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Steffen Hentrich
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Auf der Schwarzen Liste der Klimaforscher
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AllgemeinWährend Climate-Gate von der Untersuchungskommission des britischen Unterhauses schulterzuckend weggesteckt wird kommen weitere Enthüllungen ans Tageslicht. Ross McKitrick berichtet von seinem Versuch die Wagenburg der Klimawissenschaft zu durchbrechen. Wer tatsächlich der Meinung ist, die sog. “Climategate”-Affäre wäre durch den halbherzigen Untersuchungsbericht des britischen Unterhauses aus der Welt geschaffen, der sollte sich Ross McKitricks Geschichte über seine Odyssee durch den Review-Prozess der Klimafachjournaillee einmal etwas genauer anschauen.
Dem kanadische Umweltökonomen Ross McKitrick war zu Beginn dieses Jahrzehnts aufgefallen, dass die für die Modellierung von Klimaveränderungen sowie die Darstellung der jüngsten Klimageschichte extrem wichtigen Temperaturdatenbestände der britischen Climate Research Unit (CRU) keine methodisch zufrieden stellende Antwort auf die Frage gaben, ob die Temperaturmesswerte der globalen Landoberfläche tatsächlich nur das eigentlich gesuchte Klimasignal reflektierten. Unklar war, inwiefern menschliche Einflüsse wie Abholzung, Bauaktivitäten, landwirtschaftliche Nutzung und andere zivilisatorische Veränderungen den Temperaturverlauf verfälschten. Da er feststellen musste, dass in früheren IPCC-Berichten diese Frage nur mit empirisch unbelegten Vermutungen beantwortet und überdies angesichts praktischer Erfahrungen an vielen globalen Messpunkten unrealistisch niedrig eingeschätzt wurde, machte er sich gemeinsam mit dem US-Klimatologen Patrick Michaels daran, der Sache auf den Grund zu gehen. Bereits 2004 veröffentlichten sie ihre Ergebnisse in dem klimawissenschaftlichen Fachjournal Climate Research und stellten fest, dass die Temperaturdaten für den IPCC-Bericht nur unzureichend von den o.g. Einflüssen bereinigt waren und daher zu starke Temperaturanstiege für die globalen Landmassen aufwiesen. Diese Erkenntnis hatte weitreichende Konsequenzen, bildeten die Temperaturdaten doch die Basis so ziemlich jeder abgeleiteten Aussage des IPCC zum Klimawandel. Auch ein anderes niederländisches Forscherteam war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Da dieses Ergebnis der klimawissenschaftlichen Orthodoxie zu widersprechen schien, entspann sich unmittelbar nach der Veröffentlichung im Internet ein heftiger Streit über die Qualität des Aufsatzes, in dessen Folge es den Autoren gelang einige Fehler auszuräumen und die Validität ihrer Ergebnisse zu bestätigen. Doch ein erneuter Versuch eine verbesserte Version in einem Fachjournal zu veröffentlichen endete in einer dreijährigen Odyssee durch den Review-Prozess von acht Fachmagazinen.
Dabei stellte sich heraus, dass der Review-Prozess des Aufsatzes nicht nur aufgrund der Wagenburgmentalität einflussreicher Klimaforscher systematisch verzögert wurde, sondern es auch zur Ablehnung aufgrund von Referees kam, denen für eine adäquate Bewertung der Arbeit schlichtweg die fachliche Expertise fehlte. Sogar unzulässige Tricks, wie etwa die Blockierung zuvor zugelassener Referees, kamen in dieser Zeit ans Tageslicht. Mehrfache Hinweise und Mahnungen an leitende Editoren einzelner Zeitschriften liefen zumeist ins Leere. Trotzdem die Autoren sämtliche geforderten Korrekturen in immer neuen Versionen des Aufsatzes an unterschiedliche Fachzeitschriften übermittelten, kam es auch in der Folgezeit nicht zu einer Veröffentlichung. In einigen Fällen wurde der Aufsatz unter fadenscheinigen Begründungen ohne vorherige Begutachtung sogar von vorn herein abgelehnt. Obgleich von sieben Fachblättern mit sieben Reviews sechs die fachliche Qualität der Arbeit bestätigten und die Veröffentlichung empfahlen, gelang es erst vor einem halben Jahr den Aufsatz in der hochkarätigen, doch eher fachfremden Statistikzeitschrift Statistics, Politics and Policy zu platzieren.
