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Paul Badde
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Beobachtungen aus dem Vatikan
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AllgemeinBildungEntsetzen in Rom über Rücktrittsgesuch von Bischof Mixa und Verhalten der Erzbischöfe Zollitsch und Marx - Im Umfeld des Papstes ist von Kulturkampf und von einem innerkirchlichen Komplott die Rede. Die Glocken Roms läuteten am Donnerstagmorgen wie immer, doch wer fein hinhörte, hätte dazwischen auch leise Sirenen vernehmen können. Der Rücktritt Hochwürden Walter Mixas vom Bischofssitz des heiligen Ulrich in Augsburg ließ viele Würdenträger der katholischen Kirche hier schon früh mit Schrecken aus dem Schlaf hochfahren. Es war ein blendend heller Frühlingstag. Doch vielen war er wie schwarzer Tag.
Einen Kardinal, der seinen Namen nicht lesen will (weil "das eine Sache der Deutschen ist"), entsetzt an dem Rücktritt vor allem, "dass prominente Bischöfe Deutschlands ihre dezenten Empfehlungen an Mixa gleich auch selbst an die Presse weitergegeben haben. Korrekt wäre gewesen, sie hätten ihren Mitbruder nur hinter verschlossenen Türen ins Gebet genommen. Danach hätten Zollitsch und Marx den Mund halten müssen."
Den offiziellen Äußerungen des Pressesaals ist aber keine Nervosität anzumerken. Der Papst hat die Kardinäle Rode und Kasper empfangen und Frère Alois, den Prior von Taizé. Er hat Pierre Nguyen Van Nhon von Da Lat zum Koadjutor des Erzbischofs von Hanoi bestellt und den Rücktritt von Bischof James Moriarty der Diözesen von Kildare und Leighlin angenommen - in Anwendung des Kanonischen Rechts (Artikel 401 Paragraf 2), wie es trocken heißt, also wegen der misslichen Verstrickung dieses Oberhirten beim Vertuschen der irischen Missbrauchsskandale.
Dergleichen hat Bischof Mixa bisher noch keiner vorgeworfen. Dennoch könnte die Aufregung über seinen Fall kaum größer sein. Es gibt zwar keine Krisensitzungen. Und unerwartet kam die Nachricht auch nicht, die manche Prälaten so erschüttert, als wäre eine Bresche in die Mauer des Vatikans gerissen worden, durch die Langobarden nun wieder ungehindert in die Stadt Gottes eindringen könnten. Nur bei der gelassenen Schweizer Garde gibt es keine Panik bei der Vorstellung, dass diese Bresche gefährlich viel größer werden könnte.
Aber gab es denn nicht schon ähnliche Fälle? Musste kürzlich in Basel nicht Bischof Vogel den Hut nehmen? "Um Himmels willen! Wollen sie diese Fälle vielleicht vergleichen?", fragt lächelnd in einem mit schwerem Brokat verhängten Salon des Vatikans ein erfahrener Prälat. "Bischof Vogel wurde Vater. Gegen Bischof Mixa aber liegt in der Sache kaum mehr vor als ein paar Ohrfeigen vor 30 Jahren und ein paar alte finanzielle Ungereimtheiten, die nun plötzlich mit der Missbrauchsdebatte zusammengeschraubt wurden." - Seinen eigenen Namen will auch er in diesem Zusammenhang so wenig genannt wissen wie der Kardinal. Doch er ist in der Sache auskunftsfreudiger, weil es ihn so "wundert", dass die Vorwürfe gegen Walter Mixa nicht bereits im Vorfeld der Bischofsernennung erhoben wurden: "Die Watschen beiseitegelassen. Was ist denn eigentlich mit den Vorwürfen, die die Finanzen betreffen? Mixa war doch nicht allein. Auch die Stiftungsverwaltung muss die Vorgänge doch gekannt haben. Danach musste der Stiftungsrat alle Ausgaben kontrollieren. Drittens musste der Wirtschaftsprüfer das Gleiche tun. All dies hätte doch schon zur Sprache kommen müssen. Warum erst jetzt?"
Darum hat er kaum Zweifel, dass sich eine Opposition in der Diözese in diesem Fall der Medien bedient hat, die mit der Ausrichtung Walter Mixas und seiner Personalpolitik nicht einverstanden ist. Denn klar sei ja auch, dass "die Kampagne", die dem Rücktritt vorausging, von langer Hand vorbereitet worden sei. "Denn um an all diese Informationen zu kommen, sei es, was das Vermögen betrifft, sei es, was die Kinder betrifft, bedurfte es doch längerer und gründlicher Recherchen. Wer war daran interessiert?" - Das weiß der listige Monsignore allerdings auch selber nicht.
