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     Dr. Michael von Prollius
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Inflationskosten werden drastisch unterschätzt
Weitere Themen: Finanzkrisen, Wirtschaftspolitik

Die Auffassung, Inflation habe zumindest eine positive Seite, ist immer noch verbreitet. Inflation schmiert angeblich das Wirtschaftswachstum oder sei immer noch besser als Arbeitslosigkeit. Beides ist ökonomischer Unfug.

Tatsächlich hat Inflation keine positiven Folgen, sondern nur negative Konsequenzen. Ungeachtet dessen tendiert auch die herkömmliche Wissenschaftssicht zur Unterschätzung der Inflationskosten. Steven Horwitz, VWL-Professor an der St. Lawrence University in New York, , kommt der Verdienst zu, in „The Cost of Inflation Revisited“ auf die gravierenden – teilweise versteckten – Kosten von Inflation systematisch hingewiesen zu haben.

Die neoklassische Standardbetrachtung hebt hervor, dass Inflation den Wert des Geldes mindert und wie eine Steuer wirkt. Hinzu kommen sogenannte „Schuhlederkosten“, bedingt durch die Notwendigkeit, häufiger zur Bank gehen zu müssen, um Geld abzuheben. Inflation verteilt anerkanntermaßen zudem den Wohlstand von Gläubigern zu Schuldnern um, was eine Verringerung oder gar Verweigerung der Kreditvergabe zur Folge haben kann. Schließlich bindet Inflation zusätzliche Ressourcen durch häufige Preiswechsel (sogenannte „Menükartenkosten“).

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Während diese Kosten allesamt auf Änderungen des Preisniveaus insgesamt beschränkt sind, verweist Horwitz auf die inflationsbedingten, mit relativen Preisänderungen einhergehende Kosten. Im Mittelpunkt steht die Fehlallokation von Ressourcen und damit ein beträchtlicher Wohlfahrtsverlust. Inflation verzerrt das Preisgefüge im Verhältnis zu den Wünschen und Bedürfnissen der Marktteilnehmer und führt zu Fehlinterpretationen, zumal zunächst unklar ist, ob die Preisänderungen permanenter oder kurzfristiger Natur sind und wie viel der Änderung inflationsbedingt ist. Hinzu kommt, dass Inflation nicht über Nacht alle Preise steigen lässt – als hätte Geld man mit dem Helikopter über das ganze Land verstreut.

Tatsächlich trennt Inflation Preise von den ihnen zugrunde liegenden Einflussfaktoren wie Geschmack, Technologie und Ressourcen. Inflation stört die ex ante, ex post und Entdeckungsfunktion der Preise. Sie werden weniger verlässlich, gerade als Indikatoren für vergangene und zukünftige Handlungen. Damit zersetzt Inflation die monetäre Kalkulation – das Herzstück der Marktwirtschaft – als Voraussetzung unternehmerischer Aktivitäten und Entdeckungen.

Damit sind aber immer noch nicht alle Kosten benannt. Hinzu kommt ein anderer Gütereinsatz von End- und Vorprodukten als ohne Inflation. Unternehmer werden zu nur durch Inflation rentabel erscheinenden Aktivitäten verleitet, sprich: zu Spekulation, etwa im Immobilienmarkt. Kapital und Arbeit können aber nicht einfach über Nacht in neue Verwendungen transferiert werden, da beide verwendungsspezifische Merkmale besitzen. Kapital ist nicht einfach „K“ wie in keynesianischen Modellen, sondern branchen- und projektgebundenes, spezifisches Kapital. Hinzu kommen Kosten für Schutzmaßnahmen gegen Inflation, darunter Ausgaben für Berater und die Sicherung des Vermögens.

Schließlich wird es zunehmend attraktiver, anstelle des steinigen Weges auf dem Markt, den billigeren politischen Weg zu Erreichung persönlicher Ziele zu benutzen. Das aber führt zu einem dynamischen Interventionismus mit immer mehr Eingriffen in den Markt und extremen Konjunkturzyklen wie der aktuellen Weltwirtschaftskrise.

Die Ursache von Inflation ist die Ausweitung der Geld- und Kreditmenge. Die Heilung besteht darin, die Ausweitung der Geld- und Kreditmenge zu stoppen. Auch wenn es so einfach ist, werden wir sogar an den offiziellen Konsumentenpreisindices sehen, wie schwer das Politikern und Zentralbanken fällt.



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Kommentare (5)




 
  Kommentare (5)

Ben, 19.04.2010 13:45
@Freigeist
Ich seh' zu, was sich machen lässt.


Freigeist, 16.04.2010 15:10
@Ben
eine Argumentation wie die ihre habe ich schon seit Jahren erwartet. Nun endlich kommen solcherlei Kommentare. Bitte häufiger melden, interessiert mich sehr.


Ben, 31.03.2010 13:27
Inflation ist der einzige durchsetzbare Weg, um die Renten und Beamtenpensionen, sowie die Ausgaben für Hartz IV und auch die Staatsschulden schnell auf ein angemessenes Niveau zu reduzieren.

Wieso sollte meine Generation dies alles bezahlen, vor allem weil das eh nicht geht? Mit Verlaub, zu dieser Sklaverei sage ich doch gerne mal "Nein Danke"! Sie und Ihresgleichen sollten doch mal bitte die Suppe selber auslöffeln, die Sie und Ihre geistigen Vorgänger uns eingebrockt haben. Ich fände eine saftige Inflation angesichts der zur Verfügung stehenden Alternativen jedenfalls als junger Mensch genau richtig, denn das was Ihre und Ihre Vorgängergenerationen uns an Lasten aufhalsen möchten, können wir sowieso nicht bezahlen. Willkommen in der Realität, Doktor.


xRatio, 30.03.2010 15:37
Sämtliche sogenannten "Wirtschaftskrisen" wurden und werden allein und ausschließlich durch Staaten und Notenbanken verursacht.

xRatio


Levin Bodenstein, 05.03.2010 02:04
Es ist müßig, die unbestreitbaren Negativfolgen einer offenen Inflation zu beschwören, wenn Geldmenge und Geldwert längst virtuell sind. Tatsächlich wäre Deflation die weitaus gefährlichere Lage, denn von ihr wird produktives Volksvermögen unwiederbringlich vernichtet. Inflation bedroht das Privatvermögen von Sparern und sonstigen Kapitaleignern. Die hier propagierte Deflationspolitik würde den unvermeidlichen Final Crash um einige Jahre verzögern, seine Wirkung dann aber vervielfachen. Also bitte keine billige Kapitaleignerpropaganda...


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