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11.02.2012
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     Patrick Pricken
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Noch einmal in die Bresche
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Wieder einmal Klimawandel. Seufzen hilft nix.

 

Wieder einmal Klimawandel. Vorab ein paar (englische) Links von Interesse: die gehackten E-Mails des Climate Research Institutes schlagen ein paar Wellen, und in zwei Beiträgen nimmt RealClimate dazu Stellung. Scientific American hat sich außerdem sieben Antworten auf typischen "Nonsens" von Klimagegnern gewidmet.

 

Nicht, dass ich erwarten würde, dass Leute wie Peter Krause darüber ihre Meinung ändern – mit Daten und Fakten kann man bei diesen Leuten nur etwas anfangen, wenn man sie aus dem Kontext reißt und ideologisch interpretiert. Auch Kreationisten lieben es ja, sich mit vorgeblichen Experten zu brüsten, die gegen den Strom der vorherrschenden Meinung schwimmen, und Holocaustleugner haben auch immer wieder Historiker in ihren Reihen, die sich gegen die falschen Darstellungen der "Siegermächte" wehren.

Stattdessen möchte ich einfach mal ein paar Fragen stellen, die nichts mit den Daten zu tun haben, sondern mit der vermeintlichen Begründung hinter der Verschwörung. Herr Krause fasst ja schön zusammen, wer verantwortlich ist:

 

Diesen Irrglauben schüren, verbreiten und zementieren Politiker, staatlich finanzierte Wissenschaftler, blau- oder einäugige Umweltschützer, Hersteller von Wind- und Solarstromanlagen sowie fast alle Medien. Und schlachten ihn für ihre Zwecke aus. Mit Hilfe dieses Irrglaubens erlassen Parlamente Gesetze zum vorgeblichen „Klimaschutz“, die uns in den nächsten fünfzehn Jahren Hunderte von Milliarden Euro kosten werden.

 

Erstens: Was haben Politiker von der "Klima-Lüge"? Sie erlassen Gesetze zum vorgeblichen Klimaschutz, die Hunderte von Milliarden kosten werden. Warum? Ja ja, die Politiker ziehen dem Volk das Geld aus der Tasche, aber wo geht das dann hin? Wäre es nicht politisch klüger, wenn man auf diese Gesetze verzichten würde, um dann eben nicht mit der Last dieser Kosten in den Wahlkampf zu müssen?

Ich würde ein ideologisches Bekenntnis zum Umweltschutz vielleicht noch akzeptieren, wenn es denn die Grünen wären, die an der Macht sind. Sind sie aber nicht. Auch Verbindungen zur Industrie lasse ich nicht wirklich gelten, denn...

Zweitens: Hersteller von Wind- und Solarstromanlagen haben sicher ein Interesse daran, dass ihre Technologien gefördert werden. Aber viele andere Industrien werden durch gesteigerte Umweltrichtlinien nur zur Kasse gebeten, ganz zu schweigen von der Ölindustrie, die wohl das stärkste Interesse daran hat, einen möglichen Klimawandel zu vertuschen – sie sind sozusagen die Tabakfirmen vor ein paar Jahrzehnten, als die Sache mit dem Lungenkrebs ja sogar, wie man heute weiß, in groß angelegten Vertuschungsaktionen in Zweifel gezogen wurde.

Warum also wiegen die Interessen der wenigen positiv betroffenen Unternehmen schwerer als die Interessen der vielen negativ betroffenen?

Drittens: Wenn die Politik tatsächlich so versessen darauf ist, Klimawandel zu "beweisen", dass sie sogar Wissenschaftler bestechen (oder wie sonst ist "staatlich bezahlt" zu verstehen?) – hier sei mir der Hinweis erlaubt, dass einer der angeblich führenden Wissenschaftler (was immer das heißt) aus dem von Herrn Krause zitierten offenen Brief sogar ganz offen für Exxon gearbeitet hat –, warum passiert dann auf den ganzen Umweltgipfeln nichts? Wieder und wieder treffen sich die großen Industrienationen und können kaum etwas verabschieden. Kyoto ist immer noch Stand der Dinge. Das sieht nicht gerade aus, als würde da an einer Strippe gezogen.

