maastricht: max. 3 %)??? Ja- spinnt der?  Warum bloß spekulieren die Spekulanten nicht gegen die Schweiz? Oder Liechtenstein? (Das Faß irrwitziger Leerverkäufe und unverantwortlicher Finanzmarktprodukte usw. laß ich zu). Und nun wird also der Euro gerettet. „Koste es, was es wolle“. Vor den Spekulanten. Halleluja!

 Was mich am meisten ärgert: „Der Politiker“ will mir jetzt weismachen, ich – der Normalo-Bürger- verstehe von alledem nichts. Das sei alles hochkomplex, alles mit allem verknüpft- und überhaupt. Auf gar keinen Fall eignen sich derlei Dinge natürlich für Volksabstimmungen. DAS GEGENTEIL IST RICHTIG! Ich – Normalo - habe ein außerordentlich gutes Verständnis für Vernünftiges und Schwachsinn. Und diese Staatsbankrotteure und ihre Geld-, Finanz-, Wirtschafts- und Steuerpolitik gehen eben gaaaar nicht.

 Die Lösung für den Euro und die EU: Wir brauchen eine einheitliche europäische Wirtschaftsregierung (weg mit diesen eigenwilligen Einzel-Nationen), kompetente supranationale Gremien (weg mit den lästigen Wahlen), die das Auseinanderbrechen verhindern. Wir müssen unverantwortliche Länder stärker „einbinden“ (entmündigen), die bösen, bösen Spekulanten bändigen und eine – zunächst – europäische Superregierung schaffen. Die Politiker, die „national“ versagen, machen das „europäisch“ sicher besser. Genau. Und dann bin ich auch noch für die Aufnahme Nord-Koreas, Irans, Pakistans und Ruandas.

 

 

 



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Kommentare (14)




 
  Kommentare (14)

goldman sachs, 27.05.2010 11:49
Noch was. Was einem so mit dem 750 Mrd. Rettungsschirm an Stimmungen entgegenwabert, ist mehr als unappetitlich. Es ist dieses alte Deutschland! Eine unappetitliche Mischung aus geistiger Engstirnigkeit, Überheblichkeit, Ichbezogenheit, nur auf den den eigenen Vorteil bedacht sein, kurzum provinziellste Minderwertigkeitskomplexe, innerer UNFREIHEIT, Bunkerdenken.

Warum erkennen die Deutschen nicht die riesige Chance der Krise, jetzt wirklich Europäer zu werden?? An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!


goldman sachs, 27.05.2010 10:49
MAn kann das Thema ziemlich einfach an Ihrem Satz aufhängen: "Die EU ist kein Bundesstaat, sondern ein Staatenbund." Die Bundesrepublik ist lt. GG ein Bundesstaat; es gibt eine einheitliche Währung und weil es das Gebot der gleichen Lebensverhältnisse in den Ländern gibt, existiert ein Länderfinanzausgleich. Wenn Europa als Bundesstaat,z.B. als Vereinigte Staaten von Europa definiert würde, wären die gleichen Regelungen wie in D zwingend, d.h. ein Finanzausgleich z.B. über einen Europäischen Währungsfonds.

Europa hat nun zwar eine einheitliche Währung, ist aber nicht als Bundesstaat konzipiert. Bei einer einheitlichen Währung setzt sich die stärkste Wirtschaftsmacht immer stärker über ihre Exporte durch. Die schwächeren Länder haben wenig Mittel, das zu kontern. Die schwächeren Länder müssen sich also immer mehr in Euro verschulden und woher stammen die Euro, richtig, von den Banken der stärkeren Länder. Setzt eine globale Finanzkrise ein, muß das System zwingend kollabieren.

Was ist zu tun? Die Euro-Länder müssten eine einheitliche Wirtschaftspolitik machen und die exportstarken Länder aussenwirtschaftlich real zum Gleichgewicht gebracht werden! Also müsste z.B. die gesamte Wirtschaftspolitik des Exportweltmeisters Deutschland mittelfristig um 180 Grad gedreht werden, d.h. die Löhne und damit die Binnennachfrage müssten gestärkt werden.

