suchen
11.02.2012
Einloggen | Registrieren
 
 
 
     Nathanael Liminski
Zur Person und Archiv      Email an diesen Blogger schreiben

Eine Frage des Willens
Weitere Themen: Allgemein, Bildung

Anmerkungen zu den Gesprächen zwischen Piusbruderschaft und Vatikan

 

 

Am 26. Oktober haben in Rom die Gespräche zwischen Pius-Bruderschaft und Vatikan begonnen. Auf Seiten der Bruderschaft nehmen teil: Bischof Alfonso de Galarreta, Direktor des Seminars Nuestra Señora Corredentora in La Reja (Argentinien), als Leiter der Delegation, die weiterhin besteht aus: Pater Benoît de Jorna, Direktor des internationalen Seminars St. Pius X. in Ecône (Schweiz), Pater Jean-Michel Gleize, Professor im Seminar in Ecône, und Pater Patrick de La Rocque, Prior des Priorates Saint-Louis in Nantes (Frankreich). Von Seiten des Vatikans werden die theologischen Gespräche geführt von Msgr. Guido Pozzo, Eccelsia Dei, Erzbischof Luis F. Ladaria SJ, Sekretär der Glaubenskongregation, dem Dominikaner-Pater Charles Morerod OP, Sekretär der Internationalen Theologischen Kommission und Berater des Kongregation für die Glaubenslehre, Msgr. Fernando Ocariz, Generalvikar des Opus Dei und Berater des Kongregation für die Glaubenslehre sowie Pater Karl Josef Becker SJ, ebenfalls Berater des Kongregation für die Glaubenslehre. Alles in allem handelt es sich also um eine hochqualifizierte Runde, die offene theologische Fragen der Piusbrüder und über den rechtlichen Status der Bruderschaft innerhalb der Katholischen Kirche beraten soll.



An der Gesprächsbereitschaft der Piusbrüder-Delegation gibt es einigen Zweifel, den wohl manche belegte Äußerung der Verantwortlichen nährt. So antwortete der Delegationsleiter de Galarreta noch im Mai 2009 auf die Frage, welche Perspektiven er in Zukunft für die Bruderschaft St. Pius X. sehe und ob ein Abkommen mit Rom möglich sei: „Nein, absolut nicht, sei es in der unmittelbaren oder in der mittelbaren Zukunft. Wir schließen diese Möglichkeit ausdrücklich aus. Wir wissen, dass ohne eine Rückkehr zur Tradition von Seiten Roms jedes praktische oder kanonische Abkommen unvereinbar ist mit dem öffentlichen Bekenntnis sowie der Verteidigung des Glaubens und unseren Tod bedeuten würde. Im besten Fall haben wir, menschlich gesprochen, mehrjährige Diskussionen vor uns.“ Verhandlungsbereitschaft sieht anders aus, erst recht, wenn die andere Seite unter großen Kosten bereits entgegen gekommen ist. Der umstrittene Bischof Williamson verlautbarte noch im Juli dieses Jahres: „Die Mehrheit von uns will kein Abkommen mit dem Papst.“ Den Wunsch, in den Schoß der Kirche zurück zu kehren, drücken solche Worte nicht aus. Der Ordensobere, Bischof Fellay, kritisierte rechtzeitig zum Beginn der Gespräche den Zustand der Kirche und hielt fest: „Die Lösung der Krise besteht in der Rückkehr zur Vergangenheit.“ Zur Vergangenheit gehört auch die später durch die Bruderschaft gekappte Einheit mit dem Papst. Alles in allem scheint die Bruderschaft alles zu tun, um nicht kompromiss- oder gar konsensfähig zu wirken.

Fürchtet man die nun anstehende theologische Auseinandersetzung? Die Piusbrüder fordern, dass es möglich sein müsse, Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils zu kritisieren oder gar abzulehnen. Da es sich nicht um Dogmen handelt, ist dies ohne Weiteres möglich und wird nicht nur durch die Bruderschaft, sondern im Falle anderer Beschlüsse in anderer Intention stillschweigend oder lautstark auch von anderer Seite aus getan.

