Auf den ersten Blick erscheint die wohlfahrtsstaatlich installierte Umverteilung von Besitz und Gütern als sittlich gerechtfertigt, da ein Gebot der Mitmenschlichkeit. Bei näherer Betrachtung aber erkennen wir, daß die Hauptkonstante des Handelns ausgeblendet wird: der Faktor Zeit.
Wird Umverteilung im zeitlosen (und daher leblosen) Raum durchgeführt, so hat sie immer Erfolg. Dieser ist exakt vorherzuberechnen und zementiert für alle Ewigkeit. Leider rechnen unsere Umverteiler nicht mit Befindlichkeit, Fähigkeit, Wollen und Gefühl jedes einzelnen Menschen, in dessen Leben sie massiv eingreifen. Die Umverteilung ist nämlich eine Maßnahme, die in ihren Auswirkungen weit in die Zukunft hineinreicht und insofern historisch bewertet werden muß.
Sowohl Vergangenheit als auch Zukunft sind abstrakt, nicht recht zu begreifen. Wer den Zeitaspekt beiseite läßt, kommt rascher zu Planungsergebnissen. Unhistorische Betrachtungsweisen sind bequem und daher äußerst beliebt – ein Minimum an Wissen ist dazu nötig. Doch leider hat das ganze eine Haken: Die Gesellschaft ist keine Maschine, die aus Blech, Scharnieren und Schrauben zusammengesetzt ist, und deren Mechanismus sich von pfiffigen Ingenieuren planvoll mit Hilfe von Werkzeugen verändern ließe. Die Gesellschaft besteht aus Individuen – Menschen aus Fleisch und Blut, Menschen mit verschiedenartigen Fähigkeiten, Gefühlen, Träumen, Zielen, Wünschen und – mit unterschiedlicher Biographie. Diese persönliche Geschichte, der Werdegang, er ist nur dem Menschen selbst bekannt und allenfalls noch den nächsten Mitmenschen. Um Gerechtigkeit walten zu lassen, müßte die Lebensbiographie jedes einzelnen Menschen zur Entscheidung herangezogen werden. Kann eine staatliche Umverteilungspolitik diesem Umstand überhaupt Rechnung tragen? Umverteilung hat die Nivellierung von materiellem Einkommen und Sachvermögen zur Folge. Aber nicht nur das. Die verhängnisvollste Wirkung erzeugt staatliche Umverteilung auf die Psyche der Menschen und somit auf die allgemeine Stimmung in einer Gesellschaft.
a) Umverteilung erzeugt Ungerechtigkeit
Benachteiligt sind die leistungsstarken, Lebenszeit und Arbeitskraft investierenden, findigen und tüchtigen Gesellschaftsmitglieder. Benachteiligt sind jene, die ökonomisch wirtschaften – also jene, deren Arbeitskraft einen Überschuß an Wertschöpfung erzeugt im Vergleich zur selbstverkonsumierten Menge. Wir sollten uns daran erinnern, was Arbeit bedeutet: es ist dies ein Verzicht auf Freizeit, Amüsement, Konsum. Wer viel arbeitet, schafft Wohlstand. Wohlstand kommt in der Regel dem am wenigsten zugute, der ihn erzeugt. Denn der Erzeuger dieses Wohlstands hat schlicht keine Zeit, um zu genießen, was er schafft!
Diese ungerechtfertigte Benachteiligung der Schaffenden kann sogar diesem selbst unter Umständen über einen längeren Zeitraum hinweg verborgen bleiben. Umverteilung wird im wesentlichen durch schleichende Inflationierung bewerkstelligt, und so kommt es daß die großen Zahlen auf dem Konto irrtümlich für wachsenden Wohlstand gehalten werden. Nicht selten opfern Menschen ihre gesamte Lebenszeit, indem sie der Umverteilungsmaschine ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Die Geschichte lehrt, daß viele von ihnen am Ende ihres Lebens mit ebenso leeren Händen dastehen, als hätten sie nie gearbeitet.
