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     Simon Zeimke
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Verantwortung in Afghanistan
Weitere Themen: Allgemein

Präsident Obama hat angekündigt weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Gleichzeitig fordert er eine Truppenaufstockung der Bündnispartner. Auch Deutschland soll seinen Beitrag leisten und 2000 zusätzliche Soldaten entsenden, sowie das “Kampfgebiet” ausweiten.

Afghanistan ist ein Pulverfass und doch schlagen sich unsere Soldaten sehr gut. Sie fahren schließlich eine erfolgversprechende Strategie: Hilfe zur Selbsthilfe. Der Aufbau des Afghanischen Sicherheitsapparats steht ganz oben auf der Agenda. Doch es sind viel mehr die kleinen Dinge, die das Land auch sicher machen.

So gibt es viele kleine Projekte, die das deutsche Kommando in Kunduz zur Befriedung leistet. Sei es die Straße zur  Moschee zu schottern, damit die Afghanen nicht im Matsch zum Gebet laufen müssen. Oder neue Teppiche für die Moscheen und aufwendig gearbeitete Ausgaben des Koran. Aber auch ein neuer Brunnen für ein Dorf. Das sind kleine Projekte mit nachhaltiger Wirkung. Jedesmal wenn ein Afghane trockenen Fußes zur Moschee kommt oder der Tee besser schmeckt, weil aus dem Brunnen sauberes Wasser  kommt, denkt er nicht an die Taliban sondern an die ISAF und die deutschen Soldaten. Und er dankt ihnen. Das führt dazu, dass die deutschen Truppen sich der Unterstützung der Bevölkerung und der Imame sicher sein kann.

Brauchen wir also mehr Truppen? Ich kann es nicht abschließend beurteilen. Aber die Strategie des deutschen Kommandos scheint Früchte zu tragen. Schließlich gilt Nordafghanistan als relativ sicher. Es müssen nicht die großen Prestigeprojekte sein, wie ein Frauenwohnheim an einer Universität – bezahlt vom Entwicklungshilfeministerium. Prestige deshalb, weil man drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat: man hat etwas für die Bildung getan, für Frauen und viel Geld ausgegeben. Das in Afghanistan nur vom “Hurenhaus” gesprochen wird ist nebensächlich. So steht das Frauenwohnheim leer. Es sind die kleinen Projekte die wirklich helfen. Präsenz zeigen und dort unterstützen, wo es richtig und wichtig ist. Das schafft Vertrauen bei der Bevölkerung und gibt eine Perspektive.

Doch wie kann eine Perspektive für die Bevölkerung geschaffen werden? Die Region um Kunduz war einst die Kornkammer Afghanistans. Hier muss mehr Hilfe geleistet werden. Den Bauern muss geholfen werden, dass sie ihre Felder wieder bestellen können. Da kann auch das deutsche Landwirtschaftsministerium helfen – doch es ist in die Afghanistanstrategie nicht eingebunden. So könnten gebrauchte Maschinen in die Region exportiert werden, damit der Boden auch nachhaltig bestellt werden kann. Die Bauern könnten ausgebildet werden in aktuellen Pflanztechniken. Und wenn Maschinen genutzt werden, braucht man auch Mechaniker, die diese reparieren können. So können kleine, sich selbst tragende ökonomische Systeme entstehen und den Menschen vor Ort eine Perspektive bieten. Das wünschen sich die Afghanen für ihre Kinder. Diese Zukunftsperspektive kann nur der Westen bieten, nicht aber die Taliban.

Hinzu kommt die Ausbildung der Sicherheitskräfte. Afghanistan ist ein Rechtsstaat, auch wenn dies nicht immer offensichtlich ist. Wenn die Menschen vor Ort sicher sein können, dass sie nicht willkürlich verhaftet werden und nicht ohne Verhandlung ins Gefängnis kommen, dann werden sie auch den afghanischen Sicherheitskräften vertrauen. Die deutschen Soldaten leisten dazu einen großen Beitrag, denn kein deutscher Soldat führt eine Verhaftung durch. Das ist nicht ihr Mandat. Aus diesem Grund betreten nur afghanische Soldaten und Polizisten die Häuser von Verdächtigen und führen Verhaftungen durch – von außen unterstützt durch deutsche Soldaten. Dieser Weg muss fortgeführt werden. Aber mehr deutsche Soldaten bedarf es dafür nicht.

Sicher ist, dass ein Abzug noch nicht in Aussicht ist. Dafür steht Deutschland zu sehr in Verantwortung. Es war schon im Kosovo so: als erste rein, als letzte raus. Eine Variante für Afghanistan wäre ein Teilabzug und die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Kräfte in der Region Kunduz. Aber erst, wenn der Laden läuft. Es wird wohl auch in Afghanistan so sein, wie im Kosovo: die deutschen Soldaten werden als letzte das Land verlassen.

Die Bundeswehr ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Das ist gut. Doch auch die deutsche Bevölkerung muss sich dieser Verantwortung bewusst sein. Wir dürfen dieses Land nicht irgendwelchen Extremisten, die menschenverachtend, frauenverachtend und intolerant gegenüber allem was unsere Gesellschaft ausmacht sind, überlassen.



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Kommentare (6)

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  Kommentare (6)

Andreas Dmytrowicz, 04.02.2010 13:29
Laut Verteidigungsminister "kriegs - ähnliche Zustände". Soso.. "Gefallene", "zivile Opfer (Frauen und Kinder)" .. Real ergo organisierter Verfassungsbruch,- vergl. Art. 26 GG!

Das Imperium USA, weltweit einzige Dauer - Kriegsnation, bindet Europa/Deutschland ein, "fordert" ..

