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Dagmar Neubronner
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Ein peinlicher Durchbruch
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AllgemeinBildungFamilieEine deutsche Familie hat in den USA politisches Asyl erhalten, Grund ist der „German Schulzwang“. Die Aufregung ist groß, Jubel bei den gehetzten deutschen Homeschoolern, die hoffen, nach Deutschland zurückkehren oder sich das Exil ersparen zu können. Großes Erstaunen bei allen anderen.
Meine Gefühle sind zwiespältig. Natürlich ist es gut, dass diese Entscheidung eines US-Richters der „berechtigten Angst vor weiterer Verfolgung durch die Behörden“ Rechnung trägt. Das Asyl macht deutlich, wie unverhältnismäßig und monströs der 1938 unter Hitler eingeführte deutsche Schulzwang in einem Staat wirkt, der von Religionsflüchtlingen auf der Suche nach Freiheit gegründet worden ist. In keiner anderen westlichen Demokratie wird das Engagement von Eltern für die Bildung ihrer Kinder mit Gefängnis oder – schlimmer! - Entzug des Sorgerechts verfolgt.
Aber in die Freude über diesen Durchbruch, der hoffentlich zu einer baldigen Liberalisierung der deutschen Rechtssprechung führen und freies Lernen als einen Weg unter vielen etablieren wird, mischen sich Scham und Trauer.
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Ist es nicht peinlich und traurig, dass die USA 60 Jahre nach der Demokratisierung Nachkriegsdeutschlands einer deutschen Familie Schutz vor dem deutschen Staat gewähren muss? Schon die 2008 ausgesprochene Rüge des UN- Menschenrechtsbeauftragten Munoz in seinem Bericht über das deutsche Bildungswesen, Deutschland dürfe Homeschooling nicht weiter diskriminieren, war ein Schlag ins Gesicht gewesen. Als südafrikanische Homeschooler (hier wurde Homeschooling unter Nelson Mandela nach langer Verfolgung wieder zulässig) verfolgten deutschen Freilernern 2006 eine eigene Homepage widmeten, hatte sich das ebenfalls traurig angefühlt.
Wo sind wir denn? Ich sehne den Tag herbei, wo ich mich im Ausland nicht mehr als Kuriosität vorgestellt werde („Imagine, Germans are not allowed to homeschool!“ - „I thought they were a democracy now?!“) Vielleicht kommt dieser Durchbruch erst, wenn die Richterstühle von jüngeren Juristen besetzt sind, die mindestens ein Auslandssemester Erfahrung haben – aber vielleicht bewegt sich jetzt endlich auch mal die Politik.
Das hängt vor allem von uns Eltern ab. Bitte verstehen Sie eines, liebe Eltern von Schulkindern: Auch wenn Freilernen für Sie persönlich überhaupt nicht in Frage kommt, ist es wichtig, dass es eine legale Option ist. Denn solange Schulzwang herrscht, wird die Schule sich nicht grundlegend (und vor allem: nicht schnell genug!) ändern, das haben Staatsmonopole nun mal so an sich. Stellen Sie sich vor, es wäre verboten, zu Hause zu kochen, Kinder müssten dreimal täglich in einer staatlichen Kantine erscheinen. Mit geistiger Nahrung ist es genauso. Das bedeutet nicht das Aus für Kantinen und eine Vielzahl privater Gaststätten in jeder Geschmacksrichtung. Aber die Freiheit, zu Hause zu essen, liefert den Maßstab, an dem sich die öffentlichen Angebote messen lassen müssen. Tun Sie Ihre Meinung kund (www.bildunginfreiheit.de ), informieren Sie sich und helfen Sie mit, deutschen Kindern die gleichen Rechte zu verschaffen wie den Kindern in den Demokratien weltweit.
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Kommentare (25)
Kokospalme, 02.02.2010 01:05
@The Editrix:
Die Schulpflicht gab’s schon früher, den Schulzwang erst ab 1938. Schulzwang bedeutet, dass der Staat sich das Recht heraus nimmt, mit Polizeigewalt, Geldstrafen und Gefängnis gegen Homeschooler vorzugehen. Das wurde erst mit dem Reichsschulpflichtgesetz eingeführt.
Selbst wenn Sie das deutsche Schulsystem toll finden, haben Sie trotzdem kein Recht, den von ihnen so bezeichneten „unangenehmen Querulanten“ das Homeschooling zu verbieten, so wie ich z.B. auch nicht das Recht habe, ihnen Ihren Speiseplan vorzuschreiben.