Ein wichtiger Knackpunkt wird aller Voraussicht nach die Lehre des II. Vatikanums zur Religionsfreiheit sein. Doch bevor sich schon im Vorfeld die Fronten verhärten und lediglich „entweder oder“-Lösungen angeboten bzw. erzwungen werden sollen, muss eines festgehalten werden: Der Umgang mit der Religionsfreiheit und all ihren Facetten gestaltet sich auch innerhalb der einen Mutter Kirche sehr unterschiedlich. Vielen Katholiken etwa gingen die oft hilfreichen, doch manchmal vielleicht zu starken Gesten und Symbolhandlungen von Papst Johannes Paul II. in diesem Punkt zu weit. Das Friedensgebet in Assisi oder auch das Küssen eines Korans sind keine Kernbestandteile des katholischen Glaubens. Selbst der jetzige Papst soll seine Zweifel an manchem ökumenischen Übereifer offen geäußert haben. Er ist deshalb noch kein Piusbruder oder Sektierer. Nicht wenige Teile auch der kirchlichen, spezifisch deutschen Öffentlichkeit und des sie bedienenden Establishments neigen hier zu schnellen Verurteilungen und zum Hinweis darauf, dass bestimmte Handlungen oder Schritte nun „alternativlos“ seien. Doch Alternativlosigkeit ist nicht das Programm des gläubigen Christenmenschen. Das geflügelte Wort von der weiten Kuppel des Petersdoms hat Kardinal Schönborn einmal auf seine Erzdiözese Wien angewandt, wenn er angesichts des Richtungsstreits innerhalb der österreichischen Bischofskonferenz davon spricht, dass das Dach des Stephansdoms weit sei und viele, sehr unterschiedliche Katholiken darunter ihren Platz fänden.

Böse Zungen legen das als Einladung zum Relativismus und zur Beliebigkeit aus. Doch entspricht es der katholischen Tradition, den offenen Widerspruch zuzulassen, wenn er nicht Kern-Inhalte des Glaubens betrifft. Bei den Gesprächen in Rom können viele Fragen diskutiert werden, doch wird es auch dort am Ende zum Schwur kommen. Die Piusbruderschaft muss sich entscheiden, ob sie eine Eingliederung in die Katholische Kirche und damit unter den Primat des Papstes will oder nicht. Zu einer Eingliederung gehört etwa auch die Akzeptanz gegenüber dem Prinzip der Ortskirche, wonach die Bruderschaft wieder stärker den Kontakt zum jeweiligen Ortsbischof suchen muss und nicht auf „mehr Verständnis“ in Rom verweisen kann. Man geht davon aus, dass es auf die Einrichtung einer weiteren Personalprälatur hinauslaufe. Das entspräche einer Diözese bezogen nicht auf ein Territorium, sondern auf seine Mitglieder. Die einzig bisher bestehende Institution dieser Art, das Opus Dei, ist auch dazu angehalten, bei Eröffnung einer Vertretung den Kontakt zum jeweiligen Ortsbischof alsbald möglich aufzunehmen. Dazu muss auch die Bruderschaft bereit sein, denn eines muss in jedem Fall verhindert werden: Die Einrichtung einer Kirche in der Kirche. Dass es nicht so kommt, ist eine Frage des Willens. Papst Benedikt XVI. hat diesen Willen gezeigt und dafür innerhalb wie außerhalb der Kirche viel Gegenwind in Kauf genommen. Nicht nur mit Blick auf die Bruderschaft, aber sicher auch unter Berücksichtigung ihrer Anliegen hat er für den alten Gebrauch des römischen Ritus seine Autorität eingebracht. Er hat damit über das zu erwartende Pensum hinaus seinem Amt entsprochen. Eine Einigung nach so langen Jahren der Trennung braucht die Bereitschaft zu solch einem Kraftakt. Mit der Einberufung von Gesprächen über theologische, nicht bloß kirchenrechtliche Fragestellungen zeigt Benedikt XVI., dass natürliche Autorität für ihn nicht nur durch das Amt, sondern auch durch die Kraft der Argumente erzeugt wird. Es wird sich zeigen, ob man auf Seiten der Bruderschaft auch bereit ist, den notwendigen Willen zu entwickeln und andere Argumente als die eigenen zuzulassen.



Artikel weiterlesen  
ANZEIGE


Kommentare (0)




 
  Kommentare (0)


Kommentar schreiben

*=Pflichtfelder

CAPTCHA*

Bitte Geben Sie für die Freischaltung das Ergebnis ein:

Click to reload image
 
 
 



Spruch des Tages
"Sei nicht reich durch Unrecht."
- Thales von Milet

ANZEIGE

Umfrage

Sollte Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten?






Ergebnis

Würden Sie sich für die Einführung eines "Nord-Euro" aussprechen?