In diesem Prozess spielte auch der Chef der Climate Research Unit Phil Jones, dem jetzt offiziell die Verantwortung für jegliche Art wissenschaftlicher Verfehlungen abgesprochen wurde, eine unrühmliche Rolle. Jones gelang es, als führender Autor eines Kapitels des IPCC-Berichts, indem er vornehmlich seine eigene Arbeit für die Politikberatung verwendete, die für ihn kritischen Ergebnisse durch eine Hinhaltetaktik in dem Bericht ignorieren. Der für die Wissenschaftlerkorrespondenz im Zuge des “Climategate”-Skandals so charakteristische Satz von Jones, “Ich will keinen dieser Aufsätze im nächsten IPCC-Bericht sehen. Kevin (Trenberth) und ich werden sie irgendwie heraus halten – auch wenn wir dafür den Review-Prozess neu definieren müssen.” deutet darauf hin, wie unverhüllt hinter der wissenschaftlichen Fassade manipuliert wurde.
Das Schicksal der Arbeit von Ross McKitrick und Patrick Michaels ist symptomatisch für die derzeitige Sackgasse der wissenschaftlichen Beurteilung des Klimawandels. Es ist nicht das erste Mal, dass die politisierte Institution IPCC, in der nach politischen Kriterien handverlesene Wissenschaftler, die wissenschaftliche Rechtfertigung für eine bereits im Vorab feststehende klimapolitische Strategie abliefern sollen, in ihrer ursprünglichen Aufgabe als neutraler Politikberater versagt. Auch der als Hockeystick-Affäre bekannte wissenschaftliche Streit um die Validität der paläoklimatologischen Forschungsergebnisse um den amerikanischen Klimaforscher Michael Mann hat schon dunkle Schatten auf die Neutralität der Klimaforschung und ihre politische Instrumentalisierung in öffentlich bestellten Wissenschaftsgremien geworfen (Eindrucksvoll beschrieben in A.W. Montfords Buch “The Hockey Stick Illusion”). Obgleich Wissenschaft, Medien und Politik derzeit eifrig dabei sind jegliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der IPCC-Berichte zu zerstreuen, ist das Vertrauen in die bestehenden Institutionen der Klimaforschung nachhaltig beschädigt. Nur eine institutionelle Reform des IPCC, die in der Lage ist transparente Strukturen zu schaffen, die einen ungefilterten wissenschaftlichen Diskurs zulässt und die weitestgehend frei von politischer Manipulation ist kann dieses Vertrauen wieder herstellen. Inwiefern die öffentliche Wahrnehmung und damit auch der klimapolitische Prozess angesichts der Einseitigkeit der aktuellen Medienberichterstattung hiervon allerdings profitiert, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Dieser Beitrag erschien auch auf "Denken für die Freiheit", dem Weblog des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
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Kommentare (7)
tk, 13.04.2010 20:14
Das hatte ich durchaus verstanden (und in meinem ersten Kommentar ja auch ausdrücklich erwähnt).
Das Zitat in meinem zweiten Kommentar war aber nicht aus McKitrick's Artikel, sondern aus Ihrem Artikel oben. Ich verstehe schlicht nicht, was Sie uns mit diesem Zitat eigentlich sagen wollen.
Noch zur Sache, also zu McKitrick's Geschichte: jeder, der im Wissenschaftsbetrieb tätig ist, weiß, daß der Begutachtungsprozeß so abläuft, wie er abläuft. Es dauert durchaus manchmal 5 Jahre oder länger, bis man eine Arbeit irgendwo veröffentlicht bekommt. (Bei McKitrick waren es ja nur 2 Jahre.) Ablehnungsgründe sind nicht nur inhaltliche Fehler, sondern oft auch Relevanz, "Schwierigkeit" etc. Es gibt sozusagen (inoffizielle) Hierarchien unter Fachzeitschriften, manche Zeitschriften veröffentlichen keine kurzen oder "einfachen" Arbeiten, überlassen das lieber Zeitschriften, die in den inoffiziellen Hierarchien weiter unten stehen. So kommt es dann schon vor, daß man seine Arbeit erst bei einer sehr guten Zeitschrift einreicht und dann nach der Ablehnung immer "tiefer" geht bis die 4. oder 5. Zeitschrift, bei der man es versucht, die Arbeit dann annimmt. Daraus eine Verschwörungstheorie zu basteln, sagt eher etwas über die Persönlichkeitsstruktur eines Autors oder auch fehlende Kenntnis der Gepflogenheiten des Wissenschaftsbetriebs als über das tatsächliche Vorliegen einer Konspiration.
