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23.02.2012
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     Josef Bordat
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Kriegsgefahr Klimawandel
Weitere Themen: Allgemein

Die Sicherheitspolitik muss sich in Zeiten des Klimawandels auf neue Herausforderungen einstellen. Eine neue Studie zu Afrika zeigt, was das bedeutet.

Gibt es wegen der Folgen des Klimawandels künftig Krieg? John Podesta und Peter Ogden kommen in ihrem Artikel „The Security Implications of Climate Change“ (erschienen in: „The Washington Quarterly“, 31, 1, 115-138) nach regional fokussierten Analysen zu Afrika, Südasien und China sowie zur Rolle von UNO, EU und USA, die sie im Rahmen der Klimawandelfolgen geopolitisch in der Pflicht sehen, zu einem differenzierten Urteil: Zwar stünden keine durch Dürren provozierte „Wasser-Kriege“ unmittelbar bevor, wie häufig prognostiziert, aber dennoch sei der Klimawandel eine Frage der Sicherheit, weil sich durch dessen Folgen (also Naturkatastrophen und in weiterer Folge Knappheit und Seuchen) zum einen das Problem des Staatszerfalls in verschärfter Form stelle, was zum Souveränitäts- und damit Sicherheitsvakuum vor Ort führe (die Autoren nennen Ost-Afrika und Nigeria), zum anderen dieses Problem über Flüchtlingsströme nach Europa getragen werde, wo sich im Zuge einer mittelbaren Betroffenheit nicht nur die demographische Situation und die Sozialstruktur ändere, sondern sich gleichfalls die Sicherheitslage verschlechtere; die Autoren verweisen auf die wachsende Gefahr ethnisch und religiös motivierter Konflikte.

Podesta/Ogden sind der Meinung, dass in der Sicherheitsfrage zwar de jure die Vereinten Nationen zuständig, de facto aber die USA gefordert sind, weil sie den Betroffenen als erster Ansprechpartner gelten: „Although some of the emergencies created or worsened by climate change may ultimately be managed by the UN, nations will look to the United States as a first responder in the immediate aftermath of a major natural disaster or humanitarian emergency.“ (132). Interessant ist dabei die Tatsache (und sie offenbart eine gewisse Ironie), dass die USA, die bislang präventiv kaum engagiert sind, reaktiv in die Pflicht genommen werden und dass sich zudem die Bush-Doktrin des Anti-Terror-Kriegs („If the UN will not act, the U.S. will.“) als normative Forderung im Rahmen der Klimawandel-Problematik positiv wenden lässt: „Wenn die Vereinten Nationen nicht können, dann sollen die USA.“ Eine Steilvorlage für Barack Obama.

Nun gibt es eine neue Studie zu Afrika, die die Einschätzungen von Podesta/Ogden grundsätzlich bestätigt und hinsichtlich der „Wasser-Kriege“ zuspitzt. Ein Team um Marshall Burke, Agrarökonom an der University of California in Berkeley, warnt in „Proceedings of the National Academy of Sciences“, der Klimawandel könne bewaffnete Konflikte um Wasser, Weideland und Ackerflächen in der besonders betroffenen Subsahara-Region auslösen. Die Wissenschaftler befürchten bis zum Jahr 2030 einen Anstieg der militärischen Gewalt um rund 50 Prozent und damit bis zu 400.000 zusätzliche Kriegstote. Bereits in den vergangenen Jahren habe es in Perioden mit überdurchschnittlichen Temperaturen besonders viele kriegerische Auseinandersetzungen gegeben, weil in Zeiten von Dürre und Wasserknappheit Konflikte um die Lebensgrundlagen zunehmen. Um diesem Szenario entgegenzuwirken, schlagen die Forscher eine schnelle Reaktion der reichen Länder auf die Folgen des Klimawandels sowie Maßnahmen zur Sicherung von Ernteerträgen und Ernteausfall-Versicherungen für die Bauern in den betroffenen Regionen vor.



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