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17.05.2012
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     Dagmar Neubronner
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Bildungsfreiheit nützt auch Schulkindern
Weitere Themen: Allgemein, Bildung

Anfang Februar ging es durch die Medien: Lernen ohne Schule bleibt in Deutschland verboten. Die bekannteste Freilerner-Familie Deutschlands hatte einmal mehr vor Gericht verloren. Warum ist es uns Neubronners so wichtig, dass häusliche Bildung als gleichwertige Alternative zur öffentlichen Schule anerkannt wird? Und warum sollten sich auch Eltern für dieses Recht
einsetzen, für deren Kinder "Homeschooling" nicht in Frage kommt? Ein Plädoyer für
Bildungsfreiheit.

Es ist ein Generationenproblem. Die heutigen Richter, auch im Bundesverfassungsgericht, gehören überwiegend noch nicht zu der Generation, die wie selbstverständlich schon in der Oberstufe für eine Zeit ins Ausland geht, ein paar Auslandssemester nachlegt und ihre Vita mit karrierefördernden Auslandsphasen belebt.


Blick über den Tellerrand

Sonst wäre ihnen bewusst, wie selbstverständlich das Recht auf Bildungsfreiheit unter den entwickelten Demokratien weltweit ist. Deutschland ist das einzige Land, das - mit dem Reichsschulpflichtgesetz 1938 - den strafbewehrten Schulzwang einführte. Aus den segensreichen Schulpflichtregelungen, die Eltern und Gutsherren verpflichteten, ihren Kindern Lernen zu ermöglichen, wurde der Zwang zur staatlich verordneten Einheitsbildung.

In Kanada und den USA, in Israel, Südafrika, Australien, Neuseeland und natürlich in der gesamten EU stößt immer wieder auf ungläubiges Staunen, wer berichtet, dass hierzulande Lernen ohne Schule ungeachtet allerbester Ergebnisse mit Buß- und Zwangsgeldern, Gefängnisstrafen (ohne Bewährung!) oder Sorgerechtseinschränkungen geahndet wird. Hunderte von bildungsbewussten, engagierten Familien verlassen jährlich das Land, um ihren Kindern freie Bildung zu ermöglichen. Sie gehen nach Österreich, Holland, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, Irland, England, Tschechien, Polen, in eines der skandinavischen Länder -eine Familie hat in den USA sogar politisches Asyl beantragt.

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Wo immer man den Fuß über die Grenze setzt, ist freies Lernen legal.


Alle Eltern sind Homeschooler!

Auch in Deutschland machen seit jeher die meisten Eltern "Homeschooling" oder engagieren Privatlehrer für ihre Kinder - nachmittags, abends und an den Wochenenden. Das heißt nur nicht Homeschooling, sondern Nachhilfe, und ist ein Milliardenmarkt.

"Freilerner" wie wir lassen lediglich den ineffektiven und einengenden Vormittag in der Schule weg. Die Zeitersparnis ist unglaublich, und unsere Kinder nutzen sie unter anderem, um ausgiebig zu spielen, eine Tätigkeit, deren Verschwinden in den Feuilletons wortreich beklagt wird. Ihr einziger Kummer ist, dass ihre zur Schule gehenden Freunde so wenig Zeit haben, um mitzuspielen.

Schnell bessere Schulen

In den meisten Familien ist die Schule das große Problemthema. Sehr viele Kinder fühlen sich in der Schule nicht wohl oder ertragen den Unterricht lustlos, um ihre Freunde zu treffen. Eltern wie auch viele engagierte Lehrer wünschen sich dringend bessere Schulen, in denen Kinder lernen, eigenständig zu denken und verantwortlich zu handeln, kreativ neue Lösungen zu finden und die Welt aktiv mitzugestalten. Solche Schulen bekommen wir nur, wenn es auch das Recht gibt, außerhalb von Schule zu lernen – Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Schule ist letztlich eine Dienstleistung, es muss erlaubt sein, darauf zu verzichten. Nur wenn der Bildungshunger unserer Kinder auch außerhalb des herrschenden Staatsmonopols gestillt werden darf, wird sich die Qualität der Schulen im erforderlichen Tempo verbessern können.

Bildungshunger nur staatlich stillen?

Stellen Sie sich vor, es gäbe nur staatliche Kantinen mit zentral erstelltem Speiseplan und –Ausnahmegenehmigungen müssen mühsam erkämpft werden – „staatlich anerkannte öffentliche Ersatzkantinen in privater Trägerschaft“. Diese müssten denselben Speiseplan anbieten, sie dürfen lediglich etwas anders würzen und anrichten. Jedes Kind müsste nachweislich dreimal täglich in einem solchen Lokal essen, erhielte Zeugnisse für sein Essverhalten, würde beurteilt und entsprechend aufgeteilt (Starkesser, Normalesser, Suppenkaspar). Kochen zuhause würde mit Buß- und Zwangsgeldern, Gefängnis (ohne Bewährung!) und Sorgerechtsentzug geahndet. Begründung: Es gibt Eltern, die ihre Kinder verhungern lassen oder ihnen einseitige Ernährung bieten.

Würden Sie sich das gefallen lassen? Oder würden Sie für die derzeitige freie Vielfalt mit Tausenden individuellen Lokalen plädieren, so dass jeder anbieten darf, was er gern kocht und jeder nach seiner Facon satt werden darf – wer will, auch zu Hause? Hätten Sie Angst, dass Ihr Kind dann verhungert? Oder würde es reichen, wenn einmal im Jahr überprüft wird, ob jedes Kind gut ernährt ist – egal, wo und was es das Jahr über gegessen hat?
Um diese Freiheit bezogen auf Bildung geht es uns. Sie ist in unseren Augen ein Grundrecht oder, wie die norwegische Bildungsministerin Kristin Clemet es einst formulierte: Homeschooling ist ein Menschenrecht!

Auf www.bildungsfreiheit.de vernetzen sich engagierte Schulen, Organisationen und Vereine. Unterzeichnen Sie dort die „Berliner Erklärung Bildungsfreiheit“!



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