Von den Medien kaum beachtet, hat der Rechtsausschuß des deutschen Bundestages letzte Woche eine 40% Quotenregel für Frauen in Aufsichtsräten abgelehnt. Ein Dammbruch in der Frauenpolitik ? Fast zeitgleich stellte unsere Frauenministerin in ihrer Grundsatzrede zur Gleichstellungspolitik die Qotenregelung in Frage.
Anlässlich ihrer Bundestagsrede hat Ministerin Schröder Quotenregeln in der Arbeitswelt mit Kortison verglichen: "Die Symptome verschwinden, aber die Ursachen bleiben". Insichtlich des Mantras "Frauen in Führungspositionen" sagt Frau Dr. Schröder "Ich glaube, die Luft für Frauen in Führungspositionen ist auch deshalb so dünn, weil sie keine familienfernen Lebensnomaden sein wollen".
Soweit die Regierung. Seltsam, in etwa zeitgleich lehnte der Bundestag (Rechtsausschuss) eine 40%-Quote für Frauen in Aufsichtsräten (Vorlage der Grünen) ab. Sind das erste Hinweise auf einen Generationswechsel in der Geschlechterpolitik? Von den Frauenbewegten hin zu den mehr selbstbewussten - da befreiten - Frauen? Irritierend sind dagegen die derzeitigen Medienberichte, die weiterhin - sogar im Wirtschaftsteil der Zeitungen - über das angebliche frauenfeindliche Land Deutschland berichten, unbeachtet des allmählichen Trendwechsels. Daran erkennt man die Wirkung von Mantras: ihr wiederkehrendes Einhämmern kann die Realtität verschleiern.
Die neue Ministerin setzt weitere Zeichen: Vor Jahren noch undenkbar hat ihr Ministerium eine Männerpolitische Abteilung gegründet, pesonelle Besetzung und Aufgabenstellung ist allerdings noch unklar. Und...man kann es kaum glauben: Das Frauenministerium will sogenannte "GenderKompetenzZentrum" nicht mehr fördern! Bereits im Bundeshaushalt 2010 sind keine Mittel dafür eingeplant. Die "altwürdigen" Prinzipien der Genderpolitik bröckeln....
Auch die neue Unterhaltsregelung von 2009 rüttelt an der Ikone der Genderpolitik die "Alleinerziehende Mutter". Das neue Gesetz erschwert die Scheidung für Mütter (über 2/3 der Scheidungsanträge stammen von Frauen) durch Wegfall der lebenslangen Unterhaltsverpflichtung des Ex-Mannes.
Deutet sich da eine Trendumkehr an? Was machen die Vertreter einer Ideologie, wenn ihnen die Argumente ausgehen? Sie strafen den Gegner ab, sie diffamieren, sie stellen ihn in die Ecke, und zwar in die "bewährte" rechts-konservative Ecke. Das tat jüngst ein Pamphlet der Friedrich Ebert Stiftung mit den erstarkenden Männerbewegungen. Solcherlei Diffamierungen bleiben in einem halbwegs demokratischen Staat nicht ungestraft, anders betrachtet: wenn Ideologien überziehen, induzieren sie zwangsläufig eine Gegenbewegung. Eine solche (Männer-) Bewegung muß natürlich bekämpft werden, sie könnte verkrustete genderpolitische Strukturen in Frage stellen....
Auch Alice Schwarzer spürt die Trendwende: am internationalen Frauentag schlägt sie seine Abschaffung vor! Noch vor einem Jahr wäre das ein Medienhit, gegenwärtige Medienreaktion ging gegen Null. Dazu paßt auch, dass die erscheinungsweise von Schwarzer's EMMA von monatlich auf vierteljährlich jüngst umgestellt wurde.....
Das sind alles Phänomene, die einem Dammbruch in der Genderpolitik andeuten, und die geringe Haltbarkeit von wenig unterfütterten Ideologien zeigen. Man darf auf die sich jetzt entwickelnden gesellschaftlichen Prozesse gespannt sein!