Sie wolle Deutschland dienen. Mit diesem Credo überraschte und entzückte die frisch gekürte Kanzlerin Angela Merkel 2005 die Öffentlichkeit. Die Herzen flogen ihr zu.
Der Satz machte sie zur beliebtesten Kanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik. Es wäre ein guter Plan gewesen. Deutschland steht vor ernsten Herausforderungen. Die zu meistern hätte Merkel zur historischen Figur machen können, über den Fakt hinaus, dass sie die erste Frau in diesem Kanzleramt ist. Statt Deutschland zu dienen, z. b. seine Energieversorgung langfristig auf eine verlässliche Basis zu stellen, kürte sich Merkel selbst zur „Klimakanzlerin“, offenbar in der irrigen Annahme, dass der Zeitgeist ihr schneller zu historischer Bedeutung verhelfen würde, als eigene Arbeit. Als „Klimakanzlerin“ trieb sie maßgeblich den Prozess voran, der im Kopenhagener Spektakel einen vorläufigen peinlichen Abschluß fand. Mehr als 15 000 Klimaretter aus aller Welt waren in die Dänische Hauptstadt gereist, hauptsächlich im Flugzeug, darunter 140 Privatjets, die zum Teil auf die Flughäfen anderer Städte ausgeflogen werden mussten, weil der Airport in Kopenhagen nicht genug Platz bot. Über 1200 Limousinen beförderten die Möchtegern-Weltbewahrer durch die Stadt, mehr als es in ganz Dänemark gab. Die fehlenden Luxuskarossen mussten aus Schweden und Deutschland angefahren werden. In nur sieben Tagen produzierten die Konferenzteilnehmer geschätzte 41 000t Kohlendioxid, mehr als 30 Länder an einem Tag ausstoßen. Schon das machte die Veranstaltung zur Farce. Was dann auf der Konferenz stattfand, war an Absurdität nicht mehr zu überbieten. Die Industrieländer gerieten vor aller Augen in die Rolle des Zauberlehrlings, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde. Sie hatten „Reduktionsziele“ deklariert, die unbezahlbar sind. Indem sie sich selbst als Hauptverursacher der behaupteten „Klimakatastrophe“ bezichtigt und Computermodelle veröffentlicht hatten, nach denen einige Inselgruppen beim befürchteten Anstieg des Meeresspiegels, wegen schmelzender Polkappen, verschwinden würden, brauchten die Schwellen-, und Entwicklungsländer nichts zu tun, als die Industriestaaten am Nasenring der eigenen Deklamationen im Kopenhagen-Zirkus vorzuführen. Einen schaurigen Höhepunkt fand das absurde Theater, als bekannt wurde, dass die Forderung an die Industriestaaten gestellt wurde, „Kompensationszahlungen“ an den Sudan zu leisten, weil der Völkermord in Dafur durch die Erderwärmung verursacht sein könnte. Statt das sich anbahnende Desaster wenigstens zu begrenzen, indem man die Konferenz abbricht und sich eine Denkpause verordnet, in der Hoffnung, dass die Klimakatastrophe wie das Waldsterben bald dem gnädigen Vergessen anheimfallen würde, entschlossen sich die Staatschefs, allen voran Merkel, die Sache selbst zum Abschluß zu bringen. Merkel wählte einen merkwürdigen Vergleich, ehe sie nach Kopenhagen eilte, um noch schnell das sinkende Klimaschiff zu besteigen. So wie „wir“ durch vereinte Anstrengungen die Finanzkrise in den Griff bekommen hätten, sollte durch gemeinsames Handeln das Klimaschutzabkommen doch noch zustande gebracht werden. So wenig wie die Abwrackprämie, die nur gut war, um wieder ein würdiges Unwort des Jahres zu haben, die Wirtschaft retten konnte, so wenig konnten die Staatschefs, die sich offenbar schon mehrheitlich in der Rolle von modernen Heilsbringern sehen, den Klimagipfel retten. Das beste an ihren Bemühungen war, dass die Möchtegern-Weltlenker sich durch ihr Scheitern wieder auf Normalmaß gestutzt haben. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Von den vielen sarkastischen Bemerkungen, die ihnen zugerufen wurden, sticht die des Sudan hervor, dessen Vertreter den Vorwurf erhob, der Westen riskiere mit einer Erderwärmung von 2° die „Auslöschung“ Afrikas, ja betreibe mit dem Klimawandel gegenüber Afrika einen Holocaust. Größer kann die Katastrophe, die politische Hybris erzeugt hat, nicht sein. Die Staatchefs haben Glück, dass die Medien mehrheitlich unkritisch auf der Klimawelle mitgesurft sind und deshalb nicht den Absprung zu einer unabhängigen Berichterstattung zu schaffen scheinen. Sonst müssten alle am Desaster Beteiligten zurücktreten. Das wird nicht geschehen. Wird es wenigstens eine Korrektur der „Klimapolitik“ geben? Nur unter Druck . Den zu machen, bleibt den Bürgern überlassen. Die minimale Schlussfolgerung aus dem Kopenhagen-Desaster muss lauten: Nie wieder Klimakonferenz ! Zurück zur Politik!