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     Fabian Heinzel
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Existiert der Gender Wage Gap?
Weitere Themen: Wirtschaftspolitik

Männer verdienen im Durchschnitt mehr als Frauen.  Daran besteht kein Zweifel.  Ein Josef Ackermann oder ein Bill Gates treiben den Durchschnitt nämlich ganz schön nach oben.  Davon haben ihre

Geschlechtsgenossen bei der Müllabfuhr oder bei der Bahnhofssecurity jedoch herzlich wenig.  Ein allgemeiner Durchschnittswert ist daher als Indikator für eine eventuelle Lohndiskriminierung ungeeignet.  
Das frauendominierte Berufe im Schnitt schlechter bezahlt werden als männerdominierte ist bei der Suche nach einem möglichen Gender Wage Gap ebenfalls nicht von Belang.  Wieviel in welchem Beruf verdient wird, ist kein Ergebnis von männlichen oder weiblichen Präferenzen, sondern von Angebot und Nachfrage – ein männlicher Friseur verdient schlecht und ein weiblicher Lufthansakapitän gut.  Das sich der Durchschnittsverdienst in einem Beruf verschlechtert, sobald mehr Frauen sich für ihn interessieren, ist ebenfalls nur logisch:  Da die Frauen die Männer in diesem Beruf in der Regel nicht verdrängen, sondern sie ergänzen, steigt das Angebot an Arbeitskräften – damit sinken die Löhne.  Würden sich immer mehr Männer ergänzend zu dem in diesen Beruf tätigen Frauen als Pflegekräfte bewerben, wäre auch hier mit einer Verschlechterung der Löhne zu rechnen. (Ich bin

html" target="_blank">hier schon einmal näher auf falsche Schlüsse in diesem Zusammenhang eingegangen).
Die oft zitierte, gleiche Qualifikation wird ebenfalls überschätzt.  Gegen Angebot und Nachfrage kommt die Qualifikation nicht an.  Zwar ist davon auszugehen, dass das Angebot an Arbeitskräften, die über eine schwer zu erlangende Qualifikation wie einen Hochschulabschluss in Medizin oder Elektrotechnik verfügen, immer geringer sein wird als das an Hilfsarbeitern, aber auch die Hochqualifizierten sind auf eine entsprechende Nachfragesituation angewiesen, wie man vor wenigen Jahren bei der so genannten Lehrerschwemme beobachten konnte.  In Zeiten, in denen oft sowohl die Praktikantin als auch der Geschäftsführer einen Hochschulabschluss haben, kann man schwerlich erwarten, dass Menschen allein aufgrund ihrer Qualifikation gleich bezahlt werden.

Bleibt die Frage, ob bei gleicher Arbeit gleich bezahlt wird.  Dafür müssen die Unternehmen jeweils einzeln betrachtet werden.  In einem Unternehmen, das hohe Gewinne erwirtschaftet, kann natürlich auch besser bezahlt werden als in einem, dem die Insolvenz droht, deshalb ist auch ein Durchschnittswert, der sich auf verschiedene Unternehmen bezieht, nicht sinnvoll.  Natürlich muss eine ausreichend große, repräsentative Stichprobe genommen werden, damit eine vernünftige Untersuchung möglich ist.  Außerdem muss berücksichtigt werden, wie wichtig die Leistung eines Arbeitnehmers für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist und ob die Person über Spezialkenntnisse verfügt.  Nur wenn dabei heraus kommt, dass im selben Unternehmen, Personen unterschiedlichen Geschlechts, die der gleichen Arbeit nachgehen, für den Erfolg des Unternehmens gleich wichtig sind und über die gleichen Kenntnisse verfügen, unterschiedlich entlohnt werden, kann man von einer geschlechtsspezifischen Lohndiskriminierung, einem Gender Wage Gap sprechen.  Und nur wenn die Zahl der Unternehmen, die das so handhaben, groß genug ist, um signifikant zu sein, kann man von einem gesellschaftlichen Problem sprechen.
Leider werden die genannten, notwendigen Kriterien, in dieser Studie nicht berücksichtigt, und in dieser schon gar nicht.  Überhaupt ist mir zu dem Thema noch keine Studie untergekommen, die all diese Aspekte berücksichtigt.  Deshalb meine Bitte:  Wenn dies ein Sozialwissenschaftler liest, der seine Disziplin als echte, unvoreingenommene und neutrale Wissenschaft versteht, nicht als Instrument zur Untermauerung von bereits gefestigten Ansichten:  Fertigen Sie eine seriöse Studie an und beantworten Sie uns die Frage: Existiert der Gender Wage Gap?



