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Patrick Pricken
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Die Freiheit. Unrecht zu haben
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Quo Vadis, Blogger?
Als ich gefragt wurde, ob ich für die Freie Welt bloggen wolle, war ich zugegeben unsicher. Ich halte die Ökonomik Chicagoer Prägung für doppelt verfehlt: erstens, weil sie dem naturalistischen Fehlschluss unterliegt, dass Märkte so seien, wie sie sind, weil es gut ist, wie sie sind – die Gegenposition wäre, sich zu fragen, wie Märkte optimal funktionieren sollten und dann zu überlegen, wie man diesen Zustand erreichen kann –, zweitens, weil die Märkte nicht einmal so sind, wie sie behaupten, sie aber alle Erkenntnisse beispielsweise über Individual- und Massenpsychologie ignorieren und weiter an ihrem Mantra festhalten.
Hier sah ich den Stolperstein im Bezug auf die Orientierung der Freien Welt.
Ja, ich bin Atheist, aber ein aufgeklärt christliches Menschenbild muss nicht zwangsläufig in Streit mit einem evolutionär-humanistischen Menschenbild geraten. Insofern dachte ich, ich könnte in meinen Beiträgen für die Freie Welt ja auf atheistische Positionen verzichten und vielleicht ein wenig gegen die m.E. exzessiveren neoliberalen Positionen argumentieren.
Dazu ist es jedoch nie gekommen, da ich dann feststellen musste, dass es auf dieser Seite sehr viel mehr gibt, das mir zuwider läuft. Gleichberechtigung und Säkularisierung werden angegriffen, sei es bei der Homo-Ehe oder auch, wenn Kreuze nicht in staatlichen Klassenzimmern hängen sollen. Das ist allerdings kein fatales Problem, denn hier treffen Meinungen aufeinander, die kontrovers diskutiert werden können und sollen.
Nein, fatal ist eher, dass die Art, wie m.E. Milton Friedman u.a. wissenschaftliche Erkenntnisse ignorieren, sich auch auf andere Bereiche überträgt. Beiträge, die Impfung und Schweinegrippe ideologisierend kritisieren, lassen sich auf der Freien Welt finden, und zuhauf Beiträge, in denen die wissenschaftlichen Daten zum Klimawandel durch Rufmord oder Fehldarstellungen angegriffen werden. Es fehlte nur noch, dass sich Homöopathen zu Wort meldeten.
Im Endeffekt bleiben mir nur drei Möglichkeiten. Erstens könnte ich die ganzen Beiträge jeweils konkret angehen und eine Gegendarstellung schreiben. Nicht aus der Hoffnung, die Autoren überzeugen zu können – die Klimaleugner beispielsweise sind ihrer Position gewiss, Zweifel liegen ihnen fern, sie werden sich nicht überzeugen lassen. Und hier sei gesagt, dass ich meine Position natürlich auch offensiv vertrete, ich diese aber aufgrund von wissenschaftlichen Daten und nicht irgendwelchen vagen Manipulationsvorwürfen bezogen habe – wenn mir tatsächliche Klimadaten und -messungen gezeigt werden, die zu einem anderen Ergebnis kommen und in der Summe ähnlich konsistent und stark sind, wie die Daten PRO globaler Erwärmung, dann bin ich sofort bereit, meine Position zu ändern.
Das Problem ist, dass es sehr einfach ist, jemandem eine Verschwörung zu unterstellen oder einen "talking point" zu übernehmen, wie beispielsweise irgendeine angebliche Liste von 500 Wissenschaftlern, deren Ergebnisse dem Klimawandel widersprechen. Es kostet Zeit, sich in komplexe wissenschaftliche Themen einzuarbeiten, vor allem, wenn man wie ich nicht seinen Lebensunterhalt mit dem jeweiligen Thema bestreitet. Ich habe vor gut zwei Jahren den damals aktuellsten IPCC-Bericht komplett gelesen und mir dazu auch Kontextwissen angeeignet, aber da ich dieses Wissen selten benutze, müsste ich für eine fundierte Erwiderung erneut recherchieren. Dazu kommt, dass dem gefühlten Vorwurf, es werde manipuliert, nur wenig entgegnet werden kann, denn einen Beweis für die Nichtexistenz einer Verschwörung gibt es nicht, und Beweise für eine Verschwörung, die man entkräften könnte (oder bestätigen) werden nicht vorgebracht – stattdessen wird eine solche einfach behauptet, sie ist einerseits offensichtlich zu erkennen und gleichzeitig unmöglich zu beweisen.
