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11.02.2012
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Sie lügen wie gedruckt. Stasioffiziere stellen ihr Buch vor
Weitere Themen: DDR-Unrecht

Stasioffiziere stellen ihr Buch "Fragen an das MfS" vor. Auf dem Podium der Ladengalerie der „Jungen Welt“ hocken sechs unsicher wirkende, alte Männer nebeneinander, die vom Moderator, in einem verzweifelten Versuch, witzig zu sein, als das inkarnierte Böse vorgestellt werden. Es sind ehemals hohe und allmächtige Stasioffiziere, die heute so harmlos wirken, dass man ihnen unbedenklich seine Enkel anvertrauen würde.

Hinter ihnen warnt ein grellgelbes Plakat: „Sie lügen wie gedruckt. Wir drucken, wie sie lügen“ Dieser Regiefehler der Veranstalter ist das treffendste Motto, das für diesen Abend gefunden werden konnte. Denn gleich nach Beginn der Lesung kommen die Lügen hageldicht, obwohl sich Werner Grossmann, lange Zeit stellvertretender Minister für Staatssicherheit, Mühe gegeben hat, harmlose Stellen des Machwerks von 25! Autoren auszuwählen. Zwar hätte es nur ein Gründungsgesetz für die Staatsicherheit gegeben, danach hätte das Organ ausschließlich nach internen Anweisungen gehandelt, man hätte sich dennoch strikt an die Gesetzlichkeit gehalten. Wenn jemand nur gegen die DDR gehetzt, aber kein Gesetz verletzt hätte, wären der Stasi leider die Hände gebunden gewesen. Wer lediglich über die Mauer klettern wollte, ohne eine westliche Schleuserbande in Anspruch genommen zu haben, wäre das ebenfalls kein Fall für die Stasi gewesen. Sie hätte weder Entführungen noch Morde geplant. Wenn doch, wie im Fall des Oppositionellen Rainer Eppelmann, in dessen Stasi -Akte sich sehr wohl Mordpläne befinden, wären die betreffenden Stasimänner, die lediglich aus Frust solche Planspielchen erfunden hätten, degradiert worden. Kurz, die DDR war gut, die Stasi war rein und alle Fakten, die das Gegenteil belegen, sind Manipulationen und Erfindungen des Klassenfeindes. Dann kommt noch die Litanei über die angebliche Ausgrenzung und Verfolgung unschuldiger Mitarbeiter eines Dienstes, der schließlich nur die üblichen kriminalistischen Praktiken angewandt hätte, um die Wahrheit über die üblen Absichten der Gegner der DDR aufzudecken. Alle waren und sind schlimmer:  BND, CIA, Mossad sowieso, das vereinte Deutschland insgesamt, die USA. Die gezielte Desinformation ist mit so viel Klagerei und Selbstmitleid gemischt, dass die Opas einem fast leid tun können. Im Raum sind ein paar lebendige Beweise für ihre Lügen anwesend, obwohl noch mehr ehemalige Stasihäftlinge draußen bleiben mussten.