Er sieht jetzt nur einen Schaden für alle, für das konservative wie für das liberale Lager, für die ganze Kirche und vor allem für das Bischofsamt. "Jetzt kann jeder Bischof sehr leicht diskreditiert werden." Jeder müsse nun fürchten, dass sein Leben in jeder Etappe durchleuchtet wird und er danach zur Strecke gebracht werden könne. Dafür brauche es nicht einmal "eine Leiche im Keller, sondern - wie sich jetzt zeigt - ein oder zwei Kästen Wein zu viel". Der Prälat lacht leise und maliziös.
Denn es gebe doch keinen Menschen ohne Vorleben, nicht einmal unter den Heiligen. Keiner sei vollkommen. "Der heilige Augustinus hat vor seiner Bekehrung einen Sohn gezeugt, von dem man nie mehr gehört hat. Im Rahmen medialer Vorwürfe und Beschuldigungen aber ist selbst die Möglichkeit einer Umkehr überhaupt nicht mehr vorgesehen."
Durch diesen einmaligen Vorgang würden die deutschen Bischöfe deshalb noch ängstlicher werden, als sie es ohnehin schon seien.
Denn natürlich sei Bischof Mixa auch "für seine Äußerungen bestraft" worden. "Er war ja eine Reizfigur!" Mit dieser Strategie könne künftig jeder missliebige Bischof erledigt werden. "Ab jetzt genügt es, Verdächtigungen auszusprechen.
Eines Beweises bedarf es dann nicht, um das Messer der Medien-Guillotine in den Nacken jedes missliebigen Bischofs stürzen zu lassen. Das ist nicht nur ein Maulkorb, der da verhängt wird." - Aber wäre es nicht dennoch weise gewesen, Mixa wäre früher dem Beispiel Bischöfin Käßmanns gefolgt? "Er hätte dem Beispiel Georg Ratzingers folgen und die Watschen zugeben sollen, die damals doch selbstverständlich waren, vielleicht aber auch nicht." Wieso nicht?
"Weil nun eben auch eine infame Art und Weise erprobt wurde, den Papst unter Druck zu setzen. Denn sehen sie, wenn der Papst jetzt nicht den Rücktritt sofort annimmt und sagt, ich will den Fall zuerst einmal unabhängig prüfen lassen, gilt er augenblicklich selbst als der Watschen-Papst, oder - schlimmer noch - als der Vertuscher-Papst, der Missetäter decken will."
Der feinsinnige Prälat seufzt zum Abschied. "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein, hat Jesus uns als Auftrag hinterlassen. Diese Maßregel gilt nicht für die Mediengesellschaft. Es ist deshalb ein Kampf mit furchtbar ungleichen Waffen, der da geführt wird, der kaum zu gewinnen ist." Ist es denn wirklich ein Kulturkampf, wie viele von Rom aus erkennen wollen? "Unbedingt! Gesellschaftlich ist es Kulturkampf, das ist evident. Auf Seiten der Gläubigen in Deutschland aber herrscht eher eine Stimmung wie 1517. Doch es ist kein Luther in Sicht. Nur der Papst. Das reizt viele noch viel mehr."
Der Artikel erschien auch auf Welt Online und kath.net
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Kommentare (54)
Noah, 05.05.2010 09:21
@Berichtiger
Vielen Dank, Sie haben nichts dagegen, dass ich das letzte Worte habe. Mir diese Gnade zu erweisen, noch dazu "in Gottes Namen", ist wirklich zu gütig, Herr Oberlehrer! (Ist dies eigentlich schon Blasphemie?)
