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     Jutta Schützdeller
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Ich will nicht aus Glas sein...
Weitere Themen: Allgemein, Justiz

"Haben Sie schon unsere Kundenkarte?"

Na? Wie oft haben Sie diesen Satz schon gehört? Hundert Mal? Tausend Mal?

Werfen Sie mal einen Blick auf Ihr Portemonnaie und schätzen Sie , wie hoch der Gewichtsanteil der Club- und Kundenkarten im Gegensatz zu dem enthaltenen Bargeld ist.... Na? 80:20? Dann haben Sie aber ne Menge Kleingeld dabei...

Ich bin Verweigerer. Ich meine, soweit es möglich ist. Ich lasse mich nicht von 5% Ersparnis oder besonders tollen Angeboten locken, ich will auch nicht Mitglied im exklusiven Verein der Hundefutterkäufer sein. Wer meine Daten haben möchte, der muss mir einen guten Grund liefern, warum ich sie ihm geben sollte.

Ich habe Verständnis für die Idee, meine medizinischen Daten auf einer Karte zu speichern, ich bin sogar der Ansicht, dass dies weiter gehen könnte, als derzeit angedacht. Sollte ich irgendwann mal bewußtlos aufgefunden werden, wäre es mir druchaus recht, wenn meine Karte Informationen über lebenswichtige Medikamente oder Unverträglichkeiten enthalten würde.

Ganz anders verhält es sich mit der Frage, ob meine Daten bei meinem Provider gespeichert werden sollten. Warum? Ich möchte nicht unter Generalverdacht gestellt werden, weshalb also meine Zugriffe speichern? Wen geht es etwas an, wie oft am Tag ich meine Mails abrufe, wen hat es zu interessieren, wie häufig ich auf meiner Website bin, um daran zu arbeiten, und wenn ich nach einer neuen Bluse suche und mich entschließe, das im Internet zu tun, möchte ich, dass es meine Sache ist und niemandens sonst.

Jetzt kommt wieder das Totschlagargument, dass derjenige, der nichts zu verbergen hat, doch auch keine Veranlassung hat, etwas gegen die Speicherung seiner Daten zu haben. Ach ja? Ist das so? Bin ich, nur weil ich nicht Bestandteil irgendeines Datenberges sein will, gleich ein potentieller Bösewicht? Nein, ich möchte meine Privatsphäre bitteschön für mich behalten, sonst hieße sie ja "Öffentlichkeitssphäre".

Das Urteil der Karlsruher Richter beruhigt mich ein wenig, aber grundsätzlich ist der Schritt von der Datenspeicherung zur Überwachung für mein Gefühl defintiv zu klein, die Hürde zu niedrig, die Versuchung zu groß, die Daten dann doch, wo sie schon mal da sind, für Auswertungen zu nutzen.

Der Entscheid erlaubt es, im Fall einer ernsthaften Bedrohung auf Daten zuzugreifen, die für einen klar definierten Zeitraum nicht gelöscht werden. Damit kann ich leben. Ich fühle mich nicht sicherer dadurch, aber ich kann es ertragen.

Meine Einstellung zu zielungerichtete Datensammelwut bleibt aber bestehen. Kein Hunderfutterclub für mich. Bitte.



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Kommentare (5)




 
  Kommentare (5)

Noah, 05.03.2010 21:44
Vor 15 Jahren nutzte der Kriminelle für die Vorbereitung und Durchführung der von ihm begangenen Straftaten einen Festnetzanschluss und vieleicht ein Mobiltelefon. Jetzt, wo man die Mobilfunkanschlüsse an jeder Supermarktkasse hintergeworfen bekommt wenn man nach der Uhrzeit fragt, nutzt er mindestens ein halbes Dutzend parallel und das auch nur für kurze Zeit, dann wird vollständig gewechselt.
Die Zahl seiner Kontakte über die elektronischen Kommunikationwege wird sich nicht verändert haben, wohl aber die Anzahl der Überwachungsmaßnahmen, für den Fall, die Ermittlungsbehörden haben sich damals für ihn interesssiert und tun es jetzt wieder. Einfaltspinsel wie z.B. die Datenschutzbeauftragten u. vor allem auch Politiker der FDP zetern über die Zunahme der Überwachung elektronischer Kommunikationswege, die tatsächlich garnicht nicht zugenommen hat, da die Anzahl der einzeln überwachten Wege nicht ausschlaggebend ist, wohl aber nur die Anzahl der Kontakte. Einfach mal sacken lassen!
Zu der immer wieder heraufbeschworenen Gefahr des Mißbrauchs kann ich nur fragen, wer sollte dies tun? Hoffnungslos überforderte und nach mehr Personal lechzende Behörden, die mit dem ganzen Datenschritt garbnicht anfangen können und wollen? Das ist für mich Oberbedenkenträgertum im übelsten Sinne.
Und wer tatsächlich annimmt, ein "politisch nicht korrekter Kommenar auf Freie Welt" könne Anlass für Interesse des Staates an der verfassenden Person sein, nimmt sich wohl etwas zu wichtig.