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Kommentare (5)

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  Kommentare (5)

FloHa, 21.03.2010 23:01
Immer diese dummen Arbeitgeber.
Wissen einfach nicht, wie sie ihren Gewinn um 23% steigern können:
Einfach die Männer kündigen und nur noch Frauen einstellen.


ajk, 12.02.2010 12:39
Es gibt dieses Problem nicht, es ist schlicht erfunden.

/ajk


Birgit Kelle, 10.02.2010 13:12
Wieder was dazu gelernt. Danke! Eine Sichtweise, die ich bisher nicht kannte, obwohl sie völlig logisch ist.
Erinnert mich ein bisschen an die gleiche Debatte bei der Definition von Armut. Auch die orientiert sich ja an einem Durchschnitt und der Umzug von Bill Gates nach Deutschland würde rein statistisch ein Anstieg der durchschnittlichen Armut bewirken - zumindest auf dem Papier. In der Realität hätten wir höhere Steuereinnahmen aber das will dann keiner hören.


Bernhard Lassahn, 08.02.2010 18:35
Richtig.
Und dazu so offensichtlich, dass man sich fragen muss: Wieso merken diese „Wissenschaftler“ das nicht selber? Gleichzeitig verdüstert es die Hoffnung, dass man solche Leute mit Argumenten und mit Logik beeindrucken kann.
Ich möchte zusätzlich eine Wortwahl ansprechen, die vielleicht nebensächlich wirkt - vielleicht auch nicht: Es grenzt, meiner Meinung nach, an Etikettenschwindel (was jedoch einiges erklärt). Wieso heißt es eigentlich „Gender Wage Gap“? Und nicht „Sex Wage Gap?“
Wenn man schon zwischen „Gender“ und „Sex“ unterscheiden möchte, sollte man auch wissen, worin der Unterschied liegt. Kriterien, die nämlich das „soziale Geschlecht“ beschreiben (also das, was mit „Gender“ gemeint ist), - etwa die Frage, ob man zu einem typischen Karriereverhalten erzogen wird -, lassen sich grundsätzlich nicht für Statistiken nutzen; dafür sind sie zu vielfältig, unterliegen der Entscheidung der Individuen, sich diesen Einflüssen auszusetzen oder nicht (das muss nicht bewusst sein, man kann auch im Prinzip gegen alles sein, was die Alten sagen), und sie verteilen sich mehrheitlich und nicht absolut auf die Geschlechter (Ergeiz wurde sowohl bei Frauen als auch bei Männern festgestellt).
Bei Statistiken ist das egal: Da kreuzt man an: männlich/weiblich. Sex: F/M. Mehr nicht.
Doch nun nennt man das bedeutungsvoll „Gender“, und in der Duftwolke des Geheimnisvollen stellt man Fragen, die man längst hätte stellen können. Es ist jedoch keineswegs so, dass man es bisher nicht zu fragen wagte, obwohl man es immer schon wissen wollte. Man wollte es nicht wissen.
Das Statistische Bundesamt gibt es nicht erst seit gestern. Das weiß ich genau; ich kann mich noch an glückliche Kindertage erinnern, als mir ein witziger Onkel aus Wiesbaden immer was von einem „Buddhistischen Standesamt“ erzählt hat. Da habe ich mich gefragt, was sie da wohl machen. Und was nicht. Und ich ahne, warum sie solche Statistiken nicht gemacht haben, als „Gender“ noch nicht bis Wiesbaden vorgedrungen war. Sie haben es deshalb nicht gemacht – obwohl sie es mit links gekonnt hätten – weil sie immer schon wussten, dass solche Statistiken wertlos sind.


Dr. Alexander Ulfig, 08.02.2010 17:12
Ein hervorragender Artikel.
Noch eine Bemerkung: Gleiche Qualifikation kann es nur bei einfachen Tätigkeiten geben, z.B. dabei, 10 Bücher innerhalb einer Minute in ein Päckchen einzupacken.
Bei den allermeisten Tätigkeiten/Berufen gibt es immer Qualifikationsunterschiede. Zwei Wissenschaftler wären dann gleich qualifiziert, wenn sie identische Bücher, Aufsätze und Rezensionen geschrieben und identische Vorträge gehalten hätten. Qualifikationsunterschiede beziehen sich in der Wissenschaft in erster auf die Menge, die Relevanz und die Resonanz der wissenschaftlichen Publikationen. Es gibt aber auch andere Qualifikationsfaktoren, wie Lehrerfahrung oder die Fähigkeit, in einem wissenschaftlichen Team zu arbeiten.
Was für die Wissenschaft gilt, gilt auch für die allermeisten Berufszweige: Es gibt immer Qualifikationsunterschiede.



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