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Patrick Pricken
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Der Klimawandel und seine Skeptiker
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AllgemeinIst die Frage nach globaler Erwärmung wirklich schon gegessen? Eine Replik auf Leserkommentare. In den Kommentaren zu meinem Blogbeitrag Kopenhagen wird auch kein Kyoto habe ich den Begriff "unwissenschaftlich" um mich geworfen. Daraufhin erhielt ich E-Mail von einem Kommentator, für die ich mich sehr bedanken möchte – auch wenn sie nicht das gewünschte Ergebnis hatte. Die E-Mail war nämlich ein schönes Beispiel für klassische Taktiken von Wissenschaftsleugnern.
Dabei möchte ich ausdrücklich (!) nicht unterstellen, dass der Kommentator ein solcher war, denn die angesprochenen Taktiken machen es einem Laien sehr schwer, einen realistischen Überblick über ein komplexes Thema zu bekommen, und man wird sehr leicht mit einschlägigen Webseiten verlinkt, die das Gesagte zu unterstützen scheinen.
Das vordringlichste Ziel von Leugnern ist immer gleich, ob es sich nun um Evolutionsleugner, Holocaustleugner oder Klimawandel-Leugner handelt. Das Ziel ist, eine Kontroverse vorzugaukeln. Zu diesem Zweck werden einzelne Stimmen überbewertet, wird so getan, als sei die Sache noch nicht so sicher, wie sie ist. Dann kann man einsteigen und Zweifel säen.
Problematisch ist dabei, dass wir eigentlich einen guten Grund haben, Autoritäten zu misstrauen und einzelnen, widersprechenden Stimmen Gehör zu schenken. Das ist sehr wichtig, kann aber dazu führen, dass man eben einem tatsächlichen Konsens nicht traut.
Die Leugner nutzen das auch aus, gehen gegen das "politisierte" IPCC vor, greifen Al Gores Film Eine unbequeme Wahrheit an, als würden sie, indem sie diesen Film angreifen, die Wissenschaft dahinter berühren können. Al Gore ist kein Klimawissenschaftler, sondern ein Politiker, und sein Film eine politische Botschaft.
Wissenschaft ist ein Konsens-System. Wer wissenschaftlich publiziert und die Fakten auf seiner Seite hat, der obsiegt langfristig. Wenn eine Hypothese nicht korrekt ist, stellt sie sich als falsch heraus, je öfter und besser sie getestet wird.
Im Falle des Klimawandels gibt es bekannte Mechanismen, weshalb Menschen für Klimawandel verantwortlich sein können. Es gibt Daten, die eine Erwärmung sogar entgegen dem solaren Zyklus belegen. Je besser die Modelle und Messungen werden, desto stärker werden diese Belege – sie gehen nicht zurück, sondern werden genauer eingegrenzt.
Ein Problem bei der Frage des Klimawandels ist, dass die m.E. beste und ausführlichste Informationsquelle englischsprachig ist. Trotzdem empfehle ich RealClimate. Dort gibt es umfangreiche Informationen für Laien und auch besser informierte Menschen, und es gibt Antworten auf die gängigen Behauptungen der Klimaleugner. RealClimate verlinkt auf Prima Klima, was vielleicht eine deutsche Anlaufstelle sein kann – wenn auch lange nicht so ausführlich und ausgereift.
Einen Kommentar muss ich noch loswerden zum Blog Watts up with that. Hierbei handelt es sich tatsächlich um ein unwissenschaftliches Machwerk von Klimalügen. Die Auszeichnung als "bestes Wissenschaftsblog", wie auf der Seite geprahlt wird, ist allerdings korrekt. Hierbei handelt es sich um eine Abstimmung im Internet, also ein reiner Popularitätswettbewerb, und dass dieser Blog als Wissenschaftsblog konkurriert, hat auf anderen Blogs durchaus für Missstimmung gesorgt.
