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17.05.2012
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     Thorsten Trautmann
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Schützengraben statt Gartenzaun?
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Der alte Streit am Gartenzaun nimmt geradezu groteske Formen an. Neuerdings laufen auf den einschlägigen Privatsendern auch die passenden Dokusoaps, die den Streithähnen auch noch ein öffentliches Forum bieten.

Neulich musste ich in meiner lokalen Tageszeitung, oder besser in deren Onlineausgabe, etwas für mich geradezu Bestürzendes lesen.
Da gibt es in meiner Heimatstadt wohl Nachbarn, denen es nicht ausreicht, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zur machen, sondern eine der Parteien hat eigens dafür noch eine Internetseite gegründet, um die schmutzige Wäsche mit möglichst großem Publikum waschen zu können.
Dem Artikel musste ich entnehmen, dass diese Onlinenachbarn auch noch Videokameras auf ihrem Grundstück installiert haben, um das Umfeld, sprich die verhassten Nachbarn, immer im Auge behalten zu können.
Der ganze Artikel war in einem launigen Stil gehalten, als sei es das Normalste der Welt, dass genervte Nachbarn zu Big Brother mutieren.
Ich verlinke hier bewusst weder den Artikel, noch die Streit-Homepage. Ich finde es nämlich alarmierend, dass eine ansonsten seriöse Tageszeitung zu dieser Art der Berichterstattung greift. Die kannte ich bisher nur von den einschlägigen Blättern - sie sind ja im Bilde - und fand sie dort schon oft auch rechtlich grenzwertig.
Die genannte Homepage würde einer ausführlichen rechtlichen Prüfung sicher nicht standhalten.

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Die Persönlichkeitsrechte der betreffenden Nachbarn werden dort eindeutig verletzt. Es gibt nun einmal ein verbrieftes Recht auf informationelle Selbstbestimmung und auch das Recht am eigenen Bild wird hier mit Füßen getreten. Dass der Artikel erahnen lässt, dass die Kameraüberwachung auch unbeteiligte Nachbarn und Passanten erfasst, will ich hier nur am Rande erwähnen.
Meine dienstliche Erfahrung ist eine andere, als meine private.
Dienstlich stelle ich immer wieder fest, dass die Menschen anscheinend weder konflikt- noch kommunikationsfähig sind. Immer wieder werden offizielle Stellen bemüht, um Streitigkeiten bei zulegen, zu deren Lösung oft ein simples Gespräch und ein wenig Verständnis für den Anderen ausgereicht hätten.
Da wird stur auf Standpunkten bestanden, die einem friedlichen Miteinander komplett entgegen stehen. Die Tugend des Gönnens scheint aus der Mode gekommen zu sein. Außerdem will man ja nicht immer nur für die Rechtsschutzversicherung zahlen, sondern diese auch nutzen.
Sicher, diese Sicht scheint etwas überzeichnet. Doch wer ständig gerufen wird, weil der Nachbar zu laut atmet und auf die Frage hin, ob man diesen denn schon darauf angesprochen habe, als Antwort fast immer bekommt: "Natürlich nicht!", der zweifelt am guten Willen zu einer freundlichen Nachbarschaft.
Meine private Erfahrung läuft der dienstlichen quasi entgegen. Ich habe immer auf dem Standpunkt gestanden, dass die Tatsache, dass man zufällig nebeneinander wohnt, noch nicht ausreicht, um eine Freundschaft zu begründen. Das muss aber auch gar nicht. Wenn sich eine Freundschaft ergibt, bin ich froh darüber. Ansonsten versuche ich meine Nachbarn einfach in Ruhe zu lassen und sie tun es mir gleich. Das funktioniert wunderbar.
Ich finde die eingangs geschilderte Geschichte mit der Internetseite an sich schon sehr schlimm. Dass aber eine Tageszeitung in das entfachte Feuer noch Öl gießen muss, indem sie die ganze Stadt darauf aufmerksam macht, finde ich fast noch schlimmer. Das hat für mich auch mit Informationspflicht nichts mehr zu tun. Die Gesellschaft hat kein Recht darauf, über die privaten Streitigkeiten einiger weniger informiert zu werden.
Wenn jetzt die seriösen Medien auch noch auf diesen Zug einiger Privatsender aufspringen, können wir die Qualität unserer Nachrichten bald abschreiben. Außerdem könnte so der Eindruck entstehen, dass eine solche "Kriegsführung" im Nachbarschaftsstreit in Ordnung sein.
Dies ist nicht so. Eine öffentliche Verunglimpfung des Kontrahenten kann niemals zur humanen und friedlichen Lösung eines Konfliktes beitragen. Dies kann immer nur die Kommunikation untereinander und die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten. Vielleicht müsste man die Fähigkeiten dafür in der Erziehung und Bildung entsprechend mehr fördern.



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Kommentare (1)




 
  Kommentare (1)

Koci Gerda, 08.02.2011 07:29
lieber Thorsten,
ich bin total deiner Meinung. man sollte solchen Kampfhähnen nicht auch noch eine Plattform bieten. so denke ich auch über Herrn Sarrazin. je mehr man sich über ihn aufregt, desto mehr Leute kaufen sein Buch. weder er selbst, noch die Leser hinterfragen, ob die bloße Aufzählung statistischer Auswertungen zur Ausländerfeindlichkeit reichen können. gerade gestern war ich in eine solche Diskussion verstrickt. dabei war am Ende ich die Blöde, weil ich gefordert hatte, man solle sich einmal Hintergründe zu so manchem Verhalten überlegen. "die Türken pöbeln unsere deutschen Mitschüler in der Schule an!" kam da zum Beispiel. ich meinte dazu: sicher ist das nicht toll, aber die schießwütigen Schüler,z.B. in Erfurt, waren Deutsche. was ist da Pöbeln dagegen? aber Krieg beginnt immer in der Familie. wer zu Hause nicht gelernt hat mit Konflikten umzugehen, wird auch im Großen damit nicht klar kommen. die Devise sollte sein, wir müssen unsere Kinder konfliktfähig machen. gefragt sind alle Kindereinrichtungen(Schule) und natürlich an erster Stelle die Eltern.



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