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17.05.2012
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     Dr. Christian Hoffmann
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Aufstand der Asozialen
Weitere Themen: Bildung, Reformen

Die jüngsten Studenten-Demonstrationen in Deutschland weisen eine kuriose Note auf: Ausgerechnet unter dem Banner einer schwammigen "Gerechtigkeit" fordern

 hier die Studenten, dass für ihre Ausbildung nicht sie selbst, sondern jene Menschen zahlen sollen, die sie nicht geniessen.

Kein Wunder, dass dabei anti-liberale oder anti-marktwirtschaftliche Floskeln in die Studi-Rhetorik einfliessen, denn eine derart asoziale Trennung von Kosten und Nutzen wäre auf einem freien Markt undenkbar. Wenn ein Mensch hier in seine eigenen Fähigkeiten investieren wollte, um anschliessend einen höheren Mehrwert auf dem Arbeitsmarkt erzielen zu können, müsste er die Kosten dafür selbstverständlich selbst tragen. Gleiches gälte natürlich und erst recht, wenn das Studium vor allem aus persönlichem Interesse, aus Spass betrieben würde, nicht primär aus Investitionsgesichtspunkten – wer käme schliesslich schon auf die Idee, das eigene Hobby fremdfinanzieren zu lassen?

Nun wird gerne argumentiert, dass der studierte Bürger so etwas wie ein öffentliches Gut sei - sein durch das Studium aufgepolstertes Know How käme auf indirektem Wege im Rahmen einer arbeitsteiligen Wirtschaft wiederum "der Gesellschaft" zu Gute, und damit auch jenen Menschen, die das Studium unfreiwillig finanziert hätten.

Handelt es sich bei dieser Argumentation nur um eine Vergewaltigung der Smith‘schen „unsichtbaren Hand“, nach welcher der Eigennutz der Individuen im Rahmen des Marktes dem Wohle Aller zuträglich sein soll? Oder zeigt sich hier vielmehr das wahre, asoziale Gesicht des Marxismus: Sollen die nichtstudierten Klassen aus Dankbarkeit für die Weisheit und das Können der gesellschaftlichen „Elite“ diesen ihre elitären Bildungsinstitutionen finanzieren?

Denn es besteht kein Zweifel: Das Studium ist nach wie vor ein Privileg des Bürgertums – es sind vor allem die Kinder der oberen Mittelschicht sowie der Oberschicht, die eine akademische Bildung geniessen. Sozialdemokratisch motivierte „Kostenlosigkeit“ hin oder her. Wie jeder des Denkens fähige Bürger weiss, ist in staatlichen Systemen das Label „kostenlos“ ohnehin nur ein Synonym für „nicht durch den Nutzer finanziert“. Denn die akademische Bildung ist alles andere als kostenlos, sie ist enorm teuer. Bezahlt werden diese Kosten aber durch die Steuerzahler. Und hier stellt sich eben schon die „soziale“ Frage, warum ausgerechnet jene Arbeiter, die schon frühzeitig in das Arbeitsleben und damit die Steuerpflicht einsteigen, ausgerechnet jene Bildungsdienstleistung finanzieren sollen, die weder sie selbst noch – aller Erwartung nach – ihre Kinder je in Anspruch nehmen werden?

Wenn nun also einige Studenten in vulgär-marxistischer Manier gegen die „Ökonomisierung“ der Universität zu Felde ziehen, so zeigen sie damit unwillkürlich eine polit-ökonomische Grunderkenntnis: Nur der Markt befördert systematisch Gerechtigkeit, indem er Freiheit und Verantwortung verbindet – in freiwilligen Tauschbeziehungen muss für den Empfang eines Nutzens stets auch eine adäquate Gegenleistung bereitgestellt werden. Ein Leben auf Kosten Anderer, also eine mehr oder minder milde Form der Sklaverei, ist dagegen der Wesenskern des Sozialismus.

Es kann kein Zweifel bestehen, dass das deutsche Bildungssystem zahlreiche Defizite aufweist. Die meisten dieser Defizite sind darauf zurückzuführen, dass die Bildung in einer fatalen Fehlentscheidung der staatlichen Planwirtschaft überlassen wurde. Bekanntlich schafft aber die Planwirtschaft vor allem eines: Das Erhöhen der Kosten bei einer Absenkung der Qualität. Die demonstrierenden Studenten haben also jedes Recht, ihrer Unzufriedenheit Luft zu machen und ein besseres Bildungssystem zu fordern. Eine Erhöhung der Qualität bei einer Senkung der Kosten ist aber auch im Bildungssystem nur auf einem Wege möglich: durch dessen Ökonomisierung. Studenten sind endlich als die Kunden zu erkennen, die sie sind. Universitäten sind endlich als konkurrierende Anbieter einer Dienstleistung aufzustellen. Nur eine solche Konstellation macht es möglich, dass sich das Bildungsangebot an der entsprechenden Nachfrage ausrichtet und die Studenten jene Dienstleistungen erhalten, die sie wünschen und verdienen.