Außerdem, weil zu einem anderen Beitrag mehr Links gefordert wurden, hier ein kurzer Einschub mit einer weiteren informativen Seite, in der die PR-Mechanismen der Klimaleugner besprochen werden: DeSmogBlog und das Buch Climate Cover-Up. Wie auch diese Seite zeigt, ist es geradezu unverschämt, den Wissenschaftlern vorzuwerfen, die Öffentlichkeit zu manipulieren, wenn gleichzeitig Ölkonzerne massenhaft Lobbyisten beschäftigen, Lügen veröffentlichen und alles tun, um den wissenschaftlichen Konsens in Zweifel zu ziehen – ironischerweise genau die Vorwürfe, die gleichzeitig die Messdaten entwerten sollen. Man findet ohne Probleme Klimaforscher, die das in den zwei oder drei ständig zitierten E-Mails erkennende Verhalten missbilligen – aber wo sind die Klimaskeptiker, die von einer großen Manipulation der Öffentlichkeit reden, und sich von diesen PR-Lügen distanzieren? Hier sind die Fakten, die der anderen Seite fehlen.
Ebenfalls sehenswert: eine YouTube-Reihe zum Klimawandel, hier verlinkt die sechste Folge, die sich mit eben diesen E-Mails beschäftigt. Hier wird übrigens gleich begrüßt, dass nun eine Untersuchung stattfindet und der verantwortliche Leiter zunächst von seinen Posten zurückgetreten ist. Ähnlich wird in einer anderen Folge Al Gores Behauptung eines überschwemmten Floridas kritisiert, weil sie nicht mit üblichen Wahrscheinlichkeiten operiert. So funktioniert eine Argumentation auf Sachebene. Wie sie nicht funktioniert, zeigt dieses Video auch.
Schließlich interessiert vielleicht auch dieser längere Mailwechsel, den ich auf meinem Blog publiziert habe. Der Link führt zum ersten Teil.
Es wäre schön, wenn ich die Zeit hätte, mich derart mit den Beiträgen auf dieser Seite zu beschäftigen. Allerdings müsste ich dazu alle Beiträge lesen und kommentieren, um den unwidersprochenen dann keinen falschen Anschein der Legitimität zu geben, und diese Zeit fehlt mir einfach. Auch fürchte ich, dass eine solche Gegenposition des "Quotenskeptikers" an sich schon zu einer fälschlichen Legitimität beitragen könnte. Zumal dazu eben nicht nur gehörte, mich wieder in die Klimaforschung einzuarbeiten, sondern auch, noch genauer über Impfungen Bescheid zu wissen – und wer weiß, welches Thema danach ansteht?
Meine zweite Option wäre, zum störenden Blogtroll zu werden, wie dies in meinem letzten Beitrag schon ansatzweise geschah. Hier würde ich ebenfalls auf Beiträge antworten, aber eher mit der Frustration und Wut, die in mir entsteht, wenn das, was heutzutage unsere beste Annäherung an die Wirklichkeit ist, mit den Füßen getreten wird. Diese Lösung würde einerseits zu einem Magengeschwür bei mir führen, andererseits aber auch nur als Störung in der Freien Welt ankommen, und das muss nicht sein.
Bleibt noch die dritte Option. Ich bin mir relativ sicher, dass ich auf der Freien Welt auch Leute finde, die zwar vielleicht nicht die Mondlandung bezweifeln, aber Bush für beteiligt an den Anschlägen vom 11. September halten. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich hier Leute versammeln, die sich als "Skeptiker" bezeichnen, aber in Wahrheit Leugner sind, und nicht auf dem Boden von Wissenschaft argumentieren, sondern aufgrund von Ängsten und Ideologie. Die dritte Option ist also, die Freie Welt sich selbst zu überlassen. Solange sie ein Nischendasein führt, soll sie eben eine Nische sein. In der Huffington Post ist es nützlich, Gegenmeinungen zu veröffentlichen. In der Freien Welt ist der erwartete Nutzen geringer als die Gefahr, selbst als einer der Leute gebrandmarkt zu werden, denen Ideologie wichtiger ist als die (angenäherte) Wirklichkeit.
