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     Vince Ebert
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Entwicklungshilfe: Egotrips ins Elend
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Warum wachsen und gedeihen einige Teile der Erde, während andere jämmerlich vor sich hin vegetieren? Mit Intelligenz

 kann es nichts zu tun haben. Man hat mir glaubhaft versichert, dass es kaum einen Ort auf der Welt gibt, wo sich mehr Dummheit versammelt als in Beverly Hills und trotzdem schwimmen die Leute dort in Geld. Auch Überbevölkerung scheint nicht das Problem zu sein. Monaco hat eine höhere Bevölkerungsdichte als Bangladesh, aber trotzdem gab es im monegassischen Yachthafen meines Wissens noch nie eine Hungersnot. Auch knappe Rohstoffe sind kein Indiz für Not und Elend. Die Schweiz hat keinerlei davon - wenn man von Rohmilchkäse und Schwarzgeldkonten absieht. Auch allgemeine Trägheit ruiniert nicht zwingend eine Volkswirtschaft. Der Blick in ein deutsches Einwohnermeldeamt genügt.

Wodurch also wird Armut tatsächlich verursacht? Ich glaube, es hat etwas mit Geld zu tun. Afrika hat sehr viel von beidem. Pro Jahr fließen fast 70 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe dorthin. Alleine der Kongo, mit all seinen Bodenschätzen das potentiell reichste Land Afrikas, wird mit zwei Milliarden Euro Hilfsgeldern pro Jahr praktisch überflutet. Geld, das hauptsächlich für Präsidentenpaläste, Schnellfeuergewehre und Großraumlimousinen ausgegeben wird.
Wenn tatsächlich Projekte vorangetrieben werden, dann dienen sie vor allem dafür, den Geberländern Effektivität und Produktivität vorzugaukeln. Ähnlich wie in Russland zu Zeiten des Kommunismus. Damals baute man gigantische Maschinen, die Kohle und Erz förderten. Dann verbrannte man die Kohle, um das Erz zu schmelzen, das man dann zum Bau von gigantischen Maschinen benutzte, die Kohle und Erz förderten. Die nigerianische Regierung hat mehrfach bewiesen, dass das gleiche Konzept problemlos auch mit Erdöl funktioniert.
Seit 1960 wurde die Summe von sechs Marshallplänen in den schwarzen Kontinent gepumpt. Damals betrug der Anteil Afrikas (ohne Südafrika) am Welthandel neun Prozent. Heute liegt er bei 1,6 Prozent. Einziger Lichtblick: Man kann wohl auch in Zukunft keine Arbeitsplätze nach Afrika auslagern.
Geld wirksam zu verschenken, ist offenbar genauso schwer, wie es zu verdienen. Dennoch wird Entwicklungshilfe als gute Tat praktisch nie in Frage gestellt. Im Gegenteil. 71 Prozent der Deutschen befürworten sogar eine Verdopplung bis 2015. Die schlechtesten Dinge entstehen oft dann, wenn sich Menschen im Gutsein überschätzen.
Das gilt besonders für die vielen Prominenten, die sich berufen fühlen, Afrika zu retten. Der Kolonialismus ist tot. Die einzigen weißen Snobs, die noch in den schwarzen Kontinent einfallen, um den Einwohnern zu sagen, wie sie ihr Land führen sollen, sind Bono, Geldof oder Grönemeyer. Rockende Millionäre reden von Schuldenerlass und machen in der Politik, was sie in der Musik gelernt haben: Mit geistig eher übersichtlichen Statements enormen Effekt zu erzielen. Dabei hat Afrika doch genug Probleme. Jetzt muss es auch noch die Seele von wohlstandsmüden Musikern retten.
Man fährt mit der S-Klasse ins Bürgerkriegsgebiet und hält kurz ein Kind in die Kamera. Dann muss man weiter ins Grand Hyatt, um mit Salma Hayek ein Kaviarwettessen gegen den Hunger zu organisieren. Kaum ein Flüchtlingslager, das nicht von Brad Pitt und Angelina Jolie heimgesucht wird. So penetrant, dass junge Afrikaner vor Kurzem einen „Verein zur Abwehr der Überschätzung von Prominentenbesuchen in Elendsvierteln“ gegründet haben.
Sogar George Clooney engagiert sich für Gerechtigkeit in der Dritten Welt. Gleichzeitig ist er Werbeträger eines Unternehmens, das Kaffeebauern Minimallöhne zahlt. Ich glaube, im Fachjargon nennt man das einen „Fair-Trade“.
B-Promis organisieren Kleidersammlungen, die dann an Großhändler in der Dritten Welt weiterverkauft werden. Wer wirklich etwas für die Würde der Menschen in den Ländern der südlichen Sahara tun will, der sollte damit aufhören, Hosen mit weitem Schlag oder T-Shirts mit „Bier formte diesen wunderschönen Körper“ in die Altkleidersammlung zu geben.