Was die islamischen Fundamentalisten anbelangt, so hat Frau Neubronner in dem Interview unter http://www.freiewelt.net/nachricht-3156/homeschooling:-interview-mit-dagmar-neubronner.html argumentiert, dass der Schulzwang hier nicht viel hilft. Und es ist ungerecht, wenn man allen Bürgern ein Freiheitsrecht nimmt, weil eine Minderheit sich nicht benehmen kann. Die korrekte Lösung wäre die konsequente Ahndung von Straftaten.
The Editrix, 31.01.2010 22:34
Frau Neubronner entlarvt sich entweder als unwissend über ein Thema, das ihr doch so am Herzen liegt oder als intellektuell unredlich, wenn sie die Nazi-Keule schwingt. Die Schulpflicht ist auch noch bedeutend älter, als die Weimarer Verfassung, aber wen interessiert's, wenn man damit so eine affengeile demagogische Pointe landen kann.
Unsere islamischen Kulturbereicherer WARTEN doch nur auf eine Befreiung von der lästigen Schulpflicht, und das alles, weil eine winzige Minderheit von unangenehmen Querulanten das herrschende Schulsystem für nicht gut genug für ihre einzigartigen, tollen Kinder hält.
Freigeist, 31.01.2010 15:44
@Berechtigter
Hallo,
die Folgegenerationen müssen erst mal Arbeit haben. Bei hoher Arbeitslosigkeit kollabiert das von Ihnen favorisierte System sehr schnell.
Deutschland ist mit 231 Einwohner je Quadratkilometer hoffnungslos überbevölkert, denn wir sind bettelarm in Bezug auf Rohstoffe.
Sie werden noch erleben, dass verschiedene rohstoffreiche Länder ihre Rohstoffe nur noch verarbeitet aus dem Lande lassen. Ansätze dazu sind schon sichtbar. In diesem Falle droht dem überbevölkerten Deutschland ziemlich Übles.
Grüße
Freigeist
Berichtiger, 30.01.2010 18:34
@Freigeist
Haben Sie schon mal was von einem generativen Beitrag in der Rentenversicherung, von horizontaler Steuergerechtigkeit und den dazu ergangenen Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes usw. usw. gehört? Wenn nicht, sollten Sie vor Abgabe Ihrer Kommentare das unbedingt nachholen. Pro Kind sind etwa 100.000 Euro aufzubringen, die bezahlt nicht der Staat, sondern die Familie, die das Kind großzieht. Ohne Nachkommen funktioniert kein Gemeinwesen mehr, und sollten sie selbst Leistungen aus umlagefinanzierten Systemen beziehen, wäre sie ohne Folgegeneration nicht finanzierbar.
Diese Familie nimmt dem Staat sogar noch die Kosten der Beschulung ab, also ist die erbrachte Leistung noch höher als die ca. 80.000 (Ifo-Institut) oder die oft deutlich höher veranschlagten Kosten aus anderen Quellen. Zwei Kinder großgezogen ist vergleichbar dem Wert eines Einfamilienhauses. Sie sollten bei Ihrer Diskussion nicht immer als Basis die nicht für die Mehrheit repräsentative Unterschicht wählen.
Klaus, 30.01.2010 16:48
Peinlich finde ich hier vor allem, dass sich Leute, die ihren Kindern eine freie Wahl der Lebensführung verwehren, ihnen den Zugang zur offenen Gesellschaft und zur freien Wahl der Freunde verwehren, als "verfolgt" darstellen.
Der Staat tut hier das Richtige, indem er nämlich für die Rechte der Kinder auf freie Entfaltung und Entwicklung eintritt, die ihnen ihre religiös Fundamentalisten Eltern verwehren.
Freigeist, 29.01.2010 16:31
Hallo,
das Böse gibt es real nicht, allenfalls als Einbildung. Gegen solche Einbildungen gibt es Psychologen oder Tabletten.
Zur Problemfamilie: Seien wir froh, dass die Familie nun im Land der großen Freiheiten ist, in USA.
Mal sehen, wann sie wieder zurückkommen, des Kindergeldes wegen. Damit wäre dann zu prüfen, ob sich sich die große Kinderzahl nur leisten können, indem sie anderen finanziell auf der Tasche liegen. Wer sich Kinder nicht leisten kann, sollte keine haben. Ich bestelle auch nicht einen Jumbo - kann ich mir nicht leisten.
Grüße
Freigeist
Frank Martin, 29.01.2010 10:36
Die Unterscheidung zwischen einer zwar verfassungsmäßigen, deontologisch aber unmöglichen Schulpflicht und die Durchsetzung von Schulzwang ist nötig, um der Argumentation Frau Neubronners zu folgen.