Ergebnis


Interviews

Hedwig Freifrau von Beverfoerde Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren!
Hedwig Freifrau von Beverfoerde
Sprecherin Initiative Familienschutz

Alfred Zellfelder ESM schwere Belastung für nächste Generationen
Alfred Zellfelder
Landesvorsitzender Freie Wähler Schleswig-Holstein

Mehr Interviews


Empfohlene Blogs

author Beatrix von Storch
Der finale ESM-Vertrag - Ende von Demokratie und Parlamentsvorbehalt

author Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel
Diekmann for President!

author Albrecht Prinz von Croy
Warum Deutschland eine Verfassungsreform braucht

author Vera Lengsfeld
Rettet das Bundespräsidentenamt- nehmt Gauck !

author Stefan Fuchs
Verrat an der Wissenschaft: Kathederpropheten vergreifen sich am Betreuungsgeld


Video

EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von EU: Treaty of debt - stop it now! (engl. Version von

Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de Stoppt EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)! auf Abgeordneten-Check.de

"Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de) "Otto von Habsburg über die christlichen Fundamente und die Seele Europas" von Kirche in Not (kirche-in-Not.de)

Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag Carlos A. Gebauer spricht über den ESM-Vertrag

Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen" Jean-Claude Juncker: "Wenn es ernst wird, muss man lügen"


Galerien

Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität? Podiumsdiskussion: ESM-Vertrag - Der Weg in die Schuldenunion? Abschaffung von Demokratie und Souveränität?

Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test Mahnwache vor dem Bundestag: Stoppt EU-Schuldenunion test


Reportage

Wer errechnet eigentlich die Inflation? Wer errechnet eigentlich die Inflation?

Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen." Hans-Olaf Henkels Euro-Aufklärungstour: "Es gibt Alternativen."

Mehr Reportagen


Empfohlene Beiträge

Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse Schäuble dementiert Lockerung der Schuldenbremse

Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs Monti distanziert sich von Merkozys Eurokurs


Meist gelesen
  1. Bundesbank zwei- felt an Fiskalpakt
    02.02.2012 08:41
  2. Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren! Interview Hedwig von Beverfoerde
    01.02.2012 11:15
  3. Nichts als eine üble Räuberbande
    03.02.2012 12:48
  4. ESM-Video in 12 Sprachen übersetzt und über 750.000 mal angesehen
    02.02.2012 22:10
  5. Schäuble legt sich bei Schuldenschnitt quer
    03.02.2012 09:16

Aktueller Goldpreis


Aktueller Silberpreis


Schlagworte

Deutschland Wetter




Finanzkrisen
EU will Finanz- poker verringern
EU plant Sperrkonto für Griechenland
EU-Kommission will deutsches Rentenalter weiter erhöhen
Nahost-Konflikt
Iran baut militärische Drohkulisse auf
Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen?
USA rechnen mit Konflikt am Golf
DDR-Unrecht
Stasi-Unterlagen: 20 Jahre - 2,8 Millionen Akten-Einsichten
"Von oben" verordneter EU-Unionsstaat birgt totalitäre Tendenzen
CSU-General Dobrindt fordert Überwachung der Linkspartei
Allgemein
Inflation stagniert auf hohem Niveau
Google-Nutzer werden noch transparenter
Merkel lobt Wulffs "Offenheit"
Bildung
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
"Von Krise zu Krise gesteigert" - Interview mit Dr. Bernd F. Schulte
Rezension: Deutsche Policy of Pretention
Reformen
Athens Umschuldung kostet Deutschland Milliarden
EU-Ratspräsident gegen EU-Finanzminister
Troika legt Athen an die Kette
Wirtschaftspolitik
EU-Kommission will deutsches Rentenalter weiter erhöhen
Baden-Württemberg erwägt Klage gegen Länderfinanzausgleich
Athens Umschuldung kostet Deutschland Milliarden
Familie
Seelisch-Moralische Unversehrtheit der Kinder bewahren! Interview Hedwig von Beverfoerde
Lebensschützer demonstrieren in Washington
Familienschutz fordert Prüfung der Lehrinhalte zur Sexualerziehung in Berlin
Autoindustrie
Daimler fährt Rekordgewinn ein
Sprit so teuer wie nie
Aral hält Bezinpreis künstlich hoch
Wahlen
FDP bleibt im Umfragetief
Santorum gewinnt drei Vorwahlen
Merkel nach Sarkozy-Interview in der Kritik
1945-49/Verfassungsbruch1990
Ein politisch tatsächlich bedeutsames Plagiat: Der Verfassungsbruch von 1991
Demonstrative Einigkeit um Zentrum für Vertriebene
Deutscher Richter: Bananenrepublik in Sichtweite
Justiz
Umstrittenes EU-Urheberschutzgesetz blockiert
Europarat gegen Euthanasie
Weiter Streit um Vorratsdatenspeicherung

Nach Oben  |  Impressum  |  Home  |  Politik  |  Wirtschaft  |  Lebenswelt  |  RSS RSS
© FreieWelt.net 2008