Dagegen wird es massiven Widerstand geben, speziell aus dem Bankenbereich und der Exportindustrie, speziell auch seitens der Bundesbank. Die bezahlen momentan viele Heckenschützen und bald evtl. einen neuen Bundeskanzler.

Der 750 Mrd Rettungsschirm war in Wahrheit eine Art Staatsstreich seitens der EU, um den Kurs Deutschlands zu stoppen und die EU zu dem zu machen, was bei der Einführung des Euro mangels Möglichkeit versäumt wurde, die EU als Vereinigte Staaten von Europa zu konzipieren, und das ist nun mal eine Transferunion.

In den USA funktioniert das seit über 200 Jahren mit mehrfach so vielen Ländern als in Europa. Californien ist z.B. mit Idaho in einer Union, obwohl in Idaho nur Kühe stehen. Was würde sein, wenn Californien sagen würde, wir haben alle den Dollar, wir exportieren in alle anderen Staaten, aber niemand außer uns bekommt einen einzigen Dollar? Absurd, aber in Deutschland Mainstream!


P.S., 11.05.2010 15:21
Ein paar Zusatzinformationen zu ihren "Basics"

1. Die Notenbanken sind vollprivat (FED) bzw. halbprivat (EZB).
Die FED (US-Notenbank) gehört den großen Geschäftsbanken. Die großen Geschäftsbanken leihen durch die FED über den "Mittelsmann" Staat USA Geld für die eigenen Rettungspakete auf Kosten der Steuerzahler.

Desweiteren ist die FED der größte Geldgeber des IWF.
Die gemachte Schulden"krise" hat nur einen Zweck. Die Völker unter ihr Schuldendiktat zu unterjochen und damit faktisch Demokratie und Menschenrechte abzuschaffen.

Die Politik ist abhängig von den Banken, deshalb regieren die Banken. Die Politik ist nur Kasperletheater für´s Volk.

2. Notenbanken drucken Geld und verteilen es an die Banken, besonders die FED an die Eigentümerbanken.

Sicherheiten gibt´s schon lange nicht mehr.
Die Gold- und Silberbindung des Dollars wurde schon lange aufgehoben.
Heute heisst es "gesetzliches Zahlungsmittel" zu deutsch ein Schuldschein auf Nichts.

Der Euro ist schon weiter. Eigentlich gar kein Geld mehr nur noch buntes Papier mit Copyrightzeichen.

Keine Urnote, keine Bezeichnung "Banknote", kein ausgewiesener Emittent, keine Haftung.
Oder einfach: legales Falschgeld.

3. Die EU-Verträge sind Augenwischerei, solange die EU-Diktatoren machen können was sie wollen ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.
Die EU ist Erweiterung der BRD GmbH. Die BRD ist eine "Firma", kein Staat. Daher entscheiden die Eigentümer was passiert, die Geschäftsführung ("Regierung") hat lediglich die Aufgabe die Beschlüsse umzusetzen.
Die EU ist der Versuch ganz Europa nach dem Vorbild der BRD zu privatisieren.


Julius Pompilius, 11.05.2010 15:01
Die Vorstellung von einem Sozialstaat, der eine Grundsicherung für alle Bürger herstellen und garantieren kann, hat sich lange Zeit nur auf das Verhältnis von Staat und Staatsbürger bezogen. Darüber hinaus hat man die Versorgungshatltung auch auf die Entwicklungshilfe übertragen. Im letzteren Fall hat man irgendwann eingesehen, dass man mit einer Gießkannenentwicklungshilfe keine Anreize zur Selbsthilfe schafft, sondern im Grunde eine Versorgungsmentalität schürt. Beim langsamen Rückbau des Sozialstaates spielte eben dieser Gedanke auch eine Rolle: Sozialhilfeempfänger sollten gezwungen werden, wieder mehr selbst aktiv zu werden und sich selbst zu helfen, weil man gemerkt hat, dass Sozialhilfe in großem Umfang bald unbezahlbar wird.