Wir haben tatsächliche Temperaturmessungen, Modelle für die Zukunft, wir haben Messungen vergangener Zeiten (z.B. durch Sedimente in der Arktis). Klimawandel ist erst einmal ein Faktum. Es ist außerdem sehr wahrscheinlich – nicht gesichert –, dass Menschen einen signifikanten Anteil daran haben. Das ist zunächst einmal darum wichtig, weil das bedeutet, dass wir evtl. auch etwas dagegen unternehmen können.
Wo wir uns streiten können, sind die genauen Auswirkungen. Das lässt sich nur schwer prognostizieren, weil es sich beim Klima um ein dynamisches System handelt und auch davon betroffen sein wird, wie wir auf den Klimawandel reagieren. Aber schon jetzt stehen die Folgen an, und natürlich treffen sie die armen Gebiete. Hier ist eine PDF-Datei von Oxfam über Vietnam und den Klimawandel. Höhere Temperaturen lassen Malaria-Fälle ansteigen. Der Monsun in Indien und Asien könnte durch Klimawandel beeinflusst sein. In Afrika haben wir natürlich Dürren.
Gibt es Panikmacher? Ja. Wird womöglich dem Klimawandel etwas zugeschrieben, was andere Erklärungen hat? Ja. Aber nur, weil ein Lehrer zu Unrecht ADHS diagnostiziert, ist ADHS keine Lüge. Und der Klimawandel ebensowenig.
Womit wir zum Abschluss kommen: in meiner Selbstbeschreibung habe ich mich als Skeptiker bezeichnet. Leider ist dies ein Label, dass auch die Leugner sich gerne geben. Ich bin Skeptiker, allerdings im Sinne der GWUP, das bedeutet, dass ich mich stets auf die Seite gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse zu stellen versuche, und, wenn sich der Konsens ändert, meine Ansichten entsprechend auch.
Nach allem, was ich gelesen habe – und ich habe bspw. den letzten IPCC-Bericht gelesen, aber ich bin kein Klimatologe –, sind die Misstönenden bezüglich des Klimawandels nur Randerscheinungen. Dazu gehören ernsthafte Forscher, die aller Wahrscheinlichkeit nach in die Irre geleitet sind, und professionelle Leugner, die sich aus ideologischen oder niederen Gründen nicht mit den Daten abfinden können.
Erst wurde der Klimawandel an sich bestritten. Nachdem die Daten dafür zu überwältigend waren, war der anthropogene Anteil an der Reihe. Auch hier wird es sicherer und sicherer. Bald werden die Folgen der Hauptkritikpunkt sein, dass der Wandel gar nicht so schlimm werde. Und während all dieser Zeit wird die eine wirkliche Debatte – was können, was sollen wir tun – nicht geführt. Gah.
Ich entschuldige mich allerdings, dass ich die Kommentare als unwissenschaftlich abgetan habe. Sie waren vielleicht auch un- oder fehlinformiert. Das hätte ich berücksichtigen sollen.
(kreuzgeschrieben bei Derangierte Einsichten)
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Kommentare (11)
Steffen Hentrich, 12.11.2009 10:46
Sehr geehrter Herr Pricken,
Hier übrigens ein ganz besonders illustratives Beispiel der Diskussionskultur auf Real Climate: http://rogerpielkejr.blogspot.com/2009/11/response-to-gavin-schmidt-on-klotzbach.html
Mit besten Grüßen
Steffen Hentrich
Steffen Hentrich, 12.11.2009 10:33
Sehr geehrter Herr Pricken,
wir sind uns einig, dass es auf beiden Seiten der Debatte Leute gibt, die mehr Überzeugung als Wissen in die Wagschale der Diskussion werfen. Das ist bedauerlich. Umso bedauerlicher ist es aber auch, wenn Sie dem nicht gegensteuern, sondern Pauschalurteile über die eine oder andere Internetquelle äußern. Das hat eben das Geschmäckle einer Vorabzensur, die für die Debatte nicht hilfreich ist.