Viertens: Die Medien fallen in den Chor mit ein? Ist das sinnvoll? Medien verkaufen sich über Aufmerksamkeit, und ich stimme zu, dass eine etwaige Panikmache sicher Aufmerksamkeit erzeugt. Noch mehr Aufmerksamkeit aber erzeugen Skandale und Kontroversen. Es ist also im Interesse der Medien, Unsicherheit zu übertreiben, nicht geklärte Unterschiede in Daten oder Studien hervorzuheben, o.ä. Nur, dass man die ewig gleichen Vorwürfe (ich sage nur Hockeyschläger) nicht immer und immer wieder hervorholen kann.

Man sieht aber beispielsweise, wenn es um die Impfung gegen die Schweinegrippe geht, wie viel Wert auf kontroverse Meinungen gelegt wird, selbst wenn es keine Kontroverse gibt. Dass "die Medien" dann aber im Falle des Klimawandels plötzlich alle an einem Strang ziehen sollen, erscheint mir zweifelhaft und stellt auch nicht die von mir empfundene Situation dar – schließlich mindestens im letzten Jahr (dieses Jahr weiß ich es nicht genau) ein unsäglicher Film im Fernsehen, der Al Gores "unbequeme Wahrheit" nicht (nur) mit berechtigter Kritik, sondern auch mit Lügen und Falschdarstellungen in den Schlamm zu ziehen versuchte.

Fünftens: Was haben Wissenschaftler davon? Wie im oben verlinkten Artikel des Scientific American steht, sind die Forschungsgelder (in den USA) in diesem Bereich nicht angestiegen. Wäre es außerdem in einer Situation, in der die überwiegende Mehrheit von Klimaforschern zur Lüge gezwungen ist, besonders profitabel, die Wahrheit zu verkünden? Wenn man unwiderlegbare Beweise von Datenmanipulation hätte, oder den Klimawandel widerlegen kann, dann kann man einerseits sicher gute Forschungsgelder in der Privatwirtschaft bekommen, vielleicht sogar eine feste Anstellung in einem Labor (von Exxon?), und gleichzeitig ist man als jemand, der so eine Verschwörung aufdeckt, doch möglicherweise auch ein Medienstar und kann Bücher verkaufen und seine Lebensgeschichte an Hollywood geben. Ganz davon ab, dass man die Wahrheit gesagt hat.

Das erinnert mich an ein Gespräch mit einem Kreationisten, der mir versicherte, alle Fossilien seien Fälschungen, und alle damit in Kontakt kommenden Wissenschaftler seien Teil der Verschwörung. Eine solche Masse von still schweigenden Leuten ist extrem unwahrscheinlich.

Gerade in der Wissenschaft. Es gibt sicher kein Fachgebiet, dass nicht berühmte Streitigkeiten zwischen großen Vertretern dieses Faches kennt. In der Wissenschaft gehört es dazu, ein Arschloch zu sein und anderen Wissenschaftlern einen reinzuwürgen. Ich verweise gerne auf den Beitrag Because as we all know, the Green Party runs the world ((via a href="http://www.boingboing.net/2009/11/26/scientist-explains-w.html?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter" target=_Blank>BoingBoing)), der diese Tatsache wunderbar beschreibt. Wissenschaftliche Positionen leben davon, andere Positionen in der Luft zu zerreißen. Ein Konsens in der Wissenschaft ist keine Garantie, dass der Konsens der Wahrheit entspricht, aber ein gutes Zeichen.

All das ficht sicher Leute wie Herrn Krause nicht an. Weder Daten, noch Fragen wie die meinen werden in das Hirn eines Leugners durchdringen, zu stark ist er in seiner ideologischen Position gefangen. Es hilft auch nichts, wenn ich dazu schriebe, dass es sehr wohl Gebiete gibt, in denen man gerade über die Zukunftsprognosen und die erforderlichen Handlungen streiten kann. Ich werde es sein, der als engstirnig gesehen wird, als dogmatisch – zum Glück bin ich kein Klimaforscher, sonst wäre ich noch Teil der Verschwörung. Denn einem Laien kann man nichts glauben, weil der keine Ahnung hat, und ein Experte steckt ja eh mit drin.

Ich war ehrlich zugegeben sogar überrascht. Bislang hatte ich angenommen, dass es niemanden mehr gibt, der ernsthaft den Klimawandel leugnet, dass die Position inzwischen nur mehr ist, den menschlichen Anteil und vor allem die Folgen zu bezweifeln. Aber auch da hat Herr Krause mich eines Besseren belehrt.

All das wäre egal, wenn Leute wie Herr Krause nicht die Ängste der Bevölkerung treffen würden – oh ja, auch hier ist Panikmache angesagt. Die Panikmache besteht darin, Angst vor der großen Unbekannten "Wissenschaft" zu machen, und Angst vor dem Staat zu schüren. Diese beiden düsteren Entitäten, gestützt von den ebenso finsteren Medien, wollen an unser ehrlich verdientes Geld.

