suchen
11.02.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
     Stefan Fuchs
Zur Person und Archiv      Email an diesen Blogger schreiben

Unabhängig vom Ehemann, abhängig vom Staat
Weitere Themen: Familie

Der Osten Deutschlands gilt wirtschaftlich wie demographisch als Krisenregion. Es überrascht daher zunächst, dass 2008 die Geburtenrate in Ostdeutschland erstmals seit 1991 wieder etwas höher war als im früheren Bundesgebiet. Nach der Wiedervereinigung war die Geburtenrate in den neuen Bundesländern bis 1994 auf den historisch einzigartigen Tiefstand von 0,8 Kindern pro Frau eingebrochen. Ursache des plötzlichen Einbruchs nach 1990 wie des langsamen, aber kontinuierlichen Wiederanstiegs der Geburtenrate seit Mitte der 1990er Jahre ist der zeitliche Aufschub von Geburten im Lebensverlauf ostdeutscher Frauen. Nach der Wende verschoben ostdeutsche Frauen – vor allem aufgrund der gewachsenen biographischen Unsicherheiten – die Geburt von Kindern in ein höheres Lebensalter.

Als Maß für die Fertilität in einer bestimmten Periode wird die Geburtenrate stark durch solche „Timing-Effekte“ beeinflusst. Ein zuverlässigerer Indikator für das Geburtenniveau ist die durchschnittliche Kinderzahl von Frauen nach Geburtsjahrgängen (Kohortenfertilität). Sie zeigt, wie viele Kinder Frauen im Laufe ihres Lebens tatsächlich bekommen haben. In den Geburtsjahrgängen der 1969-73 geborenen Frauen ist die Kinderzahl in Ostdeutschland (1,41) etwas höher als in Westdeutschland (1,37). Die konvergierenden Durchschnittswerte beruhen allerdings auf einem sehr unterschiedlichen Geburtenverhalten: Kinderlosigkeit ist in Ostdeutschland wesentlich seltener als in Westdeutschland. Gleichzeitig gründen Frauen seltener Familien mit drei oder mehr Kindern und haben häufiger nur ein Kind. Beide Verhaltensmuster führen im Ergebnis zu einem niedrigen Geburtenniveau.

Deutlicher als das Geburtenniveau unterscheiden sich die familiären Lebensformen: In Westdeutschland ist die Familiengründung eng an die Ehe gebunden, Elternschaft in Ostdeutschland ist dagegen stärker von der Ehe entkoppelt. Kernfamilien mit beiden leiblichen Eltern sind in Ostdeutschland seltener und Familien mit nur einem Elternteil wesentlich häufiger. Der zentrale Grund für diese Unterschiede ist das höhere Scheidungs- und Trennungsrisiko in Ostdeutschland. Aufgrund von Trennungen und neuen Partnerschaften ändern sich die Familienformen auch häufiger im Lebensverlauf. Biographische Analysen zeigen, wie verbreitet der Status „alleinerziehende“ Mutter in Ostdeutschland ist: Fast die Hälfte der zwischen 1953 und 1972 geborenen Frauen war mindestens einmal in ihrem Leben alleinerziehend, in Westdeutschland gilt dies für etwa jede Fünfte. Die niedrigere Kinderlosigkeit in Ostdeutschland geht also mit einer größeren Instabilität von Familien einher.

Bereits in der DDR waren nichteheliche Geburten häufiger als im früheren Bundesgebiet und der Anteil unverheirateter und alleinerziehender Mütter höher. Mütter waren in der DDR mehr als 90% der Frauen, gleichzeitig waren kinderreiche Familien noch seltener als in der Bundesrepublik. Vor allem aufgrund des Schwundes kinderreicher Familien gingen die Kinderzahlen von Frauen trotz der pronatalistischen Politik der SED auch in der DDR deutlich zurück.