Ca. 100 (!!) nachgewiesene Lügen der US - Administration, die Weltöffentlichkeit zu täuschen, den Irak - Krieg zu rechtfertigen.

Die Jagd auf Osama bin Laden .. 2001 hatte er keine Chance zu entkommen. Trotzdem verweigerte die US - Regierung die angeforderte Truppen - Verstärkung, zog vielmehr - Ad Absurdum führend - ausgerechnet jetzt - Truppen ab, etc.. Höchst durchsichtig nachgeschobene Begründungen, man haben bin Laden täuschen wollen, - er entkam.

Er sollte entkommen, weil man einen Feind brauchte, Rechtfertigungsgründe für alles folgende.

Und die Welt schaut zu, macht mit ..


Horatio Nelson, 21.01.2010 18:03
Herr Ziemke,
bei solchen Konflikten hat man als Einsatztruppe mit Kräften eines starken - geschichtlich als sehr wirksam erwiesenen - religiösen Glaubens zu tun. Hinzu kommt, in einem solchen Fall, der Grundsatz des als geschichtlich ebenso wirksam erwiesenen Guerillakriegs, der mit einem auch gegen das eigene einheimische Volk gerichteten Terrorismus zum Tragen gebracht wird, um eben seine Wirkung zu stärken. Wie in der Geschichte bereits gesehen, können die bislang öffentlich erklärten Ziele der in z.B. Afghanistan operierenden ausländischen Truppen dazu führen, daß solche sehr zähe Guerillataktiken dadurch unterdrückt werden können, indem dieser Gegner ausgemerzt oder zumindest erheblich geschwächt wird. Dies läßt sich leider aber nicht von heute auf morgen bewerkstelligen. Dazu kommt, daß selbst wenn solche von Ihnen vorgetragenen, gewiß ehrenwerten, Verbesserungen, im großen Rahmen angestrebt und erfolgreich erzielt werden würden, die reale Gefahr der Entstehung mafiaartiger Gegenbewegungen trotzdem durchaus gegeben wäre. Es hat sich m.E. gezeigt, daß der Verlauf solcher Auseinandersetzungen (Vietnam, Korea...) durchaus schwer und in einigen Hinsichten kostspielig sein kann. Doch scheinen sie alle eines gemeinsam zu haben: der Hauptgegner läßt sich durch sanfte Maßnahmen allein nicht zufrieden geben. Seine Beweggründe liegen anscheinend viel zu tief. Bislang scheint die – natürlich kostspielige – einzig gangbare Schiene jene zu sein, bei der dieser Gegner entweder ausgemerzt oder zumindest erheblich geschwächt werden soll, bevor ein von Überwachung begleiteter Frieden und politischer wie auch gesellschaftlicher Aufbauprozeß sinnvoll und aussichtsreich angegangen werden kann. Dies implizit aber in diesem Fall, daß die Bundeswehr tatsächlich auch in anderen stärker umkämpften Einsatzgebieten eingesetzt werden müßte. Der Abzug von Streitkräften, wie hier in Deutschland so häufig verlangt, ist jedoch eindeutig der falsche Weg und, als solcher, keine Option.
Grüße
Horatio Nelson


Hans von Atzigen, 10.12.2009 21:45
Hallo Freigeist.
Sie bringen es einfach und absolutt zutreffend auf den Punkt.
Aber eben wenn man das Thema auch nur anschneidet riskiert man ja innzwischen schon Fast die Steinigung(nach Scharia)
Eigentlich müsste das Thema bei allen Regierungen auf dem Planeten längst ganz oben auf der Agenda stehen.
Verantwortungsbewusste Menschenwürdige Reproduktionskontrolle.Scheint der Planet wird vom Vatikan und anderen Religionen Regiert.
Der Grund ist einfach ginge es den allermeisten Menschen gut wäre der Bedarf an Religion gering.
Die meisten Religionen haben ein Interess daran das es den Menschen schlecht geht,damit wird die Nachfrage nach Religion gefördert.
Einfluss und Macht über die Menschen ein natürlicher Trieb des Menschen.
Im ausmass wie ihn die Religionen Leben aber wird das ganze zum Verbrechen an der Menschheit.


Simon Zeimke, 08.12.2009 00:30
Hallo Freigeist,

daher braucht Afghanistan auch eine wirtschaftliche Perspektive. Ich habe versucht eine mögliche Perspektive im landwirtschaftlichen Bereich aufzuzeigen.

Was man nicht unterschätzen darf ist, dass die Menschen eben für ihre Kinder eine Perspektive sehen wollen. Und die meisten wissen, dass dies nicht die Taliban sein können. Hierbei spielen übrigens die Mütter eine große Rolle. Denn auch wenn die Stellung der Frau in Afghanistans Gesellschaft keine gute ist, so haben sie doch in der Familie (wie wohl überall auf der Welt) schon einen Einfluss.

Es fehlt mir derzeit an einer wirtschaftlichen Perspektive - da kommt mir zu wenig von der Bundesregierung. Aber bevor man über einen Abzug nachdenken kann, muss man über die ökonomische Perspektive nachdenken.


Freigeist, 07.12.2009 22:54
Hallo,
es sind wohl 8 Kinder, oder?
Nehmen wir an 4 männliche und 4 weibliche.
Ein Junge kann die Position des Vaters übernehmen, die restlichen 3 Jungs müssen anderweitig eine Arbeit finden. Finden sie keine Arbeit, werden sie Aufständische und kämpfen. Einige Dumme könnte man als Selbstmordattentäter verwenden, der Rest wird besser schießen lernen. Das Problem ist enorm.
Grüße
Freigeist


Freigeist, 04.12.2009 12:09
Hallo Herr Zeimke,
welche Kinderzahl hat die Durchschnittsfamilie in Afghanistan?

Grüße
Freigeist



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