Mir fehlt die Zeit, umfassend dagegenzuhalten, und die Lust, auf mich allein gestellt Stunk zu machen. Also bleibt mir nur, mich zurückzuziehen. Wer mehr von mir lesen möchte, kann dies auf meiner Webseite tun. Ich bin auch bereit, mich einzelnen Diskussionen zu stellen. Das Ausmaß der Ansichten, die anscheinend in der Freien Welt mehrheitsfähig sind, die ich aber nicht teile, macht mich aber zu einem Fremdkörper hier.
In einer freien Welt haben auch die Blogger der Freien Welt das Recht, Unrecht zu haben. Aber in Zukunft ohne mich.
(Zum letzten Mal kreuzgeschrieben auf Derangierte Einsichten)
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Kommentare (40)
lab, 04.01.2010 16:07
@lepus
Ich denke, bei M&Co machen Sie es sich bzw. den Herren ein wenig zu leicht. Es gibt bei der Wiedergabe von Zitaten keinen „Interpretationsspielraum“ - sondern nur eine korrekte oder nicht korrekte Wiedergabe. Man kann ein Zitat ja bewerten wie man möchte – korrekt wiedergeben muss man es aber. Dass die Personen „wissen“, dass es (noch) eine Liste gibt, auf der sie stehen, können Sie ja gern behaupten. Dann sollen Sie es aber auch belegen und nicht ein Zitat passend zurechtbiegen.
Analogien (Hügel – Wasser) haben eben immer nur Illustrationscharakter und können nie etwas beweisen. Insofern kann sich jeder die Analogie suchen, die ihm gefällt und damit seine Position verdeutlichen. Das wollte ich mit der Betrachtung aus einem anderen Blickwinkel zeigen.
Für das Resümee steuere ich gern auch meinen Standpunkt noch bei.
Ich bin überzeugt, dass es einen Klimawandel gibt und dass der Mensch durch Emission von CO2 und verschiedene andere Treibhausgase sowie durch Waldrodung etc. dazu wesentlich beiträgt.
Ich glaube, dass die Auswirkungen heute noch sehr schwer einschätzbar sind, aber zumindest bedrohlich. Vielleicht nicht mehr während unserer Lebenszeit, vielleicht aber schon. Ich hatte einmal vorher Das Buch „Die Logik des Misslingens“ zitiert, dass von der Schwierigkeit handelt, komplexe Systeme intuitiv einzuschätzen. Ein schönes Beispiel ist der Gartenteich, der von einer Wasserpflanze bedeckt wird, die sich jeden Tag verdoppelt. 30 Tagen dauert es, bis die Hälfte des Teiches bedeckt ist. Für die komplette restliche Hälfte ist dann 1 Tag ausreichend. Ich halte es daher auch für möglich, dass wesentlich geringere Veränderungen als die bislang prognostizierten zu Veränderungen führen, die uns (unangenehm) überraschen. Aber wie gesagt, dass ist eher eine intuitive Einschätzung.
Ich bin auch der Meinung, dass viele Maßnahmen, die für den Klimaschutz angedacht werden, auch darüber hinaus sehr sinnvoll sind: eine Umgestaltung der Energiewirtschaft weg von fossilen Rohstoffen (ich kannte einmal einen Chemieprofessor, der zum Thema Erdölverbrennung sagte: „Erdöl ist eine so nützliche Substanz, mit der man so viele Dinge herstellen kann. Und was machen die Idioten? Sie verbrennen es!“), den Schutz der Regenwälder oder mehr Energieeffizienz (es kann mir keiner sagen, dass eine Standbyschaltung die 10 Watt oder mehr verbraucht mehr Luxus bedeutet). Es gibt ganz sicher auch unsinnige oder fatale Ideen: Abholzung des natürlichen Waldes, um Biosprit-Pflanzen anzubauen oder CO2-Abspaltung im Kraftwerk beispielsweise.