Wesentlich nachhaltiger als das Geburtenniveau prägte die Frauen- und Bevölkerungspolitik der DDR die Strukturen des Familienlebens: Ab dem zweiten Lebensjahr werden in Ostdeutschland auch heute die meisten Kinder in staatlichen Institutionen betreut – Mütter, die ihre Kinder zu Hause erziehen, gelten als exotische Ausnahmen. Die von der SED durchgesetzte Norm der erwerbstätigen Mutter ist auch nach der Wende bestimmend geblieben. Die erwerbstätige, von einem Ernährerehemann unabhängige Mutter ist auch das alles beherrschende Leitbild der gegenwärtigen Frauen- und Sozialpolitik. Gerne übersehen wird der Preis dieser Art von Emanzipation: Der Staat hat nicht nur in seinen Institutionen die Kinder zu betreuen und zu versorgen. Im Fall der Arbeitslosigkeit, Krankheit etc. von Müttern tritt er mit seinen Transferleistungen immer häufiger an die Stelle des Familienernährers. Die größere Unabhängigkeit vom Ernährerehemann wird so mit der Abhängigkeit vom Staat erkauft.

Der Beitrag erschien zuerst in einer ausführlicheren Version mit Anmerkungen und Grafiken beim Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie (IDAF)



Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Kommentare (6)




 
  Kommentare (6)

Noah, 06.02.2010 16:57
@Konrad
Immer an den Feuerlöscher denken!


Konrad, 06.02.2010 13:24
@Noah
Wer Augen hat zu sehen, der sehe, wer Ohren hat zu hören, der höre...
Wer nicht, der schlafe ruhig weiter.

Aktuelle Meldung:
"US-Sänger Adam Green will nach seiner Scheidung auch mal Sex mit Männern probieren"


Noah, 06.02.2010 10:12
@Konrad
"...Homosexualität als schon in den Schulen als erstrebenswert gepriesene Lebensform..."
Sie sind also überzeugt, dass man Homosexualität als erstrebenswerte Eigenschaft erwerben kann und diese nicht angeboren ist?
Solche Aussagen zeugen für mich von feuergefährlicher Dummheit und reaktionärer Verblendung.


Menschenskind, 06.02.2010 05:58
Wie?
"Je mehr man nachrechnet und herausfindet was da läuft, desto mehr erkennt man das der Feminismus ein brutal inneffizientes Unternehmen ist ..."

Oh nein, geschätzter Kommentator ajk! Das ist höchst effizient! Für den Staat und seine Lakaien! Man muß immer den Blickwinkel ändern, wenn man bewertet, was der Staat tut. Was in unseren Augen ein Scheitern ist, bringt den Staat Nutzen und Gewinn! Der Staat irrt sich selten, konsequent geht er seinen Weg, und wir denken immer, das sei "ineffizient" und überschlagen uns in einer Sinfonie wohlmeinender Hinweise, untermalt mit empörter Kritik. Den Mächtigen ist das alles keinen Blick und kein Ohr wert. Die WISSEN, daß sie zerstören. Aus dem Zerstören von Familien gewinnt der Staat Macht.


Konrad, 05.02.2010 20:27
Der Gender-Wahn mit seiner irrwitzigen Destruktivität als durchgehendes Leitprinzip der EU-Staaten zersetzt den Kontinent wie schleichendes Gift. Die Frau als permanent unterdrücktes Wesen, der Mann als lediglich zur Samenspende taugliches und notwendiges Übel, Homosexualität als schon in den Schulen als erstrebenswert gepriesene Lebensform, gestohlene Kindheit durch Unterdrückung der Persönlichkeits-Entfaltung und Erziehung zur Anpassung zur späteren Ameisentugend "Teamfähigkeit" schon von der Kita an, die Verächtlichmachung trdierter Werte - wer will wirklich Kinder in eine solche Welt setzen und wenn die Balgen auch nur ein klein wenig versuchen, über die Stränge zu schlagen, dafür auch noch zur Rechenschaft gezogen werden?