Elmar Oberdörffer, 05.03.2010 14:39
@ Klaus L.:
Natürlich läßt der Staat nicht von jedem Bürger ein Profil erstellen, daß wäre viel zu aufwendig. Aber er kann, wenn er die Daten hat, von jedem beliebigen Bürger zu jeder Zeit ein Profil erstellen. Dazu muß man nur einmal aufgefallen sein, z.B durch einen politisch nicht korrekten Kommentar hier in "Freie Welt". Ich bleibe dabei: die Vorratsdatensammlung verträgt sich nicht mit einem freiheitlichen Rechtsstaat. Und in einem anderen Staat will ich nicht leben müssen.


Klaus L., 05.03.2010 08:05
Das sind meiner Meinung nach alles "hätte, wäre, wenn Analysen. Glauben Sie wirklich, der Staat lässt diese unzähligen Daten auswerten, um von jedem Bürger ein Profil zu erstellen? Was soll der Staat mit den Informationen eines Telefonanbieters? Haben Sie Angst, dass der Staat von Ihnen ein Protokoll erstellt,
Kontakt 354, Mittwoch 13. Januar 14:13, hat im Kindergarten angerufen
Kontakt 355, Mittwoch 13. Januar 19:47, hat Pizza Tono ohne Zwiebeln bestellt

Es geht hier um Verbrechensbekämpfung, aber lassen Sie uns die Polizei abschaffen, denn die könnte, wenn sie wollte, mich beobachen und ein Protokoll erstellen. Nicht dass ich was angestellt hätte, aber wehret den Anfängen.

Gruß
Klaus L.


Elmar Oberdörffer, 04.03.2010 12:29
@ Klaus L. :
Ich sehe die Sache mit dem Datensammeln aber noch anders. Wer wirklich schwere Kapitalverbrechen oder Terroranschläge plant, der wird die Vorratsdatensammlung ins Leere laufen lassen, indem er andere, nicht überwachbare Kommunikationswege wählt. Das mag zwar umständlicher sein, wird aber in Kauf genommen, um eine Entdeckung zu verhindern. Für die Aufklärung oder Verhinderung von Kapitalverbrechen gibt es auch andere Wege, mögen diese auch aufwendiger und mühsamer sein. Ich halte es aber für unerträglich, wenn alle möglichen Daten aller Menschen für den staatlichen Zugriff gespeichert werden. Dem Mißbrauch dieser Daten ist damit Tür und Tor geöffnet. Wehret den Anfängen! Mit den Daten wird es gehen wie mit der Steuer: der Staat kann nie davon genug haben. Am Ende haben wir alle elektronische Fußfesseln um, die dem Staat die lückenlose Überwachung all unserer Bewegungen ermöglichen, alles im Namen der Verbrechens- und Terrorbekämpfung. In einem solchen Staat möchte ich nicht leben. Daher meine Forderung: Datenerfassung und -speicherung nur bei begründetem, schwerwiegenden Verdacht gegen eine bestimmte Person, und nur die Daten dieser Person! Allse andere wird am Ende zur der Herrschaft des "großen Bruders" führen.


Klaus L., 04.03.2010 10:57
Ich sehe die Geschichte mit dem Datensammeln anders.
Wenn auch nur eine Straftat damit aufgeklärt werden kann, ist das eine gute Sache. Wenn mit dieser Datensammlung schwere Straftaten wenn nicht sogar Terroranschläge verhindert werden kann, sollte jeder nicht-Terrorist damit einverstanden sein.
Wenn meine Daten gespeichert werden, bin ich noch lange kein Verdächtiger. Und nur weil ich ein Mann bin, bin ich noch lange kein Vergewaltiger, nur weil ich das Werkzeug dafür habe.
Die digitalen Technologien machen die Strafverfolgung sehr schwer und wenn wir die Aufklärung hier verhindern, machen wir diese Technologie zum freien Planungsinstrument für organisieres Verbrechen über unsere Grenzen hinweg.
Freuen wir uns nicht alle, wenn schwere Kapitalverbrechen aufgrund einer Rasterfahndung aufgeklärt oder sogar verhindert werden?
Dafür dürfen meiner Meinung nach auch Handyanbieter speichern, wann ich mit meiner Frau oder meinem Chef telefoniert habe, das ist schon ganz in Ordnung.

Lieben Gruß
Klaus L.



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