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Eine wirklich gute Schule!
Weitere Themen: Allgemein, Bildung

Aus gegebenem Anlass: Ein notwendiges Bekenntnis zum Jesuitengymnasium Aloisiuskolleg

Von MARTIN LOHMANN, Bonn

 

Vielleicht mutet es manchem seltsam an, wenn sich jetzt ehemalige Schüler melden und sich ausdrücklich zum Aloisiuskolleg bekennen. Doch das ist dringend notwendig, nachdem mehr und mehr der Eindruck entsteht, diese Schule sei ein Hort des Missbrauchs und der Verantwortungslosigkeit gewesen. Das Gegenteil ist wahr.

Meine Schulzeit am Ako liegt lange zurück. Mein Abitur habe ich 1976 gemacht. Und ich erinnere mich an eine eigentlich ganz normale Schulzeit. Es gab gute und weniger gute Lehrer, gute und weniger gute Schüler. Es gab die Internen und die Externen, also jene, die im Internat lebten, und uns, die wir aus Bonn und Umgebung jeden Tag anreisten. Es gab Patres und weltliche Lehrkräfte. Beliebte und weniger beliebte. Es gab Stress und Erholung. Fairness und Unfairness. Gerechtigkeit und auch mal keine. Wir haben diskutiert und gestritten. Wir haben gelacht und geweint. Der tödliche Unfall eines Klassenkameraden legte Trauer und Erschrecken ins Herz. Der zu frühe Tod eines exzellenten Paters, der soeben erst große Verantwortung übernommen hatte, lähmte ebenfalls.

Und: Wir waren alle irgendwie stolz und dankbar, ausgerechnet an dieser Schule sein zu dürfen. Auch wenn sie bisweilen nervte. Ja, auch ich habe mich über vieles geärgert, habe Widerstand geleistet und widersprochen. Mir war sie bisweilen zu wenig katholisch, als man im Orden selbst erst seinen Standort im nachkonziliaren Leben suchte. Verunsicherte und suchende Patres waren für pubertierende Zöglinge eine willkommene Herausforderung. Einer von ihnen mit seinem mehr als selbstbewussten und schon mal überheblich wirkenden Lächeln natürlich auch. Dass andere ihn fürchteten oder – bisweilen gleichzeitig – verehrten, änderte an dieser kritischen Haltung ihm gegenüber nichts. Auch nicht, als er mein Mathematiklehrer wurde – was sich aber in der Zeugnisnote nicht positiv niederschlug.

Von Missbrauch im Internat wussten wir Externen nichts. Deshalb sind wir auch so erschrocken und auch angewidert, wenn jetzt ein ganz anderer Eindruck über unsere ehemalige Schule gestülpt wird, als wir ihn haben.  Und unseren Eindruck haben wir nicht in verklärender Rückschau. Das würde übrigens nicht passen zu echten Jesuitenschülern, die stets – wenn sie das jesuitische Denken erkannt haben – in einer distanzierten Nähe zum Orden leben und sich nicht schwer tun, ihre Wertschätzung durch kritische Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. So ähnlich machen es ja auch die Jesuiten mit sich selbst.

Irgendwann bin ich einmal in einem Interview spontan gefragt worden, was ich denn bei den Jesuiten am Aloisiuskolleg gelernt habe. Meine Antwort damals: Die notwendige Verbindung der inhaltlich gefüllten Begriffe von Freiheit und Verantwortung – und das mutige Nutzen beider verpflichtenden Chancen. Dabei bleibe ich auch heute.

Man hat uns viel zugetraut, wir wurden – wenigstens meistens – als Personen ernstgenommen und mehr oder weniger dazu getrieben, angstfrei uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen. Selbstbewusstsein konnten wir lernen, weil wir es auch erfahren und erleben durften. Nachdenklichkeit ebenso. Neugier. Respekt. Intellektuelle Redlichkeit. Zuhören und Hinhören. Verstehen. Reden.

