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11.02.2012
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     Dr. Klaus Peter Krause
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Amerikanische Geldhäuser bauen vor
Weitere Themen: Finanzkrisen

Wenn Menschen in panischer Angst ihr Geld abheben wollen, haben die Banken ein Problem. Die Gefahr, dass dies geschieht, ist offensichtlich groß. Zumindest in den Vereinigten Staaten.

Wer hier Bargeld von seinem Konto holen will, muss das künftig vorher schriftlich anmelden und dann eine Woche auf die Auszahlung warten. Damit soll ein Sturm auf die Banken möglichst abgeblockt sowie verhindert werden, dass die Banken nicht in der Lage sind, Kundeneinlagen auszuzahlen. Doch die Zweifel an der Stabilität des amerikanischen Finanzsystems werden zugleich verstärkt.

Ein Hinweis der Citigroup weckt Aufmerksamkeit

Öffentliche Aufmerksamkeit bekam diese Einschränkung jetzt durch die amerikanische Bankgesellschaft Citigroup Inc. Auf den Kontoauszügen weist sie ihre Kunden wie folgt darauf hin: “Vom 1. April 2010 an behalten wir uns eine Frist von sieben (7) Tagen vor, bevor wir Abhebungen von einem Girokonto zulassen. Derzeit machen wir zwar von dem Recht keinen Gebrauch und haben es auch in der Vergangenheit nicht angewendet, sind aber per Gesetz dazu verpflichtet, Sie über diese Änderung zu informieren.” Ein Gesetz der Notenbank Federal Reserve schreibe der Bank nun vor, sich das Recht auf siebentägige Sperrfristen vorzubehalten. Die teilverstaatlichte Citigroup Inc. ist eine der größten Bankgesellschaften in den Vereinigten Staaten

Auch kleinere Barabhebungen betroffen

Der Online-Finanzinformationsdienst MMNews schrieb am 24. Februar: „Damit will die Bank dem Vernehmen nach unkontrollierte Barabhebungen verhindern, welche das Geldsystem und viele Banken im Herbst 2008 fast in den Kollaps getrieben haben.“ Diese Maßnahme betreffe nicht nur große Summen, auch kleinere Barbeträge gebe es nur noch, wenn man das “Abhebeformular” rechtzeitig vorher ausgefüllt habe. Nach MMNews-Angaben wird die Maßnahme von allen Geldhäusern angewendet, die mit dem amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC zu tun haben. Demgemäß müssten demnächst alle betroffenen Institute ihre Kunden auf  mögliche Einschränkungen bei Barabhebungen hinweisen. In Amerika rechnet man offenkundig mit dem Schlimmsten – immer noch oder schon wieder

Verhindern lässt sich ein bank run so nicht

Durchaus möglich, dass Angst vor der Einschränkung den Run noch vor dem 1. April geradezu auslöst und dass auch nach diesem Datum das Geld abgehoben wird – nur, dass man dann auf sein Geld eine Woche warten muss. Verhindern lässt sich ein Sturm auf die Banken so ohnehin nicht; der kann auch mit der Wartefrist losbrechen. Angenommen, an einem Tag nach dem 1. April schreiben alle Kunden ihrer Bank, sie wollten alles Geld abheben. Dann müsste die Bank das Geld eine Woche später auf einen Schlag aushändigen. Wird sie das wirklich können? Bange Frage, ob und wann auch die Banken in Deutschland ihren Kunden eine Wartefrist aufzwingen (müssen), um Bargeld heranzuschaffen.

„FDIC auf einen Bankensturm nicht vorbereitet“

Die Citigroup begründet ihren vorsorglichen Hinweis damit, dass sie 2009 durch den amerikanischen Einlagensicherungsfonds Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) unbegrenzten Schutz für die Kundengelder erhalten habe und jetzt im Jahr 2010 wieder zum gewöhnlichen (also geringeren) Einlagenschutz zurückgekehrt sei. In der Financial Times Deutschland (FTD-Online vom 25. Februar) las man dazu: „Auf einen Bankensturm wäre der FDIC nicht vorbereitet. Der Fonds, mit dem Kundeneinlagen bis zu einer bestimmten Summe besichert werden, hatte Ende 2009 ein Volumen von rund 66 Milliarden Dollar. Die US-Banken hatten zu diesem Zeitpunkt jedoch insgesamt Einlagen von 7700 Milliarden Dollar.”

Andererseits stellt sich die Frage, warum sich die amerikanischen Banken vor schlagartigen Bargeldabhebungen so schrecklich fürchten sollen, da doch bekannt ist, dass die Amerikaner fast alles nicht mit Bargeld, sondern mit Kreditkarten bezahlen. Wofür also sollten sie, wenn sie ihren Banken nicht mehr trauen, plötzlich Bargeld haben wollen, wenn sie es doch eigentlich gar nicht brauchen?