Schön im übrigen zu sehen, wie sehr manch einer stets angestrengt wirkt, sich beleidigt zu fühlen. Worte wie arrogant und borniert sind meiner Auffassung nach wirklich nicht geeignet jemanden zu beleidigen, selbst dann nicht, wenn zwischen den Zeilen etwas anderes zu vermuten ist. Viel Spaß beim weiteren Botschaften verstecken. :)
Berichtiger, 04.05.2010 22:15
@Noah
Immer dann, wenn die Argumente ausgehen, wird aus der kindisch amüsanten Plaudertasche (Noah vs. Astrid…..Frauen haben auch Schweißdrüsen….) der langweilige Beißer, dem nicht einmal eine neue Beleidigung einfällt, da ist beinahe jedes gute Computerprogramm variabler. Immerhin funktioniert diesbezüglich wenigstens ihr Kurzzeitgedächtnis noch. Da Sie versteckte Botschaften aus meinem Text ganz offensichtlich nicht erkennen konnten, also nicht zwischen den Zeilen zu lesen verstehen, haben Sie Ihre Erfahrung mit Diktaturen wahrscheinlich doch schon wieder vergessen, sollten Sie je welche gehabt haben, in keinem Fall also eine Voraussetzung für weitere Diskussionen. Ja ich habe beinahe den Eindruck, mich die ganze Zeit mit einem Computerprogramm gestritten zu haben, eingestellt auf Beleidigungen (Beleidiger wäre vielleicht ein geeignetes neues Synonym für Sie, das wäre dann noch bornierter als mein Synonym). Sollten Sie wie beim letzten mal (und ich bedaure, dass ich dem ein zweites habe folgen lassen) unbedingt wie ein zorniges Kleinkind das letzte Wort haben wollen, so habe ich nichts dagegen, und misslingt Ihnen das wieder wie beim letzten mal, so sei Ihnen dann auch in Gottes Namen wieder ein allerletztes gewährt.
Rainer Welhans, 03.05.2010 22:06
@ Julius Pompilius nein, ich habe mich ziemlich ausgiebig mit diesem Thema befasst und auch selbt Erfahrungen mit religiösen Gruppen gesammelt, sonst würde ich soetwas hier nicht schreiben. Ich spreche aus Erfahrung.
Noah, 03.05.2010 22:04
@Berichtiger
Ihre überhebliche und abwertende Art passt zu Ihrem bornierten Synonym. Offenkundig haben Sie dieses auch gewählt, da Sie diese abwertende Art anderen ggü. ausgesprochen toll finden. (Was ich an anderer Stelle schon einmal zu einem Ihrer Kommentare geschrieben habe)
Alter ist zudem kein Verdienst, noch gibt es irgend jemandem das Recht sich über andere, ggf. Jüngere zu erheben, selbst wenn diese irgendeine Zeit nur aus Büchern kennen sollten. Der Umstand nun dass Sie, in der Annahme ich wäre noch jungen Alters, diese Arroganz voll auszuleben suchen ist einfach erbärmlich.
Ich habe mit Diktaturen mehr Erfahrung gemacht als mir eigentlich lieb ist.
Lassen Sie es gut sein, Haarspaltereien sind ein bezeichnender Faktor für die Verdrehung von Realitäten. Ein Instrument dessen.
Julius Pompilius, 03.05.2010 19:59
@ Reiner Welhans: Es gab in Zeiten des Kalten Kriegs das bonmot: "Kommunismus und Kirche hassen sich, weil sie sich so ähnlich sind." Ja, in der Tat, als Christ will ich das gar nicht abstreiten, dass es Ähnlichkeiten gibt. Die Unterschiede sind aber bei weitem größer. Die politischen Diktaturen haben immer schon die Kirche nachgeäfft, weil sich das Böse immer am Guten orientiert. Und genau darin liegt der Unterschied: Die Kirche hat immer über sich selbst hinausgewiesen, die übelsten Päpste haben es nicht geschafft, die Kirche zu zerstören, weil sie etwas Gutes und auf das Gute ausgerichtet ist. Diktaturen befriedigen lediglich die niederen Machtinstinkte mittelbegabter Menschen, für die die Macht die unterdrückerische Herrschaft über andere Menschen ist. Verbunden ist die Machtsicherung mit der ständigen Androhung des Todes, die Verfügungsmacht über das Leben ist ja die höchste Form der Macht. Verbunden ist das mit einem ausgeklügelten Spitzelsystem, mit Denunziation. Die permanente Verdrehung der Wahrheit gehört ebenfalls zur Diktatur und zwar in einer Form, dass man sich die tyrannisierten eigentlich fragen müssten, ob sie noch normal denken können. Ich kann all das auch bei einem schlechtgesinnten Blick auf die Kirche an ihr nicht erkennen.
Vielleicht sollten Sie einfach nach Nordkorea fahren und dort mal ein paar Jahre verbringen, dann könnten Sie vielleicht besser mitreden.
