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Ist die Verdächtigung des Pastors Warren in der ZEIT berechtigt?
Weitere Themen: Allgemein, Bildung

Anmerkungen zum Artikel von Felix Wadewitz über die "Allianz christlicher Schwulengegner" in DIE ZEIT

In seinem Artikel "Allianz christlicher Schwulengegner" schreibt Felix Wadewitz in der Wochenzeitung DIE ZEIT (14.12.09): "Uganda droht Schwulen und Lesben mit der Todesstrafe. Die Spuren des Skandals führen bis nach Washington - und bringen dort religiöse Netzwerke und hochrangige US-Politiker in Erklärungsnot." Wadewitz nennt als vermeintlichen Vertreter solcher Netzwerke den wohl prominentesten evangelikalen Pastor der USA, Rick Warren. Wegen des Artikels wurde Beschwerde beim Deutschen Presserat erhoben. Wird etwa Rick Warren zu Recht oder Unrecht verdächtigt?

Rick Warren wird seit einigen Jahren zu den wichtigsten und einflussreichsten Pastoren der USA gerechnet. Bei der Amtseinführung von Barack Obama am 20.01.09 sprach er das Fürbittgebet.

Wadewitz stellt in seinem Artikel zu Rick Warren fest: „In Erklärungsnot bringen die Pläne der ugandischen Regierung auch Rick Warren, einen der bekanntesten Pastoren der USA. Warren hat das Gebet bei der Amtseinführung von Barack Obama gesprochen. Sein Bestseller A Purpose Driven Life gilt vielen Geistlichen in Uganda als Leitfaden. Warren hat mit dem ugandischen Pastor Martin Ssempa einen der wichtigsten Wortführer für das Anti-Homo-Gesetz wiederholt in seine Kirche nach Kalifornien eingeladen. Auch Warren brauchte mehreren Wochen, um nach wachsendem medialem Druck klar Position gegen die ugandischen Gesetzespläne zu ziehen."

Die Konstruktion dieser Darstellung vermittelt einen falschen Eindruck. Denn die Haltung von Warren steht im krassen Gegensatz zu der Suggestion, er würde die ugandischen Gesetzespläne unterstützen oder gar inspirieren. Zahlreiche Erklärungen, die der evangelikale Pastor im Zusammenhang mit Fragen der Homosexualität - auch zu AIDS - in den letzten Jahren auch öffentlich abgegeben hat, zeigen dies mit großer Deutlichkeit. Einige werden nachfolgend wiedergegeben.

Rick Warren in der Diskussion über Heirat und homosexuelle Partnerschaften in den USA:

"There are about 2% of Americans who are homosexual or gay and lesbian people. We should not let 2% of the population change the definition of marriage. This is not even just a Christian issue. It's a humanitarian and human issue. I'm not opposed to gays having their partnerships. I'm opposed to gays using the term marriage for their relationship."

"While I believe the gay view of sexuality is contrary to God's word, I do believe that God gives us free choice and he gives us a choice to obey his word or to disobey it."

"Some people feel today that if you disagree with them then that's hate speech. Either if you disagree with them you either hate them or you're afraid of them. I'm neither afraid of gays nor do I hate gays. In fact I love gays but I do disagree with some of their beliefs."

"Divorce is a bigger threat to families than gay marriage."

Rick Warren zu AIDS-Erkrankten:

I'll tell you what will: When people really understand how much Jesus loves people with AIDS!  How much does Jesus love people who have AIDS? Just look at the cross! With arms outstretched and nail-pierced hands, Jesus says, "This much! This is how much I love people who have AIDS! In Matthew 25, Jesus made it very clear that one of the things we're going to be judged for when we stand before him is how we treated other people! "I was hungry and you fed me. I was thirsty and you gave me drink. Naked and you clothed me. Sick and in prison and you visited me." We must treat people as if they were Jesus himself. That is what it's all about."

Zur umstrittenen Anti-Homogesetzgebung von Uganda hat sich Warren unter anderem im Oktober von der Haltung des in der ZEIT genannten Pastors Ssempa klar distanziert:

"Martin Ssempa does not represent me; my wife, Kay; Saddleback Church; nor the Global PEACE Plan strategy. ... In 2007 we completely severed contact with Mr. Ssempa when we learned that his views and actions were in serious conflict with our own. The fundamental dignity of every person, our right to be free, and the freedom to make moral choices are gifts endowed by God, our creator. However, it is not my personal calling as a pastor in America to comment or interfere in the political process of other nations."

Angesichts dieser Botschaften ist es nicht vertretbar zu suggerieren, Warren gehöre zu einem Kreis evangelikaler Inspiratoren oder auch einer Art geheimer Drahtzieher in den USA, die eine extreme Gesetzgung Ugandas gegen Homosexuelle unterstützen. Auch die Behauptung, Warren habe Wochen gebraucht, um eine klare Position zu beziehen, ist vor diesem Hintergrund als nicht belegte, nicht plausible und unhaltbare Spekulation einzustufen. Warren ist derartigen Spekulationen und Verdächtigungen in einer eigens produzierten Videobotschaft überzeugend entgegengetreten. Darin bekundet Warren zu den gesetzlichen Bestrebungen ausdrücklich seine ablehnende Haltung: "Das Anti-Homosexualitäts-Gesetz ist ungerecht, extrem und unchristlich."