Im Endeffekt kann man alle Vorwürfe, die Kritiker wie Herr Krause an die angeblichen Klimaverschwörer richtet, auch an die Gegenseite richten, entkräften, oder beides. Und es ist egal. Was am Ende zählt, sind dann nämlich doch die Daten. Und die sprechen eine klare Sprache.

(natürlich kreuzgeschrieben auf Derangierte Einsichten)



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Kommentare (18)




 
  Kommentare (18)

lab, 05.01.2010 08:46
@JS
Wenn Sie nicht wissen, was ich meine, dann fragen Sie doch einfach nach, statt sich etwas zurecht zu reimen.

Aber Danke fürs Geschenk. Und Frohes Neues.


JS, 30.12.2009 18:50
@lab(erer)
Was um Himmels Willen wollen Sie denn überhaupt? In welche Richtung diskutieren Sie denn? Glauben Sie im Ernst, das könnte sich finden lassen, wenn man sich die drei Zeilen Ihres minimalistischen Beitrags liest, rausfinden? Wissen Sie, um was es Ihnen geht?
Geschenkt! Dennoch Guten Rutsch!


lab, 23.12.2009 19:51
@JS (die auf der Hand liegende Pointe verkneife ich mir jetzt mal):

Lesen Sie meine Aussage noch einmal langsam - Wort für Wort. Und dann zeigen Sie mir mal, wo ich jemandem "Zensur unterstelle". Merke: Die Bedeutung einer Nachricht entsteht im Kopf. Nachdem Sie durch den subjektiven Filter gedrungen ist. Oder auch nicht.

Aber gern noch einmal unmissverständlich: Ich bin wirklich davon überzeugt, dass hier nichts, aber auch gar nichts zensiert wird.


JS, 23.12.2009 18:07
@Der-Mann-aus-dem-Hypertonieprogramm

"Na das ging schneller, als ich dachte:"

Und was bitte? Dass Pricken nach kurzer Zeit das Handtuch wirft spricht weder für ihn noch ist es Beweis für die von Ihnen unterstellte Zensur.


lab, 21.12.2009 22:04
@den-Man-der-nicht-bis-vier-zählen-kann

Na das ging schneller, als ich dachte:

"mal sehen, wie lange man hier noch von Ihnen lesen darf. "

Jetzt bin ich aber mal gespannt, über Ihren Erfahrungsbericht, denn eine solche Behauptung bedarf eines solchen.

Liest Du hier: http://www.freiewelt.net/blog-1266/die-freiheit.-unrecht-zu-haben.html


JS, 19.12.2009 17:31
"Außer mir, dem Autor und - wie Sie selbst so schön schreiben - dem übergroßen Teil der restlichen Welt da draußen "

Ach, Sie schwimmen doch nicht mutig gegen den Strom, wenn Sie sich nun doch zum Mainstream bekennen.

"Sie haben sich nicht nur Argument 5 gespart, sondern auch 2 und 3, aber das macht nichts, da ja Ihre Entgegnung auf 1 und 4 auch nicht auf die Fragen des Autors eingeht"

Es ist in der Tat sehr schwierig auf auf jede einzelne Absurdität dieses Artikels einzugehen. Das muß man auch nicht. Die bereits von mir erwähnten Absurditäten reichen. Im Ernst, jeder Versuch den Artikel erneut zu lesen scheitert mit Kopfschütteln und wieder hilft nur noch Karl Kraus: "Es gibt Aussagen, die sind so falsch, dass nicht mal das Gegenteil davon zutrifft."
Wenn es Ihnen etwas sagt, dann ist das Ihre persönliche kleine Freude. Was es sein könnte, kann ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen.


lab, 19.12.2009 10:14
@JS
"Alles Geisterfahrer außer mir."
Außer mir, dem Autor und - wie Sie selbst so schön schreiben - dem übergroßen Teil der restlichen Welt da draußen (oder mit Ihren Worten, dem "Mainstream").

Sie haben sich nicht nur Argument 5 gespart, sondern auch 2 und 3, aber das macht nichts, da ja Ihre Entgegnung auf 1 und 4 auch nicht auf die Fragen des Autors eingeht. Etwas unterstellen, was die Gegenseite gar nicht behauptet und dann dagegen zu argumentieren - ein klassischer "Strohmann"... Dem geneigten Leser sei empfohlen, einfach den Ursprungsartikel noch einmal zu lesen und mit dem Kommentar zu vergleichen.