Bray und Storch haben sich zu der Kritik an ihrer Umfrage auf Real Climate, auf die sie sich sicher beziehen, auf Prometheus geäußert: http://sciencepolicy.colorado.edu/prometheus/a-response-to-realclimate-concerning-a-new-survey-of-climate-scientists-4635. Gerade Real Climate halte ich als alleinige Quelle für nicht geeignet, da die Autoren hier sehr einseitig Informationen präsentieren, äußerst ungern konträre Auffassungen verlinken und einen sehr polemischen Stil an den Tag legen. Vor allem ihr Defizit in allen Fragen außerhalb der Klimaforschung ist auffällig. Von einigen ihrer Autoren (z.B. Rahmstorf) wird z.B. noch immer der Stern-Report als heilige Kuh der Klimökonomie präsentiert, ohne auch nur einen Satz über die heftige Debatte über die Validität der dort gemachten Schätzungen zu verlieren. Das die dortigen Ergebnisse allein aufgrund einer in der Ökonomie völlig unüblichen Diskontierungsmethode erzielt wurden, die auch ansonsten in keiner öffentlichen Kosten-Nutzen-Analyse Anwendung findet, wird von den Autoren mit keiner Silbe erwähnt. Für diese Information muss man, wenn man nicht selbst Ökonom ist und verdacht schöpft, erst "Skeptikerseiten" zu Rate ziehen. Diese Unterlassungssünde sollte zumindest in die Bewertung der Informationsqualität einfließen. Eine längliche Diskussion zu diesem Thema auf Prima-Klima hat mir die mangelhafte Bereitschaft, diese Debatte zu verfolgen und ökonomische Argumente ernst zu nehmen, anschaulich vor Augen geführt. Ich schließe daraus, dass die Informationen schlichtweg nach ihrem wünschenswerten Ergebnis gefiltert werden. Das spricht nicht gegen die Verwendung der Quelle, aber auch nicht für eine ausschließliche Verwendung. Also sollte der Horizont ausgeweitet werden. Wir brauchen gut, nicht einseitig informierte Leser, was allerdings auch auf die Skeptikerfraktion zutrifft. Es spricht also nichts dagegen, sowohl RealClimate, als auch ClimateAudit, Roger Pielke Jr. oder WhatsUpwithWatt zu studieren.
lepus, 11.11.2009 19:08
Das klingt ja nun schon etwas differenzierter.
Ich möchte gerne noch betonen, dass es unzweifelhaft seriöse Wissenschaftler gibt, die überhaupt nichts mit irgendwelchen Verschwörungstheorien am Hut haben, sondern einfach nur dem angeblichen oder tatsächlichen Mainstream in ihrem Fachgebiet widersprechen, der eine bis dato unbeweisbare Theorie vertritt. Das hat es in der Naturwissenschaft immer wieder gegeben, dass die Minderheitenmeinung schließlich Recht hatte, z.B. der einsame Alfred Wegener mit seiner Kontinetaldrift, der von seinen Kollegen anfänglich verlacht wurde.
Und ich möchte noch einmal betonen, dass die Wissenschaftler, die die AGW-Hypothese am entschiedensten vertreten, gleichzeitig mit quasireligiösem Sendungsbewußtsein Gesellschaftspolitik betreiben wollen. Verschwörungstheorien könnte man hier genau so gut unterstellen.
Wer hier letzten Endes Recht hat, wird sich zeigen. Aufgrund von Vermutungen solche Dinge wie Kyoto zu beschließen, halte ich für falsch.
Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass sich die Waagschale z.Zt. eher in Richtung Zweifler neigt.
Sie kommen nur in den Medien zu kurz, die natürlich von Haus aus eher die Katastrophe und nicht die Normalität verkünden.
Vorsichtige Rückzugsgefechte sind übrigens auch schon zu melden, siehe Mojib Latif mit seiner Vermutung, dass es erst einmal 20 - 30 Jahr Abkühlung geben könnte.
Patrick Pricken, 11.11.2009 11:21
Mein Kommentar bezog sich auf den ersten hier :)
Steffen Hentrich: in gewisser Weise haben Sie Recht, vor allem auch, wenn es um Ökonomie geht. Allerdings kenne ich aus der Diskussion um den 11. September zur Genüge, dass man auch mit kleinen Details zugeschüttet werden kann und durch solche der Eindruck erweckt wird, es gäbe eine Verschwörung. Und die Verschwörungstheoretiker sind ja auch im Falle Klimawandel zumindest am Rande dabei – schließlich ist das nur Abzocke und Panikmache.