Berichtiger, 03.05.2010 16:08
@Noah
So ist das mit dem bewusst falsch verstehen wollen, Sie verstehen mich bewusst falsch und ich Sie dann auch: Denn selbstverständlich hat ein Präsident Macht, hauptsächlich über seine Worte und sein Amt und darauf zielte ich ab, wenn ich "...keinen auf die Gesellschaft bezogenen Machtanspruch, eher ein präsidiales Gefüge" schrieb. Aber wie erstaunlich muss doch Ihre Intelligenz sein, wenn Sie sich trotz Ihres offensichtlich jungen Alters ein Urteil über das Wesen von Diktaturen anmaßen können, nur so aus irgendwelcher Literatur oder vom Hörensagen. Wenn Sie glauben, das mit der katholischen Kirche, der ich übrigens auch nicht angehöre, in Übereinstimmung bringen zu können, dann sollten Sie die Realität des roten oder braunen Sozialismus nicht nur aus Gelesenem kennen lernen, sondern aus Sicht des KZ-, Gulag- oder wenigstens DDR-Häftlings. Aber das wünsche ich letztlich selbst Ihnen aus den vorgenannten Gründen nicht.
Noah, 02.05.2010 21:54
@Berichtiger
Mit Verlaub, Sie schrieben nicht von Vatikanstadt, sondern von der katholischen Kirche. Darauf war mein Kommentar gemünzt. Ich denke auch, dass Sie dies sehr gut verstanden habe.
Aber verdrehen Sie ruhig weiter die Realitäten. Das ist allerdings ausgeprochen falsch, dieses Spiel welches hier einige treiben, so auch Sie.
Rainer Welhans, 02.05.2010 20:34
Totale Verdrehung der Realitäten finden hier statt. Die katholische Kirche ist autoritär, reaktionär und totalitär, da ist nichts mehr von dem Geist Christi vorhanden außer Worte. Der Vatikan hat unermessliche Reichtümer angesammelt während ein Großteil seiner Schäflein in der dritten Welt hunger leidet. Das System ist perfekt mit Führerkult (Papst als unfehlbare Instanz), Weltherschaftsanspruch (die einzige wahre Kirche), Unterwerfung der Massen in einen Kleinkinderglauben der die Menschen geistig unfrei macht und Blüten wie Homophobie und Judenverfolgung hervorbringt. Ein Überheblichkeitsanspruch mit einem Menschenbild, bei dem alle Menschen die nicht diesem Bild entsprechen "errettet" werden müssen und von den frommen Christen gerne mit verachtung und Abscheu betrachtet werden.
Wenn man das nüchtern betrachtet ist es erschreckend in was für verrückte Gedankenbahnen dieses Glaubenssystem seine Anhänger führt. Und sie sind offenbar zu jeglicher Form der Selbstkritik oder Kritikannahme von Außen unfähig.
Berichtiger, 02.05.2010 12:37
"Haha, wie einfältig muss jemand sein, daran zu glauben! Keinen Machtanspruch, wie lächerlich!"
Aber natürlich hat er einen Machtanspruch, schließlich ist der Staat Vatikanstadt als kleinster allgemein anerkannter Staat der Welt mit seinen 0,44 Quadratkilometern Fläche und 932 Einwohnern so eine Art geheime Großmacht und mit seinen 110 Schweizer Gardisten bis an die Zähne bewaffnet. Wo gibt es schon eine so hohe Militärdichte. Vor dieser Großmacht muss man wirklich Angst haben. Und reich sind die Leute dort auch. Die Einkommen der unteren Gehaltsklasse betragen immerhin um die 1.300 Euro, ein Kardinal erhält etwas mehr als das Doppelte, und dazu alles Einkommenssteuerfrei, da kann man richtig neidisch werden. Und ein Gefängnis mit zwei Plätzen haben sie auch, immerhin ist es schon viermal in Anspruch genommen worden, ein richtiger Polizeistaat. Und ausgebeutet werden die Einwohner, denn es gibt nur so eine Art Gewerkschaft. Die Menschen müssen doch tatsächlich 36 Stunden pro Woche arbeiten und Tarifverhandlungen gibt es auch nicht. Relativ gesehen hat der Vatikan mit 100% den höchsten Katholikenanteil weltweit, ist das nicht äußerst verdächtig, denn die Katholiken sind doch alle falsch.
Manche sind mit ihren Vorstellungen vom Vatikan noch nicht mal im 20. Jahrhundert angekommen.
Paul Badde, 01.05.2010 22:42
an Herrn Max Schmidt:
Sehr geehrter Herr Schmidt,
ich habe in der Sache, die viele irritiert hat, einen langen Leserbrief an die Redaktion der Tagespost geschickt und hoffe, dass er bald berücksichtigt und veröffentlicht werden wird.
Mit vielen Grüßen
Paul Badde
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