Ja, es ist Zeit, dies einmal deutlich zu sagen! Das Aloisiuskolleg war und ist eine gute Schule! Keine unfehlbare, weil die handelnden Menschen eben auch wie überall fehlbare waren und sind. Nichts soll und darf verharmlost werden, denn vieles, was wir jetzt erfahren, ist widerlich, unverantwortlich und schlimm. Nichts darf mehr verschwiegen oder vertuscht werden, auch nicht verharmlost. Eine Alternative zur Aufklärung gibt es nicht. Und vermutlich beschädigt niemand so sehr den Jesuitenorden wie einzelne Jesuiten, die als Seelsorger Seelentötung betrieben haben. Aber diese sind nicht „der“ Orden, nicht „die“ Jesuiten, und schon gar nicht „das“ Aloisiuskolleg.

Es ist tragisch, dass ausgerechnet einer der Feinsten und Sensibelsten nun hingeschmissen hat und weg ist. Pater Theo Schneider genoss Vertrauen, war für die Schüler als treuer Seelsorger da, spürte auf, hörte hin, hörte zu, hörte auch das nicht Gesagte. Dass ausgerechnet er womöglich das erste und schmerzlichste Opfer – wegen möglicher Mitwisserschaft – eines von seinem großen Gönner ausgelösten Skandals ist, macht traurig. Und dass sein Rücktritt als Folge einer spontanen Entscheidung dieses vielleicht zu wenig Mutigen gegenüber seinem mitbrüderlichen Übervater von der Ordensleitung sofort angenommen wurde, bleibt vorerst unverständlich.

Dort, in der deutschen Ordensleitung, schlummert jetzt Verantwortung zum Handeln. Verantwortung für Theo Schneider, den man nicht allein lassen darf. Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler am Ako, für die Lehrer und Eltern, und auch gegenüber den Altschülern. Theo Schneider gehen zu lassen ist das eine. Jetzt klug und pastoral zu handeln ist das andere. Hier darf man nichts und niemanden anhaken. Große Verantwortung zwingt zum klugen Handeln.

Theo Schneider war, so sagen viele, die Seele des Hauses. Dennoch und trotz allem. Die Tränen, die „seine“ Schüler und Kollegen – und auch er selbst – bei der ebenso spontanen wie überraschend plötzlichen Abschiedszeremonie   vergossen haben, waren echt und ein erkenntnisreiches Zeichen. Hier wurde ehrliche Trauerkultur sichtbar. Schmerz und Verlust. Das Fackel- und Kerzenspalier, das die Schülerinnen und Schüler ihm schließlich gaben, als der Ako-Theo sein Ako verließ, war ein Zeugnis. Ein Zeugnis für den Pater und für die Schüler. Und ein Zeugnis für „mein“ Aloisiuskolleg, das eine sehr gute Schule war und bleiben sollte. Als ehemaliger Schüler sage ich mit Überzeugung: Ich bin stolz und dankbar, großartige Persönlichkeiten am Aloisiuskolleg erlebt zu haben. Und ich bin nach wie vor aus Überzeugung ein Jesuitenschüler.

Martin Lohmann (52) ist katholischer Publizist, Theologe, Historiker und Jesuitenschüler. Er ist Buchautor („Das Kreuz mit dem C“), Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken (AEK) in der CDU, Bundesvorsitzender der Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) und Lehrbeauftragter für Medienethik in Köln.

 

 

 



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Kommentare (198)




 
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Anne, 06.08.2011 12:33
einfach nur widerlich, dieser Artikel.

Karl, 01.06.2011 20:32
Danke, Herr Lohmann, für die um Sachlichkeit bemühte Stellungnahme und Kommentierung.
Ich selbst war Internats-Schüler in den Jahren 1957 bis 1964. Für mich war es keine leichte Zeit. Denn ich hätte einiges an den erzieherischen Qualitäten der Patres zu kritisieren. Auch die ausgeübte Gewalt konnte ich beobachten und erfahren.

Es erscheint mir aber ziemlich kurz gesprungen, wenn bei der heutigen Kritik daran nicht die Gesamtsituation damals berücksichtigt wird.
Außerdem, wo waren denn die - ach so fürsorglichen - Eltern ??? Hatten die ihre gesamte Verantwortung an der Schultür bei Übergabe ihres Sprößlings mit abgegeben?