Iepus: Konter angenommen, allerdings empfiehlt es sich, die Kritikpunkte der Skeptiker zu nehmen und auf der anderen Seite nachzuschauen, wie damit umgegangen wird.
Vor etwa einem Jahr hatte ich persönlichen Kontakt mit einem Klimaskeptiker und habe mich damals eben eingelesen, den IPCC-Bericht zur Gänze und mehrere verschiedene Seiten pro und Kontra. RealClimate hat sich damals eben als hervorragend organisierte Seite entpuppt, die ich Laien ans Herz legen kann. Das soll keineswegs heißen, dass sie nur dort lesen sollen, wenn sie Zeit haben, mehr zu lesen. Aber wie in jedem anderen Bereich auch muss man eben einen Einstieg haben, ein Basiswerk für Neulinge. Und diese Rolle füllt RealClimate sehr gut aus. Wer mehr Zeit hat, sollte absolut mehr lesen, auch Gedrucktes und nicht nur Netz-Publikationen.
Gladstone: Kuhn ist mir bekannt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, in wie fern sich hier ein Paradigma ausrufen lässt. Allerdings warte ich noch auf Chomskys Tod :)
Was den Konsens angeht, so hat Herr Hentrich natürlich Recht, dass es nicht in dem Sinne ein Konsenssystem ist, wie es wohl bei mir missverständlich durchklang. Überhaupt ist Konsenssystem nicht korrekt. Was ich sagen wollte: Dass man als Laie in der ersten Heuristik nachsehen kann, ob in den Wissenschaften ein bestimmter Konsens herrscht. Wie Biologen nahezu ausschließlich die Evolution für wahr halten, so hat eine Umfrage der Amerikanischen Akademie für Wissenschaften des Pew Research Centers bspw. ergeben, dass 84% der Befragten eine menschliche Ursache des Klimawandels sehen; 70% halten den Klimawandel für ein sehr ernstes Problem, kein oder kein ernstes Problem nur 6%.
Das ist, wenn man die Stärken der Klimaforschung (Orientierung an echten Daten) und ihre Schwächen (Modellierung der Zukunft, "Experimente") berücksichtigt, immer noch eine klare Aussage. Dagegen fand ich zu Bray und Storch gleich Artikel, in denen die Ergebnisse ihrer Umfrage bestritten wurden. Insofern gehe ich immer noch von einem Konsens aus, und wenn weltweit eine so große Anzahl an Forschern zustimmt, hat das schon eine Aussagekraft.
Um nämlich das Beispiel Chomsky aufzugreifen, ist es ja nicht so, als sei dessen Paradigma der angeborenen Grammatik allgemein akzeptiert; es gibt mehrere verschiedene Gegenpositionen, und hier ist es tatsächlich denkbar, dass diese erst mit dem Ausscheiden Chomskys aus den Wissenschaften ihren Platz einnehmen können. Allerdings kann ich beim Klimawandel gerade keine zentrale Figur ausmachen, deren Theorie nur nacherzählt wird; vielmehr gibt es hier Messdaten, wo man das angeborene Sprachzentrum eben nicht messen kann.
Und das ist ja die Idee hinter den Wissenschaften, dass sich am Ende die Fakten immer noch durchsetzen. In 20 Jahren Forschung sind die Daten der "Klimatologen" aber nur stärker geworden.
A propos andere Quelle: Der Skeptical Inquirer hatte eine sehr ausführliche Beschäftigung mit dem Thema, Leider steht der Artikel nicht online (Ausgabe May/June 2007), aber hier sind die Artikel die sich mit dem Thema beschäftigen: http://tinyurl.com/y8bn3sa
Thomas Gensch, 11.11.2009 10:42
Wissen Sie in welchem Moment ich bezüglich der Klimadiskussion skeptisch wurde? Als sich mir immer mehr Parallelen zu dem "die Partei hat immer recht" und dem Fortschrittsglauben auf der Grundlage des "wissenschaftlichen" Kommunismus aufdrängten. Das Thema mag ein anderes sein, die Methoden der Meinungsführer dagegen kommen mir zu bekannt vor.