Steffen Hentrich, 09.04.2010 14:22
Sehr geehrter Herr Kuesner,
Sie verwechseln offenbar zwei Aufsätze von Herrn McKitrick. Der von Ihnen (m.E. sehr polemisch und wie sie auch ihren Diskussionen entnehmen können, unsachlich kritisierte) Aufsatz ist nicht der hier behandelte. In diesem geht es um die sog. urbane Erwärmung, die nach McKitricks Analysen vom IPCC systematisch und unbegründet unterschätzt wird. Sie sollten sich daher die Mühe machen, den verlinkten Aufsatz bzw. besser noch das Paper, um das es dort geht, zu lesen, bevor Sie zur Kritik ausholen. Dieses Vorgehen entspricht zumindest der wissenschaftlichen Diskurskultur, die ich seit meinen Unizeiten kenne.
Mit besten Grüßen
Steffen Hentrich
tk, 08.04.2010 17:39
So recht verstehe ich die Bemerkung nicht. (Mal abgesehen davon, daß ich kein Klimaforscher oder mit ihrer politischen Instrumentalisierung befaßter Wissenschaftler bin.) Es geht doch, jedenfalls entnehme ich das ihrer Zusammenfassung, bei McKitricks Arbeit tatsächlich um genau diese Frage, wie aussagekräftig die Globaltemperatur ist. Und alles, was dazu zu sagen ist (und warum McKitricks Arbeiten von vielen Journalen abgelehnt wurden), steht tatsächlich in der verlinkten Polemik.
Im übrigen verstehe ich (oben im Artikel) die Dichotomie (Zitat: "ob die Temperaturmesswerte der globalen Landoberfläche tatsächlich nur das eigentlich gesuchte Klimasignal reflektierten. Unklar war, inwiefern menschliche Einflüsse wie Abholzung, Bauaktivitäten, landwirtschaftliche Nutzung und andere zivilisatorische Veränderungen den Temperaturverlauf verfälschten") nicht. Daß Klima- und Temperaturveränderungen durch zivilisatorische Veränderungen wie z.B. die Abholzung des Regenwaldes hervorgerufen werden können, bestreitet sicherlich niemand, am wenigsten die Klimaforscher. Was wollen Sie (bzw. McKitrick) uns hier sagen? Ich verstehe es wirklich nicht.
Steffen Hentrich, 06.04.2010 13:57
Sehr geehrter lab,
um diese Geschichte bemerkenswert zu finden muss man sich diesen Bericht nicht anschauen, da der Autor anhand der Mails und seiner Erfahrungen sehr gut beschreibt, wie halbseiden der Prozess der Begutachtung durch Reviewer wissenschaftlicher Fachblätter abgelaufen ist. Diese Kommission, dass können Sie an verschiedenen Stellen im Internet nachlesen, diente keinem anderem Ziel, als Zweifel an der Integrität der Klimaforscher der CRU zu zerstreuen (http://www.frankfuredi.com/index.php/site/article/382/). Doch selbst das ist der Kommission nicht gelungen.
Im Übrigen, haben Sie sich die Mühe gemacht Ross McKitricks Paper zu lesen? Vielleicht wäre damit die Gefahr verbunden gewesen, dass Ihre Weltsicht korrekturbedürftig wird.
Schöne Grüße
Steffen Hentrich
lab, 04.04.2010 09:31
So ist das halt hier: Wenn eine einzelne Person etwas Passendes zu eigenen Weltsicht schreibt, dann muss das nicht hinterfragt werden.
Wenn aber eine offizielle Untersuchungskommission etwas feststellt, das nicht ins Bild passt, dann ist das "halbherzig", "Schulterzucken" oder "Weckstecken". Aber immerhin ist der offizielle Untersuchungsbericht verlinkt und wer nicht zu faul zum Lesen ist kann sich dort selbst überzeugen, dass die Untersucher keine Belege für Betrug, Manipulation oder das Unterdrücken mißliebiger Meinungen gefunden haben.
ClimateGate ade...
Steffen Hentrich, 04.04.2010 00:07
Sehr geehrter Herr Kuesner,
Sie müssen sich schon mehr Mühe geben, als die billige Polemik ihres verlinkten Artikels hier suggestiv wiederholen zu wollen. Vielleicht befassen Sie sich zunächst mit dem betreffenden Paper, bevor Sie pauschal den Stab über dem Autor brechen. Für einen Wissenschaftler ein eher dürftiges Benehmen, obwohl leider üblich unter einigen mit der Klimaforschung und ihrer politischen Instrumentalisierung befassten Wissenschaftler.
Mit freundlichen Grüßen
Steffen Hentrich
tk, 03.04.2010 12:54
Falls ich mich mal selbst verlinken darf: http://www.scienceblogs.de/mathlog/2008/05/gibt-es-globale-temperatur.php
(Es geht um ein anderes Paper, aber denselben Autor und ebenfalls das Thema Globaltemperatur.)
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