Einer meinte mal, Blogs seien die Klowände des Internets. Andere, vor allem Leute aus den traditionellen Medien, halten Blogs für unseriös, deren Schreiber für inkompetent. Und überhaupt müsse man den Qualitätsjournalismus retten. Wenn nötig mit staatlichen Subventionen.
Nun lesen wir heute im Tages-Anzeiger einen hübschen Bericht1 von der Wahlkampffront Nordrhein-Westfahlen. Dort mischt seit Dezember ein Blog den Wahlkampf auf. Weil:
....die Berichterstattung über die Landespolitik sei weichgespült, entpolitisiert. Weder im Print noch bei den elektronischen Medien kann er eine Gegenstimme zu Rüttgers ausmachen. Stattdessen gebe es viel Hofberichterstattung.
Das Blog heisst "Wir in NRW2", ist seit Dezember 09 online und erreichte im Februar 90'000 Besucher.
Das Pikante an diesem Blog sind die Betreiber: Verantwortlich zeichnet der ehemalige Chefredaktor der grössten Landeszeitung und Journalisten, aus verschiedenen Medien, die anonym schreiben.
Es ist ein Modell, das ich schon seit längerer Zeit als Gefahr für den Verlagsjournalismus ausmache: Wenn nämlich pensionierte Journalisten es nochmals wissen wollen und Lust verspüren, unabhängig von irgendwelchen Zwängen sich journalistisch betätigen. Dann richten sie sich ein Blog ein.
Gut, ich muss einschränkend feststellen, dass die meisten meiner ehemaligen und nun pensionierten Kollegen als Hofberichterstatter zumeist ihren Beamtenstatus in vollen Zügen genossen haben und nun auch also solche ihren Ruhestand geniessen.
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