Niemand wird ernsthaft einen Klimawandel leugnen können. Auch wenn ich es nicht für ausgemacht halte, dass wir wirklich in den nächsten 100 Jahren wärmeren Zeiten entgegen sehen.
Die einzig logische Schlussfolgerung aus dem heutigen Un-wissensstand kann eigentlich nur sein: Priorität 1 sind aktuelle Probleme an denen heute täglich tausende Menschen sterben und Priorität 2 sind Anpassungsmaßnahmen für die Zukunft. Aber was ganz gewiß eine einzige Ressourcenverschwendung zugunsten weniger wäre, wäre die Einführung einer Art Planwirtschaft um das Klima zu retten. Die Vorsorgemaßnahmen bitte aber in beide Richtungen: warm und kalt.
Und ganz klar sollte jedem sein: die heutige hohe Lebenserwartung in den entwickelten Ländern ist eine Folge genau dieser dynamischen wirtschaftlichen und auch gesellschaftlichen Entwicklung. Diesen erfolgreichen Weg roten oder grünen Ideologen zu opfern, ist garantiert nicht schlau und voraussehend, sondern wahrscheinlich einfach nur dumm und am Ende tödlich. Selbstmord aus Angst vor dem Tod.
Gladstone, 11.11.2009 08:34
"Wissenschaft ist ein Konsens-System. Wer wissenschaftlich publiziert und die Fakten auf seiner Seite hat, der obsiegt langfristig. Wenn eine Hypothese nicht korrekt ist, stellt sie sich als falsch heraus, je öfter und besser sie getestet wird."
Beschäftigen Sie sich einmal mit Thomas Kuhns Konzept des Paradigmenwechsels. Wissenschaftliche Paradigmen ändern sich, weil die Generation von Wissenschaftlern, die diese vertritt, ausscheidet, nicht weil die Leute sich von neuen Fakten überzeugen lassen.
lepus, 10.11.2009 19:37
Uups... meine Replik ist wohl zu lang ausgefallen, der Rest ist abgeschnitten.
Ich schiebe ihn deshalb hiermit nach:
Das Verhungern der Welt und das Ende der natürlichen Ressourcen wurden uns für das Jahr 2000 angekündigt. Immer und immer wieder war zu lesen, "dass Markt, Massenkonsum und insbesondere das böse Wirtschaftswachstum die Welt in den Abgrund treiben. Rettung versprachen allein staatliche Planung oder besser noch internationale Behörden", die die Weltgeschicke nach den Vorgaben des Club of Rome steuern sollten. Sie sollten das Wachstum drosseln, Wirtschaft und Konsumenten an die Kandare nehmen. Genau nach demselben Schema soll die "Klimarettung" funktionieren. Unsere Potsdamer Vorbeter Schellnhuber und Rahmstorf (Hauptstichwortgeber des von Ihnen empfohlenen RealClimate) haben dazu eine "neue Kulturrevolution" und "große Transformation" angemahnt und stellen schon mal die scheinheilige Frage “Sind Demokratische Regime (sic) gut gerüstet für die erforderlichen Entscheidungen, oder sind autoritäre Regime dazu besser in der Lage?” ( Kongress zur “Großen Transformation”, 8-10. Juni 2009 in Essen)
Diese Klimawissenschaftler sind eben nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Ideologen und das darf man nie vergessen. Von der ideologischen Linie abweichende Kollegen und Journalisten werden dann schon mal mit rüden Methoden bekämpft – Beispiele dazu gibt es in den " Ergänzungen zur Vorlesung TWK an der TU-Berlin, Inst. f. Ökologie", die ich verlinkt habe.
Damit bin ich wieder bei meiner Mail. Kein Wort von Ihnen zu den Ergebnissen der weltweiten Umfrage der Helmholtz-Gemeinschaft unter Klimawissenschaftlern. Sind für Sie die 44% der Befragten, die die AGW-Hypothese nicht unterstützen, "in die Irre geleitet, und professionelle Leugner, die sich aus ideologischen oder niederen Gründen nicht mit den Daten abfinden können."