JS, 17.12.2009 10:59
@lab
"vielen Dank für den (in diesem Umfeld) mutigen Beitrag."

Die Klammer gehört weg, denn mutig ist der "Beitrag" in der Tat höchstens in diesem Umfeld. Ansonsten ist er vor allem Mainstream pur.

"dass sich hier ausser Verschwörungstheoretikern noch normale Menschen aufhalten"

Alles Geisterfahrer außer mir.

"mal sehen, wie lange man hier noch von Ihnen lesen darf. "

Jetzt bin ich aber mal gespannt, über Ihren Erfahrungsbericht, denn eine solche Behauptung bedarf eines solchen.


"„...Man könnte ohne Probleme jeden einzelnen Satz in widerlegen...“ Und dann kommt … nichts."

Weil mit dem Zitat von Karl Kraus alles dazu gesagt ist. Pricken trifft mit seinem Erstens bis Viertens gar nichts, nicht mal das Gegenteil dessen, was zutrifft. Es ist lediglich eine Ansammlung von Absurditäten. Begonnen von der verqueren Vorstellung, es wäre schlicht unmöglich, dass eine Regierung - bzw. die negative Ausgeburt dessen, nämlich der Weltklimarat als Weltregierung - Geld für absehbar unmögliche bzw. scheiternde Projekte verbrennt und endet mit Viertens, der Behauptung, es wäre absolut unwahrscheinlich, dass die Medien auf diesen Zug aufspringen würden. Punkt Fünf habe ich mir an dieser Stelle erspart.


lab, 15.12.2009 13:29
Hallo Herr Pricken,

vielen Dank für den (in diesem Umfeld) mutigen Beitrag. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, dass sich hier ausser Verschwörungstheoretikern noch normale Menschen aufhalten... mal sehen, wie lange man hier noch von Ihnen lesen darf.

@JS
„...Man könnte ohne Probleme jeden einzelnen Satz in widerlegen...“ Und dann kommt … nichts.

@lepus
„...keine Erwärmung im letztenJahrzehnt...“ Immer wieder gern genommen. Aber um zu sehen, was das für ein dummes, pardon ungeeignetes, Argument ist, muss man nicht einmal die etablierte Klimawissenschaft zu Rate ziehen. Patrick Michaels, einer der oft und gern als kritischer Wissenschaftler zitiert wird, hat auf einer Tagung des Heartland Institutes (!) Erhellendes gesagt (http://www.youtube.com/user/greenman3610#p/u/9/QwnrpwctIh4 ab ca. Minute 2:00 ). Mal sehen, wie oft das Argument noch kommt, wenn der Zeitraum 1999 – 2009 das letzte Jahrzehnt ist. Ich bin gespannt.

Was die „Manipulationen“ angeht, so wird mit dem Zitat „hide the decline“ der Eindruck zu erwecken versucht, es wären tatsächliche Temperaturrückgänge versteckt worden. Tatsächlich geht es darum, dass eine Grafik (der berühmte „Hockeyschläger“) aus Daten verschiedener Quellen zusammengesetzt wurde. Falls man die Art der Zusammenfügung als ungerechtfertigt ansieht (und darüber gab es eine ziemlich umfangreiche Diskussion in der Fachöffentlichkeit – schon lange vor dem Auftauchen der Emails), dann kann man auf diese eine spezielle Rekonstruktion einfach verzichten. In Frage stehen nicht die aktuellen Temperaturmessungen, sondern maximal die angewandte Methode zur Rekonstruktion der Temperaturen aus Baumringen. Es gibt ausreichend genügend andere Arbeiten, die den gleichen Trend zeigen. „Manipuliert“ - also in böser Absicht verändert – wurde gar nichts. Die nach oben gehenden Temperaturen schon mal überhaupt nicht.

Was mir Vince Ebert sagen soll, wenn ich schon den Autoritäten nicht vertrauen soll, ist mir ein Rätsel. Zumal er genau das macht, was er „den Medien“ vorwirft – polemisieren und nach billigen Gags fischen. Solarenergie funktioniert „so lala“ - ein echter Brüller...


Mof newS, 02.12.2009 08:57
Wusste sich jemand tatsaechlich nicht mehr anders zu helfen, und musste meinen Kommentar loeschen? Die Realitaet wird auch dieser billige Triumpf nicht veraendern.



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