Gegen Ihre „Ökologismus/Ersatzreligion“-These zu argumentieren ist natürlich schwer, da ich lt. Ihrer Definition dann selbst ein „Jünger“ wäre. Trotzdem halte ich sie gerade in Richtung der Klimaforscher für ziemlich absurd, u.a. da jeder Hinweis darauf fehlt, dass ausgerechnet Leute, die sich ihr ganzes Leben mit Naturwissenschaft befassen (und zu deren täglichen Arbeitsmitteln der Computer zählt), einer „fortschrittsfeindlichen Ideologie“ angehören.
Statt eine weltweite und extrem umfangreiche Verschwörung oder Ersatzreligion zu postulieren gibt es eine andere sehr viel einfachere Möglichkeit, die ich Ihnen abschließend ans Herz legen möchte: nämlich dass nach Abzug aller Unsicherheiten und (Medien-)Übertreibungen der AGW real ist und alle diese Menschen nach sorgfältiger Prüfung der vorliegenden Belege dies akzeptieren.
Ich weiss nicht, was die „Skeptiker“ motiviert und ich glaube auch nicht, dass es da „den einen“ herausragenden Grund gibt. Angesichts des Umfeldes liege ich aber sicher nicht ganz falsch, wenn ich hier eine weltanschauliche Komponente und die Angst vor zu viel staatlicher Bevormundung vermute.
lepus, 03.01.2010 14:23
@lab
Ein letztes Mal zu dem "billigen rhetorischen Trick":
Natürlich haben Sie die Äußerung nicht getätigt, aber wo bitte habe ich das behauptet? Ich habe die von mir so wiedergegebene Selbsteinschätzung des Herrn Rahmstorf angegriffen, die Sie allerdings verlinkt hatten.
Ich hätte jedoch besser noch einen Satz folgen lassen sollen, etwa so: "Und diese vor Scheinheiligkeit triefende Selbstbeweihräucherung aus Zeit-online nehmen Sie ihm ab?"
Dann wäre die Sache eindeutiger geworden. Einen rhetorischen Trick wollte ich jedenfalls nicht vollführen.
Und auch noch ein letztes Mal zu M&Co. Ich gebe zu, deren Interpretation von Rahmstorfs schwarzer Liste deckt sich nicht mit derjenigen von Rahmstorf selbst in dem als Quelle angegebenen Interview.
Das ist zu kritisieren und hätte erklärt werden müssen.
Anderseits kann ich die Journalisten verstehen: Sie wussten schon vorher, dass sie auf einer schwarzen Liste von Rahmstorf geführt werden, der sie bei Gelegenheit bei Herausgebern und Chefredaktionen anschwärzt.
Wenn Rahmstorf seine schwarze Liste in dem Zeit-Interview nun plötzlich uminterpretiert in eine Liste von Übertreibern, sind sie zu Recht sauer.
Originell ist Ihre Uminterpretation des Wasserflusses vom Hügel – Chapeau!
Nur denke ich, dass Ihre Analogie einen entscheidenden Fehler hat: Beim Klimageschehen hat der Hügel kein Ende, das Wasser ist niemals unten angekommen, sondern mäandert bis ans Ende der Tage.
Ich möchte auch gern ein kurzes Resumée ziehen und unsere Klimadiskussion beenden, bevor sie ins Archiv abwandert:
Wir haben uns ein wenig verzettelt und in Nebensächlichkeiten verbissen, ich möchte zum Schluß meine grundsätzliche Einstellung skizzieren, wohl wissend, dass ich als Laie auf Glauben angewiesen bin:
Ich glaube, dass es den Klimawandel gibt – so wie es ihn schon immer gegeben hat.
Ich glaube, dass der Mensch das Klimageschehen beeinflusst – allerdings nur marginal und auf keinen Fall überwiegend.
Ich glaube, dass die Vertreter der AGW-Hypothese diese deshalb so verbissen auch mit unwissenschaftlichen Übertreibungen und Manipulationen vertreten, weil sie Anhänger der Ersatzreligion Ökologismus sind, mit der Grundüberzeugung, dass die Zivilisation in absehbarer Zeit im Chaos oder mit einem Knall untergehen wird, wenn wir nicht unser Verhalten im Sinne ihrer rückwärtsgewandten fortschrittsfeindlichen Ideologie ändern.
