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Das verwundert nicht, schließlich kommt der Konsum ja nicht zum Stillstand, die Menschen wollen und müssen konsumieren. Sie werden kaum Wochen und Monate auf einen neuen Kühlschrank warten, nachdem der alte kaputt gegangen ist. Empirische Betrachtungen von Volkswirtschaften zeigen, auch im Vergleich mit Ländern mit steigendem Preisniveau, keine nachhaltige Beeinträchtigung des Wachstums. Das gilt selbst im Fall einer deflationären Schockwirkung.
Schließlich wird eine allgemeine Bankenkrise beschworen, die aufgrund nicht rückzahlbarer Kredite und einer weitreichenden Kreditklemme ("Credit Crunch") zustande kommen soll und schließlich die gesamte Volkswirtschaft in den Abgrund reiße. Tatsächlich vernichtet die Einschränkung von Krediten keine Ressourcen, da Bankkredite keine Ressourcen erzeugen, sondern nur für eine Vermittlung von Ressourcen an anderer Stelle sorgen. Kein Apfel, Auto oder Buch verschwindet durch den Rückgang von Krediten. Künftig werden Äpfel, Autos und Bücher aber möglicherweise in einem anderen Mengenverhältnis hergestellt. Dementsprechend werden Menschen an anderer Stelle beschäftigt.
Jörg Guido Hülsmann argumentiert in "Deflation and Liberty", dass Deflation genauso wie Inflation lediglich für eine Umverteilung der Ressourcen sorgt – unter Individuen wie zwischen Branchen. Im Unterschied zur Inflation erfolgt die Umverteilung allerdings offen sichtbar. Kredit finanzierte Unternehmen und private Haushalte mit zum Beispiel Immobilienkrediten gehen Pleite, sobald sie ihren Rückzahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Die Güter verschwinden jedoch nicht, sondern wechseln lediglich den Besitzer. Andere Menschen werden Eigentümer der Unternehmen und Häuser, und zwar diejenigen, die über Liquidität verfügen und keine Schulden haben. Deflation macht also Gewinner und Verlierer sichtbar ("Deflation means open redistribution through bankruptcy").
Hinzu kommt eine bedeutsame Tatsache: Politische Vernetzung, der Zugang zu den Stellhebeln der Macht, hilft im Fall der Deflation nicht. Bei unseren heutigen inflationären Volkswirtschaften sind politische "Connections" sehr bedeutsam, da Geld durch die staatlichen Zentralbanken über den Transformationsriemen der Geschäftsbanken überwiegend per Kreditvergabe aus dem Nichts geschaffen wird. Und die Regierungen stellen für gut verflochtene, in der Regel Großunternehmen, Sonderkredite und Konjunkturmaßnahmen zur Verfügung wie die aktuelle Politik auf monströse Art und Weise illustriert. Hier liegt möglicherweise der Schlüssel für die Diskreditierung der Deflation: Deflation entmachtet die Politik. Deflation bedroht das herrschende Establishment.
Literaturempfehlungen:
Jörg Guido Hülsmann: Inflation and Liberty.
www.forum-ordnungspolitik.de
Murray N. Rothbard: America's Great Depression.
Kostenloser Download beim Mises Institute
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Kommentare (2)
Heinrich Sommer, 13.03.2010 19:29
Interessante Aspekte und gute Argumente, finde ich. Jedoch, lieber Autor, der letzte Absatz mit der politischen Vernetzung ist doch - für mein Verständis - etwas fahrig geraten. Ich würde mir hierzu eine Vertiefung in einem neuen Artikel wünschen!
Beste Grüsse
Freigeist, 13.03.2010 16:30
Hallo,
wenn Nachfrage ausfällt, da Beschäftigung nach China verlagert wird, hiesige Arbeitnehmer somit entscheidend weniger konsumieren können, sehen die Zusammenhänge schon nicht mehr so simpel aus.
Grüße
Freigeist
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