Das heisst aber auch: Es muss endlich Schluss sein mit der asozialen Entkoppelung von Nutzen und Kosten, mit der Verwischung und Politisierung finanzieller Verantwortung. Wenn die Studenten eine vernünftige Bildung in Anspruch nehmen wollen, haben sie dafür zu zahlen. Gerechtigkeit und Ökonomisierung gehen dabei Hand in Hand.



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Kommentare (12)




 
  Kommentare (12)

fritzil, 30.11.2009 15:42
Und nun stellt sich die Frage... was für Studiengänge nehmen Frauen.. und was für Folgen haben diese Studiengangwahlen..

Freigeist, 21.11.2009 23:57
Hallo,
man denke mal über den Kirchturm hinaus.
Wie hat Singapur seine ökonomische Stellung erlangt?
Warum entsendet China jede Menge Studenten in den Westen zum Studieren und bezahlt all dies?
Wer hat die hochkarätigen Wissenschaftler aus der untergegangenen UDSSR abgeworben, weil es im eigenen Land nicht möglich war, diese Begabungen herauszuwirtschaften. Kommt Ihnen nun auch USA in den Kopf?
Grüße
Freigeist


Paul Kühn, 21.11.2009 17:19
@ Karl Weber
Das erübrigt sich alles, wenn jeder bezahlt, was er bekommt. Und die, die nicht bezahlen können, dürfen unterstützt werden, zu allererst durch private Initiativen. Erst dann ließe sich darüber diskutieren, ob Ihr Nachbar Ihrem Sohn das Studium bezahlen muss oder umgekehrt.
Die Anspruchsmentalität, die Wohlhabenden müssen staatlich zur Alimentierung der weniger Besitzenden gezwungen werden, ist genauso verbreitet wie asozial.


Karl Weber, 21.11.2009 11:33
Es ist grundfalsch zu behaupten die Unterschicht bezahle die Universitäten, denn von dort kommen kaum Steuereinnahmen. Es ist die (überwiegend selber studierte) Mittelschicht, die den Großteil der Steuereinnahmen abliefert (denn die Oberschicht hat die Freiheit, sich die Steuerschuld fast auf Null zu rechnen), und mit Sicherheit geben die Studierten ein mehrfaches ihrer Studienkosten als Steuer_mehr_einnahmen an die Allgemeinheit zurück. Und während Studenten schon während ihrer Ausbildung mit Gebühren geschröpft werden, bekommen gewerbliche Auszubildende sogar schon ein Gehalt, bevor sie das erste Mal Leistung erbringen. Wer wird also benachteiligt?

Und wer würde denn davon profitieren, wenn Studierwillige mit der Drohung eines riesigen Schuldenberges vom Studium abgeschreckt werden? Das wäre nur schädlich für unsere Gesellschaft, die letztendlich von den Leistungen lebt, die gut ausgebildete Fachleute erwirtschaften. Ein System wie in den USA, wo nur die Kinder der Wohlhabenden - und ein paar glückliche mit Stipendium - studieren können, würde die soziale Schieflage doch nur verstärken!

Wer auf wessen Kosten lebt lohnt sich durchaus mal nachzurechnen. Und dann stelle man den zich Milliarden, die als Sozialtransfers von der Mitte nach unten fließen, dem geringen Anteil an den Kosten der Universitäten gegenüber, der von unten nach oben fließt. Letztendlich bezahlt sich der Mittelstand das Studium weitgehend selber, eine Generation der nächsten.


Education, 21.11.2009 10:41
Einmal mehr ein Beitrag auf dieser Seite mit BILD-Niveau.

Paul Kühn, 19.11.2009 19:40
@Johannes G. Klinkmüller
Sie haben sehr schön den Unterschied zwischen einem (erfolgreichen) Unternehmen und einer (Bildungs)Behörde verdeutlicht. Wenn die Schlange zu lang wird, schafft das Unternehmen Abhilfe – durch das Öffnen einer zusätzlichen Kasse. In einer Behörde ist das Budget erschöpft. Nach meiner Erfahrung können Sie den Prozess dadurch beschleunigen, dass Sie um die Öffnung einer zweiten Kasse bitten. Eine wesentliche Ursache ist der von Herrn Hoffmann beschriebene Rechnungszusammenhang. Hinzu kommt, dass Sie in einer Marktwirtschaft abwandern können, indem Sie gleichwertige Lebensmittel zum gleichen Preis bei der Konkurrenz (Lidl) kaufen. Deshalb werden die Produkte immer besser und preiswerter.