Weil ich das nicht in aller Ausführlichkeit hier begründen will, noch ein letzter Link zu einem Artikel von Robert Grözinger mit dem Titel "Nach der Katastrophen-Konferenz in Kopenhagen: Fürchtet Euch nicht!", von dem ich wiederum glaube, dass er Recht hat:
http://ef-magazin.de/2009/12/24/1762-nach-der-katastrophen-konferenz-in-kopenhagen-fuerchtet-euch-nicht
lab, 02.01.2010 15:55
@lepus
Eben nicht. Ich habe mich zu M&Co geäußert und nicht zu Rahmsdorf. Tatsächlich haben Sie die Herren ins Spiel gebracht, indem Sie den Artikel von M&Co über Rahmsdorf zitieren. Nochmal: ich kenne weder Rahmsdorf, noch M&Co oder Herrn Lotter. Zu ihrem Charakter kann und will ich mich nicht äußern. Wozu ich aber etwas sagen kann, ist ihr Diskussionsstil, am konkreten Beispiel.
Daraus bauen Sie eine von mir - in der überspitzten Form schon gar nicht getätigte Äußerung, um diese dann anzugreifen. Das nenne ich einen rhetorischen Trick.
"Befürchten Sie, von Rahmsdorf systematisch interniert und ermordet zu werden?" ziehe ich zurück. Wie Sie richtig schreiben, gehört das eher zu "Endlösung" und war tatsächlich eine Fehlassoziation meinerseits. Sehen Sie, so einfach geht das. Allerdings ändert das nichts an der Einschätzung, dass von M&Co mit "Endsieg" eine gedankliche Nähe zum Nationalsozialismus geschaffen werden sollte (hat ja bei mir auch hervorragend geklappt).
Aber wenn Sie die Diskussion um sachfremde Aspekte beenden wollen, sehr gern. Genau das war ja mein Ausgangspunkt - also ab sofort keine "Inquisition", "Sekten", "Religionen", "Endsige" oder "heilige Missionen" mehr.
Dann sagen Sie mir doch noch, wo das fehlende Zitat zu finden ist (mit den anderen sind wir ja durch, oder?)
lepus, 02.01.2010 15:02
Also nun mal langsam: Anderen "billige rhetorische Tricks" unterstellen aber selbst gerne darauf zurückgreifen? Oder wie würden Sie das bezeichnen, wenn jemand eine zutreffende Beschreibung seiner Einschätzung zu einer dritten Person nur deshalb zurückweist, weil er sie nicht wortwörtlich so geäußert hat?
Und wenn wir schon bei den rhetorischen Tricks sind: "Mann kann nur spekulieren, was genau die Autoren mit der Formulierung "Endsieg in der Klimadebatte" tatsächlich meinen? Befürchten Sie, von Rahmsdorf systematisch interniert und ermordet zu werden?"
Wollten Sie hier statt "Endsieg" die Assoziation zu "Endlösung" herstellen? Macht sonst keinen Sinn, ist aber ein gewaltiger Unterschied und eine böse Unterstellung.
Die Diskussion bekommt eine ungute Eigendynamik. Ich habe keine Lust mehr, mich über rhetorische Tricks und den Gebrauch der Faschismuskeule zu streiten. Zu Fragen der Einschätzung der Klimawandelproblematik jederzeit gern.
lab, 02.01.2010 14:30
@lepus
Nur ein kleine Ergänzung: die verlinkte Ausarbeitung trägt zwar das Logo der TU Berlin, ist aber keineswegs die Position des Institutes für Ökologie, sondern die Privatmeinung des Dozenten (http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de//project/lv-twk/00-disclaimer_copyright_vl-twk.htm#go1).
Ich finde es sehr schwer zu lesen, v.a. aufgrund des Designs und der (fehlenden) Struktur. Mir ist nicht ganz klar, welche Position der Autor eigentlich vertritt (außer, dass er "gegen" die IPCC-Position und deren Vertreter ist).
