| |
| |
Dr. Michael von Prollius
Zur Person und Archiv
Email an diesen Blogger schreiben
Markt und Moral
Weitere Themen:
FinanzkrisenAllgemeinBildung
Häufig wird der Vorwurf erhoben, der Markt reduziere die Beziehungen von Menschen auf das rein Ökonomische. Auf dem Markt herrsche keine Moral oder in abgeschwächter Form: auf dem Markt herrsche eine andere Moral als „Jenseits von Angebot und Nachfrage“. Lässt sich eine Trennung von moralzehrendem Markt und moralstiftenden übrigen Bereichen der Gesellschaft vornehmen?
Von Walter Eucken, einem der Gründerväter des Ordoliberalismus und der Sozialen Marktwirtschaft, stammt die Formel von der „Interdependenz der Ordnungen“. Das bedeutet vereinfacht die gegenseitige Beeinflussung von Wirtschaft, Politik und Kultur. Dass Werte und mit ihnen korrespondierende Regeln einen entscheidenden Einfluss auf die Gesellschaftsordnung und ihren Bestand ausüben, gehört zu den politischen Grundsätzen. Ursächlich ist, dass wir alle nicht nur auf Märkten, sondern in unterschiedlichem Maße auch politisch und kulturell aktiv sind. Insofern fällt es schwer, einen Sinneswandel anzunehmen, denen Menschen vom Wechsel in der – zumal lediglich analytisch trennscharf vorgenommenen – Welt der Tauschbeziehungen zur Sphäre der sozialen Beziehungen in der Familie unterliegen sollen.
Artikel weiterlesen 
ANZEIGE
| | |
| |
Ein Liberaler wird wie ein Sozialist auch seine Vorstellungen von Gerechtigkeit in beiden Sphären beibehalten.
Bereits die schottischen Aufklärer wie Adam Smith haben erkannt, dass der Markt auf einem bürgerlichen Moral- und Sozialkonzept beruht, und damit der Fähigkeit, die Bedürfnisse und Sichtweise des anderen wahrzunehmen. Wer hier Altruismus vermisst, sollte genauer hinsehen, auch auf die Alternative – die Politik, die nicht nach Tatsachen, sondern nach Parteiinteressen, Opportunismus und Gruppenegoismus über Gewinner und Verlierer entscheidet.
Die Annahme, jemand anderes als Menschen auf Märkten, verfüge über ein überlegenes Wissen oder handele moralischer, ist eine schwer zu haltende Behauptung. Tatsächlich erleben wir tagtäglich das Versagen sogenannter Experten, die Anmaßung von Politikern und Bürokraten, die Verfehlungen organisierter Interessenverteter. Wer Zweifel an der moralischen Integrität der Menschen übt, liefert ein starkes Argument gegen die politische Steuerung einer Gesellschaft. Man muss nicht so weit gehen wie Edmund Burke, der konstatierte: Die Politik an sich ist der Missbrauch.
Die Marktwirtschaft beruht auf Selbsteigentum und damit Selbstbestimung eines jedem Menschen, auf Privateigentum und Vertragsfreiheit. Ihr Prinzip ist der Tausch zu beiderseitigem Vorteil. Der harte marktwirtschaftliche Sanktionsmechanismus ist das Scheitern. Die Aufgabe des Staates ist es nicht, diesen Mechanismus auszuhebeln, sondern das Recht durchzusetzen, gegen jene, die nicht nach marktwirtschaftlichen Regeln spielen, weil sie lügen, betrügen und übervorteilen.
Der Soziologe Michael Zöller bringt es auf den Punkt: „ohne das Recht der Auswahl keine Freiheit und ohne Wahlfreiheit keine Moral. Der Markt erinnert also noch in seinen banalsten Erscheinungsformen an das Selbstbestimmungsrecht und die rechtliche Gleichrangigkeit der Einzelnen“. All jenen, die leichtfertig eine Ökonomisierung der Lebensbereiche schlecht reden, sei diese Erkenntnis ans Herz gelegt,
Artikel weiterlesen 
ANZEIGE | | |
|

| |
| |
Kommentare (9)
Andreas Dmytrowicz, 20.02.2010 12:34
Zu Dr. P.:
Akademikerniveau? Selbstentlarvend!
Es ist auf Ihre Kommentare in Ihrem Artikel "Polit - Z i r k u s" zu verweisen.
Michael von Prollius, 20.02.2010 07:50
@ Andreas Dmytrowicz
"I say it’s the moon that shines so bright." (Petruchio)
Andreas Dmytrowicz, 20.02.2010 00:26
Ich möchte Ihr agieren einmal als "ungewöhnlich" bezeichnen.
Ihre Antwort zu maromano: "Es fällt mir schwer mit ihnen zu diskutieren. Das liegt an ihrer .." - also immer an den anderen!