Parallel dazu sich eine lukrative Entwicklungshilfe-Industrie gebildet. Alleine in Deutschland arbeiten etwa 100.000 Menschen in dieser Branche. Mit dreizehntem Monatsgehalt und Rentenanspruch. Da wäre es doch ganz schön blöd, wenn die Armut plötzlich verschwinden würde. Wer schafft sich schon gerne selbst ab?
In dem kürzlich erschienen Buch „Afrika wird armregiert“ schreibt der Autor Volker Seitz: „Wir retten die Welt zu Tode. [..] Der verheerende Drang, Gutes zu tun, untergräbt die Entwicklung eines kompetenten, unbestechlichen Staatsapparates und unterstützt stattdessen Regimes, die raffgierig, faul und größenwahnsinnig sind. Wir investieren seit Jahrzehnten in scheiternden Systeme, werfen korrupten Staatsmännern und inkompetenten Bürokraten Geld in den Rachen ohne auch nur im Ansatz eine Erfolgskontrolle einzufordern.“ Kein Empfängerland muss belegbar nachweisen, ob und wie Strategien gegen Armut und Not umgesetzt werden. Gleichzeitg vergibt die Weltbank Darlehen in Milliardenhöhe, die von den Empfängern vereinbarungsgemäß dann zurückgezahlt werden, wenn der Papst aus dem Koran predigt.
Der einzige, echte Test jeder Entwicklungshilfe sollte lauten: Würden Sie selbst jemandem so helfen? Falls nicht, warum lassen wir dann zu, dass EU und UNO so unnütz unsere Milliarden ausgibt? Wenn man jemandem Geld leiht, um eine schwachsinnige Idee zu verfolgen – beispielsweise eine Eisdiele mit Eiscreme in der Geschmackrichtung „Kalbsleberwurst“ – dann verschwendet man nicht nur sein eigenes Geld, sondern man tut auch noch dem Kreditnehmer keinen Gefallen. Volker Seitz jedenfalls bringt es auf den Punkt: „Die Verantwortung für Afrika liegt zunächst bei den Afrikanern selbst. In Wirklichkeit ist das fehlende Zutrauen des Westens in Afrika verkappter Rassismus.“

Deshalb braucht Afrika keine Entwicklungshilfe sondern Direktinvestitionen. Die fließen aber nur dann, wenn es ein Land aus sich selbst heraus schafft, sein Rechtssystem zu reformieren und demokratische Strukturen aufzubauen. Aber das ist zu kompliziert für Leute wie Grönemeyer. Der war ja schließlich mal in Ruanda und weiß deshalb bescheid. Da gibt die Kanzlerin schnell mal 700 Millionen, damit der Herbert ja Ruhe gibt und nicht um Himmels willen wieder zu singen anfängt.
In Kamerun lautet ein bekanntes Sprichwort: „Man wäscht niemandem den Körper, der sich nicht selber wäscht.“ Aber welche Rolle spielen schon die Meinungen der Afrikaner, wenn weiße Wohltätigkeitsaktivisten beschließen, ihnen zu helfen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 14.11.2009 auf der "Achse des Guten"



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Kommentare (8)

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  Kommentare (8)

David Scrimgeour, 15.12.2009 12:40
The key is certainly Foreign Direct Investment. The problem is that the African countries are not safe for the investments and the company representatives. If the existing structures do not work then temporary structures need to be created to provide security, both financial and personal, to enable FDI projects to happen.