Als kleine Gegenposition empfehle ich
http://www.scienceblogs.de/primaklima/ oder für die mehr visuell orientierten http://www.youtube.com/user/greenman3610 oder natürlich http://realclimate.org. Diese (Pro-AGW)-Quellen konnte ich auf der umfassenden und fundierten Ausarbeitung leider nicht finden.
lab, 02.01.2010 12:45
[Fortsetzung]
Können Sie mir auch noch die Seite angeben - ich kann das Zitat zumindest über die Amazon-Buchsuche dort nicht finden. Interpretieren kann ich es dann schon selbst, danke...
"Wenn M&Co es an Seriosität schon nicht mit Rahmsdorf aufnehmen können, dann muss jetzt Lindzen her."
Also erstens halte ich M&Co für seriöser als Rahmstorf und zweites wollte ich einen schiefen Vergleich begradigen: Journalisten gegen Wissenschaftler. Besser Wissenschaftler gegen ihresgleichen."
Zustimmung zum letzten Satz. Das Problem (eines der Probnleme) der gegenwärtigen Debatte ist in der Tat, dass Leute über wissenschaftliche Forschung sprechen, die einfach nicht die grundsätzliche Ausbildung und den fachlichen Hintergrund dazu haben.
"Ich war wohl nicht überzeugend – vielleicht kann das der "unseriöse" Dirk Maxeiner besser (falls man seinen Text unvoreingenommen zu lesen bereit ist):
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wohin_gehe_ich_und_wenn_ja_wie_heiss_sind_meine_fuesse/"
Ich habe den Beitrag gelesen, finde ihn aber nicht wirklich erhellend. Gerade die detailreiche Diskussion um das Klima zeigt ja, dass es eben nicht um "einfache Physik" geht (was auch immer das sein soll), sondern um im Detail sehr komplexe Vorgänge. Was aber kein Widerspruch ist: aus wenigen einfachen Regeln kann Komplexität entstehen. Wenn Maxeiner so tut, also wäre das eine neue Erkenntnis (von ihm), dann baut er einen "Strohmann" auf.
Ich finde aber das Beispiel mit dem Hügel ganz interessant. Tatsächlich illustriert es, dass mit wenigen Gleichungen ein System beschrieben werden kann, dass in bestimmten Bereichen nur eingeschränkt vorhergesagt werden kann, bei dem aber das Ergebnis wiederum völlig klar ist.
Am Ende ist das Wasser unten.
Und je mehr Wasser oben ausgegossen wird, desto größer wird die Pfütze unten. Eigentlich also eher eine Anaolgie für den Mechanismus des Klimas und eine Begründung warum es zwar nicht möglich ist, dass Wetter über lange Zeiträume zu prognoostizieren aber durchaus etwas zum Klima gesagt werden kann.
lab, 02.01.2010 12:19
@lepus:
"Herr Rahmstorf, der nimmermüde Kämpfer für die pure Wissenschaftlichkeit und gegen jedwede Übertreibung?“
Komisch. Habe ich das geschrieben?"
Nein. Habe ich behauptet, Sie hätten das geschrieben? Auch nein. Komisch.
Warum probieren Sie es denn mit einem so billigen rethorischen Trick? Wenn Sie mir nicht die im Zitat genannte Haltung unterstellen wollten, was wollten Sie denn dann?
Ich habe auch das Ausgangsinterview gelesen. Beim besten Willen konnte ich nicht erkennen, dass Rahmsdorf die Autoren derartig rein persönlich angreift und in die Nähe des Faschismus rückt, wie sie es mit ihm tun. Mann kann nur spekulieren, was genau die Autoren mit der Formulierung "Endsieg in der Klimadebatte" tasächlich meinen? Befürchten Sie, von Rahmsdorf systematisch interniert und ermordet zu werden? Mit keinem Wort gehen sie auf die tatsächlichen Vorwürfe ein und beziehen dazu Stellung. Stattdessen stellen sie allgemeine Behauptungen auf "Rahmstorf ist seit Jahren unter Journalisten dafür bekannt,..." ohne auch nur einen einzigen beleg dafür zu bringen. Stattdessen fälschen sie ein Zitat von Rahmsdorf: eine Todsünde unter (seriösen) Journalisten.