Fast alle Jugendlichen, die ich kenne, sagen: Kinder - Nein, Danke!


ajk, 05.02.2010 16:40
Je mehr man nachrechnet und herausfindet was da läuft, desto mehr erkennt man das der Feminismus ein brutal inneffizientes Unternehmen ist, das wahnsinnig viel Geld kostet, viele Familien zerstört und Menschen unglücklich macht. Die Familie war kein Gefängnis der Frauen, sondern hat sich Jahrtausende lang bewährt.

Die Deutschen sollten schleunigst anfangen mehr als 2 Kinder auf die Welt zu setzen, sonst wird es eng..


Ich empfehle nachzuforschen was es noch so alles gibt:

http://wikimannia.org/index.php?title=Geldtransfer

Widerstand gegen die Ideologie ist notwendig, sie zerstört die Zukunft Europas.

/ajk



Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Sei nicht reich durch Unrecht."
- Thales von Milet

ANZEIGE

Umfrage

Sollte Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten?






Ergebnis

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?






Ergebnis


Interviews

Hedwig Freifrau von Beverfoerde Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren!
Hedwig Freifrau von Beverfoerde
Sprecherin Initiative Familienschutz

Alfred Zellfelder ESM schwere Belastung für nächste Generationen
Alfred Zellfelder
Landesvorsitzender Freie Wähler Schleswig-Holstein

Mehr Interviews


Empfohlene Blogs

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Diekmann for President!

author Albrecht Prinz von Croy
Warum Deutschland eine Verfassungsreform braucht

author Vera Lengsfeld
Rettet das Bundespräsidentenamt- nehmt Gauck !

author Stefan Fuchs
Verrat an der Wissenschaft: Kathederpropheten vergreifen sich am Betreuungsgeld


Video

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

"Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de) "Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de)

Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag

Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen" Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen"


Galerien

Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität? Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität?

Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test


Reportage

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse

Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs


Meist gelesen
  1. Bundesbank zwei- felt an Fiskalpakt
    02.02.2012 08:41
  2. Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren! Interview Hedwig von Beverfoerde
    01.02.2012 11:15
  3. Nichts als eine üble Räuberbande
    03.02.2012 12:48
  4. ESM-Video in 12 Sprachen übersetzt und über 750.000 mal angesehen
    02.02.2012 22:10
  5. Schäuble legt sich bei Schuldenschnitt quer
    03.02.2012 09:16

Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
EU will Finanz- poker verringern
EU plant Sperrkonto für Griechenland
EU-Kommission will deutsches Rentenalter weiter erhöhen
Nahost-Konflikt
Iran baut militärische Drohkulisse auf
Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen?
USA rechnen mit Konflikt am Golf
DDR-Unrecht
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
CSU-General Dobrindt fordert Überwachung der Linkspartei
Allgemein
Inflation stagniert auf hohem Niveau
Google-Nutzer werden noch transparenter
Merkel lobt Wulffs "Offenheit"
Bildung
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
"Von Krise zu Krise gesteigert" - Interview mit Dr. Bernd F. Schulte
Rezension: Deutsche Policy of Pretention
Reformen
Athens Umschuldung kostet Deutschland Milliarden
EU-Ratspräsident gegen EU-Finanzminister
Troika legt Athen an die Kette
Wirtschaftspolitik
EU-Kommission will deutsches Rentenalter weiter erhöhen
Baden-Württemberg erwägt Klage gegen Länderfinanzausgleich
Athens Umschuldung kostet Deutschland Milliarden
Familie
Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren! Interview Hedwig von Beverfoerde
Lebensschützer demonstrieren in Washington
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
Autoindustrie
Daimler fährt Rekordgewinn ein
Sprit so teuer wie nie
Aral hält Bezinpreis künstlich hoch
Wahlen
FDP bleibt im Umfragetief
Santorum gewinnt drei Vorwahlen
Merkel nach Sarkozy-Interview in der Kritik
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Umstrittenes EU-Urheberschutzgesetz blockiert
Europarat gegen Euthanasie
Weiter Streit um Vorratsdatenspeicherung

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008