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Nachdem ehemalige Häftlinge vor ein paar Wochen schon einmal eine Buchpräsentation der Stasi besucht hatten, waren die Genossen diesmal schon eine Stunde früher in solcher Zahl erschienen, dass die meisten Plätze besetzt waren. Der Moderator unternahm noch einen krampfhaften Versuch, nur eigene Leute in der Diskussion zuzulassen, musste das aber in Anbetracht der anwesenden Presse aufgeben. Der Blutdruck der Genossen schoß in die Höhe und ihre Herzschrittmacher setzten für einen Augenblick aus, als sie sich anhören mussten, dass eine Frau verhaftet, verhört und vor Gericht gestellt worden war ohne ein einziges Gesetz der DDR verletzt zu haben, wie das Oberste Gericht der Noch-DDR feststellen musste. Ein Mann war als Jugendlicher für mehrere Monate im Stasiknast gelandet, weil er mit seiner Freundin über die tschechische Grenze in den Westen wollte. Keine Schleuserbande war auch nur in der Nähe. Den Genossen wurden Teile ihrer „Einsatz-, und Kampfgrundsätze“ vorgelesen, die nach der Stasiaktenöffnung auftauchten. Darin ist eine ganze Palette von Einsatz-, und Kampfformen für Einzelkämpfer und Gruppen in Aktionen und Operationen festgehalten, wie: Zerstören, Vernichten, Desorganisieren, Demoralisieren, Liquidieren, alles sorgfältig mit Unterpunkten versehen, wie das gewünschte Ziel erreicht werden kann. Beim Liquidieren liest sich das so: „Das Liquidieren beinhaltet die physische Vernichtung von Einzelpersonen und Personengruppen. Erreichbar durch: Das Erschießen, Erstechen, Verbrennen, Zersprengen, strangulieren, Erschlagen, Vergiften, Ersticken.
Die Genossen versuchen ihre Verlegenheit hinter dröhnendem Gelächter zu verbergen. Ein besonders eifriger Lacher bekommt Atemnot und muss an die frische Luft befördert werden. Den Klügeren ist aber schon klar, dass nun Schluss mit lustig ist und man bemüht sich um eine Erklärung. Diese Grundsätze wären nur mal eben für den Ernstfall aufgeschrieben worden, sie hätten immer nur auf dem Papier gestanden. Einer der Herren auf dem Podium entblödet sich nicht, den Verdacht zu äußern, der BND hätte bei der Verfassung der Grundsätze heimlich seine Finger im Spiel gehabt, um die Staatssicherheit zu diskreditieren. Und die Unterschrift von Wolfgang Schwanitz unter dem Mordbefehl an Hironymus Schreiber? Der Mann auf dem Podium windet sich. Er will erst das Original der Akte sehen, ehe er Stellung nimmt. Überhaupt, ein Gericht hätte bereits versucht, ihn zu überführen, aber die Beweise hätten nicht ausgereicht. Mit der Wahrheit über das Ministerium für Staatsicherheit, um die es angeblich in dem Buch gehen soll, hat das alles nichts zu tun. Das Buch ist ein weiterer Versuch, die Öffentlichkeit zu täuschen und für dumm zu verkaufen. Als den Herren die Argumente ausgingen, packten sie die ganz große ideologische Keule aus. Mit bebender Stimme rief ein Mitarbeiter der Jungen Welt ins Mikrophon, dass ein Vergleich der Praktiken der kommunistischen Geheinpolizisten mit den der geheimen Staatspolizei eine Beleidigung der 6 Millionen Jüdischer Opfer des Nationalsozialismus sei, obwohl es keinen Anlass für eine solche Äußerung gab. Kurz darauf machte ein Stasimann im Podium klar, wie verbrecherisch der Mossad sei, der einen palästinensischen Terroristen ( den er allerdings als Jungen bezeichnete) in Libyen ermordet hätte. Auf einen Einwurf aus dem Publikum, der Mossad hätte auch Eichmann entführt, nickte ein anderer Stasimann eifrig: daran sehe man, wie ungesetzlich der Mossad vorginge.
Zum Schluss bekam die Veranstaltung noch eine unverhoffte satirische Note. Ein Uralt-Westlinker bemächtigte sich des Mikrophons, um zu sagen, wie sehr er es bedauere, dass er die Genossen erst so spät kennenlernen durfte. Nun seien sie schon zu alt und nicht mehr recht brauchbar für die zahlreichen linksradikalen Aktionen, die er immer noch plane und durchführe. Aber vielleicht könnte man einander doch noch nützlich sein im Kampf gegen den alltäglichen Faschismus im heutigen Deutschland.
Und der Dirigent des Stasiorchesters berichtete von seinen vergeblichen Bemühungen, den Klangkörper in das vereinigte Deutschland retten und bekam feuchte Augen als er erzählte, ein amerikanischen Militärmusikcorps hätte sich eine Schallplatte mit den sozialistischen Märschen der Stasimusiker von Anfang bis Ende angehört. Da wurde klar: die Stasi liebt nicht nur alle, sie will von allen geliebt werden.
Abende wie dieser, wo einer Teilnehmerin zugezischt wurde: „Schade, wir hatten Dich nicht lange und hart genug in der Mangel, sonst hättest du heute nicht so die große Klappe gehabt“, sind nicht geeignet, den Wunsch, geliebt zu werden, zu erfüllen.

 

Beitrag erschien zuerst auf achgut.com



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Kommentare (7)




 
  Kommentare (7)

Leser, 19.05.2010 07:07
Wer sich mit der deutschen Geschichte beschäftigt, wird erstaunt sein, wie es zur Gründung der Bundesrepublik auf der einen und der DDR auf der anderen Seite wirklich kam. Herrenchiemsee, parlamentarischer Rat, Genehmigungsschreiben der Alliierten, Besatzungsstatut, Grundgesetz, Grundrechte auf der westlichen Seite, angeblich freiheitlich-demokratische Grundordnung auf dem Boden des Bonner Grundgesetzes. Alles nur ein Märchen, liest man in den Gesetzgebungsprotokollen des deutschen Bundestages in den Jahren 1949 bis 1953 wird einem nichts anderes als schlecht, denn es kommt heraus, was man damals vertuschen konnte, dass nämlich das Bonner Grundgesetz nicht die Bindewirkung gegenüber den drei Gewalten entfaltet hat, wie es auf dem Papier bis heute geschrieben steht. Schnell waren die entnazifizierten Nazis wieder flächendeckend in Amt und Würde und was dabei herauskommen musste, spüren mehr und mehr Menschen heute, denn das System heißt zwar Demokratie, ist aber nichts anderes als eine feinsinnig gesponnene Wohlfühldiktatur, die maßlos plündert und gegenüber kritischen Bürgern massive Gewalt bis zur vollständigen Existenzvernichtung ausübt. Da sind die Enthüllungen aus der Zeit der DDR nichts anderes als die logische Folge, denn in West und Ost herrschten die gleichen Ausgangsbedingungen, die Bevölkerung war gegen Ende des Krieges 1945 mehrheitlich dem Nationalsozialismus aufgesessen, hatte ihn verinnerlicht und so was streift man nicht ab wie eine zweite Haut.