A complete new value chain has to be developed - from identification of the potential investor (lead generation) through organising the investment process at the location (not with the local Investment Promotion Agencies) to securing the committment of the local politicians and companies to the investment project. There is enough money to achieve this and to kick-off investment projects in, say, 5 African countries simultaneously. This will begin to create transparency for the lenders, momentum for the investors and ultimately competition between African countries for FDI.


Hans von Atzigen, 06.12.2009 16:10
Ergänzung.
Das in Monaco CH sowie anderen, besonders Stadtstaaten nicht Hungersnot herscht hat einen ganz einfachen leicht nachvollziebaren Grund.Die Welt verfügt aktuell über hochefiziente Agrargüter-Transportsysteme.
Sollten diese aus welchen Gründen auch immer über Wochen oder Monate ausfallen,ferwandelt sich dieser nette Planet sehr schnell in eine Hexenküche.
In diesem Falle hätten Afrikaner sehr fiel grössere Überlebenschansen als so mancher Bewohner einer Wohlstandsregion.Der notfalls autark versorgbaren Regionen werden immer weniger.Da tikt eine Zeitbombe die man nur bei entsprechender sorgfältiger nüchterner Analyse als solche erkennt.


fritzlili, 27.11.2009 21:01
Ich wundere mich sowieso wie es sein kann das seit knapp 50 Jahren Entwicklungshilfe gezahlt wird, die Leute dort anscheinend hungern.. Aber dennoch die Bevölkerungszahl wächst, die Menschen dort seit FÜNFZIG Jahren nicht in der Lage sind ihre Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen und immer noch das Armenhaus der Welt sind. Obwohl Südamerika es geschafft hat und Asien. Schon mal mitbekommen das Thailand, Korea, Japan und co vor einigen Jahrzehnten nicht die superreichen Megaerfolgreichen Länder waren?

Weg mit Entwicklungshilfe, nur bei Katastrophen helfen.

fritzili


Steffen Hentrich, 22.11.2009 13:04
Grundsätzlich kann ich der Logik des Artikels folgen, doch ist mir nicht klar, aus welchem Grund die Altkleidersammlung mit Entwicklungshilfe in einen Topf geworfen wird. Tatsächlich ist durch die Altkleidersammlung in vielen Entwicklungsländern ein reger Markt mit preisgünstigen gebrauchten Kleidern entstanden, der es den Einwohnern dort ermöglicht, sich bei knappen Einkommen etwas Brauchbares zum Anziehen zu besorgen. Zudem wird ein großer Teil der gebrauchten Kleidung innerhalb der ersten Welt vertrieben. Wem wäre geholfen, würden wir die nützliche Kleidung hier vernichten. Die Einwohner in der Dritten Welt müssen ihr Einkommen nicht mit der Produktion von Textilien verdienen, die billiger aus unseren Kleidersammlungen zu haben sind. Aus dem selben Grund war die Abwrackprämie ein unsinniger Weg deutsche Jobs zu retten. Arbeit und Einkommen entstehen, wenn die Institutionen Investition und Produktion erlauben, nicht wenn wir nutzbare Ressourcen von den Märkten fernhalten. Wenn Menschen aus reichen Länder ihre getragenen Sachen verschenken und diese über Märkte zu den wirklich Bedürftigen gelangen, dann ist das eine feine Sache. Wenn Entwicklungshilfegelder, egal wie hoch ihr Anteil am Bundeshaushalt nun sein mag, in Verwendungen fließen, die nichts an den katastrophalen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in den Empfängerländern ändern, sondern diese noch zementieren, dann läuft etwas in die falsche Richtung. Der Unterschied zwischen alten Klamotten und Entwicklungshilfe mag auf dem ersten Blick nicht so groß sein, aber es sind eben die Details, die die Wirkung ausmachen.

