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     Stefan Fuchs
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Unabhängig vom Ehemann, abhängig vom Staat
Weitere Themen: Familie

Der Osten Deutschlands gilt wirtschaftlich wie demographisch als Krisenregion. Es überrascht daher zunächst, dass 2008 die Geburtenrate in Ostdeutschland erstmals seit 1991 wieder etwas höher war als im früheren Bundesgebiet. Nach der Wiedervereinigung war die Geburtenrate in den neuen Bundesländern bis 1994 auf den historisch einzigartigen Tiefstand von 0,8 Kindern pro Frau eingebrochen. Ursache des plötzlichen Einbruchs nach 1990 wie des langsamen, aber kontinuierlichen Wiederanstiegs der Geburtenrate seit Mitte der 1990er Jahre ist der zeitliche Aufschub von Geburten im Lebensverlauf ostdeutscher Frauen. Nach der Wende verschoben ostdeutsche Frauen – vor allem aufgrund der gewachsenen biographischen Unsicherheiten – die Geburt von Kindern in ein höheres Lebensalter.

Als Maß für die Fertilität in einer bestimmten Periode wird die Geburtenrate stark durch solche „Timing-Effekte“ beeinflusst. Ein zuverlässigerer Indikator für das Geburtenniveau ist die durchschnittliche Kinderzahl von Frauen nach Geburtsjahrgängen (Kohortenfertilität). Sie zeigt, wie viele Kinder Frauen im Laufe ihres Lebens tatsächlich bekommen haben. In den Geburtsjahrgängen der 1969-73 geborenen Frauen ist die Kinderzahl in Ostdeutschland (1,41) etwas höher als in Westdeutschland (1,37). Die konvergierenden Durchschnittswerte beruhen allerdings auf einem sehr unterschiedlichen Geburtenverhalten: Kinderlosigkeit ist in Ostdeutschland wesentlich seltener als in Westdeutschland. Gleichzeitig gründen Frauen seltener Familien mit drei oder mehr Kindern und haben häufiger nur ein Kind. Beide Verhaltensmuster führen im Ergebnis zu einem niedrigen Geburtenniveau.

Deutlicher als das Geburtenniveau unterscheiden sich die familiären Lebensformen: In Westdeutschland ist die Familiengründung eng an die Ehe gebunden, Elternschaft in Ostdeutschland ist dagegen stärker von der Ehe entkoppelt. Kernfamilien mit beiden leiblichen Eltern sind in Ostdeutschland seltener und Familien mit nur einem Elternteil wesentlich häufiger. Der zentrale Grund für diese Unterschiede ist das höhere Scheidungs- und Trennungsrisiko in Ostdeutschland. Aufgrund von Trennungen und neuen Partnerschaften ändern sich die Familienformen auch häufiger im Lebensverlauf. Biographische Analysen zeigen, wie verbreitet der Status „alleinerziehende“ Mutter in Ostdeutschland ist: Fast die Hälfte der zwischen 1953 und 1972 geborenen Frauen war mindestens einmal in ihrem Leben alleinerziehend, in Westdeutschland gilt dies für etwa jede Fünfte. Die niedrigere Kinderlosigkeit in Ostdeutschland geht also mit einer größeren Instabilität von Familien einher.

Bereits in der DDR waren nichteheliche Geburten häufiger als im früheren Bundesgebiet und der Anteil unverheirateter und alleinerziehender Mütter höher. Mütter waren in der DDR mehr als 90% der Frauen, gleichzeitig waren kinderreiche Familien noch seltener als in der Bundesrepublik. Vor allem aufgrund des Schwundes kinderreicher Familien gingen die Kinderzahlen von Frauen trotz der pronatalistischen Politik der SED auch in der DDR deutlich zurück.