Diese Schule war zumindest in der Zeit, die ich beurteilen kann, trotzdem etwas besonderes. Ich wurde dort für mein Leben geprägt. Zum Glück überwog das Positive das sicher auch existierende Negative. der Saldo bleibt für mich hervorragend!

Und wenn ich die Einlassungen dieses Herrn Lucas lese, so scheinen sie mir doch zunächst den versuchten Revanchismus eines gefestigten Atheisten darzustellen. Das kann man beim genauen Lesen seines PDF-Documents gar nicht übersehen, das vor Unsachlichkeit trieft!

Anyway, sexuellen Mißbrauch habe ich nicht beobachten/erfahren brauchen. Zum Glück! Ich will nicht abstreiten, daß es dazu gekommen sein könnte. Aber gerade diesen Pater Brüning habe ich nicht als "häßlichen Riesen" kennengelernt, sondern als einen Erzieher mit durchaus echter Liebe und Zuneigung für seine Schüler. Daß solche Abgründe in ihm schlummerten, hörte ich nun erstmalig. Demnach war er ein Mensch mit ZWEI Gesichtern. Welches das ECHTE war, möge Gott unser Herr beurteilen.


M.Dubois, 17.02.2011 19:26
Dass ein Externer sich in die Diskussion um Mißbrauch und Mißhandlung interner einmisch, um für die Patres, insbesondere P.Schneider, eine Lanze zu brechen, finde ich schon allerhand. Ich war selbst Interner, warscheinlich von Pater Stüper als Mißbrauchskandidat vorselektiert, denn ich kam direkt in die "Stella", der kleinen Luxusvilla, in der er sich eine kleine Auswahl an Interne hielt. Zum Mißbrauch ist es nicht gekommen– ich habe nach knapp 2 Wochen verlangt, ins Hauptgebäude verlegt zu werden. Das gab einen Riesen-Aufstand. Pater Stüper und Pater Schneider waren außer sich. Verstand ich damals nicht. Nach drei Monaten wurde ich der Schule verwiesen– angeblich wegen der Mitarbeit an einer leicht kritischen Schülerzeitung. Ich habe die 3 Monate im AKO wie einen seltsamen Horrortrip erlebt und wundere mich jetzt keineswegs, dass Tatsachen ans Licht kommen, die damals schon intern hinlänglich bekannt waren. Dass Sie wohl den Ruf Ihrer schönen Eliteschule beschmutzt sehen ist als milder Kolatteralschaden zu betrachten. Keine Sorge: ein AKO-Abi ist immernoch das Wert, was es immer war. Ein Bißchen Respekt vor den Opfern wäre allerdings angebracht. Si tacuisses...

Uli Klein, 05.11.2010 16:24
DANKE FÜR S A C R O P O P -
LIEBER LIEBER MIGUEL ABRANTES!!!


TiBi, 16.07.2010 20:16
War doch noch nicht Schluss!?

Pro AKO? Oho, Ako-Pro
http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=763116

wieder einer der feinsten..?

sind in der CDU noch Plätze frei?


TiBi, 20.06.2010 13:46
Das wäre ja ein blöder Schluss, ´tankret!´! kommt da echt nichts mehr? Also: in Zukunft einfach mal genauer hinschauen, einfach mal genauer hinhören und auch mal engagiert den Mund aufmachen, wenns gegen stärkere geht!

Georg Bohn, 01.06.2010 17:17
Tankret !

WILLI, 29.05.2010 11:40
http://www.wdr.de/themen/panorama/kriminalitaet11/missbrauch_kirche/100529_interview.jhtml?rubrikenstyle=panorama

SEHR GUTES INTERVIEW MIT MIGUEL ABRANTES OSTROWSKI (SACRO POP)


Georg Bohn, 29.05.2010 00:29
http://www.radiobonn.de/bonn/rb/312293/programm

Georg Bohn, 28.05.2010 08:16
Aus Orden online:
Frau Raue hat nicht genügend Überblick am AKO bekommen, sagt sie in ihrem Bericht.
Die Betroffenen fordern daher Thomas Pfister (Ettal-Ermittler)als
Sonderermittler fürs AKO.




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