In einer Verfassung kann allerlei Wunschdenken verankert werden, sieht man von rechtspositivistischen Illusionen ab, so können allein hierdurch aber weder Recht noch Tatsachen geschaffen werden. Mit der WRV unter dem Arm allein konnte auch kein Kind in eine Schule gezwungen werden. Erst die im Reichsschulpflichtgesetz verfügten Strafbestimmungen gaben der Freiheitsberaubung gegen Kinder ein gesetzliches Mäntelchen zu ihrer Durchsetzung.
Franz, 28.01.2010 23:11
Nicht, dass es an der Diskussion etwas ändern würde, aber die Behauptung, dass Hitler 1938 den Schulzwang eingeführt habe, ist falsch. Die "Schulpflicht" war bereits Teil der Weimarer Verfassung. Da Schulpflicht nicht gleichbedeutend ist mit Bildungspflicht, wäre Heimunterricht also schon in der Weimarer Republik gegen das Gesetz gewesen.
Richtig ist zwar, dass 1938 das so genannte Reichsschulpflichtgesetz eingeführt wurde. Doch streng genommen war es nur eine Konkretisierung des bis dahin bestehenden Rechts (das jetzt mal völlig ohne moralische Einordnung).
Falk Lender, 28.01.2010 21:49
Liebe Frau Neubronner!!
Ich weiß nicht,ob Sie eine Person sind mit der man sachlich diskutieren kann.Ich will es trotzdem versuchen.Im Prinzip habe ich nichts gegen die Idee des Home-Schoolings,schon aus dem Grund,da ich selbst 3 Jahre dem Mobbing meiner Mitschüler ausgesetzt war,und bis heute(15 Jahre später!!)immer noch psychisch an den Folgen leide.Der größte Horror an den Schulen ist(für die,die es einfach nicht können) der SPORTUNTERRICHT!!!!!Trotzdem muß man zwei Dinge trennen:Das Wohl der Kinder oder der Egoismus der Eltern.Religiöse Gründe sind für mich kein Grund,Kinder der Schule und vom Leben fernzuhalten.Die Kinder sollen,wenn sie alt genug sind,selbst über ihr Weltbild entscheiden dürfen.Doch genau dies wollen jene Eltern verhindern.Sie zwingen Ihren Kindern ihre verkrustete Weltanschauung auf,ohne ein einziges mal zu fragen,was die Kinder eigentlich wollen.Dies ist krankhafter religiöser Fundamentalismus.Was werden diese Kinder von ihren Eltern lernen?Kreationismus?Bibelkunde?Sonst nichts?Haben nicht die Kinder das Recht auf ein breites Angebot an Weltanschauungen,um sich als Erwachsene selbst Gedanken zu machen?Nein.So geht es nicht! Das Recht der Eltern darf nicht über dem Wohl und der Zukunft des Kindes stehen.Was ist zB. schlimm am Sexualkundeunterricht?Eine der besten Errungenschaften der jetzigen Zeit,Kinder in der Schule aufzuklären.Zu meiner Zeit wurden die Lehrer in der 8.!!Klasse noch rot,wenn man nur ein paar harmlose Fragen stellte.Und als kleine Kinder erzählten uns unsere Omas die lächerlichen Klapperstorchgeschichten.Soll dies alles wieder zurückkehren?
Was andere EU-Staaten angeht,so gibt es dort Grundlehrpläne,an denen sich Eltern oder Hauslehrer zu halten haben,und die Kinder müssen ab und zu eine Prüfung an einer staatlichen Schule ablegen.
Wer werden denn die ersten sein,die ihre Kinder von den Schulen nehmen würden?Religiöse und rechtsradikale Fanatiker.Wie werden rechtsradikale Eltern ihren Kindern Hitler und die Nazizeit erklären???
Zeugen Jehovas und radikale Evangelikale werden jubeln.Doch gerade Kindern aus solchen Familien ist es oft durch die Schule gelungen,Freunde zu finden,das Leben kennenzulernen und die Kraft zu finden aus diesen Familien auszusteigen.
Im übrigen finde ich das Deutschland es nicht nötig hat,sich von US-Richtern die Demokratie erklären zu lassen.Einem Land,was nach wie vor an der Todesstrafe festhält,immer noch Menschenrechte verletzt und als selbsternannte Weltpolizei sich erdreistet,Kriege "im Namen der Freiheit"auf der ganzen Welt zu entfesseln.So unterwürfig brauchen wir wahrhaftig nicht zu sein.Liebe Frau Neubronner,denken Sie einmal darüber nach.
Noah, 28.01.2010 15:44
@insider
Nachtrag:
Kennen Sie auch die Bedeutung Ihres zweiten Pseudonyms unter dem Sie vor kurzem gepostet haben, Tizian?
Würde mich nicht wundern, wenn zu den 2 noch der eine oder andere weitere gehört. Sie dürfen jetzt mal grübeln, wie Sie sich verraten haben.
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