Auf meinen dann - darauf - Bezug nehmenden Kommentar wird schlicht gar nicht mehr geantwortet.
Auf meinen heutigen Hinweis darauf, aber in Ihrem Artikel "Polit - Zirkus", mit Hinterfragung das Sie offenbar die Freie Welt benutzen, Artikel zu schreiben, die Ihr - in jedem Artikel - beworbenes Buch - befördern sollen, wird meine folgende Kritik nun aber nicht eingestellt.
Nach meiner Hinterfragung von Zensur erscheint diese plötzlich, - hier findet sich dann - heute - Ihre Reaktion.
Allein, wo sehen Sie darin eine "Beantwortung"?
Vielleicht nehmen Sie den Vortrag einmal gezielt vollinhaltlich zur Kenntnis?
Michael von Prollius, 19.02.2010 20:13
@ Andreas Dmytrowicz
Bitte machen Sie sich einmal mit der Funktion von Gewinnen vertraut und wie Gewinne entstehen. Sehr gut verständlich ist Russ Robert: The Price of Everything, darin Chapter 9, 115-128.
Andreas Dmytrowicz, 15.01.2010 22:20
Mir fällt es etwas schwer nachzuvollziehen warum man sich, offensichtlich (?) für Kapitalismus oder Planwirtschaft entscheiden solle.
Wir lesen schon im Duden zur Definition des Kapitalismus: " Wirtschafts - und Gesellschaftsordnung, deren TREIBENDE KRAFT DAS ÜBERSTEIGERTE GEWINNSTREBEN einzelner ist."
In klaren Definitionen sehen Sie eben: Kapitalismus ist keine Wirtschafts .. ordnung, sondern vielmehr die - vollständige Außerkraftsetzung - aller Normen, Ordnungen, Gesetze .., was im Klartext die Legalisierung organisierten Verbrechens bedeuten könnte, wie sich ja nicht selten vorfindet.
Dem Grundgesetz ist eine Kontrolle durch den Staat zu entnehmen, vielmehr die Festlegung eines Ausschlusses von Kapitalismus, wie auch in Rechtsgutachten angeführt.
Um weiterem vorzubeugen, ich bin kein Anhänger einer Planwirtschaft.
Aber - Markt und Moral sind unvereinbar, was sogar für die BRD vor 1990 gilt, also vor Kapitalismus, der "sozialen Marktwirtschaft."
Gewinnstreben steht vor allem!!
Michael von Prollius, 05.01.2010 23:08
@maromano
Es fällt mir schwer, mit Ihnen zu diskutieren. Das liegt an Ihrer Gedankenführung:
- Chancengleichheit bedeutet für Sie nicht gleiche Chancen
- Sie sind nicht für Planwirtschaft und nicht für Kapitalismus.
- Uni-Ökonomisierung lehnen Sie ab, zugleich fühlen Sie sich aber in Deutschland benachteiligt, weil Sie arbeiten müssen und andere Studenten nicht.
Ich werde das Thema Gerechtigkeit in einem der nächsten Artikel aufgreifen.
maromano, 04.01.2010 23:31
@Michael von Prollius
>Ihr Bsp. für Chancengleichheit geht am Thema vorbei. Chancengleichheit bedeutet eben gerade nicht, dass Menschen, die gleiche Chancen in Anspruch nehmen wollen, auch „gleich“ sein müssen. Chancengleichheit könnte es geben, unabhängig davon wie verschieden Menschen sind. Gesellschaftliche Strukturen oder deutlicher - strukturelle Benachteiligung behindert Gerechtigkeit. Ohne einen Ausgleich (d.h. Förderung für Benachteiligte) geht es da nicht.
>Ich bin ganz und gar kein Fürsprecher der Planwirtschaft, aber auch keiner des Kapitalismus. Gibt es da etwa keine Umweltzerstörung? Die Planwirtschaft ist vorbei – es wäre also hilfreicher, sich gegen Umweltzerstörung im Kapitalismus einzusetzen als darauf hinzuweisen, dass es in der Planwirtschaft auch eine gab.
>Was für Amerikas Eliteunis bzw. Harvard gelten mag, gilt für deutsche Unis noch lange nicht. Ökonomisierung führt dazu, dass viele Studiengänge (teils nur, weil sie zu klein sind oder nicht genügend Drittmittel einwerben können) geschlossen werden. Differenz adé. Auch zahlen hier alle Studiengebühren. Ich fühle mich benachteiligt, wenn ich im Studium mit Studenten „konkurrieren“ muss, die nicht regelmäßig jobben müssen, wie ich das muss. Das ist das wahre Gesicht der Ökonomisierung. Wer finanziell besser gestellt ist, hat es leichter. Aber schließlich geht bei Studiengebühren nicht um Gerechtigkeit, sondern um Entlastung der Landeshaushalte.
