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     Dr. Klaus Peter Krause
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Vorbilder für die Soziale Marktwirtschaft
Weitere Themen: Wirtschaftspolitik

Die Soziale Marktwirtschaft von einst muss wiederbelebt werden. Sie steht noch in gutem Ruf, wird aber immer mehr ausgehöhlt. Wirtschaftliche Fehlentwicklungen und Krisen werden dann ihr angelastet, ...

... die nicht sie zu verantworten hat, sondern der Staat mit seinen Regierungen, Parteien, Politikern und Interessengruppen.

Ideenlehren brauchen Vorbilder

Ideen und Ideenlehren, denen man zum Erfolg verhelfen will, brauchen Vorbilder.  Für die Soziale Marktwirtschaft  im Nachkriegsdeutschland ist das Ludwig Erhard gewesen. Er strahlte sie aus und verkörperte sie. Heute hat diese Marktwirtschaft eine solche charismatische Führungsfigur nicht. Oder noch nicht wieder. Aber sie hat viele Menschen, die für die Ideenlehre von dieser Marktwirtschaft in der Alltäglichkeit ihres beruflichen Wirkens Vorbilder sind. Man findet sie in Unternehmen, in der Wissenschaft, in öffentlich-rechtlichen Institutionen, in privaten Kreisen. Gelegentlich stoßen Medien auf sie, greifen sie heraus und stellen sie für kurze Zeit in verdientes Rampenlicht. Daneben gibt es die überaus vielen Alltagshelden, die in so ein Licht nicht oder zu lange nicht geraten. Sie kann man ins öffentliche Bewußtsein heben, in dem man ihre Bedeutung mit einem sie ehrenden Preis hervorhebt.

Der Ordo-Preis für ordnungspolitische Innovationen

Jenaer Allianz*). Prämiert werden mit ihm Leistungen, die auf dem Gebiet der Ordnungspolitik innovativ, also ideenreich, originell und zukunftsweisend sind, und die zur Fortentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft beitragen. Bestimmt ist er für Nachwuchswissenschaftler sowie für jüngere Menschen, die in Politik, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft bedeutende innovative Ideen und Projekte vorzuweisen haben. Dotiert ist er mit 10 000 Euro.

Ein Unternehmer, ein Wirtschaftswissenschaftler

Er wurde jetzt erstmals vergeben und ging an den Software-Unternehmer Dirk K. Martin und den Wirtschaftswissenschaftler Michael Wohlgemuth. Martin ist Geschäftsführender Gesellschafter der PM Computer Services GmbH & Co. KG (PMCS) mit Sitz in Bad Camberg, Wohlgemuth Geschäftsführender Forschungsreferent am Walter Eucken Institut in Freiburg, habilitierter Wirtschaftswissenschaftler und Lehrbeauftragter der Universitäten Freiburg und Witten/Herdecke. Die Laudatio auf beide Preisträger hielt die Leiterin des Hauptstadtbüros des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Berlin), Karen Horn, in ihrer Eigenschaft als Ökonomin und Publizistin.

Was hinter Erhards Marktwirtschaft steckt

Die Ideenlehre hinter Erhards Sozialer Marktwirtschaft ist die der Freiburger Schule oder Ordo-liberalen Schule, eng verbunden mit der liberalen Wiener oder Österreichischen Schule der Nationalökonomie mit Ludwig von Mises und Friedrich A. von Hayek als ihren Leitsternen. Kern der ordo-liberalen Gedanken: Der Staat soll sich darauf beschränken, der Wirtschaft eine feste Ordnung (lateinisch ordo) zu geben, ihr einen Ordnungsrahmen zu setzen und die Wirtschaft sich in diesem Rahmen frei entfalten zu lassen. Der Staat müsse sich der direkten staatlichen Eingriffe in den Wirtschaftsablauf, den Wirtschaftsprozess, enthalten. Ordnungspolitik statt Prozesspolitik, lautet diese ordo-liberale Leitlinie. Mit Ludwig Erhard als ersten Bundeswirtschaftsminister wurde das Gedankengebäude dann zu einem guten Teil und erfolgreich in die Praxis umgesetzt, an seiner Seite der Ökonom und Soziologe Alfred Müller-Armack von der Universität Köln, der den Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ geprägt hat.

Die Soziale Marktwirtschaft wiederbeleben

Diese Marktwirtschaft ist ein für eine freiheitliche Ordnung von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft zum Vorteil der Bürger tragendes Element. Heute harrt sie der Wiederbelebung, denn Politiker und Parteien missachten sie in ihrer ursprünglichen Form nunmehr seit Jahrzehnten. Was Deutschland heute praktiziert, ist Erhards Soziale Marktwirtschaft nicht mehr, sie wird fälschlich nur noch so genannt. Der neue Ordo-Preis soll ihre Wiederbelebung fördern helfen.

Die Uni Köln als sinnfälliger Ort

Sinnfälliger Ort der Preisübergabe war die Universität Köln, dort, wo Müller-Armack einst gelehrt hat, zusammen mit den beiden anderen großen liberalen Ökonomen in Köln, Theodor Wessels für Wirtschaftswissenschaft, Günter Schmölders für Finanzwissenschaft und Erich Gutenberg für Betriebswirtschaft, danach Christian Watrin und Hans Willgerodt, später Jürgen B. Donges und Johann Eekhoff. Joachim Starbatty (Universität Tübingen) erinnerte an diese Kölner Gespanne der namhaften ordo-liberalen Wissenschaftler, als er den Preis vorstellte. Er selbst hatte in Köln studiert und war Assistent von Müller-Armack gewesen. Sie alle haben hier, wie er sagte, ordo-liberales Denken gelehrt und weiterentwickelt. Auch Carl Christian von Weizsäcker habe in diesem Sinne gewirkt.