Hans Sent, 19.11.2009 14:00
Bravo ! Selten hat mir ein Artikel so gut getan ! Einmal nicht das moralingetränkte Gewäsch von selbst ernannten Gutmenschen !
Die Afrikaner glauben fest daran, dass an allen Übeln der weisse Mann Schuld hat. Der Gedanke selber Fehler zu machen ist grade bei gebildeten Afrikanern sehr verbreitet.
(Anm.: ich bin in Afrika geboren und ein Teil meiner Familie lebt dort noch heute)
Gruss


Fachjournalist, 17.11.2009 15:56
Es ist schon interessant, mit welchen angeblichen Fakten hier hantiert wird. Können Sie bitte belegen, aus welcher Quelle Sie die absurde Zahl von zwei Milliarden Euro für "den Kongo" haben? Und Sie geben weder an, in welchem Zeitraum dieses Geld geflossen sein soll, noch von wem! Zudem stellen Sie eine Behauptung auf, das komplette Geld wäre in "Präsidentenpaläste" geflossen - können Sie das denn auch belegen oder haben Sie das nicht nötig sondern verbreiten hier nur Polemik?
Könnten Sie dann bitte auch der Sorgfalt nach noch angeben, welchen "Kongo" Sie denn meinen? Es gibt zwei Länder mit diesem Namen. Sehr schade auch, dass die harte Arbeit der Kollegen vor Ort, die den Menschen direkte Hilfe zur Selbsthilfe leisten, hier so in den Dreck gezogen wird! Anscheinend waren Sie selbst noch nie vor Ort. Zudem schon schade, wie wenig hier differenziert wird - es gibt Entwicklungszusammenarbeit zwischen Staaten, von Kirchen, NGOs, Vereinen, Bundesländern, ... Alles in einen Topf zu werfen und umzurühren, ist natürlich leicht - aber kein ordentlicher Journalismus. Der einzigen Feststelleung und Forderung, der ich voll zustimme ist, dass gerade Afrika Direktinvestitionen braucht. Da sollten Sie sich jedoch einmal an die richtige Adresse wenden: die deutsche Wirtschaft! Wenn Sie dort auch nur EINE Firma finden, die in der D.R.Kongo investiert, bekommen Sie von mir einen Recherchepreis! Schon traurig, was so alles im Netz publiziert wird (und geglaubt wird!), ohne auch nur den Mindeststandards des Journalismus zu genügen...


Gerhard Karpiniec, 17.11.2009 09:25
Seit langem habe ich nicht mehr einen so kurzen und teffenden Artikel zu diesem Thema gelesen.
Eine Frage stellt sich mir aber immer wieder, wieso ist es nicht möglich, dass sich ein Teil der kritisch konstruktiven Geister ob sie nun Ziegler, Seitz, Neudeck oder anders heißen zusammenschließen und eine Vorzeigearbeit/Projekt durchführen um eine kleine praktische richtungsweisende Arbeit aufzuzeigen.
Dies soll keine Kritik, sondern vielleicht eine Anregung sein,
ich wäre dabei.

Gerhard Karpiniec
Laxenburg/Österreich


Patrick Pricken, 16.11.2009 14:29
Unfassbar, wie Afrika zugeschüttet wird. Das muss man sich mal vorstellen: mit 70 Milliarden Euro kriegt der ganze Kontinent immerhin knapp 25% des Bundeshaushalts, und Kongo mit 2 Milliarden etwa 0,7% dieses Haushalts.

Nur, um mal zurechtzurücken, mit welchen Summen gesamtgesellschaftliche Projekte hantieren.



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