Es fragt sich, wie es möglich ist, daß in einer Zeitung, die einem hohen journalistischen Anspruch gerecht werden will, ein Artikel wie der von Felix Wadewitz erscheinen kann. Was muß Rick Warren noch alles tun, um nicht in einem Artikel in der ZEIT als eine Art konspirativer Inspirator und Taktgeber für eine Anti-Homogesetzgebung in Uganda präsentiert zu werden? Liegt es nur an schlechter, oberflächlicher Recherche? Oder steht ein vorgefasstes Urteil des Verfassers, oder gar der Chefredaktion hinter einem solchen Artikel?

Skandalöse Spuren scheint es - jedenfalls, was Rick Warren betrifft - weniger nach Washington als vielmehr in eine Hamburger Redaktion zu geben. Diese hat einen Artikel publiziert, dem der Professor für Journalistik, Wolfgang Stock, in seiner Beschwerde an den Deutschen Presserat ganz offensichtlich nicht unbegründet "Manipulation" und "Schmähung einer religiösen Überzeugung" vorgeworfen hat. Man darf gespannt sein, zu welchem Ergebnis der Deutsche Presserat kommt.



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Kommentare (10)




 
  Kommentare (10)

Warner, 19.12.2009 17:12
@Klimowa

Danke für den treffenden Kommentar. Dem ist in der Tat nichts mehr zuzufügen.


Meinert, 19.12.2009 16:22
@ Z. Klimowa
Der Artikel der Zeit beruht auf Fakten, daran können auch Beleidigungen nichts ändern. Sie haben damit gerade ein Paradebeispiel eines unqualifizierten Kommentars gegeben.

Wenn sie sich mit der Gedankenwelt des Herrn Heinz und den Hintergründen zu dem Gesetzesentwurf näher befassen, werden sie feststellen, dass er genau die selben Ansichten vertritt, die in Uganda zu diesem unglaublichen Gesetzesentwurf geführt haben. Aber vielleicht können sie das auch nicht sehen, weil sie selbst so denken und durch ihren Glauben geschult sind die Dinge so zu sehen, wie es gerade am besten in Ihre Moralvorstellungen passt.


Z. Klimowa, 19.12.2009 13:20
Der Logik einiger Kommentare folgend ist also jeder, der Wert auf professionellen Journalismus zu diesem Thema in der Zeit oder wo auch immer legt, ein Befürworter der ugandischen Anti-Homogesetzgebung Gesetzgebung. Also auch der Professor für Journalistik Stock. Schier unglaublich, was hier an unqualifizierten Kommentaren hinterlassen wird. Statt Fakten Beschuldigungen - und Logik wird außer Kraft gesetzt. Solche Methoden hat einst der Stürmer angewandt.

Susanne Wiegert, 18.12.2009 11:59
Wenn ich in das Haus der Nachbarn gehe und dort erzähle einer ihrer Söhne habe eine gefährliche, ansteckende Krankheit, die gegen Gottes Gesetz verstößt, nur weil er anders ist als er selbst, bin ich auch mitverantwortlich für die Folgemaßnahmen, die der Vater dann einleitet um sein Haus vor diesem "gefährlichen" Sohn zu schützen!

Wenn ich schon nicht die Größe habe die eigene Schukld anzuerkennen, sollte ich mir doch zumindest gedanken machen, ob evtl. an meiner Sicht der Dinge etwas falsch sein könnte, wenn sie solche Folgen hat.


JS, 18.12.2009 10:49
@Wiegert

Mir ist nicht bekannt, inwiefern Herr Heinz die Todesstrafe befürwortet.


Susanne Wiegert, 18.12.2009 09:54
Die Verdächtigungen des Pastors Warren in der ZEIT sind natürlich berechtigt! Sie beruhen auf Recherche, die eindeutig die Zusammenhänge darstellt.

Diese Scheinheiligkeit hier ist kaum zu ertragen! Der Gesetzesentwurf ist selbst ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und JEDER, der Gedankengut dazu beisteuert, das sind auch sie Herr Heinz, trägt Mitschuld daran.


Warner, 18.12.2009 08:00
Den hohen journalistischen Anspruch strebt die ZEIT schon lange nicht mehr an. Das alte Credo "Wirtschaftsteil konservativ, Feuilleton links, Politik liberal" gilt ebenso wenig. Der Anspruch ist nur noch ein Mythos längst vergangener Tage. Ich habe schon vor Jahren mein Abonnement gekündigt und bereue dies keineswegs.

Frank, 17.12.2009 17:44
Die Seite "www.medrum.de" hetzt ständig gegen homosexuelle.Was will man da anderes erwarten!!!

Meinert, 17.12.2009 16:48
Die Verstrickung von Evangelisten in Uganda wird in diesem Video gut erklärt:
http://airamerica.com/therachelmaddowshow/blog/12-01-2009/watch-us-ties-uganda-anti-gay-bill/


Meinert, 17.12.2009 16:32
Dieser Gesetzentwurf hat seinen Ursprung in genau dem Gedankengut, dass sie propagieren. Die Tatsache, dass sie mit Empörung auf die veröffentlichung der nachweislichen Verstrickung von Rick Warren reagieren, aber nicht auf den Gesetzesentwurf selbst, spricht für sich!


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