Wesentlich nachhaltiger als das Geburtenniveau prägte die Frauen- und Bevölkerungspolitik der DDR die Strukturen des Familienlebens: Ab dem zweiten Lebensjahr werden in Ostdeutschland auch heute die meisten Kinder in staatlichen Institutionen betreut – Mütter, die ihre Kinder zu Hause erziehen, gelten als exotische Ausnahmen. Die von der SED durchgesetzte Norm der erwerbstätigen Mutter ist auch nach der Wende bestimmend geblieben. Die erwerbstätige, von einem Ernährerehemann unabhängige Mutter ist auch das alles beherrschende Leitbild der gegenwärtigen Frauen- und Sozialpolitik. Gerne übersehen wird der Preis dieser Art von Emanzipation: Der Staat hat nicht nur in seinen Institutionen die Kinder zu betreuen und zu versorgen. Im Fall der Arbeitslosigkeit, Krankheit etc. von Müttern tritt er mit seinen Transferleistungen immer häufiger an die Stelle des Familienernährers. Die größere Unabhängigkeit vom Ernährerehemann wird so mit der Abhängigkeit vom Staat erkauft.

Der Beitrag erschien zuerst in einer ausführlicheren Version mit Anmerkungen und Grafiken beim Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie (IDAF)



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Kommentare (6)

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  Kommentare (6)

Noah, 06.02.2010 16:57
@Konrad
Immer an den Feuerlöscher denken!


Konrad, 06.02.2010 13:24
@Noah
Wer Augen hat zu sehen, der sehe, wer Ohren hat zu hören, der höre...
Wer nicht, der schlafe ruhig weiter.

Aktuelle Meldung:
"US-Sänger Adam Green will nach seiner Scheidung auch mal Sex mit Männern probieren"


Noah, 06.02.2010 10:12
@Konrad
"...Homosexualität als schon in den Schulen als erstrebenswert gepriesene Lebensform..."
Sie sind also überzeugt, dass man Homosexualität als erstrebenswerte Eigenschaft erwerben kann und diese nicht angeboren ist?
Solche Aussagen zeugen für mich von feuergefährlicher Dummheit und reaktionärer Verblendung.


Menschenskind, 06.02.2010 05:58
Wie?
"Je mehr man nachrechnet und herausfindet was da läuft, desto mehr erkennt man das der Feminismus ein brutal inneffizientes Unternehmen ist ..."

Oh nein, geschätzter Kommentator ajk! Das ist höchst effizient! Für den Staat und seine Lakaien! Man muß immer den Blickwinkel ändern, wenn man bewertet, was der Staat tut. Was in unseren Augen ein Scheitern ist, bringt den Staat Nutzen und Gewinn! Der Staat irrt sich selten, konsequent geht er seinen Weg, und wir denken immer, das sei "ineffizient" und überschlagen uns in einer Sinfonie wohlmeinender Hinweise, untermalt mit empörter Kritik. Den Mächtigen ist das alles keinen Blick und kein Ohr wert. Die WISSEN, daß sie zerstören. Aus dem Zerstören von Familien gewinnt der Staat Macht.


Konrad, 05.02.2010 20:27
Der Gender-Wahn mit seiner irrwitzigen Destruktivität als durchgehendes Leitprinzip der EU-Staaten zersetzt den Kontinent wie schleichendes Gift. Die Frau als permanent unterdrücktes Wesen, der Mann als lediglich zur Samenspende taugliches und notwendiges Übel, Homosexualität als schon in den Schulen als erstrebenswert gepriesene Lebensform, gestohlene Kindheit durch Unterdrückung der Persönlichkeits-Entfaltung und Erziehung zur Anpassung zur späteren Ameisentugend "Teamfähigkeit" schon von der Kita an, die Verächtlichmachung trdierter Werte - wer will wirklich Kinder in eine solche Welt setzen und wenn die Balgen auch nur ein klein wenig versuchen, über die Stränge zu schlagen, dafür auch noch zur Rechenschaft gezogen werden?

Fast alle Jugendlichen, die ich kenne, sagen: Kinder - Nein, Danke!


ajk, 05.02.2010 16:40
Je mehr man nachrechnet und herausfindet was da läuft, desto mehr erkennt man das der Feminismus ein brutal inneffizientes Unternehmen ist, das wahnsinnig viel Geld kostet, viele Familien zerstört und Menschen unglücklich macht. Die Familie war kein Gefängnis der Frauen, sondern hat sich Jahrtausende lang bewährt.

Die Deutschen sollten schleunigst anfangen mehr als 2 Kinder auf die Welt zu setzen, sonst wird es eng..


Ich empfehle nachzuforschen was es noch so alles gibt:

http://wikimannia.org/index.php?title=Geldtransfer

Widerstand gegen die Ideologie ist notwendig, sie zerstört die Zukunft Europas.

/ajk



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