>Die industrielle Revolution ist eher der Siegeszug technischer Neuerungen, technischen Fortschritts, der größeren Wohlstand geschaffen hat - soviel dass breite Schichten etwas bekommen konnten (bzw. sich erkämpft haben). Mehr Wohlstand bedeutet auch mehr Bildung. Diese erschwert politische Bevormundung. Markt und Moral stehen dabei in keinem direkten Verhältnis.
Michael von Prollius, 04.01.2010 19:28
Gerechtigkeit, die von gesellschaftlichen Strukturen abhängig ist, kann keine Gerechtigkeit sein, sondern ist vielmehr Willkür.
Chancengleichheit gibt es nicht - ein doppeltes Beispiel: ein kluger, armer Abiturient und ein reicher dummer Abiturient - ein kluger, reicher Abiturient und ein dummer, armer Abiturient.
Marktwirtschaften sind nachhaltiger als Planwirtschaften, ein Blick auf die Umweltzerstörung in der Sowjetunion spricht Bände. Noch besser fällt die Bilanz bei strikter Wahrung der Eigentumsrechte aus.
DIe "Ökonomisierung" führt zu besserer Lehre, besserer Forschung, und ermöglicht gerade den Ärmeren ein Studium. Schauen Sie auf die Finanzierung der Studiengebühren in Harvard. Es zahlen eher die, die auch wohlhabend sind als bei vermeintlich kostenlosem Studium.
Märkte sind ein Moralstifter. Denken Sie an Ihre alltäglichen Einkäufe. Die sogenannte Industrielle Revolution ist der Siegeszug der Marktmoral, der Millionen von Menschen zum Überleben verholfen hat und sie aus den aristokratisch-autoritären Abhängigkeitsverhältnissen löste.
Die Bilanz planwirtschaftlicher Staaten in der Erziehung der Menschen ist ein furchtbares Trauerspiel: Stasi und Gestapo, Eigentumsdelikte zum Überleben im Mangel in der DDR als Selbstverständlichkeit, weitgehende Verkürzung der Lebensperspektive mangels unternehmerischer Möglichkeiten auf Subsistenzdasein. Da gibt es nichts zu beschönigen - tatsächlich nicht für die "Eliten", die im Besitz der verstaatlichten Produktionsmittel in Saus und Braus leben.
maromano, 04.01.2010 18:12
Natürlich haben Liberale auch eine Vorstellung von Gerechtigkeit, nur eben eine, die im luftleeren Raum stattzufinden scheint, d.h. gesellschaftliche Strukturen ignoriert.
Erstens haben wir ja keine freie Marktwirtschaft, überall greifen Staaten ein - im Falle der derzeitigen „Rettungsaktionen“ bin ich auch der Meinung, dass ein „Scheitern lassen“ vernünftiger gewesen wäre. Und zweitens glaube ich kaum, dass eine freie Marktwirtschaft so segensreich wäre, wie sie hier dargestellt wird. Was ist mit Chancengleichheit (bei Märkten im Kapitalismus), was ist mit Nachhaltigkeit, was mit Umweltverträglichkeit? Selbst wenn die Politik nicht weiterhin negativ eingreifen würde, indem sie z.B. durch eine Förderung von Atomkraft oder Autoverkäufen umweltverträgliche(re) technologische Neuerungen in den Hintergrund drängt - der Markt allein würde dieses Problem nicht richten, vor allem nicht, wenn dies mit zusätzlichen Kosten verbunden ist.
Was die „Ökonomisierung der Lebensbereiche“ angeht – die sorgt eher für weniger Wahlfreiheit und Differenz (z.B. an den Unis) und ist schon deshalb abzulehnen. „Rechtliche Gleichrangigkeit“ ist sicherlich schön – reale wäre besser. Das ist aber wieder eher ein Vorwurf an den Kapitalismus bzw. an die kapitalistische Marktwirtschaft.
Und Moral entsteht nicht mit Hilfe des Marktes, sondern bei Menschen durch Erziehung und Sozialisierung. Sie sind somit schon moralisch, bevor sie in den Markt eintreten. Man kann z.B. planwirtschaftlichen Staaten viel Negatives anlasten – aber nicht, dass deren Menschen unmoralisch gewesen seien. Das hätte sonst ja die Konsequenz sein müssen, oder nicht?
Kommentar schreiben
*=Pflichtfelder
|
|
|
|
|
|
| |
|
Spruch des Tages |
"Nicht selten wird die Geschichte gleich von denen gefälscht, die sie machen." - Wieslaw Brudzinski |
|
|
|
Umfrage |
Sollte Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten?
ErgebnisWürden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?
Ergebnis |
|
|
|
|