Dagegen wende ich mich: Sie, M&Co und wer auch immer können natürlich behaupten, was sie wollen. Aber wer es nötig hat, Zitate zu fälschen hat offensichtlich argumentativ nicht viel zu bieten.
Nochmal: M&Co schreiben nicht: "Wir bezweifeln das." Sondern sie fälschen das Zitat, damit der unkritische Leser den Eindruck bekommt, Rahmsdorf hätte tatsächlich sich "gerühmt", "Journalisten, die sich nicht seiner Meinung unterordnen, sondern ihren Beruf ernst nehmen [...]" würden von ihm zwecks späterer Bedrohung notiert.
Das ist eine bewusste Täuschung.
Wenn Sie den Originalartikel von Rahmsdorf kritisieren wollen können Sie das natürlich tun, aber bitte mit konkreten Dingen und nicht allgemein "an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten...".
"Und wenn Sie verstehen wollen, warum die angegriffenen Journalisten davon ausgehen, dass nicht (oder nicht nur) "Übertreiber" aus ihren Reihen in Rahmstorfs schwarzer Liste enthalten sind, sondern sie selbst als "Skeptiker", dann sollten Sie deren vertiefende Kommentare lesen: (besonders Wolf Lotter finde ich überzeugend mit seiner Philippika gegen die "Renaissance des Aberglaubens")
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/spotlight/klimakontroverse_herr_rahmstorf_bastelt_sich_eine_verschwoerung/"
Ich lasse den Link hier gerne noch einmal stehen, damit sich interessierte Leser selbst ein Bild machen können worum es Lotter wirklich geht - nämlich nicht um eine Diskussion oder gar Erkenntnisgewinn, sondern schlicht und ergreifend darum, einen Menschen zu vernichten ("Es geht nicht um die Frage des Klimawandels, es geht um Sie, Herr Rahmstorf. Ihren Charakter.[...]Sie halten sich für unfehlbar. Ich halte sie für untragbar."). Etwas später "ergänzt" Lotter dann die angeblich auf der Liste stehenden Personengruppe noch schnell um "Autoren, Wissenschaftler" und deutet an, dass diese um ihre Anstellung fürchten müssten. Aufrichtigkeit sieht anders aus.
Wie Rahmstorf mit kritischen Kollegen umspringt, ist auch hier untersucht:
http://www.oekologismus.de/wp-content/uploads/rahmstorf_contra_singer.pdf
Schon wieder etwas Neues? Ach nein, das ist ja auch nur ein Kommentar zum schon genannten FAZ-Artikel. Nichts Neues also. Und ich möchte jetzt nicht schon wieder ein neues Thema eröffnen und über Singer, seine wissenschaftlichen Verdienste oder wechselnden kristischen Positionen diskutieren (wer Lust hat, kann das ja bei Wikipedia nachlesen (inkl. Links zu seinem Institut und Sourcewatch): http://de.wikipedia.org/wiki/Fred_Singer).
Zurück zu Ihrem Text: "Leider konnte ich die Originalquelle für das Houghton-Zitat nicht ausfindig machen (nur das Jahr 1994). Sie können mir da sicher weiterhelfen."
Kann ich.
Quelle: * Houghton, J., Global Warming. The Complete Briefing, 1997. Second edition. Cambridge University Press.
Können Sie mir auch noch die Seite angeben - ich kann das Zitat zumindest über die Amazon-Buchsuche dort ...
lepus, 02.01.2010 11:24
Kleine Ergänzung (bzw. Wiederholung)
Mein Hinweis auf die sehr umfassende Ausarbeitung aus dem Inst. f. Ökologie an der TU-Berlin unter der Überschrift
"Die Debatte um den Klimawandel".
Dort findet man eine fundierte Beurteilung mit vielen vielen relevanten Links. Darunter auch eine Einschätzung der Rolle von Prof. Rahmstorf. Unbedingt ansehen:
http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de//project/lv-twk/02-intro-3-twk.htm
lepus, 01.01.2010 15:29
"Herr Rahmstorf, der nimmermüde Kämpfer für die pure Wissenschaftlichkeit und gegen jedwede Übertreibung?“
Komisch. Habe ich das geschrieben?"
Nein. Habe ich behauptet, Sie hätten das geschrieben? Auch nein. Komisch.