Die Jenaer Allianz

Jenaer Allianz hat sich 2008 in Jena gebildet. Sie ist, wie Starbatty sagte, ein Kooperationsnetzwerk von Institutionen, die sich der Idee der Sozialen Marktwirtschaft verpflichtet fühlen. Ihren ersten Kongreß hat sie 2008 an der Universität Jena abgehalten. Die Allianz ist sich nach den Worten Starbattys darin einig, dass es zur Sozialen Marktwirtschaft keine Alternative gibt. Sie sei eine Wirtschafts‐ und Gesellschaftsordnung, die auf Freiheit baue und sich zugleich dem Nächsten gegenüber in Solidarität verantwortlich fühle. Sie sei sozial, wenn und solange sie auf freiheitlichem Boden gründe. Dieser Grundsatz müsse auch das Leitmotiv für die Aus‐ und Umgestaltung der Sozialsysteme sein.

Der Mensch muss frei, darf nicht Knetmasse sein

In Jena hatte die Allianz ihren „Aufruf zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft“ auf den Weg gebracht.  In ihm hat sie, wie Starbatty sagte, „bewusst die christlich‐abendländischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft betont“. Sie wisse sich darin einig mit den Vätern der Sozialen Marktwirtschaft. In der Präambel des Aufrufs heiße es: „Vor Gott sind alle Menschen gleich. Die christliche und die humanistisch‐liberale Gesellschaftslehre betonen daher die Personalität des Menschen. Er darf weder Knetmasse in den Händen kollektivistischer Gesellschaftsplaner noch ausbeutbares Subjekt ökonomischer Partikularinteressen und von Politikern sein, die Umverteilung schon für eine tragfähige Sozialpolitik halten. Der Mensch muss frei sein, damit er Verantwortung vor Gott und für sich selbst übernehmen kann.“

Ein ökonomischer Methodenstreit

Achim Wambach hatte als Prodekan der WiSo- Fakultät und Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik anfangs in seiner Begrüßung an den „Neuen Methodenstreit“ in der Volkswirtschaftslehre erinnert. Er meinte damit die „Kontraposition“ zwischen stark mathematisierter Volkswirtschaftslehre  und der nationalökonomischen Ordnungstheorie und –politik. Der Streit sei zwar stark überzeichnet worden, aber das Fach Volkswirtschaftslehre sei als Economics eine internationale Disziplin. Er kennzeichnete sie kurz so:

Ordo-liberal darf kein nur deutsches Phänomen bleiben

„Wissenschaftler wechseln zwischen Lehrstühlen in den verschiedenen Ländern in Europa und den USA, und auch unsere Studenten tun dies. Dies wird gefördert dadurch, dass den Studenten in allen Ländern die gleichen Methodenkenntnisse vermittelt werden.“ Diese internationale Positionierung der Volkswirtschaftslehre finde sich auch in den Bewertungskriterien wieder, die beim Evaluieren der großen Forschungsinstitute angewendet oder beim Bewilligen von Forschungsprojekten, Forschergruppen und Sonderforschungsbereichen anlegt würden. „Wir in Köln haben und werden uns weiterhin diesen Kriterien und dem internationalen Wettbewerb stellen,“ sagte Wambach. „Ich denke, es gilt auch für die Ordnungspolitik, dass sie die internationale Positionierung braucht und kein deutsches Phänomen bleiben darf, wenn sie im Wissenschaftsbetrieb verankert sein will.“

Die Gefahr für die Nationalökonomen

Kritisch verwies Wambach auf die methodische Spezialisierung der Volkswirtschaftslehre und auf die Ausfächerung ihrer Inhalte. Er sieht darin zu Recht  „die Gefahr, dass Erkenntnisgewinne nur in immer engeren Fachkreisen wahrgenommen werden (können) und der Bezug zu wirtschaftspolitischen Themen, zu den klassischen ökonomischen Fragestellungen, verloren geht“.  Damit eben das nicht geschieht, bedarf es (auch) dessen, was die ordo-liberale Schule der Nationalökonomie lehrt und mit „akademischen Pionierunternehmern“ wie Michael Wohlgemut  weiterentwickeln und in die politische Öffentlichkeit tragen muss.

Die Ordo-Prinzipien geben Orientierung

Für Wambach „ist klar, dass es in der ökonomischen Forschung Wellen und Bewegungen gibt, die vermutlich wieder zu den klassischen Fragen zurückführen werden“. Schon jetzt fragten viele Studenten und Promovenden die klassischen makroökonomischen Themen nach. Dieses Interesse werde um so stärker werden,  je länger die Wirtschaftskrise andauere. Den Studenten seien in der Lehre nicht nur reine Methodenkenntnisse beizubringen, sondern auch die Verknüpfung der akademischen Erkenntnisse mit praktischen wirtschaftspolitischen Fragestellungen aufzuzeigen. Dafür seien die Prinzipien und Heuristiken der Ordnungspolitik von großem Wert. „Sie geben Orientierung und helfen, die relevanten Fragen zu stellen.“

Der Ordo-Preis als Brücke

Wambach wünscht sich, daß die Institution des Ordo-Preises dazu beiträgt, an der Brücke zwischen akademischer Forschung und Politikberatung durch das Denken in Ordnungen zusammen mit den modernen Konzepte der Wirtschaftswissenschaften gemeinsam zu bauen.

 

*) Mitglieder der „Jenaer Allianz“ sind die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, der Bund Katholischer Unternehmer, die Familienunternehmer (ASU), das Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Leipziger Wirtschaftspolitische Gesellschaft, die Ludwig-Erhard-Stiftung, das Walter-Eucken-Institut und das Wilhelm-Röpke-Institut.

 



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