Nun haben wir die Probleme im Haus Europa. Nun sind es Regierungen, die zu Sozialhilfeempfängern werden. Auch hier gewöhnt man die Menschen daran, eine Versorgungsmentalität aufzubauen statt die Folgen für ihr unsolides Finanzverhalten selbst zu übernehmen. Nun haben wir eine Sozialhilfe nicht mehr in kleinen Beträgen, sondern in wirklich großen Dimensionen.

Der Euro scheint für eine kurze Frist gerettet, dafür haben die verantwortlichen Politiker das Vertrauen der Bürger verloren.


Dedo Schwerin Krosigk, 11.05.2010 10:56
Unmittelbar nachdem die Stimmen ausgezählt worden sind, mit denen die Bevölkerung von NRW der schwarz-gelben Koalition des Bundes - nicht des Landes - die Quittung für ihre abenteuerliche Finanzpolitik ausgestellt hat, wird eben diese Politik hypertrophiert fortgesetzt. „Wir haben verstanden?“ Die Regierung hat nicht verstanden, will nicht verstehen, kümmert sich einen Schmarrn um die Meinung der Wähler.

Otto, 10.05.2010 17:53
@ Freigeist

Vielleicht fangen Sie bei Ihrer Geschichte mal am Anfang an.

Mit Ihrem Fazit bin ich (leider) einverstanden. Alternativ ist auch ein extremer Korporatismus (- aka "Wirtschaftsfaschismus" à la Sarkozy denkbar. Zumindest arbeitet das kleine nervöse Männlein kräftig daran.)


Z. Klimowa, 10.05.2010 16:54
Vorweg: Vermutlich haben wir denselben Verdruß, vielleich auch Teile der Diagnose. Doch welche Therapie empfehlen Sie für das aktuelle Krisenmanagement und die langfristige Entwicklung?

Legen Sie Ihr Konzept auf den Tisch. Wie sieht es aus?

Die Uhr 10, 15 oder 30 Jahre zurückstellen und noch mal von vorne anfangen? Oder ganz einfach die Währungsunion wieder auflösen? Vielleicht auch die EU gleich mitauflösen? Oder die EU-Bürokraten und alle Spekulanten einfach erschießen? Das globale Wirtschaftssystem mit der vom Papst geforderten Weltautorität umgestalten? Globale Märkte abschaffen? Oder wir schaffen die Pille wieder ab und zeugen mehr Kinder.

Ich verstehe leider auch nicht viel davon. Sie müssten es zumindest eigentlich besser wissen als eine ehemalige FDJ-Sekretärin. Also sagen mir, was genau von nun an getan werden muß und wie das bewerkstelligt werden kann. Ich warte geduldig auf Ihre Nachhilfe.


Freigeist, 10.05.2010 15:01
Die Lehmann-Pleite hat die enorme Spekulation offenbart. Danach haben die Staaten bürgen müssen.
Jetzt spekulieren die Banker und sonstige Zocker gegen die Staaten. Von den Gewinnen wollen sie keine Steuern zahlen. Solcherlei Umtriebe führen vermutlich zum Sozialismus, leider.


Gockeline, 10.05.2010 11:09
Heute schreien alle ,es hat funktioniert.
Die Märkte freuen sich.
In Wahrheit ist es nur ein kleiner Aufschub bis die nächste Attacke kommt.
Kein Mensch versteht wirklich was da passiert.
Wir zahlen alle bei jeder Eurobewegung eine Mehrwertsteuer.
Warum kassiert man nicht da wo es sich wirklich lohnen würde?
Bei jeder Transaktion an der Börse muß bezahlt werden wie unsere Mehrwertsteuer auch.
Warum werden wir einseituig ausgenonnen
und die, die den Euro vernichten wollen werden geschont?
Wie ist es möglich keine Gesetze zu haben um denen das Handwerk zu legen?
Niemand habe ich gefunden der das gut erklären kann.Keine Medien und keine Politik kann es erklären?
Warum soll der Euro fallen?
Wem nützt es?


Christiane W., 09.05.2010 23:42
Das nenn ich Nagel auf Kopf!!



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