702 amerikanische Banken auf der FDIC-Problemliste

Der Einlagensicherungsfonds ist eine Behörde der amerikanischen Bundesregierung. Er wurde 1933 gegründet als Reaktion auf die Tausende Bankzusammenbrüche in der Krise der 1920er und frühen 1930er Jahre. In seinem jüngsten Quartalsbericht zeichnet er ein düsteres Bild, vor allem für die amerikanischen Regionalbanken. Jede elfte der dem Fonds angehörenden Banken werde die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht überstehen. Die vom Fonds geführte Problemliste enthält 702 gefährdete Banken (Stand Ende Dezember 2009). Das ist ein Viertel mehr als im dritten Quartal 2009. Im vierten Quartal hat der Fonds 54 Geldinstitute schließen müssen. Im Gesamtjahr 2009 sind es 140 Banken gewesen, im laufenden Jahr schon 20.



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Kommentare (3)




 
  Kommentare (3)

Elias Erdmann, 27.02.2010 19:51
Hallo ,

ich vermute, dass die Citigroup in diesem Zusammenhang noch andere Ziele verfolgt, die sie aber nicht offen zugibt. Vor wenigen Tagen (17.02.2010) gab es z.B. im Handelsblatt folgenden Artikel:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/usa-hohe-barreserven-der-banken-senken-die-rendite;2531206

Dort steht:

„Über den größten Anteil liquider Mittel verfügt die Citigroup, Gleichzeitig bremst die hohe Liquidität jedoch den Gewinn der Banken.“

Wenn eine Bank, die zufälligerweise besonders viel Liquidität vorhält, nun plötzlich als erste Bank Maßnahmen ergreift zum Schutz vor zu niedriger Liquidität, dann liegt für mich ein Verdacht nahe: Die Liquidität soll deutlich verringert werden und die Bank will sich entsprechend absichern.

Wenn eine Bank viel Liquidität vorhält, dann liegt nämlich viel Geld rum, mit dem sie nicht arbeiten kann. Vermutlich will die Citigroup diese unproduktive Geldmenge verringern bzw. nutzen – würde dann aber in Probleme reinlaufen, wenn plötzlich viele Kunden an ihr Geld wollen. Das Ziel könnte also sein: Die Sicherheitsreserve an Bargeld wird reduziert, um die Gewinne zu steigern. Das Risiko der geringeren Sicherheitsreserve wird dabei ganz einfach an die Sparer weiter gegeben, die halt notfalls 7 Tage warten müssen, um an ihr Geld ranzukommen.

Und weil die Sparer ziemlich sauer sein könnten, wenn man ihnen das so deutlich sagen würde, ist es halt sehr viel geschickter, wenn man sich hinter einem Gesetz verstecken kann, das man angeblich umsetzen muss. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die aktuelle Krisenstimmung ganz gezielt genutzt wird, um diese Maßnahme zur Gewinnsteigerung zu verschleiern.

Ich denke also, dass diese konkrete Maßnahme der Citigroup kein akutes Anzeichen für einen kurzfristig drohenden Run auf die Banken ist. Unabhängig davon sollten wir aber schon der Tatsache ins Auge blicken, dass unsere Wirtschaftsordnung einige ganz grundsätzliche Probleme hat, die in den nächsten Jahren zwangsläufig zu einem Kollaps führen werden (verbunden mit vielen gesellschaftlichen und sozialen Problemen). Vor diesem Hintergrund habe ich mir einige ganz grundsätzliche Gedanken gemacht, wie eine bessere Wirtschaftsordnung aussehen könnte. Siehe:

http://www.scribd.com/doc/20282461/Elias-Erdmann-Ideen-fur-eine-bessere-Wirtschaftsordnung

Viele Grüße

Elias Erdmann

Kontakt:
elias.erdmann@gmx.de
http://www.google.de/profiles/EliasErdmann


Hans von Atzigen, 27.02.2010 19:08
Da geht offenbar ganz langsam der immer noch weit verbreitet Irrglaube,( noch still und leise) mit Monetären Massnahmen könnten Wirtschaftskriesen Repariert werden.
Die Verbreitung dieses Irrglaubens der lautete Wirtschaftskriesen im Ausmass der 30 iger Jahre seien sehr sehr unwarscheinlich,den die Verantwortlichen würden im gegensatz zu 1929 mit Zusatzliquidität die Situation Stabilisieren.
Nebst auch Anderen hat hier ganz offensichtlich auch die erdrückende Mehrheit der Ökonomen verherend versagt.


Fed, 26.02.2010 20:20
Das wird schon, die Fed ist doch geübt darin, aus Luft Geld zu machen.


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