Sie sind ganz offensichtlich auf einem Auge blind.
Die Helmholtz-Gemeinschaft war übrigens in der vorigen Woche auch beteiligt am Kongress „Klima im System Erde – Antworten und Fragen aus den Geowissenschaften“, zusammen mit der Alfred-Wegener-Stiftung Bremerhaven und der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt/Main und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Dort warf Reinhard Hüttl vom Geoforschungszentrum Potsdam den Klimaforschern mehr oder weniger deutlich Alarmismus vor. Viele Zusammenhänge im Klimageschehen seien noch nicht wissenschaftlich verstanden, natürliche Faktoren müssten stärker berücksichtigt werden.
Alles irregeleitete oder professionelle Leugner? Machen Sie sich nicht lächerlich.
Patrick Pricken, 10.11.2009 18:04
Dafür bin ich mir nicht sicher, was der Kommentar bezweckt. Dann sind wir ja gleich auf :-)
Steffen Hentrich, 10.11.2009 17:25
Wissenschaft ist kein Konsenssystem, denn "Wahrheit" wird nicht einstimmig beschlossen, sondern wie sie selbst bemerken am empirischen Gehalt ihrer Hypothesen gemessen. Insofern gibt es auch keinen Beweis für das Ausmaß des Menschen auf das Klima, weil wir mit dem Klima keine kontrollierten Experimente machen können. Klimawandel-Skeptiker hier in einem Satz mit Holocaus- und Evolutionsleugnern zu nennen ist daher auch ganz schlechter Stil und wendet gerade die Taktik an, die Sie selbst ablehnen.
Ich wünschte mir, Sie würden hier ganz konkrete Streitpunkte diskutieren, dann kämen Sie auch nicht auf die Idee bestimmten Internetquellen die Absolution zu erteilen oder aber die Legitimität zu verweigern. Das erinnert mich an den ostdeutschen Staatsbürgerkundeunterricht, in dem auch oft nur die Quelle und nicht ihr Inhalt gebrandmarkt wurde. Aus eigner Erfahrung als Ökonom ist beispielsweise das Maß an Nonsens auf den von Ihnen genannten "verlässlichen Quellen" in wirtschaftswissenschaftlichen Bereichen kaum erträglich. Dennoch maße ich mir nicht an, über diese Quellen eine pauschale Lanze zu brechen. Wer nichts von dem versteht, was er in den einschlägigen Quellen zu lesen bekommt, der sollte sich ohnehin kein Urteil erlauben und alles nachplappern, egal wo er es gelesen hat. Nur so ensteht Autoritätshörigkeit. Daher ist es völlig untauglich, der einen oder anderen Quelle hier einen Persilschein auszustellen und ihr damit eine pauschale Zitierfähigkeit zu bescheinigen.
Fordern Sie doch in Zukunft Ihre Leser auf, den konkreten gegenstand der Kritik beim Namen zu nennen. Sollte die Kompetenz nicht dazu ausreichen, dann sollten beide Parteien den Mut haben, die Debatte zu beenden und klein bei zu geben. In dieser Situation ist Unsicherheit keine Schande, auch wenn man Gefahr läuft, dass ein mehr an Sicherheit in die eine oder andere Richtung ein reines Glaubensbekenntnis ist. Wenigstens liegen dann die Karten auf dem Tisch.
lepus, 10.11.2009 16:42
Vielen Dank, Herr Pricken, dass Sie auf das Thema noch einmal zu sprechen kommen.
Ich hätte meine E-Mail an Sie gerne in dem ursprünglichen Thread geschrieben, doch war der schon so weit nach unten gerutscht, dass meine Antwort wahrscheinlich niemand mehr gelesen hätte.
Ich möchte den Text nachstehend zunächst noch einmal
einfügen, um danach auf Ihre Replik einzugehen - dann können sich Mitleser ein besseres Bild machen:
Zitat:
Sie gehen offensichtlich davon aus, dass wissenschaftliche Publikationen zum Thema Klimawandel unisono die AGW-Hypothese (anthropogenic global warming) belegen - im Umkehrschluss halten sie Äußerungen der "Skeptiker" für "wissenschaftsfrei".