Johannes G. Klinkmüller, 19.11.2009 18:13
@ Paul Kühn

Na, Sie werfen sich ja ordentlich für Herrn Hoffmann ins Zeug :-)
Ich kenne zwei Aldi in meiner Umgebung. Beide sind ein Beispiel für Service-Wüsten. Eine zweite Kasse wird erst aufgemacht, wenn die Kunden keinen Stehplatz mehr im Gang finden ... so kommen sich auch Studenten an der Uni vor.
Und Obst und Gemüse kaufe ich dort auch nicht, es ist binnen kurzer Zeit durchgefingert ... so wie Schulbücher und wohl auch studentische Materialien ... So polemisch war´s nun doch nicht mit der Aldi-Uni. Vielleicht können wir uns ja auf Lidl-Hochschule einigen :-))

Und ich sage Ihnen ganz im Vertrauen: Mit "wir" meine ich unsere Gesellschaft ...


Paul Kühn, 19.11.2009 17:54
@Johannes G. Klinkmüller
1. Sie schreiben: "Wir brauchen jedoch dringend alle begabten Kinder und Jugendlichen!"
Ich frage Sie: Wer ist "wir"?
2. Sie beschreiben in vielen Details die Missstände staatlicher Bildungseinrichtungen. Zugleich äußern Sie sich polemisch über eine mögliche Aldi-Universität. Haben Sie schon einmal einen Aldi-Laden in dem von Ihnen beschrieben Zustand öffentlicher Bildungseinrichtungen gesehen? Aldi bietet nach meiner Erfahrung qualitativ hochwertige Produkte an, die sich auch Menschen mit wenig Geld leisten können.


Paul Kühn, 19.11.2009 17:42
@Lars Schotte
Sie scheinen ein Lobbyist der Analphabeten zu sein, denn von denen liest man derart fehlerhafte Texte. Analphabeten können sich dennoch durchdacht zur Sache äußern. Dazu fordere ich Sie auf. Wenn Sie sich nur der Öffentlichkeit präsentieren möchten, tun Sie das bitte auf Ihrer Homepage.


Johannes G. Klinkmüller, 19.11.2009 17:04
Wie haben Sie Ihr Studium finanziert, Herr Hoffmann?

Vom Bordstein aus lässt sich leicht über den Rinnstein schreiben!

Plädieren Sie ruhig für die Ökonomisierung der Bildung. Sicher ist, dass Sie auf diese Weise nicht ein einziges Arbeiterkind zusätzlich an die Universität bekommen. Wir brauchen jedoch dringend alle begabten Kinder und Jugendlichen!
Sie möchten Studenten als Bildungskunden? Am besten, wir fangen doch damit an, z.B. die Tübinger Eberhardt-Karl-Universität in Aldi-Uni umzutaufen. Irgendwann kapieren es dann auch die Kirchen und wir haben endlich unsere Edeka-Kathedrale.
Das Bildungswesen ist doch schon längst kaputt gespart.
Wie wollen Sie auf diesem kaputten Level etwas ökonomisieren?
Gehen Sie mal in Klassenzimmer von Großstadtschulen, wie die Wände aussehen oder auf die Toiletten. Normal schickt man da niemand hin, höchstens mit Atemschutzmaske und getönter Brille. Ähnlich dürfte es sich mit den Laborplätzen an den Universitäten verhalten.
Mittlerweile haben Kinder wieder Schulbücher, die hatten sieben oder acht Vorbesitzer - und diese Bücher sind einfach nur ekelhaft; man möchte sie mit Sagrotan einsprayen, bevor man sie anfasst.

Ihr Markt-Manifest in Ehren, aber es geht wirklich um ein fundamentales Umdenken, und da spielt das Ökonomische auch eine Rolle, aber nicht die, die sie ihm zuweisen; bei weitem nicht.

Sie sprechen von staatlicher Planwirtschaft, dem asozialen Gesicht des Marxismus und der vulgär-marxistischen Manier einiger Studenten, nur weil sie Ökonomisierung nicht zur heiligen Kuh erklären.
Warum benutzen Sie solche antiquierten Wortklamotten?
Warum operieren sie mit solch cruden Feindbildern?

Ich hoffe, es gibt Menschen, die die Anliegen der Studenten verstehen und nicht nur so tun, als ob ...




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