b) Umverteilung erzeugt Unsicherheit
Umverteilung wird ausschließlich mittels politischer Eingriffe erzeugt. Politische Mittel sind stets Mittel der Willkür. Selbstherrliche staatliche Eingriffe in Marktverhalten, Betriebskapital und Privatvermögen erzeugen jedoch eine allgemeine Atmosphäre der Unsicherheit. Die Haupt- und Nebenwirkungen dieser Manipulationen konterkarieren jedes rationale, vorausschauende Planen und Handeln. Es entsteht Rechtsunsicherheit, und in der Folge Planungsunsicherheit. Die Risikobereitschaft sinkt, Unternehmenskräfte erlahmen, der einstmals vorhandene Mut zu betrieblichen Entscheidungen weicht einem taktierenden Abwarten und Schielen auf eventuelle Subventionen. Der Zerfall des rechtstaatlichen Rahmens blockiert die individuelle Arbeits- und Schöpferkraft des Menschen. Sobald ein Gemeinwesen dazu übergeht, ausgewählte Mitlieder mit politischem Segen ungestraft Verträge brechen, Eigentumsrechte verletzen und kaufmännische Regeln gröblich mißachten zu lassen, verläßt ebendieses Gemeinwesen endgültig den Boden der Rechtsstaatlichkeit. Damit ist die Planungssicherheit preisgegeben, der Korruption ist Tür und Tor geöffnet. Für die Menschen, die in einem solchen System wirtschaftlich tätig sein wollen, bedeutet dies: Jeder Schritt kann ein falscher sein, denn täglich ändern sich die Spielregeln, deren Bedingungen sich erst nachträglich herausstellen, zuweilen erfolgt rückwirkende Gesetzgebung. Es gibt keine Anhaltspunkte mehr dafür, welche unternehmerischen und wirtschaftlichen Tätigkeiten lukrativ und welche nachteilig sein könnten. Auf solch schwankendem Boden versagt jede zukunftsgerichtete Planung, weshalb sie allmählich ganz unterbleibt.
Vom Vertrauen
Das Fundament der arbeitsteiligen Wirtschaft ist Vertrauen. Vertrauen ist auf Handlungen in der Zukunft gerichtet. Die arbeitsteilige Wirtschaft besteht vorrangig im Austausch vorhandener gegen zukünftige Güter. Vorhandene Güter sind immer privat erwirtschaftete Güter – das heißt, es gibt einen rechtmäßigen Eigentümer. Die Erfahrung, viel geben zu müssen, um am Ende wenig oder gar nichts zu bekommen, beseitigt die Bereitschaft zu vertrauen. Wird vorgeführt, wie der lebenslang mit Fleiß und Verzicht erworbene, bescheidene Wohlstand der Eltern zu Zwecken staatlicher Umverteilung zwangsenteignet wird, darf man davon ausgehen, daß die Kinder ihre Lektion lernen. Sie werden es nicht so machen wie die Eltern. Sie werden sich nicht umsonst schinden wollen. Vertrauen kann erst gar nicht mehr entstehen, ein jeder rafft, was er kriegen kann. Das ist kein moralisches Versagen der Menschen, sondern eine Überlebensfrage. Es ist die logische Strategie der Anpassung an eine Welt, in der Leistung nicht belohnt, sondern bestraft wird.
Fazit:
Fehlt das Vertrauen in Seriosität und Wirtschaftskraft der Marktteilnehmer untereinander, so kommen allmählich alle freien wirtschaftlichen Aktivitäten zum Erliegen. Statt dessen breiten sich staatlich subventionierte Schmarotzergebilde aus, die sich widersinnig als „Unternehmen“ darstellen, in Wahrheit aber keinen Wohlstand erzeugen, sondern bloß den Rest des vorhandenen, privat erwirtschafteten und enteigneten Kapitals vernichten.
Der Staat erzeugt durch politische Eingriffe ungünstige Rahmenbedingungen, deren Hauptmerkmale Vertrags- und Planungsunsicherheit sind. Mit der Zeit entwickeln sich im Volk Unsicherheit und Apathie, was zu deutlicher Dämpfung des Unternehmergeistes beiträgt und im schlimmsten Fall zur kompletten Lähmung einer ganzen Volkswirtschaft führen kann. Der mangelhaften Kapitalbildung steht ein forcierter Konsum von Gütern gegenüber mittels eigens zu diesem Zweck geschöpften Geldsurrogaten. Die These von der segenreichen Vermehrung der Umlaufsmittel durch Kreditgeld ist ein wissenschaftlich untermauertes Dogma der Dummheit. Die Anhänger dieser Geldreligion verkennen völlig das Wesen des Geldes sowie dessen marktgängiger Surrogate. Umverteilung führt zu psychosozialen Problemen, mit verheerenden Folgen bis hinein in die privaten Lebensräume der Menschen.