Sie haben allerdings den Link zu einem Interview eingestellt, in dem Rahmstorf sich genau so darstellt und Sie haben zu erkennen gegeben, dass Sie ihm das abnehmen. Ich tue das nicht, genau so wenig wie Maxeiner und Kollegen, die er vorher in der FAZ angegriffen hatte. Und wenn Sie deren Replik in der FAZ mit irgendetwas vergleichen wollen, dann doch bitteschön mit Rahmstorfs Originalanpfiff in ebendieser Zeitung und nicht mit seinem an Scheinheiligkeit kaum zu überbietenden Zeit-Interview in anderem Zusammenhang:
http://www.faz.net/s/RubC5406E1142284FB6BB79CE581A20766E/Doc~EC099321135B34E6C82F4BF639A779CCE~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Und wenn Sie verstehen wollen, warum die angegriffenen Journalisten davon ausgehen, dass nicht (oder nicht nur) "Übertreiber" aus ihren Reihen in Rahmstorfs schwarzer Liste enthalten sind, sondern sie selbst als "Skeptiker", dann sollten Sie deren vertiefende Kommentare lesen: (besonders Wolf Lotter finde ich überzeugend mit seiner Philippika gegen die "Renaissance des Aberglaubens")
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/spotlight/klimakontroverse_herr_rahmstorf_bastelt_sich_eine_verschwoerung/
Wie Rahmstorf mit kritischen Kollegen umspringt, ist auch hier untersucht:
http://www.oekologismus.de/wp-content/uploads/rahmstorf_contra_singer.pdf
Zurück zu Ihrem Text: "Leider konnte ich die Originalquelle für das Houghton-Zitat nicht ausfindig machen (nur das Jahr 1994). Sie können mir da sicher weiterhelfen."
Kann ich.
Quelle: * Houghton, J., Global Warming. The Complete Briefing, 1997. Second edition. Cambridge University Press.
Ich kann Ihnen sogar noch einen Hinweis geben, was er damit gemeint haben könnte, lesen Sie dazu seinen Artikel im "Guardian": http://www.guardian.co.uk/politics/2003/jul/28/environment.greenpolitics
Gobal Warming ist für ihn also mindestens so gefährlich wie atomare, chemische und biologische Massenvernichtungswaffen, und Rahmstorf kennt keinen Kollegen, der übertreibt, um die Öffentlichkeit aufzurütteln – alles nur reine neutrale Wissenschaft. Wie seriös und glaubhaft ist diese Behauptung als Kern seines Interviews und damit das ganze Interview inklusive der Definition seiner schwarzen Liste? Für wie blöd hält der uns?
"Wenn M&Co es an Seriosität schon nicht mit Rahmsdorf aufnehmen können, dann muss jetzt Lindzen her."
Also erstens halte ich M&Co für seriöser als Rahmstorf und zweites wollte ich einen schiefen Vergleich begradigen: Journalisten gegen Wissenschaftler. Besser Wissenschaftler gegen ihresgleichen.
Zurück zum Wesentlichen:
Ich weiß, in einer Internetdiskussion kann man seltenst Meinungen grundsätzlich erschüttern.
Ich hatte gehofft, eine Anregung geben zu können, darüber nachzudenken, ob die Diskussion um den Klimawandel tatsächlich entschieden und beendet ist. ("gegessen")
Ich war wohl nicht überzeugend – vielleicht kann das der "unseriöse" Dirk Maxeiner besser (falls man seinen Text unvoreingenommen zu lesen bereit ist):
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wohin_gehe_ich_und_wenn_ja_wie_heiss_sind_meine_fuesse/
lab, 30.12.2009 22:35
Kleine Ergänzung: Ich habe mir das Video jetzt bis zu Ende angesehen und bin ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Er sagt ja kaum etwas Inhaltliches zum Thema. Das ist zwar nicht so verwunderlich, da es um einen Vortrag vor Gleichgesinnten handelt. Interessanter finde ich da schon diese Debatte zwischen Vertreter der beiden Positionen (was Michael Chrichton da macht, ist mir zwar nicht ganz klar): http://www.youtube.com/watch?v=F6t2D74UcrY (und folgende).
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