The Duke, 23.04.2010 19:07
Es gibt ein altes deutsches Sprichwort:
" Des Brot ich esse, des Lied ich singe!"
Nicht nur Offiziere lügen, sonst würden sie keinen "hinterm Ofen" vorlocken!
Geld, Ansehen, Orden, Macht das hat schon immer die Menschen gelockt.
Das 3. Reich hatte sich durch seine "Sieges-Lügen" tot gesiegt.
Wer lügt alles in diesem deutschen Bundesland Europas? Alle verkaufen eine heile Welt, wenn auch gleich die Welt in die Luft fliegen wird, wie der Vulkan auf Island!! Es gibt heute nur eine Parole, Geld machen egal wie!
Da werden Menschen auf Bestellung getötet um die Organe zu bekommen und zu verkaufen - den Angehörigen wird gesagt, " es tut uns Leid, es war ein Unfall". Das Militär klärt nicht darüber auf, dass der Einsatz in Serbien und im Kosovo zu einer starken Kornterminierung mit Radioaktivität geführt hat, und dass auch die BW Soldaten an diesen Folgen früher sterben werden. Die US Soldaten und die von den Briten sind so stark im Irak verseucht worden, dass kaum noch einer von den lebt, der aktiv dabei war.
Auch die tot Geburten bei den weiblichen Soldaten! Man wollte es totschweigen, ging aber nicht. Hier wurden Menschen belogen und missbraucht - nur darüber redet keiner!
Ja auch die ganze Erdbevölkerung wird belogen - der radioaktive Staub verbreitet sich mit den Stürmen über die ganze Welt! Argentinien signalisierte beim Unfall von Tschernobyl - wir haben nichts abbekommen. Eine Lüge ! Das argentinische Fleisch wurde in Massen importiert.Später wurde verlautbart , die Radioaktivität ging über die nördliche-, wie auch über die südliche
Erdkugel. Hitler meinte schon zu seiner Zeit: " Die Menschen glauben die dick aufgetragenen Lügen eher als die kleinen Unwahrheiten". 50 Millionen Menschen rannten daraufhin in den "vaterländischen" Krieg.
Nur mit Lügen kann man das "große" Geschäft machen. Geld kennt kein Vaterland!


Manni0815, 14.04.2010 07:46
Ach, da will man wieder einmal von der eigenen Unzulänglichkeit und dem eigenen Lügengebäude ablenken.
Die kapitalistisch orientierte Welt tut nichts anderes, als die ehemaligen sozialistischen Kader.

Mit dem Unterschied, dass man hier durch Konsum geködert wird, den Mist der Regierenden zu glauben.
Unser System ist ebenso korrupt und einseitig orientiert, wie es das der sozialistischen Staaten war. Solche Propagandaschriften unterstreichen das zusätzlich.


boluf, 13.04.2010 16:46
Bitte das Buch nicht kaufen und damit diese Schamlosen dazu reich machen. Wir fürchten es schon die informellen Mitarbeiter sind jetzt informierenden Mitarbeiter geworden

Lens Karbunder, 10.03.2010 09:10
Schade, dass ich es nicht selbst gesehen und gehört habe.
Zu behaupten, für den Versuch über die Mauer zu klettern, wäre man nicht bestraft worden, ist geradezu lächerlich gelogen.
Als jetzt 40jähriger ehemaliger DDR-Bürger, der zu dieser Zeit nie in Konflikt mit der Staatsmacht kam, weiß ich ganz genau das, wenn man nur ohne Erlaubnis im Grenzgebiet erwischt wurde, hatte man ein echtes Problem. So lange ich lebe, werde ich das, wenn es sein muss unter Eid, jederzeit wiederholen.


Noah, 09.03.2010 19:28
Zum Glück dürfte sich das Problem mit diesen poststalinistischen Betonköpfen demnächst biologisch erledigt haben. Deren jüngere, nicht weniger verblendete Sympatisanten werden sich dann wohl oder übel andere Vorbilder suchen müssen.
Ich würde mir wünschen, dass man diesen Individuen weniger Interesse für deren "Vergangenheitsbewältigung" entgegen bringt. Soviel Aufmerksamkeit deuten diese doch eher in ihrem Sinne und werten dies als Bestätigung ihrer eigentlich schwindenden Bedeutung.


Schaft, Jürgen, 09.03.2010 16:30
Ich kann nicht nachvollziehen was in dem Buch geschrieben wird und ich kann auch den blanken Hass der Artikelschreiber nicht verstehen.
Wann kümmert sich eigentlich jemand um den BND Geheimdienst und deren Machenschaften, den würde ich nun wieder gut verstehen.
JS



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