Damit sind Sie jedoch der allgegenwärtigen Propaganda der Unterstützer der AGW-Hypothese aufgesessen.
Dass AGW in Fachkreisen keineswegs unumstritten ist, wird zwar gerne verschwiegen, läßt sich aber problemlos nachweisen:
Folgt man Dennis Bray und Hans von Storch (2007) und den Ergebnissen ihrer Umfrage in "The Perspectives of Climate Scientists on Global Climate Change", dann sind 55.8% der Klimawissenschaftler weltweit der Auffassung, die globale Erwärmung habe anthropogene Ursachen, 30% finden das nicht und 14.2% weder das eine noch das andere. Siehe hier: http://dvsun3.gkss.de/BERICHTE/GKSS_Berichte_2007/GKSS_2007_11.pdf
Eine umfassende Materialsammlung zur "Debatte um den Klimawandel" mit fast allen einschlägigen Links findet sich in den Ergänzungen zur Vorlesung TWK an der TU-Berlin, Inst. f. Ökologie, von PD Dr. H. Kehl: http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de//project/lv-twk/02-intro-3-twk.htm
Eine kurze populärwissenschaftliche Zusammenfassung der Skeptikerargumente mit einer Liste der entsprechenden Wissenschaftler unter dem Titel "Klimakatastrophenzweifel - eine Einführung" findet sich hier: http://www.novo-magazin.de/86/novo8624.htm#i_autor
Wenn Ihnen das alles noch nicht reichen sollte, könnten Sie mal hier vorbeischauen (im Jahr 2008 als bester "scienceblog" ausgezeichnet): http://wattsupwiththat.com/2009/11/01/spot-the-science-error/
- oder auch hier: http://www.sepp.org/
und hier: http://www.co2science.org/index.php
Sie sehen, die Debatte ist keineswegs vorbei, auch wenn Al Gore in seinem Propagandafilm behauptet: "Science is settled".
Was meinen Sie übrigens konkret damit, wenn Sie schreiben, dass der Klimawandel "schon längst angekommen" sei?
Zunehmende Hurrikanaktivitäten, sich ausdehnende Wüsten, schmelzende Polkappen? Vorsicht - die Fakten sehen da etwas differenzierter aus. Wenn es Sie interessiert, kann ich das gerne belegen.
Damit möchte ich es aber nun bewenden lassen und hoffe, dass ich Sie wenigstens ein bisschen nachdenklicher machen konnte (schließlich haben Sie sich in Ihrem Profil als "Skeptiker" bezeichnet). (Zitat Ende)
Wenn Sie nun diese Mail als "schönes Beispiel für klassische Taktiken von Wissenschaftsleugnern" bezeichnet haben und die damit verbundene Zielsetzung mit derjenigen von Evolutions- und Holocaustleugnern vergleichen, so finde ich das schon ein wenig ehrabschneidend, auch wenn Sie mir entgegenkommenderweise konzedieren, dass ich möglicherweise als Laie Schwierigkeiten haben könnte, "einen realistischen Überblick über ein komplexes Thema zu bekommen."
Ich bin zwar kein "Klimawissenschaftler" (übrigens keine eindeutig definierte Bezeichnung), habe aber an der Uni eine solide naturwissenschaftliche Grundausbildung genossen und bin durchaus mit der Systematik naturwissenschaftlicher Arbeit vertraut.
Ich drehe jetzt den Spieß einfach mal um: Sie, offensichtlich auch Laie ohne naturwissenschaftlichem Werdegang hatten es mindestens ebenso schwer, einen realistischen Überblick über das komplexe Thema Klimawandel zu bekommen und sind dabei den klassischen Taktiken der Apokalyptiker auf den Leim gegangen, die im Gewand der Wissenschaft mit quasireligiösem Sendungsbewusstsein die These von der bevorstehenden Katastrophe verbreiten. Es ist der Ungeist der "Grenzen des Wachstums" von 1972 und der unsinnigen Schlussfolgerungen des Club of Rome daraus. Das Verhungern der ...
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